Wie ist das mit der Zungenrede?

Wie ist das mit der Zungenrede?
Eine Arbeit von Maurits Malgo
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
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1. Wie offenbart sich die charismatische Form der
Zungenrede?
2
2. Göttliche Zungenrede oder doch etwas
anderes?
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3. Kirchengeschichtlicher Zugang zur
Zungenrede
4
4. Ist die moderne Form der Zungenrede eine
Sprache?
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5. Was sagt die Bibel zum Thema?
5.1. verschiedene biblische Stellen
5.2. Über die Gemeinde in Korinth und
1.Korinther 12-13
5.3. 1.Korinther 14
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6. Zusammenfassung und Fazit
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Quellen
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Einleitung
Die Gabe der Zungenrede ist zur Zeit in christlichen Kreisen eine der umstrittensten und immer
wieder heiß diskutiertesten Gaben des Heiligen Geistes. Die einen sagen, es gibt sie nicht mehr, die
anderen, es gibt sie wohl, doch nicht in der Form, die heute praktiziert wird, und wieder andere sind
davon überzeugt, dass es in der Form von heute eine absolute Gabe des Geistes ist.
Doch wer hat nun recht? Und gibt es dafür auch eine eindeutige biblische Lehre?
Es gibt die Ansicht, dass die Geistesgaben der Zungenrede und der prophetischen Rede und noch
einige andere Gaben apostolische Gaben waren und dass diese nicht mehr praktiziert werden
können. Diese Ansicht nennt man Cessationismus, dem gegenüber steht der Kontinuationismus
(oder irgendwie so). Mit dem Cessationismus kann man alle Zungenrede als nicht von Gott ab tun
und die Debatte hat sich erledigt. Ich weiß nicht, ob ich diesem theologischen Konzept zustimmen
kann oder nicht. Denn ich kenne durchaus Berichte, in denen Missionare in der Volkssprache
gepredigt haben, ohne diese zu können. Und ehrlich gesagt, möchte ich mich damit in dieser
Debatte auch nicht auseinander setzen. Gehen wir einmal davon aus, dass die Gabe der Zungenrede
bis heute besteht. Dann ist also die Frage nicht, ob die Zungenrede der charismatischeren Christen
allein durch deren Existenz gottlos ist, sondern, ob die Zungenrede, so wie sie heute praktiziert
wird, göttlich und biblisch ist oder nicht.
Anhand dessen möchte ich mich in dieser Ausarbeitung orientieren. Doch bevor ich mich
theologisch darauf einlasse, scheint es mir unausweichlich, die geschichtlichen Hintergründe der
Zungenrede zu beleuchten. Und allein diese sollten eigentlich die Frage, ob Zungenrede, so wie sie
heute fast ausschließlich praktiziert wird, von Gott ist, beantworten. Wer direkt in den biblischen
Teil springt, wird vermutlich mit der Antwort nicht zufrieden sein. Erst das gesamte Bild gibt, wie
das nun mal so ist, das gesamte Bild.
Diese Arbeit erhebt übrigens nicht den Anspruch, wissenschaftlichen Kriterien standzuhalten.
Meine Recherche enthält auch Links, die einem wissenschaftlichen Standard wohl kaum
entsprechen. Daher „Prüft alles, das Gute behaltet“ (1.Thessalonicher 5,21)
1. Wie offenbart sich die charismatische Form der Zungenrede?
Bevor wir mehr in die Tiefe einsteigen, sollten wir genauer klären, wie sich moderne Zungenrede
äußert. Dabei soll dies völlig wertfrei geschehen.
Wer auf Youtube nach Zungenrede sucht, wird eine Vielzahl an Videos finden. Sowohl Anleitungen
dazu als auch Zeugnisse und Anschauungsvideos (und noch mehr). Die Zungenrede stellt sich dar
als ein Gebrabbel, eine Aneinanderreihung von Silben und Lauten, ein spontanes und unüberlegtes
Äußern von (zumindest für uns) bedeutungslosen Klangfetzen. Die Zungenrede geht oft – aber nicht
immer – einher mit starken emotionalen Äußerungen und Reaktionen. Gerade die in Gemeinden
oder Versammlungen spontan praktizierte Zungenrede wirkt sehr emotional und ekstatisch.
Um die Gabe der Zungenrede zu erhalten und durchführen zu können, gilt es, verschiedene
Bedingungen zu erfüllen. Zwischen dem einen oder anderen Ausleger differieren hierbei manche
Details, doch im Großen und Ganzen sind die Bedingungen einheitlich.
Es sei zuerst sehr wichtig, dem Heiligen Geist allen Raum in sich zu geben. Dies könne sowohl
durch inniges persönliches Gebet oder durch eine vom Pastor initiierte Geistestaufe geschehen.
Als nächstes müsse man sich selbst in eine Form der völligen Hingabe oder auch Ekstase bringen,
indem man ganz im Lobpreis aufgehe. Daraufhin solle man entweder die Zunge frei hängen lassen
und das Reden des Geistes ausatmen oder die Zunge selbst bewegen und den Geist in sich wirken
lassen (hier unterscheiden sich manche Anleitungen).
Was hierbei heraus kommt, so Befürworter und Vertreter der Zungenrede, sei eine himmlische,
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geistliche Sprache, die nur Gott verstehen könne. Außerdem sei es durchaus möglich, erst in die
Gabe hineinwachsen zu müssen, also schrittweise differenzierter in den Lautäußerungen zu werden.
Wichtig bei dieser Form der Zungenrede ist, dass jeder, der ein Christ ist, dies machen können
sollte. Erst das Reden in Zungen bezeuge die wahrhaftige Taufe mit dem Heiligen Geist. Auch sei
dieses Gebet in Zungen primär zur persönlichen Auferbauung und benötigt daher nicht zwingend
eine Auslegung.
2. Göttliche Zungenrede oder doch etwas anderes?
Nachdem nun die Grundlagen erörtert sind, wollen wir uns mit der vermeintlichen Göttlichkeit
beschäftigen.
In 2.Korinther 11,14 heißt es, dass Satan sich verstellt als Engel des Lichts, als eine Lichtgestalt, die
im Namen Gottes kommt. Über Gott heißt es aber in 1.Johannes 1,5, dass Gott Licht ist. Er ist nicht
nur ein Wesen des Lichts, er ist das Licht und damit so viel mächtiger und auch herrlicher als Satan.
Auch das Wirken seines Geistes, sein Wirken ist also mächtiger und herrlicher als das des Satans.
Denn so sehr Satan sich auch als das Licht zu verstellen versucht, er kann doch nur wirken wie ein
Engel des Lichts.
In 2.Mose 7,8-13 stellt Mose sich zum ersten Mal dem Pharao gegenüber, um das Volk Israel
einzufordern. Dabei gibt Gott ihm das Zeichen, dass er Aarons Stab in eine Schlange verwandeln
soll, um dem Pharao die Göttlichkeit des Befehls zu beweisen. Nun ist es so, das die Zauberer des
Pharaos das selbe tun. Auch sie verwandeln ihre Stäbe in Schlangen, um zu zeigen, dass ihr Gott
genau so mächtig ist. Doch die Schlange aus dem Stab Aarons verschlingt die anderen Schlangen
und beweist dadurch, dass der wahr Gott mächtiger ist. Das Wunder, das Gott tut, ist am Ende
größer als ein ähnliches Wunder, das dämonische Mächte vollbringen können.
So geht es auch weiter mit den ersten Plagen. In der ersten Plage verwandelt Gott durch Mose und
Aaron das Blut des gesamten Nils in Wasser, die Zauberer machen es nach. In der zweiten Plage
lässt Gott durch Mose und Aaron Frösche über Ägypten kommen, die Zauberer machen es nach. In
der dritten Plage lässt Gott durch die beiden Mücken über das Land kommen und hier scheitern die
Zauberer des Pharaos bereits. Doch Gott vollbringt noch sieben weitere Plagen, allesamt können
von den Mächten Satans, auf die die Zauberer zurückgreifen, nicht nachgemacht werden. Es zeigt
sich, Gott ist viel mächtiger als das Wirken anderer Mächte und Götzen.
Ich denke also, dass es angemessen ist, davon auszugehen, dass die Zungenrede als Gabe des
Geistes ähnlichen Phänomenen in anderen Kulten, Religionen oder was auch immer überlegen ist.
Daher betrachten wir im Folgenden einmal andere Berichte über verschiedene Formen der
Zungenrede.
Bereits Virgil berichtet von sibyllinischen Priesterinnen, die sich mit dem Gott Apollo verbanden
und in seltsamen Zungen sprachen (amazingdiscoveries.org). Genauso war es auch mit dem Orakel
zu Delphi, wo die Dienerinnen des Orakels auf Anfrage zu tanzen und brabbeln anfingen. Ein
Priester übersetzte anschließend das Gehörte. (ecstaticspeech.blogspot.co.at)
Auch Plato berichtete von sogenannter Zungenrede. Er berichtet von einem ekstatischen Phänomen,
inspirierten mündlichen Äußerungen und dem größten Segen, dem von Göttern geschenkten
Wahnsinn (Ecstatic Prophecy, Stacey Campbell et al). Diese Äußerungen standen manchmal im
Zusammenhang mit Heilungen.
In afrikanischen Stämmen ist Zungenrede schon seit Jahrhunderten gängig und keine Seltenheit.
Auch in hinduistischen Kulten war und ist Zungenrede keine Seltenheit. Am imposantesten ist hier
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vielleicht das sogenannte Kundalini Erwachen, welches zusätzlich zur Zungenrede alle (!)
ekstatischen Zeichen der Erfüllung des Heiligen Geistes in charismatischen Gemeinden aufweist,
wie Zuckungen und Windungen, Umfallen auf den Rücken, Kontrollverlust, hysterisches Lachen,
überschießende Emotionen, Ohnmacht, und so weiter.
