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20 Stationen der Gründungsroute
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Gründungsroute Wegverlauf
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weitere historische Plätze
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Schottenfeldgasse 24: 1945-1960 Sitz der GBH
Ebendorferstraße 7: Erste ÖGB-Zentrale (1945-1948)
Nach Kriegsende wurde die Spielstätte von einem öffentlichen
Verwalter geführt und ab 1948 von der Volkstheater Ges.m.b.H.
(Geschäftsführer waren Gewerkschafter) gepachtet. ÖGB-Bildungssekretär Franz Senghofer (1904-1998) gründete 1948
die Volkstheatergemeinde, die allen Mitgliedern vergünstigte
Kartenpreise bot.
In den 1950er-Jahren fanden im Volkstheater mehrere gewerkschaftliche Kundgebungen zur Verbesserung der ArbeiterInnenrechte der Kunstschaffenden, WissenschafterInnen
und PrivatlehrerInnen statt. 1954 gründeten AK-Präsident Karl
Mantler und Franz Senghofer das „Volkstheater in den Außenbezirken“, um ArbeiterInnen das Theater in ihre Nachbarschaft
zu bringen. Es existiert bis heute.
In den 1980er-Jahren wurde das Theater renoviert, und seit
2000 gehört es einer Privatstiftung.
Gedenktafel und Statue: Rudolf Beer (1885-1938) war von
1924 bis 1932 Direktor des Volkstheaters. Er wollte allen Zugang zum Theater ermöglichen, gründete eine Theatergemeinde und arbeitete eng mit der sozialdemokratischen Kunststelle
zusammen. 1938 wurde er von den Nationalsozialisten verhaftet, schwer misshandelt und im Wienerwald aus dem Auto
geworfen. Als er neuerlich verhaftet werden sollte, beging Beer
Selbstmord.
Ab 1921 zog auch die Reichskommission der freien (sozialdemokratischen) Gewerkschaften Österreichs (ab 1928 Bund der
Freien Gewerkschaften) unter dem Vorsitz von Anton Hueber
ein, ebenso der Reichsverein der Buchbinder und Papierarbeiter Österreichs. Ab 1929 leitete die langjährige Mitarbeiterin
der Gewerkschaftskommission Anna Boschek (1874-1957)
die von ihr erkämpfte Frauensektion, und die spätere erste
Frauenvorsitzende des ÖGB Wilhelmine Moik (1894-1970)
war ihre Mitarbeiterin.
Mit Kriegsende 1945 wurde das Haus wieder Sitz der Arbeiterkammer und des Gewerkschaftsbundes. Am 30. April 1945
wurden hier der provisorische ÖGB-Bundesvorstand und die
prov. Vorsitzenden gewählt: 1. Johann Böhm, 2. Gottlieb Fiala
(1891-1970), 3. Lois Weinberger (1902-1961). 1948 übersiedelte der ÖGB in die Hohenstaufengasse. 1959 zog die AK aus,
und die Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter übernahm die
Räumlichkeiten.
Gedenktafel (1995): Die Gewerkschaft Bau-Holz ließ 1995
die Gedenktafel errichten, um die Zielsetzungen des ÖGB zu
unterstreichen und den Funktionären für ihr rasches Eingreifen
im Jahr 1950 zu danken.
Initialen v. Käthe Leichter (Fassade 2006): Von der
AK Wien zur Würdigung von Käthe Leichter angebracht.
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10 Palais Auersperg
Die 20 Stationen der Gründungsroute (Dauer ca. 2 Stunden)
4 Arbeiterlesezimmer
Zieglergasse 18, 1070 Wien
Hier wurde 1868 (erst seit 1867 legal) eines der ersten Arbeiterlesezimmer Wiens von einem Arbeiterverein eingerichtet.
Arbeiter konnten in ihrer kargen Freizeit Zeitungen, Zeitschriften und Bücher lesen. Finanziert wurden die Lesezimmer auch
von den Gewerkschaften durch Gartenfeste, Mitgliedsbeiträge
und organisierte Spaziergänge.
5 Gewerkschaftshaus der Buchdrucker
In Wien-Neubau fanden die Vorbereitungen für die Gründung des Österreichischen Gewerkschaftsbundes statt.
1 Westbahnhof
Europaplatz 2, 1150 Wien
Am 15. April 1945 fand im Direktionsgebäude des Westbahnhofs die Gründungsversammlung für den überparteilichen
Österreichischen Gewerkschaftsbund statt. Der ehemalige Vorsitzende der Österreichischen Baugewerkschaft Johann Böhm
(1886-1959) wurde von den sozialdemokratischen, kommunistischen und christlich-sozialen Gewerkschaftern zum Vorsitzenden vorgeschlagen.
Mahnmal: „Für das Kind“ (1988/auf Ebene 0): Nach dem
Novemberpogrom 1938 nahmen Familien in England 10.000
jüdische Kinder aus Österreich, Polen und der Tschechoslowakei
auf. Viele von ihnen reisten vom Westbahnhof ab. Die Aktion
endete mit dem Überfall Hitlers auf Polen im September 1939.
Gedenktafel: „Niemals vergessen“ (1988/Ebene 1): Nach
dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische
Deutschland im März 1938 begann in Österreich eine Verhaftungswelle. Am 1. April 1938 wurden 150 Österreicher vom
Westbahnhof, zynischerweise auch als „Prominententransport“ bezeichnet, in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Darunter waren der sozialdemokratische Politiker Robert
Danneberg (1885-1942), der spätere Vorsitzende der Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter, ÖGB-Präsident und Innenminister Franz Olah (1910-2009), der spätere Bundeskanzler
Leopold Figl (1902-1965) und der ehemalige Vorsitzende der
ständestaatlichen Einheitsgewerkschaft Johann Staud (18821939).
Denkmal der Republik: v. l. n. r. Jakob Reumann, Victor Adler, Ferdinand Hanusch
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2 Wohnung Josef Battisti
Kenyongasse 3, 1070 Wien
Die Gedenktafel (seit 2005) erinnert an die ersten Treffen der
Gewerkschafter zwischen dem 11. und 14. April 1945. Noch
während in Teilen Wiens gekämpft wurde, planten in der kleinen Wohnung des Baugewerkschafters
Josef Battisti (1900-1990) bis zu 25
Gewerkschafter die Gründung des Österreichischen Gewerkschaftsbundes. Ein
auf Vorschlag Johann Böhms gebildeter
Ausschuss begann mit der Ausarbeitung der Statuten.
