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Chorwerke großer Meister
Hans Leo Haßler
agenda
Chorwerke großer Meister 3
Heribert Limberg (Hrsg.)
Chorwerke großer Meister
Hans Leo Haßler
agenda Verlag
Münster
2015
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in
der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten
sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar
Die Reihe Chorwerke großer Meister erscheint mit Unterstützung der
Deutschen Gesellschaft für Westfälische Kultur
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[email protected], www.agenda.de
Layout und Satz: Dirk Jaehner
Umschlaggestaltung: Frank Hättich
Druck und Bindung: TOTEM
ISBN 978-3-89688-461-9
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
5
Vorwort
7
Geistlich
Vom Himmel hoch, da komm ich her
Gelobet seist du, Jesu Christ
Mit Ernst, o Menschenkinder
Da Jesus an dem Kreuze stund
O Haupt voll Blut und Wunden
O Mensch, bewein dein Sünde groß
Erstanden ist der heilige Christ
Christ ist erstanden
Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ
Nun lob, mein Seel, den Herren
Jesus Christus, unser Heiland
Cantate Domino
Herr, höre meine Worte
Wo Gott zum Haus nicht gibt sein
Gunst
Unsere Zuflucht, Gott, du bist
Helft mir, Gotts Güte preisen
Herr Christ, der einig Gotts Sohn
Gott der Vater, wohn uns bei
Es ist das Heil uns kommen her
Verleih uns Frieden gnädiglich
Man lobt dich in der Stille
Warum betrübst du dich, mein Herz?
Christ, unser Herr, zum Jordan kam
Gott sei gelobet und gebenedeiet
In Gottes Namen fahren wir
Christe, du bist der helle Tag
Mein Vertrauen
Vater unser im Himmelreich
Wir glauben all an einen Gott
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Weltlich
Herzlieb zu dir alleine
Mein Gmüt ist mir verwirret
Jungfrau, dein schön Gestalt
Feinslieb, du hast mich gfangen
Das Herz tut mir aufspringen
Nun fanget an!
All Lust und Freud
Ich brinn und bin entzündt
Ach weh des Leiden
Tanzen und Springen
Im kühlen Maien
Ach Fräulein zart
Mein Herz, das mir hast g’stohlen
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Alphabetisches Inhaltsverzeichnis
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Hans Leo Haßler
Leben und Werk
Hans Leo Haßler, geboren 1564 in Nürnberg und gestorben 1612 in Frankfurt,
entstammt einer musikalischen Großfamilie. Auch seine Brüder Caspar und Jakob schlugen eine musikalische Laufbahn ein. Ihr Vater Isaak Haßler, der – aus
Joachimsthal im Erzgebirge kommend –, seit 1554 in Nürnberg lebte, war von
1558 bis 1591 Organist an der dortigen Spitalkirche.
Das berühmteste Mitglied dieser Kirchenmusikerfamilie ist jedoch Hans Leo,
der seine musikalische Ausbildung zunächst von seinem Vater Isaak erhielt.
1584 ging Hans Leo als Musikstudent nach Venedig, um bei Andrea Gabrieli
die italienische Musik kennen und schätzen
zu lernen. Schon ein Jahr später wurde er
Organist am Augsburger Dom und Kammerorganist des Handelshauses Fugger.
1595 wurde er wegen seiner Tüchtigkeit
und Berühmtheit von Kaiser Rudolf II.
zusammen mit seinen Brüdern geadelt und
durfte den Titel „Haßler von Roseneck“
tragen.
Neben seinen Musikverpflichtungen
beschäftigte sich Haßler mit der Konstruktion von Musikautomaten. Um 1600
Hans Leo Haßler. Stich aus dem
wurde er vom Rat der Stadt zum Leiter der
Jahr 1593 von Domenicus Custos.
Stadtpfeifer gewählt und erhielt 1602 den
Titel eines kaiserlichen Hofdieners und
Kammerorganisten.
Er verlegte im Jahr 1605 seinen Wohnsitz nach Ulm. Wegen seiner Berühmtheit
wurde er hier in die Zunft der Kaufleute aufgenommen. 1608 trat er in den
Kursächsischen Hofdienst ein. Seine Aufgaben in Dresden waren der Orgelbau
und die Begutachtung neuer Orgeln. Vier Jahre später, im Juni 1609, starb Hans
Leo Haßler, inzwischen als Kapellmeister in Diensten des Kurfürsten Johann
Georg I. von Sachsen, bei der Krönung des Kaisers Matthias in Frankfurt.
Das Werkverzeichnis Hans Leo Haßlers weist vor allem hinsichtlich der Chormusik einen respektablen Umfang auf.
Die wichtigsten Werke sind
1588: Zwei Motetten zu 8 und 12 Stimmen in Lindners Continuatio cantionum. Erstes gedrucktes Werk Haßlers.
1590: Ein Buch Cantiones, 24 4st. Canzonetten
1591: Cantiones sacrae, 48 4-8st. Lateinische Motetten
1596: Madrigali, 5-8st.
1596: Neue teutsche gesang
1596: 33 italienische Madrigale, 4-8st.
1599: Missae, 4-8st.
1601: Sacri concentus, 44 4-12st. Vokalsätze
1601: Lustgarten neuer teutscher Gesäng, 39 vokale und 11 instrumentale Sätze.