Aus dem Hinduismus heraus, bzw. aus meditativen Zugängen ist es nur ein kleiner Schritt zur
Zungenrede. So gibt es eine sogenannte Aktivierung oder Erleuchtung durch die meditative Sprache
des Lichts, indem man mit dem Erzengel Michael oder sonstigen kanalisierten höheren Wesen
kommuniziert, bzw. diese durch sich kommunizieren lässt. Diese Form der Zungenrede ist nahezu
ident mit der charismatischen Form der Zungenrede. Diese sogenannte Sprache des Lichts wird
auch als eigene Sprache der Liebe, als Sprache der Vibration geführt, um eine Art Seelenfrieden zu
erreichen. Auch hier gibt es verschiedene Zugänge.
Doch Zungenrede – oder eine Aberration davon – findet sich auch völlig losgelöst von einem
spirituellen oder religiösen Kontext. So habe ich auch eine bewusste Verwendung der Zungenrede
gefunden, mit der man im Körper gefangene Emotionen loslösen und ausschwemmen kann.
All diese Formen der Zungenrede sind identisch mit der der charismatischen Bewegung. Kann diese
also wirklich vom Heiligen Geist inspiriert sein? Sollte sich nicht viel mehr eine Überlegenheit der
Zungenrede in christlichen Kreisen herausstellen? Denn Gottes Wirken ist mächtiger als das der
Dämonen. Dennoch scheint das Zungenreden in heidnischen oder meditativen und damit
dämonischen Formen exakt das gleiche zu sein, wie bei den Christen.
Nun kann man natürlich sagen, dass es die Wirkung des Geistes im Menschen ist, die den
Unterschied macht. Die persönliche Ermutigung durch den Heiligen Geist wirke deutlich stärker als
das, was sich bei nichtcharismatischer Zungenrede an Emotionen, Wirkungen, Vertiefungen, und so
weiter entfalte.
Dieses Argument ist aber irrelevant. Denn erstens ist eine solche Aussage nicht haltbar und zweitens
wirken die Folgen der klar dämonischen Zungenrede zumindest auf Außenstehende genau gleich.
Und zu guter Letzt bin ich in einem islamischen Forum auf die interessante Aussage eines Moslems
gestoßen, dass dieser eine Zeit lang eine Pfingstgemeinde besucht und ebenfalls in Zungen geredet
habe. Ob man dem nun Glauben schenken mag oder nicht ändert nichts an der Tatsache (!), dass
nicht viel dazu gehört, um diese Form der Zungenrede auch ohne den Heiligen Geist zu
praktizieren.
3. Kirchengeschichtlicher Zugang zur Zungenrede
Es ist immer interessant, bei gerade solch schwierigen Themen, in die Kirchengeschichte zu
schauen und zu sehen, was die großen Männer Gottes in den Anfängen der Kirche über eben jenes
Thema sagten.
Irenaeus (ca. 130-202 n.Chr.) schrieb: „Wir sprechen Weisheit unter denen, die perfekt sind, wobei
jene, die „perfekt“ sind, den Geist Gottes erhalten haben und die durch den Geist Gottes in allen
Sprachen sprechen, so wie er selbst zu sprechen gewohnt war. Auf diese Art hören wir also viele
Brüder in der Kirche, die prophetische Gaben besitzen und durch den Geist alle möglichen
Sprachen sprechen […].“ (nach Rev. Mel C. Montgomery)
Tertullian (ca. 155-230 n.Chr.) schrieb in einer Anklage gegen den Häretiker Marcion: „Lass
Marcion dann als Gaben seines Gottes aufzeigen einige Propheten, welche nicht mit menschlichem
Verstand, sondern mit dem Geist Gottes gesprochen haben, welche sowohl Geschehnisse
vorhergesagt als auch die Geheimnisse des Herzens bekundet haben; lass ihn einen Psalm, eine
Vision, ein Gebet hervorbringen – aber hervorgebracht durch den Geist, in einer Ekstase, das heißt
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in einer Entrückung, wann immer ihm eine Auslegung der Zungen offenbart wurde; … All diese
Zeichen (geistlicher Gaben) kommen von meiner Seite ohne Schwierigkeiten und stimmen
außerdem überein mit den Regeln, dem Dispens und den Anleitungen des Schöpfers.“ (nach Rev.
Mel C. Montgomery und „Glossolalia“ auf en.wikipedia.org)
Ambrosius (ca. 340-397 n.Chr.) schrieb über 1.Korinther 12,28: „Sieh, Gott hat Apostel eingesetzt
und Propheten und Lehrer, gab ihnen die Gabe der Heilung, welche wie oben gesagt vom Heiligen
Geist gegeben ist; er gab verschiedene Formen von Zungen … Nicht alle, sagt er, haben die Gabe
des Heilens, genausowenig sprechen alle in Zungen … so wie der Vater die Gabe der Zungen gibt,
so hat auch der Sohn sie gestattet.“ (nach Rev. Mel C. Montgomery)
Es gibt auch Kirchenväter wie Chrysostom (ca. 344-407 n.Chr.) und Augustinus von Hippo (ca.
354-430 n.Chr.), die der Meinung waren, diese Gaben des Geistes hätten aufgehört in der Kirche zu
wirken.
Etwas, was aber ein Großteil dieser und anderer historischer Aussagen geistlicher Größen
gemeinsam haben, ist die Beschreibung der Zungenrede als ein Reden in verschiedenen
tatsächlichen Sprachen, die ausgelegt oder verstanden werden können. Es scheint nicht viel
gemeinsam zu haben mit der Zungenrede, wie sie heute in den charismatischen Gemeinden
praktiziert werden.
Doch, so könnte man jetzt einwenden, widerspricht dies ja nicht der Aussage, die moderne Form sei
eine himmlische Sprache, die auch ausgelegt werden müsse.
Sicherlich kann man darüber streiten. Für mich ist es eindeutig, dass in der früheren Kirche die
Rede von irdisch existenten Sprachen war. Doch ich war nicht da und kann es nicht beweisen.
Interessanterweise gibt es aber ein Ereignis, das der modernen Zungenrede gleicht und von dem
ausführlich berichtet wurde.
Ein gewisser Montanus (irgendwann um 150 n.Chr. Herum) sah sich selbst als Prophet Gottes und
praktizierte mit zwei Prophetinnen, Prisca und Maximilla verschiedenes an sogenannten
Geistesgaben. Sie sprachen in Ekstase, hatten Prophetien und Visionen und redeten ebenfalls in
Zungen. Ihre Nachfolger sollten durch Gebet und Fasten die selben Gaben empfangen.
Die Propheten bezeichneten sich selbst nicht als Gesandte Gottes sondern als von Gott besessen und
unfähig dem zu widerstehen.
Über die Form der Zungenrede bei Montanus schrieb Eusebius: „Er wurde von einem Geist
besessen und begann plötzlich in einer Art ekstatischer Trance zu rasen und in einem Kauderwelsch
zu plappern...“ (nach „Glossolalia“ auf en.wikipedia.org)
Diese ganze Beschreibung zusammen mit dem Verhalten der Propheten und dem der Nachfolger
entspricht ganz dem der heutigen Form von Zungenrede in Pfingstgemeinden. Also ein Beweis für
die tatsächliche Göttlichkeit? Lesen wir dazu weiter, was Eusebius noch zu sagen hat: „... und in
einem Kauderwelsch zu plappern, in einer Art zu prophezeien, die gegen die Gewohnheit der
Kirche geht, die durch Tradition von den frühesten Zeiten weitergereicht worden war.“
Tatsächlich wurde Montanus als Häretiker gehandelt. Die Propheten wurden als falsche Propheten
gesehen, weil sie irrational handelten und nicht Herr ihrer Sinne waren.
Die einzige kirchengeschichtliche Referenz (die ich gefunden habe), die die heutige charismatische
Form der Zungenrede unterstützen könnte, ist ein vernichtendes Urteil.
Erst in der neueren Kirchengeschichte liest man wieder von der Gabe der Zungenrede.
So gab es zum Beispiel eine militante protestantische Gruppe im späten siebzehnten Jahrhundert in
den Cevennen in Frankreich. Diese wurden unter anderem auch bekannt für Prophezeien, Visionen
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und Zungenrede. Doch ihr geschichtliches Erbe waren ihre politisch militanten Aktionen, nicht die
Lehren. Von den Prophetien sind übrigens kaum welche in Erfüllung gegangen. Sie wurden
schlussendlich von der Katholischen Kirche verfolgt und getötet (MacArthur).
Oder man liest von Zungenrede – wichtiger – bei Edward Irving (1792-1834), Pastor der
presbyterianischen Kirche von Schottland, war der Meinung, dass der Heilige Geist in erneuter
übernatürlicher Weise wirken würde wie zu Zeiten der Apostel, wenn das Ende nahe gekommen sei.
Eine Form dieses Wirkens sei die Zungenrede. Er erwartete dies alles sehr bald. Als dann eine
gewisse Mary Campbell in Zungen sprach, war für ihn das Wirken des Geistes eindeutig. Er
beschrieb dieses Zungenreden folgendermaßen: „Mitten in ihrer Hingabe kam der Heilige Geist mit
großer Kraft auf die kranke Frau, so wie sie in ihrer Schwachheit lag, und zwang sie für lange
Dauer und mit übermenschlicher Kraft in einer unbekannten Sprache zu reden, zur Verwunderung
aller, die es hörten und zu ihrer eigenen Erbauung und Freude in Gott, - „denn derjenige, der in
Zungen redet, erbaut sich selbst.“ Sie erzählte mir, dass dieser erste Anfall des Heiligen Geistes der
stärkste war, den sie je hatte.“ (nach Charles A. Sullivans Blog) Dieses Ereignis gilt für manche als
der Beginn der modernen Zungenrede.