3 Haus der Bau- und Holzarbeiter
Schottenfeldgasse 24, 1070 Wien
Der Baugewerkschafter Josef Battisti brachte am 13. April 1945
an dem Gebäude das Schild an: „Dieses Haus ist Eigentum der
Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter und steht unter dem
Schutz der österreichischen Widerstandsbewegung“. Kurz darauf zogen die Gewerkschafter wieder in ihr Haus, das ab 1929
Sitz der Baugewerkschaft Österreichs war und später von den
Austrofaschisten und den Nationalsozialisten enteignet wurde.
1945 bis 1960 war es Zentrale der Gewerkschaft der Bau- und
Holzarbeiter. Erster Vorsitzender 1945 war Johann Böhm, gefolgt von dem Wiener Bauarbeiter Franz Novy (1900-1949).
Sein Nachfolger war Franz Olah, der von hier aus die Gegenmaßnahmen zum vom ÖGB nicht legitimierten und politisch
mißbrauchten Oktoberstreik 1950 organisierte.
Seidengasse 15-17, 1070 Wien
1873 zogen die Vorgängerorganisationen der heutigen Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPAdjp) hier ein. Um bei Lohnverhandlungen gemeinsam aufzutreten, wurde 1923 das „Graphische Zentralkartell“ gegründet,
in dem sich die Organisationen der Bereiche Druck und Papier
zusammenschlossen. In der Ersten Republik waren der Schriftsetzer und spätere Bundespräsident Franz Jonas (1899-1974)
und der Schriftsetzer und spätere Generalsekretär des ÖGB Anton
Proksch (1897-1975) in der Druckerjugend engagiert.
Nach der Auflösung der Freien Gewerkschaften und dem Verbot
der sozialdemokratischen Medien und Druckereien im Februar
1934 koordinierte der Journalist und spätere AK-Pressesprecher
Otto Leichter (1897-1973) die Medienarbeit der illegalen Freien Gewerkschaften.
1938 übernahm die nationalsozialistische Deutsche Arbeitsfront das Gebäude und verkaufte es. Nach Kriegsende zog
1945 die Gewerkschaft Druck und Papier wieder ein, und kurz
darauf erschien trotz Papiermangels das Gewerkschaftsblatt
„Vorwärts“ wieder.
Am Gebäude erinnert das Buchdruckerwappen an den ehemaligen Gewerkschaftssitz.
6 Treffpunkt der Bäcker
Neubaugasse 64, 1070 Wien
Eine der vielen Vorläuferorganisationen der heutigen Produktionsgewekschaft (PRO-GE), der Fachverein der Bäcker, traf
sich hier ab 1895. Die Bäcker hatten bereits 1801 in Salzburg
einen der ersten Streiks organisiert und gegen die staatlich
befohlene Sonntagsarbeit protestiert. Es sollten noch viele
Demonstrationen folgen, bis 1900 die ersten Kollektivverträge abgeschlossen wurden. 1919 schlossen sich mehrere
Vereine zum Zentralverband der Lebens- und Genussmittelarbeiter zusammen. Dessen Sekretär Karl Mantler (1890-
1965) war nach dem Verbot der Gewerkschaften ab 1935
Obmann des illegalen Bundes der Freien Gewerkschaften.
Mantler und andere illegale Gewerkschafter boten Bundeskanzler Kurt Schuschnigg (1899-1977) ohne Erfolg die Hilfe
der illegalen Gewerkschaften im Kampf gegen die Nationalsozialisten an. Nach fast sechs Jahren Konzentrationslager wurde
Mantler nach 1945 Vorsitzender der LebensmittelarbeiterInnen
und Präsident der AK Wien.
7 Redaktionssitz „Die Gewerkschaft“
Neubaugasse 65, 1070 Wien
Bereits vor dem ersten Gewerkschaftskongress 1893 wurde die
Zeitschrift „Die Gewerkschaft“ gegründet.
Hier war der erste Redaktionssitz. Die Publikation erschien bis
1922 und wurde 1923 in die bis heute erscheinende Zeitschrift
„Arbeit & Wirtschaft“ umbenannt. Anton Hueber (1861-1935),
ab 1895 Leitender Sekretär der Gewerkschaftskommission, und
Franz Domes (1863-1930), Mitbegründer des Metallarbeiterverbandes und späterer Arbeiterkammerpräsident, waren
maßgeblich an der Herausgabe des Mediums beteiligt.
8 Wohnung Karl Höger
Burggasse 57, 1070 Wien
Hier lebte der sozialdemokratische Gewerkschafter und „Vorwärts“-Redakteur Karl Höger (1847-1913). Er war Pionier der
Druckerbewegung und der Arbeiter-Radfahrbewegung sowie
Gründer des Arbeiterchors „Freie Typographia“. Höger trat für
die Beschränkung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 60 Stunden ein und forderte, dass 16- bis 18-Jährige nur mehr acht
Stunden am Tag arbeiten sollen. Diese Forderungen brachten
ihm den Ruf ein, ein Sozialutopist zu sein.
9 Volkstheater
Neustiftgasse 1, 1070 Wien
Schriftsteller, Schauspieler und Industrielle gründeten 1887
den Verein „Deutsches Volkstheater“ mit dem Ziel, ein Theater
abseits von „schlüpfriger Operettenkost“ und als Gegenpol zu
den Staatstheatern für die „geistige Erholung“ der BürgerInnen
zu errichten. 1889 wurde das Deutsche Volkstheater eröffnet.
Ab 1895 führte man Donnerstags- und Sonntagnachmittagsvorstellungen speziell für ArbeiterInnen ein. Gleich nach
dem Anschluss 1938 wurden alle jüdischen MitarbeiterInnen
entlassen und das Gebäude von den Nationalsozialisten enteignet und in ein „Kraft durch Freude“-Theater umgewandelt.
Auerspergstraße 1, 1080 Wien
1944/45 versteckten sich im Palais Auersperg die Widerstandskämpfer der O5-Bewegung. Sie planten Sabotageakte und
verhandelten im April 1945 mit den Alliierten. In den Büros der
Widerstandsbewegung O5 trafen sich bereits am 7. Mai 1945
die ersten Theaterschaffenden, um eine Bühnengewerkschaft
zu errichten.
