Nicole Barandun oder wie Parkplätze die Sinne vernebeln

Hornbacher Schiessen Nr. 8: Nicole Barandun
oder wie Parkplätze die Sinne vernebeln
Pièce de résistance der gewerblichen Opposition sind die Parkplätze, die wegen der Öffnung des Hornbachs
verschwinden. Ärgerliches Detail: die Bachöffnung hat überhaupt nichts mit dem Bau der Wohnsiedlung zu
tun, sondern erfolgt wegen des ungenügenden Hochwasserschutzes. Niggi Scherrs Kaktus Nr. 3 geht an
Gewerbeverbands-Präsidentin Nicole Barandun.
Stimmungsmache gegen Rot-Grün…
Im Minderheitsstandpunkt von SVP und FDP in der offiziellen Abstimmungszeitung heisst es unter Punkt 4:
„Der an der Stelle der geplanten Wohnsiedlung eingedohlte (sic) Hornbach soll geöffnet werden. Damit gehen dem Quartier und dem lokalen Gewerbe 40 oberirdische Parkplätze verloren.“ Und GewerbeverbandsPräsidentin Nicole Barandun doppelt in Zeitungsinseraten nach: „Der Abbau von zahlreichen Parkplätzen im
Seefeld verschlechtert zudem die Rahmenbedingungen für das Gewerbe.“ Dem geneigten Leser soll einmal
mehr suggeriert werden: schon wieder diese Rot-Grünen und ihre ideologisch motivierte Abbaupolitik gegen
unser aller Auto!
… und die prosaischen Fakten
Nur leider ist die Sache viel prosaischer. Die Öffnung des Hornbachs ist eine behördlich angeordnete Hochwasserschutz-Massnahme, die nach den Hochwassertoten des letzten Wochenendes jedem einleuchten
sollte. Sie soll in den nächsten Jahren von ERZ Abwasser realisiert werden und hat rein gar nichts mit dem
Neubau der Wohnsiedlung zu tun. Da der Hornbach ab Dufourstrasse einen ungenügenden Hochwasserschutz aufweist, muss er verbreitert werden: „Die Realisierung dieser Hochwasserschutzmassnahme“ –so
der Stadtrat in der Weisung an den Gemeinderat – „hat zur Folge, dass der heute eingedolte Hornbach geöffnet werden muss (Art. 38 Gewässerschutzgesetz). Die Überdeckung, die bisher als Parkierungsfläche
genutzt wird, muss deshalb im Rahmen des Bachöffnungsprojekts entfernt werden.“ (GR 2014/233, Seite
12)
Schon wieder ein Hornbacher Schuss, der voll daneben ging. Von links: FDP-Gemeinderat Albert Leiser (Direktor Hauseigentümerverband, Finanzierung), Gewerbeverbands-Präsidentin Nicole Barandun und SVPNationalrat Gregor Rutz (Präsident Hauseigentümerverband, Text und Regie). Nach einem Originalbild der
Freilichtaufführung des Hornberger Schiessens.
Gewerbepräsidentin gegen bezahlbare Gewerbemieten: geht das?
Aber Frau Gewerbeverbandspräsidentin legt gleich nach. In einem Kommentar auf der AL-Facebook-Seite
fragt sie leicht beleidigt: „Kann mir einer erklären, wieso die Stadt da auch noch vergünstigte Büros baut?“
Yes, we can, Frau Barandun.
Die Gewerberäume und auch der Werkhof werden entlang der vierspurigen Bellerivestrasse erstellt, weil dort
Wohnen wegen der starken Lärmimmissionen wenig Sinn macht. Für die – voll ausgebauten - Wohnungen
betragen die kostendeckenden Mieten gemäss Weisung des Stadtrats je nach Grösse zwischen 205.- und
255.- pro m2 und Jahr. Für die Büro- und Gewerberäume – wohlgemerkt im Edelrohbau – sind dagegen
Mieten von 290.- bis 360.- pro m2/Jahr vorgesehen, also rund 40% mehr. Wie frau da von „vergünstigt“ reden kann, ist schleierhaft. Die Gewerbemieten sind weder überrissen noch künstlich verbilligt, sondern vernünftig-moderat: sie reflektieren die relative Randlage des Areals und liegen im unteren Bereich dessen, was
im Seefeld üblich ist. Und die Stadt verdient gutes Geld damit.
Markt-Ideologie oder Interessenvertretung?
Überhaupt: die Präsidentin des Stadtzürcher Gewerbeverbands müsste ihren Mitgliedern plausibel erklären
können,
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warum sie Nein sagt zu 80 – 90 Mio CHF Aufträgen für ein Bauprojekt;
warum sie Sturm läuft gegen den Bau von 23 bezahlbaren Gewerbelokalen mit knapp 3‘000 m2 Fläche;
und vor allem warum sie für Maximalmieten für Läden, Gewerbe und Büros plädiert.
Letzteres ist doch wohl eher ein Hauseigentümer- als ein Gewerbler-Postulat…