Irving selbst sah darin die Bestätigung seiner prophetischen Vorstellungen und vertrat die
Zungenrede als Geistesgabe. Er ließ sie mit der Zeit in den Gottesdiensten zu, zum Ärgernis der
Gemeindeleitung. Er wurde schlussendlich als Pastor abgesetzt und aus der Kirche ausgeschlossen,
weil er die Ordnung mehrfach gestört habe. Zusätzlich wurde er aufgrund seiner Lehren über „Jesus
im Fleisch“ als Häretiker verurteilt.
Interessanterweise war die Hauptsorge der presbyterianischen Kirche gegenüber der Zungenrede
weniger eine theologische als mehr, dass sie die Ordnung der Gottesdienste störe und die Menschen
verwirre.
Dies entspricht in der Entscheidung aber durchaus der Bibel, in der es im Zusammenhang mit
Zungenrede heißt, dass Gott ein Gott der Ordnung ist und Verwirrung immer mit Gottlosigkeit,
Irrlehren oder Strafen einhergehen.
Der Charakter der Zungenrede bei Irving entsprach dem der heutigen Zungenrede. Anfangs war er
noch überzeugt, in tatsächlichen Sprachen zu reden, doch mit der Zeit kamen er und seine
Angehörigen darauf, dass dies nicht der Fall sei. Vielmehr war Irving später der Meinung, dass die
Sprachenrede, so wie sie in der Apostelgeschichte zu Pfingsten stattfand, nicht wiederholt werden
könne. Die Zungenrede seiner Zeit sei eine Sprache, die von keinem Menschen auf der Erde weder
gesprochen noch verstanden und nur durch unmittelbare Offenbarung verstanden werde. Die
Zungenrede sei eine himmlische Sprache. Hier liest man zum ersten mal (!) von der Auslegung,
dass bei der Zungenrede eine himmlische, nicht existente Sprache gesprochen werde.
Diese Entwicklung entspricht erneut dem modernen Verständnis der Zungenrede und auch sie
wurde aus der Kirche ausgestoßen (wenn auch aus anderen Gründen).
Ein Pastor dieser Bewegung, George Tarter beschrieb die Erfahrung der Zungenrede
folgendermaßen: „Ich wurde auf äußerst angenehme Art gehalten und wurde gezwungen singend
und pfeifend zu liegen; und dann zwischen ein und zwei Uhr aus dem Bett aufzustehen, um zu
tanzen; und so sang und tanzte ich zwei Stunden weiter … und wieso ich mich als singend
bezeichnete, ist weil ich folgendes (überwältigt von Freude) weinte: ha ha tall; toll lall derab la loll;
la dero tall derall tall toll dero tall aroll atoll loll loll dero. Auf diese Art brach (?) ich weiter... Ich
verlangte von meinem Bruder, der bei mir lag, auf mir zu liegen, und das tat er, versuchte mich still
zu halten, und ich schleuderte ihn hoch und hinunter und schüttelte so sehr, dass er mich nicht
fixieren konnte... Ich schaukelte ihn, als ob er in einer Wiege war.“ (nach amazing discoveries.org)
Hier erneut eine Erinnerung an die Kundalini Erweckung!
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Heutzutage wird die Zungenrede übrigens Glossolalie genannt, was mit Zungen sprechen übersetzt
werden könnte. Früher sprach man jedoch von Xenoglossie, was die Fähigkeit beschreibt, in
Sprachen zu reden, die man nicht kennt. Wieso hat sich das geändert? Definitionen oder Namen
ändern sich eigentlich nur mit der Form. Doch Gott ist immer der Selbe und sein Wirken und Wesen
im Geist auch. Wieso sollte sich also gerade bei einer solch bemerkenswerten Gabe des Geistes die
Form verändert haben?
4. Ist die moderne Form der Zungenrede eine Sprache?
Auch wenn sich die Kirchenväter, die mit der heutigen Form der Zungenrede konfrontiert waren,
einig sind, dass das Geplapper keine echte Sprache ist, so werden viele das nicht als ausreichendes
Argument nehmen.
Die Zungenrede, wurde bereits ausführlich von Sprachforschern und Anthropologen untersucht.
Diese stellten einheitlich fest, dass die moderne Form der Zungenrede keine Sprache ist. Die
Zungerede habe keine innere Struktur, keine logische Form oder Wiederholung der Laute, die eine
Wortabfolge vermuten ließen. So wie ein geschriebenes Wort erst dann ein Wort ist, wenn
Buchstaben in einer logischen Folge auftreten, ist ein gesprochenes Wort erst ein Wort, wenn Laute
in einer logischen Folge auftreten. Die oftmals ählichen und auch gleichen Laute in
unterschiedlicher Reihenfolge bieten keine Grundlage für tatsächliche Wort- und Satzbildungen.
Dr. William J. Samarin sammelte für fünf Jahre verschiedenste Sprachproben der Zungenrede und
analysierte sie. Seine Definition ist wie folgt: „Eine bedeutungslose aber phonologisch strukturierte
menschliche Äußerung, von dem der Sprecher glaubt, sie sei eine echte Sprache, obwohl sie
keinerlei systematische Ähnlichkeit zu irgendeiner natürlichen Sprache, lebendig oder tot, hat.“
(nach charlesdailey.net)
Der Widerspruch charismatischer Christen darauf lautet normalerweise, dass es sich ja um eine
göttliche, himmlische Sprache handle, und daher andere strukturellen, phonetischen und
grammatikalischen Regeln anzusetzen seien. Doch bei dem Argument vergisst man, dass Gott alle
Sprachen der Welt bei der Sprachenverwirrung zu Babel erzeugt hat (natürlich haben sie sich
weiterentwickelt, aber das Fundament bleibt). Sollte Gott, der bei allen irdischen Sprachen, die er
erfunden hat, und die alle ein ähnliches logisches Grundgerüst aufweisen, selbst eine Sprache
sprechen, die aller Logik trotz und seiner Schöpfung nicht im geringsten ähnelt? Wir sind doch auch
in seinem Bild erschaffen! Und man darf nicht vergessen, dass Gott, Jesus, und die Engel sich
immer verständlich artikuliert haben. Adam und Eva haben direkt mit Gott gesprochen.
Felicitas D. Goodman, eine Anthropologin, stellte außerdem fest, dass das phonetische Arsenal des
Sprechers und deren Abfolge in enger Verbindung mit der Herkunft der Person spricht. Die
Menschen greifen also immer nur auf den phonetischen Speicher der eigenen Sprache oder der
eigenen bekannten Klänge zurück. Daher klingt Zungenrede immer bei jedem anders.
Sollte man nicht meinen, dass eine universelle Sprache des Heiligen Geistes immer gleich klinge?
Immerhin, so Befürworter der charismatischen Zungenrede, sei es der Geist der durch die Person
bete und nicht die Person selbst.
In 4.Mose 22,28 befähigte Gott einen Esel dazu klar und deutlich zu reden. Ein Esel verfügt nicht
über das phonetische Arsenal der Menschen. Die Lautabfolge ist nicht in seinem Gehirn verankert.
Aber wenn Gott einen Esel befähigt sich sauber und richtig zu artikulieren, sollte das dann bei
einem Menschen nicht viel mehr gehen? Sollte das Wirken des Heiligen Geistes in einem Menschen
nicht zumindest genau so gewaltig und eindeutig sein wie bei diesem Esel?
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5. Was sagt die Bibel zum Thema?
5.1. verschiedene biblische Stellen
Ich brachte bereits das Beispiel mit Mose, Aaron und dem Pharao um zu zeigen, dass Gottes Wirken
größer sein muss als das der Dämonen. Doch das sieht man bei der pfingstlerischen Form der
Zungenrede nicht.
Dann sagte ich auch, dass Gott einen Esel zum reden brachte. Dieser redete auf einen Schlag und
das sauber und korrekt. Doch die Zungenrede bei den charismatischen Christen ist überall anders
und auf das persönliche Lautspektrum beschränkt.
Wer die Geistesgabe der Zungenrede erhalten möchte, der solle außerdem damit rechnen, dass er es
am Anfang noch nicht gut könne. Anfangs kämen vielleicht immer nur die selben Laute, erst mit der
Zeit und der Erfahrung käme die Vertiefung in ein weiteres Lautspektrum. Das steht aber im
Widerspruch mit dem Wirken Gottes. Der Esel Bileams redete sofort. Er hatte keine Stunde
Anlaufzeit, um sich in das menschliche Sprechen einzufinden.
Propheten, die vom Geist inspiriert redeten, redeten sofort. Auch sie mussten nicht erst Jahre üben,
bevor sie Gottes Worte aussprechen konnten.
Die Apostel zu Pfingsten redeten auch sofort.
Nun zu den Bibelstellen, an denen von Zungenrede gesprochen wird.
Es gibt nicht sonderlich viele. Und es ist daher wichtig, genau zu berücksichtigen weshalb und in
welchem Rahmen die Stellen dann jeweils stehen. Für mich ist es sehr bemerkenswert, dass in
keinem der Briefe an die Gemeinden die Rede von der Zungenrede als Gabe des Geistes ist, außer
im ersten Korintherbrief. Man sollte doch meinen, dass eine so weit verbreitete und offensichtlich
wichtige Geistesgabe zumindest ab und zu im Zusammenhang mit Geistegaben in den anderen
Briefen erwähnt wird. Doch dem ist bei weitem nicht so. Außerdem sprechen sowohl die
Geschichte als auch die Hintergründe für mich persönlich Bände, weshalb es mir so wichtig war
und ist, alle Kapitel dieser Arbeit zumindest überflogen zu haben, bevor man hier weiter liest.