11 Landesgericht für Strafsachen Wien
Landesgerichtsstraße 11, 1080 Wien
Das Landesgericht („Landl“) ist seit 1839 Gerichtsgebäude. Am
14. Juli 1927 wurden hier die drei angeklagten rechten Frontkämpfer im Schattendorf-Prozess freigesprochen. Sie hatten
im Jänner bei einer ArbeiterInnenkundgebung zwei Menschen
erschossen. Die Empörung in Wien war groß, und am 15. Juli
demonstrierten Tausende ArbeiterInnen gegen das „Schandurteil“. Einige drangen in den Justizpalast ein und legten Feuer.
Die Prozesse der festgenommenen Demonstranten fanden
hier statt. Während des austrofaschistischen Ständestaates
(1934-1938) gab es hier zahlreiche Prozesse gegen GewerkschafterInnen. Bekannt wurde auch der sogenannte „Große
Sozialistenprozess“ (1936) gegen 28 „illegale“ SozialistInnen
und zwei Kommunisten. Unter ihnen waren der Sekretär der
Jugendabteilung des Bundes Freier Gewerkschaften und spätere Generalsekretär des ÖGB Anton Proksch, der Vertrauensmann der Freien Eisenbahnergewerkschaft Franz Rauscher
(1900-1988) und der spätere Bundeskanzler Bruno Kreisky
(1911-1990).
Zwischen dem 6. Dezember 1938 und dem 4. April 1945 exekutierten die Nationalsozialisten 1.184 Menschen, u. a. wurden
im Juni 1942 zehn im Widerstand tätige Eisenbahner aus der
Steiermark und Kärnten geköpft. Nach dem Erlass des Verbotsund des Kriegsverbrechergesetzes im Mai 1945 fanden hier die
Prozesse gegen Nationalsozialisten statt.
12 Gewerkschafts- und Arbeiterkammerhaus
Ebendorferstraße 7, 1010 Wien
1920 zog die neu gegründete Kammer für Arbeiter und Angestellte in das Gebäude ein. Ferdinand Hanusch (1866-1923)
wurde 1921 Vorsitzender. Der ehemalige Sekretär der Union
der Textilarbeiter Österreichs und Vorsitzende der Österreichischen Gewerkschaftskommission (ab 1903) war als Nationalrat
maßgeblich an der Sozialgesetzgebung zwischen 1918 und
1920 beteiligt. Zwischen 1925 und 1934 leitete Käthe Leichter
(1895-1942) hier das AK-Frauenreferat.
13 Rathaus
Rathausplatz, 1010 Wien
Bei den Gemeinderatswahlen 1900 errangen die Sozialdemokraten zwei Sitze mit dem späteren Bürgermeister Jakob Reumann (1853-1925) und dem sozialdemokratischen Arbeiterführer Franz Schuhmeier (1864-1913). Letzterer wurde 1913
vom Bruder des christlich-sozialen Gewerkschafters Leopold
Kunschaks erschossen.
In der Volkshalle des Rathauses fanden unzählige Versammlungen statt. 1897 beschlossen hier die Tramway-Bediensteten einen Streik, die Bank- und Sparkassenbeamten (1907),
die Angestelltengewerkschaften (1909) und die Angestellten
der Stadt Wien (1919) hielten Protestveranstaltungen ab. Sie
war Ausgangspunkt von Demonstrationen und Ort von Kundgebungen, wie 1952 die der Bau- und Holzarbeiter gegen die
„Kamitz-Sanierung“ (Sparprogramm der Regierung).
Am Rathausplatz finden seit 1922 die 1.-Mai-Feiern statt,
die in den 1920er-Jahren die Aufforderung für die Beibehaltung der sozialen Errungenschaften unterstrichen und in
den 1930er-Jahren verstärkt gegen den Faschismus auftraten. Im Ständestaat und im Nationalsozialismus wurden die
Feiern „umgedeutet“. Am 1. Mai 1945 gab es bereits eine
„Befreiungsfeier“.
1948 fand hier die Abschlusskundgebung des ersten ÖGB-Bundeskongresses statt, 1950 feierte man das Ende des Oktoberstreiks, 1953 die Feier „60 Jahre Gründung der Gewerkschaftskommission“ und 1955 zum Abschluss des 4. Weltkongresses
des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften wurde ein
großes Festspiel aufgeführt.
16 Justizpalast
Schmerlingplatz 10-11, 1010 Wien
Einen Tag nach dem Freispruch der Arbeitermörder im Schattendorf-Prozess demonstrierten am 15. Juli 1927 ArbeiterInnen aus allen Bezirken. Die Polizei drängte die Protestierenden
gegen das„Schandurteil“ in Richtung Justizpalast ab. Zu Mittag
drangen die ersten Protestierenden in das Gebäude ein. Kurz
darauf brannte es im Haus. Bei den Auseinandersetzungen
starben 89 Demonstranten.
17 Grete Rehor
Grete-Rehor-Park, 1010 Wien
Die christlich-soziale Gewerkschafterin Grete Rehor (19101987) wurde von der ÖVP-Alleinregierung (1966-1970) als
erste Frau zu einer Bundesministerin in Österreich ernannt. Rehor begann ihre gewerkschaftliche Arbeit 1927 als Sekretärin
des Zentralverbandes der christlichen Textilarbeiter, war von 1928 bis 1938 das erste weibliche
Mitglied im Jugendbeirat der AK Wien und beeinflusste die
Aktionen „Jugend am Werk“ und „Jugend in Not“ maßgeblich.
Nach dem Kriegsende 1945 war sie in der Gewerkschaft der
Textil-, Bekleidungs- und Lederarbeiter tätig und ab April 1948
Bundesvorsitzende der Fachgruppe Weber.
Zwischen 1949 und 1970 war sie Nationalratsabgeordnete.
1957 gründete sie das Frauenreferat des ÖAAB. 1970 zog sie
sich aus der Politik zurück.
18 Parlament
Dr.-Karl-Renner-Ring 3, 1010 Wien
1883 konnten die Abgeordneten des seit 1867 bestehenden
Reichsrates von der Herrengasse in das heutige Parlament ziehen. Im November 1905 demonstrierten 200.000 Menschen
für ein demokratisches, allgemeines und direktes Wahlrecht.