Darunter die Melodie O Haupt voll Blut und Wunden. Dieses Lied wurde bereits 1601 parodiert als Herzlich tut mich verlangen (s.u.).
1601: Neuveröffentlichung des Lustgartens
1607: Psalmen und christliche Gesäng, Evangelische Kirchenlieder fugweis komponiert.
1608: Psalmen und Christliche Lobgesänge, simpliciter gesetzet.
1613: Venusgärtlein, 100 Lieder von 1596 und Liedsätze von Valentin Hausmann
1615: Posthume Herausgabe von 20 Motetten als Reliquiae Sacrorum continuum, darunter auch solche von G. Gabrieli.
1619: Litaney, teutsch, doppelchörig, sowie weitere Ausgaben bis
1630 in Einzelstücken
Kanzone oder Canzone (Canzonette) bezeichnet einen zumeist einfachen Chorsatz (Note
gegen Note) mit lyrischem Text. Das Tempo ist meist schnell oder tänzerisch. Die Canzone
entwickelte sich in Italien im 13. bis 17. Jahrhundert. Sie ist stilistisch der Villanelle und dem
Madrigal verwandt. Kompositionen dieser Art schrieben u.a. Gabrieli, Cavazzoni, Ingegneri
und Gastoldi. J.J. Froberger und J.K. Kerll brachten die Canzone nach Deutschland, wo sie vor
allem von Haßler, Aichinger, Haussmann und Demantius bis hin zu Buxtehude und J.S. Bach
eine bedeutsame Weiterentwicklung erfuhr. Neben Canzonen für Chor gibt es auch solche für
Instrumente.
Vom Liebeslied zum christlichen Passionsgesang
Zum Vergleich sind nachfolgend jeweils die ersten Strophen der drei Stationen
des Chorals O Haupt voll Blut und Wunden aufgelistet. Die Urfassung steht im
Lustgarten von 1601 mit dem Text „Mein Gmüt ist mir verwirret, das macht ein
Jungfrau zart“.
1. Station
Mein Gmüt ist mir verwirret, das macht ein Jungfrau zart,
bin ganz und gar verirret, mein Herz, das kränkt mich hart.
Tu stets seufzen und weinen, in Trauer schier verzag.
Hab Tag und Nacht kein Ruh, führ allzeit große Klag.
Tu stets seufzen und weinen, in Trauer schier verzag.
Text und Melodie – von Haßler verfasst – erschienen zuerst im Lustgarten von
1601. Der Text wurde von seinem Autor zu einem akroistischen Liedtext geformt. Er bildet gewissermaßen die Urfassung des berühmten Chorals.
2. Station
Herzlich tut mich verlangen nach einem sel’gen End,
weil ich hier bin umfangen mit Trübsal und Elend.
Ich hab Lust abzuscheiden von dieser argen Welt,
sehn mich nach ew’gen Freuden, o Jesu, komm nur bald.
Während der Text von Christoph Knoll (1568-1621) stammt, wurde die Melodie Haßlers original übernommen. Es zeigt sich, dass die Textfassung Knolls zu
der von Haßler kaum gegensätzlicher sein kann. Sie erschien schon kurz nach
der ersten Veröffentlichung.
Akrostichon ist ein Lied- oder Gedichttext, bei dem die Anfangsbuchstaben der jeweiligen
Strophen alphabetisch geordnet sind oder zusammen gelesen ein Wort, einen Namen oder auch
Wunsch ergeben. Im Fall des fünfstrophigen Textes von Mein Gmüt ist mir verwirret lautet das
Wort „MARIA“.
3. Station
O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn,
o Haupt, zu Spott gebunden mit einer Dornenkron,
o Haupt, sonst schön gezieret mit höchster Ehr und Zier,
jetzt aber hoch schimpfieret, gegrüßet seist du mir.
Dieser dritten Version des von Paul Gerhardt 1656 gedichteten Textes wurde wiederum die originale Melodie Haßlers von 1601 beigegeben. Hierdurch
wurde das Lied zum beliebten Passionschoral in beiden großen christlichen
Kirchen. Dazu haben sicherlich der großartige fünfstimmige Chorsatz Haßlers
und zahlreiche weitere Bearbeitungen bekannter Komponisten, u.a. Johann Sebastian Bach, beigetragen. So wurde das Lied nicht nur für die deutsche Liedgeschichte unsterblich. Es rangiert heute an der Spitze aller Passionslieder.
Dem Text von Paul Gerhardt liegt die alte originale Fassung des Salve caputcruentatum von Arnulf von Löwen von vor 1250 zugrunde.
Bis heute verlangt die kompositorische Meisterschaft Haßlers, die klangprächtige Musik und die persönliche Musiksprache Hörern wie Chorsängern höchste
Bewunderung ab. Daher gilt der Komponist zu Recht als eine weithin leuchtende Lichtgestalt der deutschen Musikgeschichte.
Der Herausgeber
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T.+W.: Martin Luther, 1535
S.: Hans Leo Haßler, 1608
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4. Des lasst uns alle fröhlich sein
und mit den Hirten gehn hinein,
zu sehn, was Gott uns hat beschert,
mit seinem lieben Sohn verehrt.
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5. Lob, Ehr sei Gott im höchsten Thron,
der uns schenkt seinen einigen Sohn;
des freuet sich der Engel Schar
und singen uns ein neues Jahr.
(gekürzt)
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