Zum ersten mal liest man von der Geistesgabe der Sprachen in Markus 16,17-18: „Denen aber, die
zum Glauben gekommen sind, werden diese Wunderzeichen folgen (= dauernd zuteil werden): in
meinem Namen werden sie böse Geister austreiben, in (= mit) neuen Zungen reden, werden
Schlangen aufheben und, wenn sie etwas Todbringendes (oder: Giftiges) trinken, wird es ihnen
nicht schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie werden gesund werden.“
Jesus spricht davon, dass diejenigen, die glauben, unter anderem in neuen Zungen reden. Interessant
ist hier, dass Jesus von neuen Zungen spricht und nicht nur von einer Zunge. Daher liegt nahe, dass
er mehrere Sprachen gemeint hat und nicht nur die eine sogenannte himmlische, die in
charismatischen Kreisen exklusiv „gesprochen“ wird.
Auch sagt Jesus „Zungen“ und nicht „Sprachen“. Das ist keine Besonderheit, ist doch im alten
Sprachgebrauch das Wort Zunge oft gleichgesetzt mit dem Wort Sprache. Das Wort Zunge wird in
der Bibel verwendet für die anatomische Zunge, für Flammen (Feuerzungen), für Sprachen. Wieso
man also anfängt, plötzlich zwischen Zungenrede und Sprachenrede zu unterscheiden, wo doch die
Bibel dafür keinen Ansatz gibt, ist mir schleierhaft. Ich kenne einige Werke, die auf den
Unterschied detailliert eingehen. Vielleicht fehlt es mir an theologischer Weit- und Einsicht, doch
die Unterscheidung zwischen Zungenrede und Sprachenrede ist für mich nicht nachvollziehbar.
Dass es sich bei der Zungenrede nicht um redende Zungenfische (eine Plattfischsorte) handelt,
scheint ja jedem klar zu sein. Mir ist die Unterscheidung zwischen Zungenrede und Sprachenrede
ebenso schleierhaft, wie es wäre, eine Unterscheidung zwischen Zungenrede und redenden Zungen
zu machen.
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Das soll jetzt gar nicht abwertend oder abfällig sein (und es tut mir Leid, wenn es so rüber kommt),
doch es scheint mir so weit hergeholt, in der Bibel zwischen Zungenrede und Sprachenrede zu
unterscheiden, nur um das Lallen der charismatischen Bewegung rechtfertigen zu können.
Aber gut, soweit meine Gedankenspiele nur am Rande.
Die nächste Stelle, in der von Zungenrede die Rede ist, ist dann bereits das Pfingsterlebenis der
Apostel und denen, die bei ihnen waren in Apostelgeschichte 2,1-13. Da heißt es in Vers 4: „und sie
wurden alle mit heiligem Geist erfüllt und begannen in anderen Zungen zu reden, wie (oder: je
nachdem) der Geist es ihnen eingab auszusprechen.“ Und später in Vers 6: „Als nun dieses Brausen
(oder: Rauschen) erfolgt war, kamen sie in großer Zahl zusammen und gerieten in Bestürzung; denn
jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.“
Hier ist eindeutig die Rede davon, dass die Apostel in Zungen sprachen. Hier ist eindeutig die Rede
davon, dass die Apostel in Sprachen sprachen. Die Zungen, die hier genannt sind, sind Sprachen.
Und nicht nur das, sie sind in diesem Fall sogar klar definiert: Parther, Meder, Elamiter, Bewohner
von Mesopotamien, Judäa, Kappadocien, Pontus, Asien, Phrygien, Pamphylien, Ägypten, Lybien,
Cyrene, ansässige Römer, Juden, konvertierte Juden, Kreter und Araber – alle hörten sie ihre
Sprache.
Gut, dass hier von tatsächlichen, irdischen Sprachen die Rede ist, wird wohl niemand angezweifelt
haben. Doch mir ist es wichtig, das zu betonen. Denn hier ist von Zungen, also von Sprachen die
Rede, die vom Geist Gottes kommen. In 1.Korinther 14,14 sagt Paulus, dass die korinthische Form
des Zungengebets mit dem jeweils persönlichen Geist durchgeführt wird. Dazu dann an
besprochener Stelle mehr.
In Apostelgeschichte 19,1-7 trifft Paulus einige griechische Jünger, die den Glauben an Jesus
angenommen hatten, jedoch noch nichts vom Heiligen Geist gehört hatten. Diese tauft er also mit
dem Heiligen Geist und sie beginnen umgehend in Zungen zu reden und zu weissagen.
Diese Stelle könnte man jetzt dafür verwenden, um zu beweisen, dass nach einer Geistestaufe die
jeweils mit dem Geist getaufte Person in der Lage ist, in Zungen zu reden. Doch das ist nicht der
Fall. Wie ich schon in meiner Arbeit „die biblische Taufe“ festgestellt habe, war die Geistestaufe
nur zu der Anfangszeit der Gemeinde unter den Aposteln präsent. Denn auf diese Art konnte jeder
sehen, dass zur neuen Gemeinde sowohl Juden als auch Samariter als auch Heiden gehören – denn
von allen drei Richtungen wurden Angehörige separat mit dem Heiligen Geist getauft.
Dass diese Männer nun in Zungen zu reden anfingen, bestätigt nur die Worte Jesu, dass die
Gläubigen von diesen Zeichen gefolgt werden. Auch hier ist übrigens wieder die Rede von
mehreren Zungen und vor allem in Zusammenhang mit Weissagung. So wie auch die Apostel in
Zungen geweissagt und das Evangelium verkündet haben, haben auch diese geweissagt und in
Zungen geredet – so verstehe ich das zumindest.
5.2. Über die Gemeinde in Korinth und 1.Korinther 12-13
Jetzt kommen wir auch schon zu den letzten Stellen, die sich ausschließlich im ersten
Korintherbrief befinden.
Wieso steht nur im Korintherbrief darüber?
Die Korintherbriefe und vor allem der erste sind deswegen besonders, weil sie einen bestimmten
Grund hatten.
Die Gemeinde in Korinth war eine, in der es wimmelte von falschen Lehren, von Streitereien, von
Spaltungen, Sünden und alles in allem einem unheiligen Lebens- und Gemeindestil. Dies lag
unzweifelhaft an Korinth selbst, in dem diese Gemeinde ihr Dasein fristete. Als Schmelztiegel der
Kulturen und Handelsmittelpunkt blühte die Stadt wirtschaftlich sehr auf, war aber religiös und
moralisch ein derartiges Negativbeispiel, dass zu der Zeit der Satz „Leben wie die Korinther“ so
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viel bedeutete, wie die niedrigste moralische Art zu leben (Merril C. Tenney, Die Welt des Neuen
Testaments). Ein griechischer Schreiber sagte, dass ein Korinther, der in einem Theaterstück
dargestellt wurde, immer betrunken dargestellt wurde (padfield.com). Der Aphroditetempel war mit
bis zu tausend Priesterinnen besetzt, die als Prostituierte dienten. Es gab auch Tempel für Poseidon,
Apollo, Hermes, Venus, Isis, Demeter, Asklepios und einen Tempel für „alle Götter“. Auch Kulte
wie der Kybele- und Attiskult, in dem ekstatische Selbstverstümmelung (unter anderem) betrieben
wurde, oder der Dionysus Kult, bei dem die Beteiligten ähnlich wie beim Orakel zu Delphi (siehe
zweites Kapitel) von Dionysus erfüllt in Ekstase tanzten und zuckten. Beide Kulte sind natürlich
viel komplexer, als ich es hier darstellen kann und möchte.
All diese Kulte, Mystizismen und Religionen hatten in Korinth einen sehr starken Einfluss auf das
Christentum, so wie auch das Christentum später einen großen Einfluss auf die Kulte hatte.
Dahingehend führt Tenney ein interessantes Zitat an aus dem sogenannten großen magischen
Papyrus Paris. Hier wurden christliche Floskeln mit okkulten Floskeln und Zungenrede verknüpft
um einen Exorzismuszauber zu ermöglichen. Da heißt es dann unter anderem: „Heil, Geist
Abrahams; heil, Geist Isaaks; heil, Geist Jakobs. Jesus, der Christus, der Heilige, der Geist (hier
folgt eine Serie von anscheinend bedeutungslosen Wörtern) [evtl. Zungenrede] treibe aus den
Dämon […]. Ich beschwöre dich, o Dämon, wer immer du bist, durch den Gott Sabarbarbathioth
Sabarbarbathiuth Sabarbarbathoneth Sabarbarbaphai [die charismatische und auch dämonische
Form der Zungenrede]. [...]“ (zitiert nach George Milligan, Selections form the Greek Papyri, von
Tenney a.a.O). Ob dies so in Korinth auch praktiziert wurde, kann man aus dem Zitat nicht ablesen,
aber es war sehr wahrscheinlich, dass heidnische und okkulte Formen der Zungenrede sich mit
christlichen Elementen vermischten und in jungen christlichen Gemeinden – vor allem solchen wie
in Korinth – Einzug hielten.
In dieses Umfeld hinein wurden die Briefe geschrieben. Besonders der erste Brief hat einen starken
Ermahnungscharakter. Paulus scheut sich nicht, die Korinther direkt als fleischlich anstelle von
geistlich zu bezeichnen (2,1-4). Er gibt ihnen die Wahl zwischen Rute und Liebe (4,21), nennt die
Korinther aufgebläht und unzüchtiger als die Heiden (5,1-2). Das sind einige der harten Urteile, die
Paulus den Christen in Korinth ausstellt. Tenney schreibt zum Charakter des Briefs: „Jeder für das
Schreiben bekannte literarische Kniff wird auf seinen Seiten angewandt: Logik, Sarkasmus,
dringende Bitte, Schelten, Dichtkunst, Erzählung, Exposition.“ Dies gilt es im Hinterkopf zu
behalten. Denn ein paar Aussagen in Bezug auf die korinthische Zungenrede sind nur sarkastisch
oder überzogen zu verstehen.