Erst nachdem die Freien Gewerkschaften mit einem Generalstreik drohten, wurde 1907 das Allgemeine Wahlrecht,
allerdings nur für Männer, beschlossen. Am 12. November
1918 wurde das Gebäude vom Reichsrat an die Provisorische
Nationalversammlung übergeben. Nach der Einführung des
Frauenwahlrechts war ab 1919 Anna Boschek eine der ersten
sieben weiblichen Abgeordneten. Zwischen 1918 und 1920
konnten unter Gewerkschafter und Sozialminister Ferdinand
Hanusch zahlreiche bis heute richtungsweisende Sozialgesetze
verabschiedet werden: die Schaffung von Arbeitsämtern, der
Acht-Stunden-Tag, Gesetz über die Errichtung von Betriebsräten, Arbeiterkammergesetz, Verbot der Kinderarbeit, u. v. m.
1933 streikten die Eisenbahner gegen die dreiteilige Auszahlung ihres Monatslohnes. Bei der Abstimmung im Parlament
über diese strittige Frage legten alle drei Nationalratspräsidenten ihr Amt nieder. Dollfuß nutzte den Moment, verhinderte
eine neuerliche Konstituierung und errichtete ein autoritäres
Regime. Das Gebäude wurde bis 1945 nicht mehr für parlamentarische Zwecke genutzt. Zwischen 1938 und 1945 wurden zahlreiche Abgeordnete und Bundesräte der Ersten Republik von den Nationalsozialisten inhaftiert und ermordet. Unter
ihnen waren der Organisator der Gewerkschaftsjugend und sozialdemokratische Politiker Robert Danneberg (1885-1942/KZ
Auschwitz), der Funktionär der öffentlichen Bediensteten Oskar Janicki (1883-1945/KZ Dachau), der Metallgewerkschafter
Paul Johannes Schlesinger (1874-1945/KZ Groß-Rosen), der
Gewerkschaftsjournalist Viktor Stein (1876-1940/KZ Sachsenhausen) und der Postgewerkschafter Karl Knapp (1884-1944/
KZ Dachau).
Ab April 1945 war es wieder Ort demokratischer Entscheidungen. Seither haben unzählige GewerkschafterInnen als
Nationalratsabgeordnete die soziale Gesetzgebung in Österreich mitbestimmt: vom Urlaubsgesetz über die Sozialversicherungs- und Arbeitsrechtsgesetze bis hin zur Mindestsicherung.
Gedenktafel (1988/Rampe oben/rechts vom Haupteingang):
Den Opfern nationalsozialistischer Verfolgung und den Abgeordneten und Bundesräten der Republik Österreich gewidmet.
Palais Epstein
19 Dr.-Karl-Renner-Ring 1, 1010 Wien
Im Palais Epstein genehmigte am 30. April 1945 die sowjetische Militärkommandantur die Gründung des Österreichischen
Gewerkschaftsbundes.
Gedenktafel (1993/Ecke Schmerlingplatz/Karl-Renner-Ring)
zur Erinnerung an den Sitz der sowjetischen Militärkommandantur für Wien von 1945 bis 1955.
20 Denkmal der Republik
Dr.-Karl-Renner-Ring zw. 1 + 3, 1010 Wien
Das 1928 errichtete Denkmal erinnert an die Ausrufung der
Ersten Republik 1918 und an drei ihrer wichtigsten Akteure:
den Bürgermeister Jakob Reumann (1853-1925), den Mitbegründer der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Victor Adler
(1852-1918) und den Vorkämpfer der Sozialgesetzgebung
Ferdinand Hanusch (1866-1923).
14 Gedenktafel Wallisch und Kanitz
Reichsratsstraße 2, 1010 Wien
Der Gewerkschafter und sozialdemokratische Arbeiterführer
Koloman Wallisch (1889-1934) wurde nach dem Bürgerkrieg
1934 von den Austrofaschisten am 19. Februar 1934 in Leoben
hingerichtet. Der Erziehungsreformer Otto Felix Kanitz (18941940) wurde von den Nationalsozialisten 1940 in Auschwitz
ermordet.
15 Ehemaliges Café Brauner
Reichsratsstraße 3, 1010 Wien
Im ehemaligen Gasthaus „Brauner“ trafen sich bis 1903 die
Mitglieder von Fachvereinen, die vielfach Vorläufer der heutigen Gewerkschaften waren: von den Schmieden, MusikerInnen
über Versicherungsangestellten und Schwerfuhrwerkern bis
hin zu den Selcher- und Fleischergehilfen.
Die ersten provisorischen Vorsitzenden des ÖGB:
Lois Weinberger, Johann Böhm, Gottlieb Fiala (v. l. n. r. )
Links: die ÖGB-Gründungsurkunde
18 Arbeiterbank
1 Fachbuchhandlung des ÖGB-Verlags
Praterstraße 8, 1020 Wien
1922 wurde die Arbeiterbank-AG mit Sitz in der Praterstraße
8 gegründet. Im Verwaltungsrat saßen der Vorstand der Konsumvereine, Vertreter der Gewerkschaften, Genossenschaften
und der Sozialdemokraten. Ziel war, das von Arbeitern gesparte
Geld ausschließlich zu ihren Gunsten zu verwalten. 1934 wurde die Arbeiterbank geschlossen, 1947 wieder eröffnet. 1963
wurde der Name auf„Bank für Arbeit und Wirtschaft“ geändert,
und 2007 wurde sie an den US-Fonds Cerberus verkauft.
Rathausstraße 21, 1010 Wien
Seit 2007 hat die Fachbuchhandlung des ÖGB-Verlags hier ihren Standort. Sie ist auf die Themenbereiche Arbeit, Recht und
Soziales spezialisiert. Der ÖGB-Verlag wurde im September
1947 in der ÖGB-Zentrale in der Ebendorferstraße 7 (s. Gründungsroute) ins Leben gerufen und ist bis heute für Publikationen der Gewerkschafts- und Betriebsarbeit zuständig.