Im ersten Kapitel schreibt Paulus in Vers 10-11: „Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, unter
Berufung (oder: Hinweis) auf den Namen unsers Herrn Jesus Christus: Führt allesamt einerlei Rede
und laßt keine Spaltungen unter euch herrschen, sondern steht in gleicher Gesinnung und in
derselben Überzeugung fest geschlossen da! Es ist mir nämlich über euch, meine Brüder, von den
Leuten der Chloe berichtet worden, daß Streitigkeiten (oder: Parteiungen) unter euch bestehen.“
Und daraufhin wendet er die nächsten beiden Kapitel (bis zum Ende von Kapitel 3) dafür auf, um
das Wort Gottes als alleinige Autorität zu bestätigen und die Einheit in Christus und in der
Gemeinde mehrfach zu betonen. Außerdem arbeitet er den Kontrast der Wahrheit und Weisheit
Gottes gegen die der Welt heraus, um eine ganz klare Trennung zwischen Christen – den Korinthern
– und der Welt zu machen.
Auf dieser Grundlage behandelt Paulus dann systematisch die Probleme und Fehler in der
Gemeinde: Überheblichkeit und Hochmut, Unzucht und bleibende Sünde, Rechtstreitereien,
Heiligung des Leibes, die richtige Form der Ehe und in dem Zuge die Ehescheidung, sexuelle
Reinheit, Götzenopferfleisch, fehlende Demut unter die Autorität des Apostels, die Vermischung
von Götzendienst und Gottesdienst, Stellung von Mann und Frau, das richtige Verhalten beim
Abendmahl, die Gaben des Geiste im Verbund mit der Liebe, Zungenrede.
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Anschließend schreibt Paulus genauer von der Auferstehung Jesu und beendet dann langsam den
Brief.
Wir können also davon ausgehen, dass dieser Lehrbrief mit einem Schwergewicht auf Ermahnung
und das richtige geistliche Leben in der Welt im Licht der Heiligung durch Jesus ausgelegt und dass
besondere Rücksicht auf mögliche okkulte, dämonische oder weltliche Einflüsse in die damalige
Gemeinde gelegt werden muss.
Betrachten wir zuerst 1.Korinther 12,1-11: „1 In betreff der Geistesgaben aber will ich euch, liebe
Brüder, nicht im unklaren lassen. 2 Ihr wißt von eurer Heidenzeit her: da waren es die stummen
Götzenbilder, zu denen ihr mit unwiderstehlicher Gewalt hingezogen (oder: fortgerissen) wurdet.
3 Darum tue ich euch kund, daß niemand, der im Geiste (oder: durch den Geist) Gottes redet, sagt:
»Verflucht ist (oder: sei) Jesus!« und keiner zu sagen vermag: »Jesus ist der Herr!«, außer im
heiligen Geist (oder: durch den heiligen Geist). 4 Es gibt nun zwar verschiedene Arten von
Gnadengaben, aber nur einen und denselben Geist; 5 und es gibt verschiedene Arten von
Dienstleistungen, doch nur einen und denselben Herrn; 6 und es gibt verschiedene Arten von
Kraftwirkungen, aber nur einen und denselben Gott, der alles in allen wirkt. 7 Jedem wird aber die
Offenbarung des Geistes zum allgemeinen Besten (= zum Nutzen der Gemeinde) verliehen. 8 So
wird dem einen durch den Geist Weisheitsrede verliehen, einem andern Erkenntnisrede nach
Maßgabe desselben Geistes, 9 einem andern Glaube in demselben (oder: durch denselben) Geist,
einem andern Heilungsgaben in dem einen Geiste, 10 einem andern Verrichtung von Wundertaten,
einem andern Weissagung (oder: prophetische Rede), einem andern Unterscheidung der Geister,
einem andern mancherlei Arten von Zungenreden, einem andern die Auslegung der Zungenreden.
11 Dies alles wirkt aber ein und derselbe Geist, indem er jedem eine besondere Gabe zuteilt, wie er
will.“
Es gibt einige Berichte von Zungenrede in christlichen Gemeinden oder einem scheinbar
christlichen Rahmen, in denen die Redenden unbewusst gegen Gott und gegen Jesus fluchen. Das
ist durchaus erschreckend. Doch wenn man nicht in der Lage ist, das Wirken des Heiligen Geistes
vom Wirken dämonischer Geister zu unterscheiden, dann wird dies über kurz oder lang geschehen.
So scheinbar auch hier in der Gemeinde von Korinth. Paulus beschreibt, dass die jetzt Gläubigen
früher mit unwiderstehlicher Gewalt zu den heidnischen Götzen hingezogen wurde. Die Elberfelder
und die Schlachter Übersetzung schreiben etwas nüchterner, dass sie fortgerissen wurden, so wie sie
irgend geleitet wurden. Ob nun das eine oder das andere, es war eindeutig eine Kraft außerhalb der
Personen tätig, die sie zu den stummen Götzen gezogen hat. Dieses Vorkommen stand
offensichtlich in sehr enger Verbindung mit dem Verfluchen von Jesus.
Ekstase wird vom Duden definiert als ein Zustand der Verzückung, ein tranceartiger Zustand, in
dem der Mensch der Kontrolle seines normalen Bewusstseins entzogen ist. In diesem Zustand
befinden sich Menschen, die von okkulten Kräften fortgerissen werden. Und in diesem Zustand,
gefüllt mir anderen Mächten geschahen dann auch die Flüche auf Jesus. Paulus schreibt, dass so ein
Phänomen nicht eintreten kann, wenn der Geist Gottes durch die Person redet.
Wenn er diesen Gegensatz klar macht, dann war es also offensichtlich der Fall, dass in der
Gemeinde zu Korinth eine Form der ekstatischen Rede in Geistern (andere als dem Heiligen Geist)
durchgeführt wurde, die gegen Jesus geht, in der aber die Korinther scheinbar normale
Gemeindepraxis sahen. In der Gemeinde zu Korinth gab es also misbräuchliche, dämonische
Formen der Zungenrede, so wie sie wohl im religiösen und mystischen Umfeld praktiziert und
gewohnt war. Daher ist es Paulus auch so wichtig am Anfang der Debatte über die Geistesgaben
zuerst heraus zu arbeiten, dass es zwar viele Gaben gibt, jedoch nur einen Geist. Und dieser Geist
kann und wird nicht gegen Jesus als Herrn sprechen.
Dass es in Korinth Verirrungen über die tatsächliche Gabe der Zungenrede gab, ist also eine sehr
wichtige Grundlage zur weiteren Behandlung der anderen Korintherstellen.
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Interessant ist in dieser Stelle übrigens noch, dass Paulus in den Versen 8-11 betont, dass jeder
unterschiedliche Geistesgaben hat, eben so wie der Heilige Geist sie zuteilen möchte. Vielleicht
wollten alle Korinther in Zungen reden oder prophetisch reden. Doch das geht gegen das Wirken
des Heiligen Geistes. Genau dieses Phänomen sehen wir aber auch in der charismatischen
Zungenrede von heute – jeder soll in Zungen reden können. Dies ist aber offensichtlich nicht
biblisch.
Paulus betont dies sogar nochmals in Vers 28-30: „und zwar hat Gott in der Gemeinde eingesetzt
erstens die einen zu Aposteln, zweitens (andere) zu Propheten (oder: geisterfüllten Predigern),
drittens (noch andere) zu Lehrern; sodann Wunderkräfte, sodann Gaben der Heilungen,
Hilfeleistungen, Verwaltungsgeschäfte, mancherlei Arten von Zungenreden. Sind etwa alle
(Gemeindeglieder) Apostel? Etwa alle Propheten (oder: geisterfüllte Prediger)? Alle Lehrer?
Besitzen etwa alle Wunderkräfte? Haben etwa alle Heilungsgaben? Reden alle mit Zungen? Können
alle die Zungensprachen auslegen?“
Er fragt rhetorisch, ob wohl alle in Zungen reden und auch alle das auslegen können. Die Antwort
ist offensichtlich nein! Paulus braucht die Frage nicht einmal zu beantworten, weil die Antwort nach
seinen Ausführungen auf der Hand liegt. Vielmehr bietet er einen weit vortrefflicheren Weg an, um
gar die höchsten Gnadengaben anzustreben (Vers 31).
Dies führt uns zu Kapitel 13,1-3: „Wenn ich in den Sprachen der Menschen und der Engel reden
könnte, aber die Liebe nicht besäße, so wäre ich nur ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.
Und wenn ich die Gabe prophetischer Rede besäße und alle Geheimnisse wüßte und alle Erkenntnis
und wenn ich allen Glauben besäße, so daß ich Berge versetzen könnte, aber die Liebe mir fehlte, so
wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe (an die Armen) austeilte und meinen Leib dem
Feuertode preisgäbe, aber keine Liebe besäße, so würde es mir nichts nützen.“
Diese Stelle wird gerne als Beweis dafür genommen, dass es eine Engelssprache gibt, die dann in
der Zungenrede gesprochen würde. Doch davon kann hier nicht die Rede sein. Hier stellt Paulus
viel mehr den Kontrast zwischen dem heraus, was die Korinther offensichtlich praktizierten oder
anstrebten und wie es sein sollte. Er benutzt dafür gewaltige Extreme.
Wenn er in Sprachen der Menschen spräche oder gar in der Sprache der Engel und keine Liebe
hätte, dann wäre dies nichts wert. Das ist eine hypothetische Aussage, die als Feststellung stehen
mag, dass jemand an Zungenrede in Engelssprachen glaubt, jedoch kein Beweis für tatsächliche
Zungenrede in echter Engelssprache. Genau so wenig, wie Paulus behauptet, er wüsste alle
Geheimnisse oder könnte wörtlich mit seinem Glauben Berge versetzen oder würde sich selbst ins
Feuer werfen.