2 Ehemaliges Gewerkschaftshaus der GPA
Deutschmeisterplatz 2, 1010 Wien
1913 wurden hier die Büros des Vereins der Versicherungsangestellten eingerichtet, die bis 1934 ihre eigene freigewerkschaftliche Organisation hatten. Ab 1907 kooperierten die Organisationen der Bank- und Sparkassenbeamten, der Bund der
technischen Beamten, der Bund der Industrieangestellten und
der Reichsverein der sozialen Versicherungs- und Verwaltungsdienste als „Ständige Delegation“ und waren im Bund der Freien Gewerkschaften vertreten. Während der Illegalität im Austrofaschismus (1934-1938) organisierten sie sich in der „Freien
Angestelltengewerkschaft“. Nur der Zentralverband der christlichen Angestellten schloss sich der „Einheitsgewerkschaft“
an. 1945 entstand aus der Vereinigung aller Angestelltenorganisationen die spätere Gewerkschaft der Privatangestellten.
2007 fusionierte sie mit der Gewerkschaft Druck, Journalismus,
Papier zur GPA-djp. Von 1945 bis 2005 befand sich die Zentrale
der GPA am Deutschmeisterplatz.
3
Gründung der Eisenbahnergewerkschaft
Hohenstaufengasse 17, 1010 Wien
Im ehemaligen Gasthaus Hitzelsberger wurde der Fach- und
Unterstützungsverein der Verkehrsbediensteten Österreichs
gegründet. Da sich Staatsbedienstete nicht gewerkschaftlich
organisieren durften, lösten die Behörden den Verein wieder
auf. Später entstand die Eisenbahnergewerkschaft.
4 ÖGB-Zentrale 1945 bis 2006
Hohenstaufengasse 10-12, 1010 Wien
Vor dem Ersten Weltkrieg und in der Ersten Republik befand
sich im Gebäudekomplex Hohenstaufengasse 10-12 das Lokal des Reichsvereins der Bank- und Sparkassenbeamten. Ab
1928 hatte hier der freigewerkschaftliche Reichsverband der
Gemeindeangestellten seinen Sitz. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude zerbombt, später wurde ein Neubau errichtet.
1948 richtete der ÖGB hier bis 2006 seine Zentrale ein.
GEWERKSCHAFTLICHER STADTRUNDGANG
5 Käthe-Leichter-Elternhaus
GEWERKSCHAFTLICHER
STADTRUNDGANG
Die Gründungsroute des ÖGB
Stadtspaziergänge haben sich einen fixen Platz in der öffentlichen
Erinnerungskultur erobert. Was es bisher nicht gab, ist ein spezieller Rundgang
zur Geschichte des ÖGB. Zum Anlass des Jubiläums „70 Jahre ÖGB“ wurde als
Pilotprojekt eine Gründungsroute konzipiert. Diese erschließt im Spazierengehen
die Gründungstage des ÖGB im April 1945, sowie Wirkungsstätten und
Ereignisse gewerkschaftlichen Engagements und der ArbeiterInnenbewegung
von den Anfangszeiten bis in die Gegenwart.
Ausgangspunkt ist der Westbahnhof, Schauplatz der ÖGB-Gründungsversammlung. Nächste Station ist das ehemalige Wohnhaus des Baugewerkschafters
Josef Battisti. Danach geht es weiter in die erste ÖGB-Zentrale in der
Ebendorferstraße, und den Abschluss bildet das Denkmal der Republik neben
dem Parlament.
Zusätzlich sind auf der Stadtkarte viele weitere Erinnerungsorte eingezeichnet.
Mehr Informationen zu den Stationen gibt es auf der Webseite: www.voegb.at
Impressum:
Herausgeber: ÖGB-Kommunikation, VÖGB, 1020 Wien, Johann-Böhm-Platz 1;
Medieninhaber und Hersteller: Verlag des ÖGB GmbH, 1020 Wien, Johann-Böhm-Platz 1;
Redaktion: Marliese Mendel, Peter Autengruber, Friederike Scherr, Marcus Strohmeier, Alexa Jirez, Sabine Letz;
Stadtplan: www.basemap.at (Open Government);
Fotos: Thomas Reimer, ÖGB-Archiv;
Layout: Stephanie Guberner
Wien 2015
Rudolfsplatz 12, 1010 Wien
Die sozialistische Gewerkschafterin Käthe Leichter (18951942), die erste Frau in Österreich, die zur Doktorin der Staatswissenschaften promovierte, war von 1925 bis 1934 Leiterin
des von ihr geschaffenen AK-Frauenreferats und organisierte
Betriebsrats- und FunktionärInnenschulungen. Nach den Februarkämpfen 1934 war sie Mitbegründerin der Revolutionären Sozialisten, leitete in der illegalen Organisation zuerst das
politische Bildungswesen und dann den Nachrichtendienst.
Ihr Haus war der Treffpunkt von vielen FunktionärInnen. 1938
wurde Leichter von der Gestapo verhaftet – 1942 wurde sie
gemeinsam mit ca. 1.500 Frauen von den Nazis vergast.
6 Verein d. christlichen Haushaltsgehilfinnen
Steindlgasse 6, 1010 Wien
Im „Stanislaushaus“ war der Sitz des von Johanna Weiß gegründeten Verbandes der christlichen Haushaltsgehilfinnen.
Neben einer Stellenvermittlung, einer Krankenkasse und einem
Altersheim wurden Haushaltsgehilfinnen kostenlos bei rechtlichen Fragen beraten.
7 Feuerwehrwache
Am Hof 10, 1010 Wien
Die Berufsfeuerwehr der Stadt Wien hatte schon in der Ersten
Republik eine starke Gewerkschaft. Während der Februarkämpfe 1934 stand die Wachmannschaft der Feuerwache
Floridsdorf, angeführt von Georg Weissel, auf Seite des Republikanischen Schutzbundes. Ein Denkmal an der Feuerwehrzentrale Am Hof erinnert an Weissel und fünf Feuerwehrmänner, die
wegen antifaschistischen Widerstands hingerichtet wurden.
8 Schuhknechtrevolte
Freyung, 1010 Wien
1721/22 revoltierten hier die Schuhknechte: Sie forderten
mehr Rechte, die Abschaffung des Arbeitsbuches und Mitspracherecht in den Betrieben. Die Revolte wurde niedergeschlagen, ein Versammlungsverbot erlassen, zwei Schustergesellen
zum Tode verurteilt und zur Abschreckung öffentlich gehenkt.
9 Gewerkschaft HTV und GÖD
Teinfaltstraße 7, 1010 Wien
Seit 1948 hat die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (vormals
„öffentliche Angestellte“) hier ihren Sitz. Auch die Gewerk-
19 Julius-Bermann-Hof
Zirkusgasse 3, 1020 Wien
Der Gewerkschaftspionier Julius Bermann (1868-1943) war
Gründungsmitglied des 1892 gegründeten „Vereins der kaufmännischen Angestellten“ (s. Nr. 13). 1940 wurde er von dieser
Adresse aus ins KZ Theresienstadt deportiert, wo er 1943 starb.
20 Arbeiterschule
schaft Handel, Transport und Verkehr (HTV), die heute Teil der
vida ist, hatte hier ihre Adresse.
10 Beginn der 1848-Revolution
Herrengasse 13, 1010 Wien
Vor dem Niederösterreichischen Landhaus versammelten sich
im März 1848 BürgerInnen, Studenten und ArbeiterInnen, um
Rede- und Pressefreiheit, eine Verfassung und die Installierung
einer allgemeinen Volksversammlung zu fordern. In der Herrengasse wurden zahlreiche Demonstranten von der Armee
erschossen. Bis zur Niederschlagung der Revolution im Oktober
1848 wurde u.a. der Allgemeine Arbeiterverein gegründet, und
es galt die Pressefreiheit.
11 Erste ArbeiterInnendemonstration
Hofburg, 1010 Wien
Zeugmachergesellen und TextilarbeiterInnen hatten 1792 Kaiser Franz Petitionen mit Forderungen nach Verbesserung ihrer
Arbeitsverhältnisse übergeben. Doch aus der Hofburg kam
keine Antwort. Also organisierten die Betroffenen hier Wiens
wahrscheinlich erste ArbeiterInnendemonstration.
12 Ferdinand Hanusch
Hanuschgasse , 1010 Wien
Die Hanuschgasse ist nach dem Gewerkschafter und Sozialdemokraten Ferdinand Hanusch (s. Gründungsroute Nr. 18)
benannt. An dieser Stelle befand sich früher der Sitz des Sozialministeriums.
13 Hotel Post
Fleischmarkt 24, 1010 Wien
Eine Gedenktafel erinnert an die Gründung des „Vereins der
kaufmännischen Angestellten“ im Jahr 1892. Der Verein gilt
als Vorläuferorganisation der Gewerkschaft der Privatangestellten. Bis zur Übernahme des Hauses war das Hotel ein beliebter
Treffpunkt der freigewerkschaftlichen Gruppen im Handel.
14 Treffen illegaler GewerkschafterInnen
Schwedenplatz 3, 1010 Wien
Nach dem Ende des Bürgerkriegs 1934 wurden die Freien Gewerkschaften verboten. Gleich darauf bauten die in die Illegalität gedrängten GewerkschafterInnen neue Strukturen auf, zentral dabei war das „Siebenerkomitee“. Funktionäre trafen sich
im Mai 1934 im ehemaligen Café Siller zu ihrer ersten Sitzung.
15 Karl-Pick-Hof
Obere Donaustraße 83, 1020 Wien
Karl Pick (1867-1938) war Obmann des „Vereins der Angestellten“. Er kämpfte erfolgreich für die Arbeitszeitverkürzung der
Handelsangestellten, war Mitbegründer des Sanatoriums der
Wiener Kaufmannschaft, verhandelte als Nationalrat über Kündigungsschutz und Urlaubsregelungen und gilt als einer der
Väter des Mietrechts. (Gedenktafel/Hollandsstraße 1A)
16 Georg-Emmerling-Hof
Obere Donaustraße 97-99, 1020 Wien
Der Kunstdrechsler Georg Emmerling (1870-1948) war schon
früh Mitglied des „Lese- und Fachvereins der Drechsler“. Er
arbeitete für die Arbeiterzeitung, war Gemeinderat und überwachte die Elektrifizierung der Stadtbahn.
17 Depot der Revolutionären Sozialisten
Taborstraße 1, 1020 Wien
Otto Skritek (1909-1998) mietete hier ein Lokal, das 1935/36
als Depot der Revolutionären Sozialisten benutzt wurde. Er
arbeitete als illegaler Gewerkschafter bis 1938. 1939 wurde er
verhaftet und 1940 ins KZ Dachau deportiert. 1944 musste er
in eine Strafkompanie einrücken und geriet in russische Kriegsgefangenschaft. Nach 1945 wurde er Leitender Sekretär der
Sektion Handel der Gewerkschaft der Privatangestellten.
Praterstraße 32, 1020 Wien
In der Privathandelsschule Porges wurde seit 1865 unterrichtet.
1867 begann die Zusammenarbeit mit dem 1867 gegründeten
Arbeiterbildungsverein Gumpendorf. Die erste Arbeiterschule
entstand, in der man Lesen, Schreiben und Rechnen lernen
konnte.
21 Rosa Jochmann
Rosa-Jochmann-Park, 1020 Wien
Rosa Jochmann (1901-1994) war Gewerkschafterin, Widerstandskämpferin und Nationalratsabgeordnete. Seit ihrer
Jugendzeit setzte sie sich für ArbeiterInnenrechte ein. Im
Austrofaschismus wurde sie wegen ihrer illegalen Gewerkschafts- und Parteiarbeit verhaftet und verurteilt. Nach dem
„Anschluss“ 1938 wurde sie ins KZ Ravensbrück deportiert.
Sie überlebte, wurde nach 1945 Nationalratsabgeordnete,
SPÖ-Frauenvorsitzende und Vorsitzende der antifaschistischen
Freiheitskämpfer. Zudem vermittelte sie als Zeitzeugin in unzähligen Veranstaltungen ihre Erlebnisse und ihr Lebensmotto:
„Nie zusehen, wenn Unrecht geschieht“ (siehe auch Nr. 33).
22 Berufsförderungsinstitut
Holzhausergasse 4, 1020 Wien
Der ÖGB und die Arbeiterkammer gründeten 1959 das Berufsförderungsinstitut (bfi). Bis heute werden zahlreiche Aus- und
Weiterbildungskurse angeboten. Ab 1960 wurden die ersten
Landesstellen in den Bundesländern eröffnet.
23 Praterschlacht
Praterstern, 1020 Wien
Im März 1848 begann die Revolution in Wien. ArbeiterInnen,
Studenten und BürgerInnen kämpften gemeinsam für Redeund Pressefreiheit, eine Verfassung und das Wahlrecht.