Wie schon gesagt, bezeichnet Paulus die Korinther unter anderem als aufgebläht, stolz. Im
vorherigen Kapitel musste er ihnen erst vor Augen führen, dass keiner mehr wert ist als der andere,
dass jeder in seinen Fähigkeiten und Gaben gleichwertig ein Teil des Leibes ist (12,15-24). Der
Stolz der Korinther ging – so lässt es dieser Textabschnitt in Kapitel 13 vermuten – sogar so weit,
dass sie sich mit Einsicht, besonderem Glauben oder eben der Gabe der Zungenrede vor anderen
brüsteten. Vielleicht war es sogar so, dass sie untereinander um gerade die Gabe der Zungenrede
und Weissagung wetteiferten, da genau diese beiden Gaben in okkulten und heidnischen Religionen
die Elemente waren, die in ihrer Ekstase wahrhafte Hingabe zum jeweiligen Gott bewiesen.
Doch anstatt diese Gaben oder die Extreme davon anzustreben, betont Paulus die Liebe, ohne
welche diese Gaben gar nichts wären! Was nützt die Zungenrede ohne Liebe?
Wieso streben in charismatischen Gemeinden so viele Menschen die Praxis der Zungenrede an,
verschwenden aber kaum einen Gedanken an die Liebe? Ohne die Liebe ist Zungenrede ein hohles
Geschwätz. Und welch unmenschlich schwierige Bedingungen wahre Liebe definieren, führt Paulus
in den Versen 4-7 aus. Dies sind Bedingungen, die nur der Heilige Geist in uns wirken kann. Doch
wo hört man zuerst die Betonung dieser Liebe, bevor es an das sogenannte Zungenreden geht?
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Die Liebe ist so, so viel wichtiger als irgendeine Form der Zungenrede. „Die Liebe hört niemals
auf. Die Gabe prophetischer Rede wird ein Ende nehmen, die Zungenreden werden aufhören, die
Erkenntnis (oder: das Wissen) wird ein Ende haben.“ (Vers 8)
Wer wirklich die Gaben des Geistes anstrebt, sollte zuerst nach der Liebe streben und erst dann nach
der Gabe der Zungenrede, der Sprachenrede.
Noch ein Gedanke zu den Sprachen der Engel. Falls es tatsächlich eine solche Sprache gäbe, dann
wäre es, wie gesagt eine Sprache, kein Gelalle oder Gebrabbel. Außerdem wäre es klar vom
Gebrabbel okkulter oder mystischer Praktiken abzugrenzen, denn es wirkt ein anderer Geist. Und zu
guter Letzt vokalisieren sich Engel in der gesamten Bibel immer verständlich. Einen Hinweis auf
eine Brabbelsprache der Engel gibt es nicht.
5.3. 1.Korinther 14
Nun sind wir auch schon bei Kapitel 14 angekommen, der Stelle, anhand derer die charismatische
Form der Zungenrede vor allem begründet wird. Ich gehe den Text schrittweise durch, damit
sowohl ich als auch der Leser hoffentlich besser folgen können.
Vers 1-4: „Jaget also der Liebe nach! Doch bemüht euch (daneben) auch um die Geistesgaben,
besonders aber um die Gabe der prophetischen (oder: geisterfüllten) Rede. Denn der Zungenredner
redet nicht zu Menschen, sondern zu Gott; niemand versteht ihn ja, vielmehr redet er im Geist
(oder: unter der Einwirkung des Geistes) Geheimnisse. Der prophetisch (oder: geisterfüllt) Redende
dagegen redet zu Menschen zu ihrer Erbauung und Ermahnung und Tröstung. Der Zungenredner
erbaut sich selbst, der prophetisch Redende dagegen erbaut die Gemeinde.“
Paulus betont nochmals, man solle der Liebe nachjagen. Aber sich doch auch um die Geistesgaben
bemühen. Solange wir als unvollkommene Menschen auf der Erde leben, werden wir die
vollkommene Liebe nicht leben können. Doch anstreben sollten wir sie. Nachdem wir sie aber noch
nicht erreichen werden, ist es nur logisch, dass wir uns auch um die Geistesgaben bemühen.
Oftmals lese ich bei charismatischen Abhandlungen über Zungenrede nur, dass sie zur persönlichen
Erbauung dient. Doch auch hier betont Paulus wieder einen Kontrast.
Wichtiger als die Zungenrede sei die prophetische Gabe. Denn während prophetische Rede die
gesamte Gemeinde erbaut und zur Ermahnung und Tröstung dient, erbaut Zungenrede nur den
Redner. Wieso? Weil nur der Redner bei fehlender Auslegung das Wirken des Geistes spürt (und
das, vorausgesetzt, es handelt sich um göttliche Zungenrede – siehe Kapitel 12,1-11).
An der göttlichen Form der Zungenrede, also Sprachenrede (wieso ich das betone, habe ich bereits
geschrieben), gibt es nichts auszusetzen. Dagegen spricht Paulus auch nicht.
Doch im Zusammenhang mit Vers 4, der persönlichen Ermutigung durch Zungenrede, kann ich
nicht anders, als zu sehen, dass die charismatische Praxis sehr unbiblisch ist. Nicht, weil sie nicht
persönlich ermutigend wäre, sondern eher, eben weil sie zumindest als persönlich ermutigend
beschrieben wird.
Das höchste Gebot ist es, Gott zu lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit ganzem
Verstand. Das zweite Gebot, welches ihm gleich ist, ist, den Nächsten zu lieben wie sich selbst. In
diesen Geboten hängt sich das gesamte Gesetz Gottes auf. Das heißt, in allem, was wir tun, sollen
diese beiden Gebote die oberste Richtlinie sein. Diese Gebote sind die Grundlage des Wirkens des
Heiligen Geistes in uns. Das ist eine unumstößliche Tatsache. Denn der Geist Gottes wird nicht
gegen seine eigenen Gebote gehen. Nun wird aber in charismatischen Gemeinden die Zungenrede
so hoch gestellt, dass sie der ultimative Lobpreis zur ultimativen persönlichen Erbauung ist. Die
Auslegung fehlt eigentlich so gut wie immer. Damit mag eventuell das erste Gebot erfüllt sein, das
zweite jedoch ganz sicher nicht.
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Aber genau das – so wirkt es auf mich – ist ein Hauptziel der charismatischen Bewegung: Ich muss
erfüllt werden mit Geist, ich muss ermutigt werden, mir soll es gut gehen, ich brauche die Ekstase,
ich. Mein Nächster ist da nicht sonderlich wichtig und der Lobpreis zu Gott ist eine Folge davon,
dass ich erfüllt werde. Damit ist diese Praxis in seinem Kern absolut unbiblisch.
In Vers 2 wirkt es, als ob Paulus das Reden in Zungen ohne Auslegung rechtfertigt. Denn Gott
verstünde ja, worum es geht. Ich denke nicht, dass dies eine Rechtfertigung ist. Viel mehr ist es
erneut ein Hinweis darauf, dass Sprachenrede nicht sinnvoll ist, wenn keine Auslegung vorliegt.
Denn niemand versteht es ja. Vielmehr rede der, der weissage, für die Menschen.
Diese Stelle übrigens, dass Gott ja verstünde, um was es geht, wird oft in Zusammenhang mit den
Versen 26-27 aus Römer 8 als Rechtfertigung für eine sogenannte geistliche Lall-Zungenrede
vorgebracht: „Gleicherweise kommt aber auch der Geist unserer Schwachheit zu Hilfe; denn wir
wissen nicht, was wir so, wie es gerade not tut (oder: sich gebührt), beten sollen. Da tritt dann aber
der Geist selbst mit unaussprechlichen Seufzern für uns ein; der aber, der die Herzen erforscht (d.h.
Gott), versteht die Sprache des Geistes, weil dieser in einer dem Willen Gottes entsprechenden
Weise für Heilige (= Gottesangehörige) eintritt.“
Offenbar betet der Geist durch uns in Sprachen, die wir nicht aussprechen können und nur Gott
kann diese Gebete verstehen. Doch es handelt sich hier nicht um Zungenrede. Denn die Seufzer des
Heiligen Geistes in uns sind unaussprechlich. Die King James Bibel schreibt gar „groanings which
cannot be uttered“, was heißt „Stöhnen, das nicht geäußert werden kann“. Wir können dieses
Seufzen weder aussprechen noch irgendwie äußern! Falls ein solches Gebet also tatsächlich hörbar
wäre (ich denke nicht, dass es hörbar ist, sondern im Herzen vor Gott stattfindet), dann wäre es
etwas, das man nicht nachmachen könnte. Doch die charismatische Form der Zungenrede findet
sich, wie bereits gezeigt, in so vielen anderen Kulten und sogar religionsfreien Hintergründen!
Hier kann die charismatische Zungenrede keinesfalls bewiesen werden.
Vers 5-9: „Ich möchte, daß ihr allesamt mit Zungen redetet (oder: reden könntet), aber noch lieber,
daß ihr prophetische Redegabe besäßet; denn der prophetisch Redende steht über dem
Zungenredner, es müßte denn sein, daß er (das von ihm Geredete) auch auslegt, damit die
Gemeinde Erbauung dadurch empfängt. So aber, liebe Brüder – wenn ich als Zungenredner zu euch
käme, was würde ich euch da nützen, wenn ich an euch nicht (auch) Worte der Offenbarung oder
Erkenntnis, der prophetischen Zusprache oder der Belehrung richtete? Wenn die seelenlosen (oder:
unbelebten) Musikwerkzeuge, obwohl sie einen Klang (= Töne) von sich geben, z.B. eine Flöte
oder Zither, die einzelnen Töne nicht unterscheiden lassen, wie soll man da erkennen, was auf der
Flöte oder auf der Zither gespielt wird? Ebenso auch, wenn eine Trompete nur einen undeutlichen
Schall hören läßt, wer wird sich da zum Kampfe rüsten? So steht es auch bei euch: wenn ihr beim
Zungenreden keine deutlichen Worte vernehmen laßt, wie soll man da das Gesprochene verstehen?