Im August 1848 beschloss die Regierung eine Reduzierung der
Löhne für ErdarbeiterInnen. Die ArbeiterInnen organisierten
eine Demonstration. Am Praterstern wurden sie vom Militär
und der Stadtwache zuerst verbal und dann mit Waffen angegriffen. 18 Menschen starben. Die gewaltsame Niederschlagung des Protestes führte aber auch zur Gründung des „Ersten
Wiener Demokratischen Frauenvereins“.
24 Konzerthaus
Lothringerstraße 20, 1030 Wien
Das Konzerthaus war im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört
worden und bot deshalb genügend Raum für große Veranstaltungen: 1945 konstituierte sich hier die Arbeiterkammer, und
1948 fand hier der erste ÖGB-Bundeskongress statt.
27 Arbeiterkammer
28 Metaller & Anton Benya
Plößlgasse 15, 1040 Wien
Hier befand sich von 1963 bis 2010 der Sitz der Gewerkschaft
der Metall- und Bergarbeiter, bzw. der PRO-GE, die aus der
Fusion mit den Gewerkschaften Textil-Bekleidung-Leder (TBL),
Agrar-Nahrung-Genuss (ANG) und der Chemiearbeiter (GdCh)
entstanden ist. Gleich dahinter liegt der Anton-Benya-Park.
Er wurde von AK Wien und ÖGB gestiftet und 1990 eröffnet.
Anton Benya (1912-2001) war bald nach Kriegsende im
Vorstand der Gewerkschaft Metall-Bergbau-Energie und von
1962-1977 deren Vorsitzender. Ab 1948 war Benya auch Sekretär im ÖGB, wurde 1959 Vizepräsident und schließlich von
1963 bis 1987 Präsident des ÖGB.
29 Haus der gastgewerblichen Arbeiterschaft
Operngasse 9/Treitlgasse 1, 1040 Wien
1930 legte die Gewerkschaft der gastgewerblichen Arbeiterschaft den Grundstein zum Bau des Hauses, die Urkunde ist im
Fundament eingemauert.
30 Verband „Einigkeit“
Rahlgasse 2, 1060 Wien
1902 wurde der „Verein der Heimarbeiterinnen und aller im
Hause beschäftigten Frauen und Mädchen“ gegründet; 1911
schloss er sich mit dem „Verbund der weiblichen und männlichen Hausangestellten Österreichs - Einigkeit“ zusammen.
In der Vereinszeitung berichteten sie über ihre Aufgaben wie
Stellenvermittlung, Weiterbildung und Unterstützung in rechtlichen Angelegenheiten und auch über ihre Forderungen wie
Kranken-, Alters- und Unfallversicherung für die Angestellten
und eine achtstündige Nachtruhe. Es war jedoch für die engagierten Frauen Anna Boschek, Gisela Laferl (1884-1968)
und Antonie Alt (1884-1963) schwer, Mitglieder zu finden, zu
häufig wechselten die ArbeiterInnen ihre Stellen und somit ihre
Wohnsitze. Die rechtliche Stellung der Dienstmädchen konnte
mit Einführung des Hausgehilfengesetzes 1920 etwas verbessert werden.
Relief am Georg-Emmerling-Hof (Nummer 16)
33 Haus der Zentralvereine
Königseggasse 10, Loquaiplatz 9,
Otto-Bauer-Gasse 9, 1060 Wien
Im Haus Königseggasse 10 hatten in der Zeit der Monarchie
bis in die Erste Republik mehrere Zentralvereine ihren Sitz Drechsler, Friseure, ScheiderInnen, Zimmerer oder Kürschner.
Die Gewerkschaft der Land- und Forstarbeiter bezog 1928 das
Haus Loquaiplatz 9. Der Gebäudekomplex beherbergte auch
nach 1945 die Land- und Forstarbeiter und die Gewerkschaft
Textil-Bekleidung-Leder wie auch die Gewerkschaft der Arbeiter der persönlichen Dienstleistungen und der Vergnügungsbetriebe mit der Adresse Otto-Bauer-Gasse 9. Die Gasse ist nach
dem führenden Theoretiker des „Austromarxismus“ und sozialdemokratischen Politiker Otto Bauer (1881-1938) benannt.
31 Johanna-Dohnal-Platz
Rahlgasse Ecke Gumpendorfer Straße,
1060 Wien
Der 2012 nach Johanna Dohnal (1939-2010) benannte Platz
erinnert an eine bedeutende Vorkämpferin für Frauenrechte.
Sie wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, lernte Industriekauffrau und wurde selbst Mutter von zwei Kindern. 1972 wurde
sie in den Wiener Gemeinderat gewählt, und 1978 eröffnete
sie das auf ihre Initiative hin errichtete erste Frauenhaus. 1979
wurde sie Staatssekretärin für Frauenfragen und von 1990 bis
1995 Österreichs erste Frauenministerin. Sie erreichte einen
verbesserten Schutz für Frauen vor Gewalt, die Durchsetzung
der Frauenförderung und mit der Familienrechtsreform 1975
die Abschaffung der Vormundschaft des Ehemannes.
32 Victor Adler
Gumpendorfer Straße 54, 1060 Wien
25 Erster Allgemeiner Arbeiterverein
Beatrixgasse 19A, 1030 Wien
Während der Revolution 1848 war es kurzzeitig möglich, Vereine zu gründen. Der Buchbindergeselle Friedrich Sandner war
Initiator des im Juni 1848 im Gasthof Fürstenhof gegründeten
„Ersten Allgemeinen Arbeitervereins“. Seine Grundforderung
lautete: „Wir verlangen Bildung! Bildung als einzige Quelle von
Freiheit!“ Auf Einladung von Sandner referierte Karl Marx in
Wien über die sozialen Verhältnisse in Europa. Mit der Niederschlagung der Revolution wurde der Verein aufgelöst.
26 Robert Danneberg
Dannebergplatz, 1030 Wien
Robert Danneberg (1885-1942) war Organisator der Gewerkschaftsjugend, sozialdemokratischer Politiker (Finanzstadtrat), Gründungssekretär der Sozialistischen Bildungszentrale,
Mitautor der Wiener Stadtverfassung und Planer der Wiener
Wohnbauprogramme. Die Flucht vor den Nationalsozialisten
misslang ihm. Er wurde am 1. April 1938 im sogenannten„Prominententransport“ ins Konzentrationslager Dachau deportiert
und 1942 im KZ Auschwitz ermordet. Der Platz wurde 1949
nach ihm benannt.
Zur Gründungsroute bitte wenden
Prinz-Eugen-Straße 22, 1040 Wien
Auf Betreiben der Freien Gewerkschaften wurden 1920 die
Arbeiterkammern gegründet. Nach den Februarkämpfen 1934
bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten 1938 waren
sie der austrofaschistischen Regierung unterstellt. 1945 wurden die Arbeiterkammern wieder eingerichtet. Seit 1957 ist
die AK Teil der Sozialpartnerschaft. In den 1970er-Jahren erweiterte sich das Betätigungsfeld auf Umwelt-, Kommunal-,
Wohnungspolitik und Konsumentenschutz. Seit 1992 gibt es
kostenlose Rechtsberatung für ArbeitnehmerInnen.
Anna Boschek engagierte sich besonders dafür, dass
sich Frauen gewerkschaftlich organisierten (siehe
Nummer 30).
34 Gewerkschaft der Chemiearbeiter
Stumpergasse 60, 1060 Wien
Bis 1904 hatten sich viele Fachvereine, von SeifensiederInnen
über GlasarbeiterInnen bis hin zu TonwarenarbeiterInnen zum
„Verband der Arbeiterschaft der Papier-, chemischen und
Gummiindustrie“ zusammengeschlossen. 1910 konnten sie
beim 1. Verbandstag des freigewerkschaftlichen „Verbandes
der Arbeiterschaft der chemischen Industrie“ bereits berichten,
dass 38 Verträge mit höheren Löhnen und kürzerer Arbeitszeit
abgeschlossen wurden.
Der Verband prangerte vor allem die Gefahren giftiger Gase bei
der Produktion und den fehlenden Unfallschutz der ArbeiterInnen an. Zwischen 1922 und 1924 kam es zu mehreren Streiks,
um Kollektivverträge durchzusetzen. Von 1926 bis 1931 war
Rosa Jochmann (siehe Nr. 21) Sekretärin im Verband der chemischen Arbeiterschaft Wien.
1930 zog die Gewerkschaftszentrale in die Stumpergasse. 1945
organisierte sich die Gewerkschaft der Chemiearbeiter neu, seit
2009 gehört sie zur PRO-GE.
35 Gewerkschaft der Lebens- und
Genussmittelarbeiter
Albertgasse 35, 1080 Wien
Aus unzähligen Vereinen und Fachverbänden wie den Fleischhauern, Zuckerbäckern, Brauereiarbeitern, Fassbindern und Salinenarbeitern entstand 1918 der „Zentralverband der Lebensund Genußmittelarbeiter Österreichs“; seit 1945 Gewerkschaft
der Lebens- und Genussmittelarbeiter (LUGA). 1928 zog die
LUGA in die Albertgasse und blieb bis zum Jahr 2006 dort.
36 Christliche Gewerkschaften
Laudongasse 16, 1080 Wien
Die Wurzeln der christlichen Gewerkschaften liegen in christlichen Arbeitervereinen: 1892 gründete der Sattlergehilfe
Leopold Kunschak (1871-1953) den christlich-sozialen Arbeiterverein. Die christlichen Gewerkschaften orientierten sich
an der 1891 von Papst Leo XIII. erlassenen Enzyklika „Rerum
Novarum“, welche die Versöhnung der Klassen als Maßnahme
gegen die sozialen Missstände vorschlug. Der Klassenkampf
wurde abgelehnt.1909 wurden die Vereine in der „Zentralkommission der Christlichen Gewerkschaften Österreichs“ zusammengeschlossen. Das „Linzer Programm der christlichen Arbeiter“ (1923) formulierte als Ziel eine christliche Ausrichtung der
Gesellschaft und der Wirtschaft. 1926 zogen die Christlichen
Gewerkschaften in das Haus Laudongasse ein. 1934 gingen
sie eine „loyale Opposition“ zum Austrofaschismus ein. 1945
beschlossen die Funktionäre der Christlichen Gewerkschaften die Zusammenarbeit mit den Freien Gewerkschaften.
Der Widerstandskämpfer und Gründer des ÖAAB, Lois Weinberger, zählte zu den Gründungsmitgliedern des ÖGB. Der ÖAAB
hat noch heute seinen Sitz in der Laudongasse im nach dem
christlich-sozialen Gewerkschafter Johann Gassner benannten
Haus. Im Hof finden sich Gedenktafeln für zahlreiche christlich-soziale Gewerkschafter.
37 Streik der Elektrizitätsmitarbeiter
Mariannengasse 4, 1090 Wien
Die Mitarbeiter der Elektrizitätswerke gaben zweimal den
Startschuss zu Streiks. Das erste Mal, nach der Verkündung
des „Schandurteils von Schattendorf“, drehten sie am 15. Juli
1927 den Strom ab und setzten damit das Zeichen zum Beginn der Demonstration, die zum Justizpalastbrand führte, und
das zweite Mal am 12. Februar 1934, als die Februarkämpfe
begannen.
38 Haus der GdG-KMSfB
Maria-Theresien-Straße 11, 1090 Wien
Die Errichtung einer eigenen Gewerkschaft für die Gemeindebediensteten (GdG) war in der ÖGB-Gründungsphase
umstritten. Erst nach einer Demonstration der ArbeiterInnen
städtischer Großunternehmen stimmte Ende Mai 1945 die
ÖGB-Spitze der Errichtung einer eigenen Gewerkschaft zu.
Anfang der 50er-Jahre bezog die Gewerkschaft dann ihr Haus.
2009 fusionierte sie mit der Gewerkschaft Kunst, Medien,
Sport, freie Berufe (KMSfB), die 1945 als „Angestellte der freien Berufe“ begründet wurde. Die verschiedenen Berufe waren
in Sektionen vertreten - MusikerInnen, BühnenarbeiterInnen,
ArtistInnen etc. Später kamen noch die ZahntechnikerInnen,
PrivatlehrerInnen und Fußballtrainer dazu.
Die Hanuschgasse erinnert an den bedeutenden Gewerkschafter und Sozialreformer Ferdinand Hanusch.
Die Gedenktafel erinnert an den Arzt, Zeitungsgründer, Einiger der österreichischen ArbeiterInnenbewegung und Mitbegründer der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Victor Adler
(1853-1918). Er starb einen Tag vor der Proklamation der demokratischen Republik Deutsch-Österreich.