Ihr werdet dann eben nur in den Wind (oder: in die Luft) reden.“
Paulus wünscht sich, dass jeder in Sprachen reden könnte, weil dies hieße, dass jeder vom Heiligen
Geist erfüllt wäre. Das ist keine Begründung dafür, dass jeder aufrichtige Christ in Zungen reden
kann, so wie es die charismatische Bewegung lehrt. Und erneut ist dies keine ultimative
Feststellung, sondern ein Vergleich in die Situation hinein. Denn so, wie die Korinther scheinbar
viel in Zungen redeten, wünscht Paulus ihnen, dass sie es tatsächlich könnten, doch viel wichtiger
sei die prophetische Redegabe.
Es ist deutlich leichter in ekstatischen Zungen zu reden und damit göttliches Wirken vorzutäuschen,
als tatsächlich durch den Heiligen Geist geführt zu sprechen. Daher sollte es immer unser erster
Wunsch sein, verständliche Weissagung vorzubringen, als unverständliche Sprachenrede.
Paulus nimmt sich selbst als Beispiel für die Sinnlosigkeit übermäßiger Zungenrede. Denn wenn er,
der von sich selbst in Vers 18 sagt, dass er mehr in Sprachen redet als alle, die Nutzlosigkeit von
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Sprachenrede ohne Weissagung betont, dann gilt das doch erst recht für die Korinther, deren
Gemeinde wohl auch außerchristliche Praktiken der Zungenrede beherbergte.
Interessant finde ich auch den Vergleich mit den Instrumenten. Wenn eine Flöte nur Töne von sich
gibt, die alle gleich klingen, dann kann man die Melodie nicht erkennen – es gibt keine Melodie.
Das klingt für mich wie die lallende Form der Zungenrede. Wo nur eine unstrukturierte
Aneinanderreihung von Lauten vorherrscht, gibt es keine Wörter, keine Satzstruktur, keine Aussage.
Vielleicht mag manchen diese Verknüpfung jetzt weit her geholt sein, doch in den nächsten Versen
geht es genau darum, dass eine Lautäußerung ohne Inhalt keine Sprache ist. Wie soll man erkennen,
was gesprochen wurde, wenn es nichts zu erkennen gibt? So wie Paulus ja auch schreibt: „Wenn ihr
beim Zungenreden keine deutlichen Worte vernehmen laßt, wie soll man das Gesprochene
verstehen?“
Und dann der Vergleich mit der Trompete, der zeigt, wie wichtig eine Auslegung ist. Eine fehlende
Auslegung ist wie ein dumpfer Schall, der nichts bewirkt. Selbst wenn der Trompeter mit seinem
Stoß zufrieden ist, so ist er für die anderen wertlos.
Eine solche Zungenrede (und ich umfasse jetzt auch die Gebrabbel-form) ist am Ende nichts als
heiße Luft.
Vers 10-13: „Es gibt wer weiß wie viele verschiedene Sprachen in der Welt, und keine ist
unverständlich; wenn ich aber die Bedeutung (der Wörter) einer Sprache nicht kenne, so werde ich
für den in ihr Redenden ein Fremdling sein, und der in ihr Redende bleibt für mich ein Fremdling.
So steht es auch mit euch: weil ihr nach den Erweisungen des Geistes (= nach Geistesgaben) eifrig
trachtet, so seid darauf bedacht, zur Erbauung der Gemeinde eine reiche Fülle von ihnen zu haben
(oder: zu erhalten). Deshalb möge der Zungenredner auch um die Gabe der Auslegung beten;“
Die Elberfelder schreibt hier: „Es gibt vielleicht so und so viele Arten von Stimmen in der Welt, und
keine Art ist ohne bestimmten Ton.“
Mit Stimme ist hier die Äußerung von Wortäußerungen, von Sprache gemeint und der bestimmte
Ton ist – im Zusammenhang mit der Erklärung über die Instrumente von Paulus selbst – die
Bedeutung dieser Wortäußerungen, dieser Sprache. Das heißt, dass wir diesen ersten Satz von
Hermann Menge direkt so nehmen können. Es gibt viele Sprachen in der Welt, wovon keine ohne
Bedeutung ist. Betonen möchte ich, dass hier steht „in der Welt“. Paulus bezieht hier die
Zungenrede ganz klar und eindeutig auf existente Sprachen in der Welt, die alle ihre Bedeutung
haben. Das schließt angeblich himmlisches Geplapper aus, denn selbst wenn es eine Sprache wäre,
wäre es keine in dieser Welt, die hier eine klare Bedeutung hat.
Und wieder zeigt Paulus auf, wie sinnlos eine Sprachenrede ohne Auslegung ist. Der, der spricht
und der der zuhört bleiben sich beide fremd, wenn der eine die Sprache nicht versteht. Es ist keine
Ermutigung für den anderen, wenn die Auslegung oder das Verständnis fehlt.
Ja, wir sollen genau wie die Korinther Geistesgaben anstreben, doch wir sollen dabei zuerst die
Erbauung der Gemeinde im Sinn haben und nicht zuerst unsere eigene! Deswegen muss der
Wunsch nach Auslegung auch da sein – und das in meinen Augen mindestens so stark, wie der
Wunsch nach Zungenrede. Das höchste Gebot bezieht sich schließlich auf Gott und dann auf den
Nächsten und nicht auf mich.
Vers 14-17: „denn wenn ich in Zungenrede bete, so betet dabei wohl mein Geist, aber mein
Verstand bleibt unbeteiligt. Was folgt nun daraus? Ich will mit dem Geist beten, will aber auch mit
dem Verstande beten; ich will Psalmen (= geisterfüllte Lieder; vgl. Eph 5,19) mit dem Geist singen,
aber auch mit dem Verstande; sonst wenn du ein Dankgebet nur mit dem Geist sprichst, wie soll da
einer, der den Platz des Laien (= Unkundigen; vgl. V.23) einnimmt, das Amen zu deinem Dankgebet
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sprechen? Er versteht ja gar nicht, was du sagst. Du für deine Person magst wohl ein treffliches
Dankgebet sprechen, aber der andere wird dadurch nicht erbaut.“
Das ist jetzt interessant. Hier in Vers 14 schreibt Paulus, dass wenn er in Zungenrede betet, dies sein
Geist tut, nicht der Geist Gottes. Im Bericht in der Apostelgeschichte ist aber eindeutig die Rede
davon, dass der Heilige Geist die Sprachenrede gewirkt hat. Ich weiß nicht, wie aussagekräftig
diese Feststellung ist, doch interessant ist es allemal. Erst recht, da Paulus das Beten in seinem Geist
als losgelöst vom Verstand bezeichnet. Wenn mein Geist betet, dann sind es meine Emotionen, die
zum Tragen kommen, meine Gefühle, mein Wesen – das alles aber losgelöst von meinem Verstand.
Dass dies nicht gut ist, zeigen die weiteren Verse. Wenn es in Ordnung wäre, losgelöst vom
Verstand zu beten, hätte Paulus diese Form der Zungenrede ja auch stehen lassen können. Doch das
tut er nicht. Er folgert daraus, dass man durchaus mit dem Geist beten kann, jedoch auch mit dem
Verstand beten soll.
Erneut legt er wieder Betonung auf die Auslegung der Zungenrede.
Spannend ist auch der letzte Satz, der für mich sehr ironisch klingt. Der, der nur in dem Geist betet,
mag ein treffliches Gebet gesprochen haben, doch er weiß es ja nicht – und es weiß auch keiner der
Außenstehenden. Ein solches Zungengebet mag für die sprechende Person als trefflich angesehen
werden, doch er kann es nicht bestätigen. Viel schlimmer noch (und das steht hier nicht), er könnte
alles mögliche außer eines Dankgebetes gesprochen haben (siehe die Betrachtung von 1.Korinther
12,1-11). Immerhin betet er ja ohne Verstand und in seinem Geist und eben nicht in Gottes Geist.
Und wieder wird der Nächste nicht erbaut.
Vers 18-20: „Ich danke Gott: mehr als ihr alle rede ich in Zungen; aber in einer
Gemeindeversammlung will ich lieber fünf Worte mit meinem Verstande reden, um auch andere zu
unterweisen, als viele tausend Worte in Zungenrede. Liebe Brüder, zeigt euch nicht als Kinder in
der Urteilskraft! Nein, in der Bosheit sollt ihr Kinder sein, aber hinsichtlich der Urteilskraft zeigt
euch als Erwachsene (= gereifte Menschen).“
Die Korinther waren offensichtlich stolz auf das viele Zungenreden in ihrer Gemeinde. Doch Paulus
sagt, dass er mehr als alle in Zungen, in Sprachen redet. Nun ist die Frage, was er damit meint.
Meint er damit, dass er jeden Abend im Privaten in Zungen und ohne Verstand zu Gott betet? Oder
meint er vielleicht, dass er vom Geist befähigt in wahren Sprachen redet und damit mehr redet, als
die Korinther, die nur brabbeln? Ich weiß es nicht. Doch der kulturell okkulte Hintergrund der
Gemeinde und die biblischen Zusammenhänge, der geistliche Hintergrund der Sprachenrede, lassen
mich zweiteres vermuten.
Und selbst wenn nicht, dann betont Paulus doch, dass nur fünf (nur fünf!) Worte mit dem Verstand
viel mehr wert sind, als tausend (tausend!) Worte in Zungenrede. Das bedeutet nicht, dass auf
tausend Worte in sogenannter Zungenrede fünf Lehrworte kommen, sondern anstelle von. Und
wenn eine normale Lehrpredigt vielleicht tausend Wörter enthält, um wie viel mehr keine
Zungenrede!
Ich weiß, man darf das nicht so mathematisch anwenden, aber ich möchte den Vergleich des Paulus
an dieser Stelle gerne betonen.
Die Korinther waren sehr unreif, was das geistliche Beurteilen von Dingen anging, in diesem Falle
der Zungenrede. Doch genau das sollten sie nicht sein. Sie sollten der Bosheit, der Sünde gegenüber
unreif sein und vielmehr in der geistlichen Urteilskraft reif. Deswegen beginnt Paulus ja seinen
Brief auch in Kapitel 3,1-3 mit der Feststellung, dass er zu ihnen nicht als zu geistlichen Menschen
als nur zu fleischlichen Menschen reden kann. Ihre Gemeindepraxis war von weltlicher Bosheit
durchzogen und wurde nicht ausreichend geistlich geprüft. Das machte es ja überhaupt notwendig,
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dass Paulus ihre Praxis der Zungenrede derart auseinander nahm, weil sie falsch war.
Vers 21-25: „Im Gesetz steht geschrieben: »Durch Menschen mit fremder Sprache und durch die
Lippen von Fremden will ich zu diesem Volke reden, und auch so werden sie nicht auf mich hören,
spricht der Herr.« Mithin sind die Zungenreden ein Zeichen nicht für die Gläubigen, sondern für die
Ungläubigen; die prophetische Beredsamkeit dagegen ist ein solches nicht für die Ungläubigen,
sondern für die Gläubigen. Wenn also die ganze Gemeinde sich an einem Ort versammelte und alle
in Zungensprachen redeten und dann Laien (= Nicht-Unterrichtete, Uneingeweihte) oder
Ungläubige hereinkämen, würden diese da nicht sagen, ihr seiet von Sinnen? Wenn dagegen alle
prophetisch reden (d.h. sich in geisterfüllten Ansprachen ergehen) und dann ein Ungläubiger oder
ein Laie dazukommt, so wird ihm von allen ins Gewissen geredet (= seine Sünde vorgehalten), er
fühlt sich von allen ins Gericht genommen, die geheimen Gedanken seines Herzens werden
aufgedeckt, und so wird er auf sein Angesicht fallen und Gott anbeten und offen bekennen, daß Gott
tatsächlich in euch (wirksam) ist.“
An dieser Stelle zeigt Paulus anhand der Bibel selbst auf, dass Sprachenrede eben nicht primär zur
persönlichen Auferbauung ist, sondern für die Ungläubigen. Das ist ja auch das, was beim ersten
Auftreten von Sprachenrede geschehen ist. Durch den Geist Gottes gewirkt verkündeten die an
Pfingsten Versammelten allen Anwesenden in ihren jeweiligen Sprachen und Dialekten das
Evangelium. Das ist der wirkliche Sinn von Sprachenrede, nicht das Gebrabbel zur scheinbaren
persönlichen Auferbauung. Hier sehen wir, dass Gott keine Gaben schenkt, die einzig für einen
selbst sind. Denn es geht immer um Gott und dann um den Nächsten. Das war das, was Jesus lebte,
als er da war. Bis zu seinem Tod für alle Menschen war sein Leben völlig frei von Taten und
Wundern, die nur ihm selbst etwas zu Gute brächten.
Wenn ein Ungläubiger in eine charismatische Gemeinde kommt und deren Form der Zungenrede
wahrnimmt, ist er dann nicht eher abgeschreckt als an Gott erinnert?
Kann er einen Unterschied machen zwischen dämonisch oder emotional induzierterm Geplapper
und der charismatischen Zungenrede?
Die prophetische Rede ist so viel wichtiger, da sie von jedem verstanden wird. Die prophetische
Rede kann überführen und vor allem ermutigen.
Vers 26-33: „Was folgt nun daraus, ihr Brüder? Sooft ihr euch versammelt, hat ein jeder (etwas in
Bereitschaft): ein geistliches Lied (vgl. Eph 5,19), einen belehrenden Vortrag, eine Offenbarung,
eine Zungenrede, eine Auslegung (derselben) – das alles laßt zur Erbauung (der Gemeinde) dienen!
Will man in Zungensprachen reden, so sollen es jedesmal nur zwei oder höchstens drei sein, und
zwar der Reihe nach, und einer soll die Auslegung geben. Ist jedoch kein Ausleger da, so soll er (der
Zungenredner) in der Versammlung schweigen: er mag dann für sich allein und zu (oder: für) Gott
reden. Propheten (oder: geisterfüllte Redner) sollen gleichfalls nur zwei oder drei zu Worte kommen
und die anderen (d.h. die Zuhörer) sich ein Urteil darüber bilden (oder: abgeben). Wenn aber einem
anderen, der noch dasitzt, eine Offenbarung zuteil wird, so soll der erste schweigen; denn ihr könnt
alle einzeln (= nacheinander) als prophetische Redner auftreten, damit alle Belehrung empfangen
und alle ermahnt werden; und die prophetischen Geister sind ja auch den Propheten gehorsam –
denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens – wie in allen Gemeinden der
Heiligen.“
Was folgt also aus der ganzen Abhandlung? Sprachenrede soll zur Erbauung der Gemeinde
durchgeführt werden. Das heißt, sie muss nacheinander erfolgen und nicht durcheinander. Sie muss
ausgelegt werden, damit jeder etwas davon hat. Ohne Ausleger keine Sprachenrede. Und es ist auch
nicht jeder zur Sprachenrede befähigt, sondern nach Gottes Ordnung nur einige wenige pro
Seite 17
Versammlung. Sprachenrede sollte nicht die alleinige Manifestation des Geistes Gottes sein,
sondern auch geistliche Lieder, ein Lehrvortrag, eine Offenbarung oder eine Auslegung (es muss
sicher nicht alles vorkommen, aber eben auch nicht nur eines).
Genau so wie Sprachenrede soll auch prophetische Rede nur von zweien oder dreien vorgebracht
werden, damit es nicht unordentlich wird und die Zuhörer wirklich bei der Sache bleiben, ihr Urteil
darüber bilden können. Heutzutage wissen wir wissenschaftlich belegt, dass zu viele verschiedene
Inhalte beim spontanen Zuhören nicht gespeichert oder auf Dauer verarbeitet werden können. Wenn
also alle Gaben zu Wort kommen sollen, dann auch dementsprechend moderat, damit jeder folgen
kann.
In charismatischen Gemeinden hört man immer wieder davon, wie der Geist über die Leute
gekommen ist und sie sich nicht wehren konnten, in völliger Ekstase und Besessenheit anfingen in
Zungen zu reden (und vielleicht noch mehr). Das war und ist auch eine gängige Praxis bei okkulten
oder mystischen Formen der Zungenrede. Doch Paulus sagt hier ganz klar, dass die prophetischen
Geister den Propheten gehorsam sind. Außerdem sagt er, dass ein Sprachenredner schweigen soll,
wenn kein Ausleger da ist oder wenn schon zwei oder drei gesprochen haben. Damit liegt die
Kontrolle über die Gabe immer beim Menschen selbst. Die Fähigkeit kommt von Gott, doch Gottes
Geist macht uns nicht besinnungs- und willenlos.
Ein Christ fällt nicht unter der gewaltigen Macht des Geistes in Ohnmacht (körperlicher oder
geistiger). Ein Christ fällt aufgrund des Wirkens des Geistes in ihm vor Gott auf die Knie!
Gott ist kein Gott der Unordnung. Die charismatische Form der Zungenrede ist aber in ihrem
Charakter Unordnung. Oft plappern alle durcheinander. Es fehlt fast immer eine Auslegung. In
gemäßigteren Gemeinden kann es die Gebete der anderen stören. Und zu guter Letzt ist
charismatische Zungenrede schon in seiner inneren phonologischen Struktur unordentlich und ohne
Logik.
6. Zusammenfassung und Fazit
Charismatische Zungenrede ist in ihrem Charakter nicht biblisch.
• Sie geschieht nicht unter Beachtung des höchsten Gebots.
• Sie geschieht nicht im Geiste Gottes.
• Sie dient nicht der Ermutigung anderer.
• Sie dient nicht der Verkündigung des Evangeliums.
• Sie dient nicht der Ordnung.
• Sie ist oft in ihrem Geist dem Redner nicht untertan.
• Nicht jeder kann in Sprachen reden.
• Sie ist keine tatsächliche Sprache und damit nicht verständlich.
• Sie hat oft keine Auslegung.
• Sie muss zuerst gelernt werden (ein Esel konnte aber sofort reden).
• Sie ist dem Wirken des Satans nicht überlegen.
Charismatische Zungenrede ist nichts Eigenes.
• Es gibt erwiesenermaßen gleiche Zungenrede in anderen Religionen, mystischen Kulten,
okkulten Hintergründen, spirituellen Bewegungen oder emotionalen Kursen.
• Man kann sie ohne weiteres nachmachen, selbst wenn man den charismatischen Geist nicht
besitzt.
• Wo christliche und heidnische Lehren aufeinandertreffen, bleibt die Zungenrede bestehen,
wo der Geist Gottes nicht mehr sein kann.
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Charismatische Zungenrede hält weder kirchengeschichtlichen noch wissenschaftlichen Prüfungen
stand.
• Alle Bewegungen, in denen charismatische Zungenrede nachweisbar vorhanden war,
wurden aus verschiedenen Gründen als häretisch abgetan.
• Die Zungenrede hat in sich keine Struktur, kein Sprachmuster, keine logische Folge der
Laute.
• Die Zungenrede ist von ihrem Klangbild abhängig von der Gegend, in der sie gesprochen
wird und damit keine einheitliche „Sprache“.
Unter dem Strich bleibt nach meinem Dafürhalten zur charismatischen Zungenrede nicht mehr zu
sagen, als dass sie eindeutig nicht biblisch, ganz klar ungöttlich, im besten Fall nur emotionalen und
im schlimmsten Fall dämonischen Ursprungs ist.
Daher sollte man als Christ nicht nur die Finger von dieser Praxis des Zungenredens lassen, sondern
ihr in aller Form und mit aller Vehemenz wehren, auf dass sie keinen Einzug in weitere Gemeinden
nehme und sich vielleicht sogar weitgehend zurück ziehen muss.
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Quellen:
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