Buddhismus - Tonglen fuer dich selbst

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Tonglen für Dich selbst
(Buddhismus)
Sie können sich jetzt auf die Ihnen vertraute Art entspannen…
Wenn Sie soweit sind, nehmen Sie bitte folgende innere Haltung ein: Ich
öffne mich jetzt meiner inneren Wahrnehmung…
Teilen Sie sich nun für diese Übung in zwei Aspekte A und B auf.
A ist der heile, mitfühlende, soziale, helle, warme und fürsorgliche Teil, Ihr
immer noch in Ihnen existierendes ursprüngliches Ich, das Ihre soziale
Zugehörigkeit, Ihren intersubjektiven Thymos, Ihre geistige Integrität, Ihre
emotionale Ichstärke, Ihre physische Vitalität, Ihre sinnlich erlebende
Sensitivität und Ihre geistig erkennende Intelligenz repräsentiert. Er ist wie
ein echter Freund wirklich für Sie da, offen, antwortend, kooperativ,
solidarisch, lösungsorientiert, ressourcenorientiert, salutogeneseorientiert,
biophil, thymotisch, bereit, Ihnen beizustehen, ohne Sie jemals zu opfern,
ganz gleich was geschah und Ihnen widerfuhr.
B ist jener Teil, der verletzt und verhindert wurde, der frustriert, zornig,
verbittert, hasserfüllt, angeekelt und schmerzerfüllt ist, der belogen,
getäuscht, hintergangen, verraten, verkauft, missachtet, gekränkt,
missbraucht, existenziell beschädigt wurde, der in Beziehungen zerstört und
von der Gesellschaft verachtet und ausgestoßen wurde.
Wenn Sie jetzt einatmen, stellen Sie sich vor, wie A sich ganz öffnet und mit
all seiner Stärke und seinem Mitgefühl das gesamte Leid von B umarmt und
in sich aufnimmt, alle Verletzungen, Verhinderungen, Schändungen und
Missachtungen. Indem sich A öffnet, ermöglicht er die Öffnung von B und
alles Leid in B, seine Verbitterung, sein Zorn, sein Schmerz, sein Hass, sein
Ekel schmilzt in dieser mitfühlenden Umarmung dahin.
Wenn Sie ausatmen, stellen Sie sich vor, wie A all seine Zuwendung, seine
Sensitivität, seine Empathie, sein Wissen, sein Verständnis, sein
Wohlwollen, seine Stärke, seine Vitalität, seinen Thymos, seine Solidarität,
seine Freundlichkeit und seine Freundschaft an B aussendet und wie B dies
in sich aufnimmt.
Führen Sie diese Übung so lange fort, bis B ausreichend von allen
Ressourcen, die er für sine selbstreferenzielle Selbstheilung benötigt,
erhalten hat.
Sie können diese Übung jederzeit wiederholen, wenn Ihnen danach ist.
Nun beenden Sie die Übung und kehren zurück in das Hier und Jetzt.
Nehmen Sie schrittweise wieder Kontakt mit den einzelnen Teilen Ihres
Körpers auf… Spüren Sie den Boden unter sich… Öffnen Sie die Augen…
Orientieren Sie sich wieder in dem Raum in dem Sie sich befinden.
31.08.2001–15.05.2015
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Anmerkung
Tonglen bedeutet „Nehmen und Geben“. Es handelt sich um eine
Meditationspraxis, die wohl ursprünglich in Tibet entstand. Man tauscht dabei
im eigenen Geist sein eigenes gutes Schicksal gegen das schlechte Schicksal
seiner Mitmenschen und entlastet somit die Leidenden im eigenen Geist. Als
Wirkung auf den Meditierenden
• hebt Tonglen das Bewusstsein des Getrenntseins auf und ersetzt es mit
dem Bewusstsein der fundamentalen phylogenetischen, ontogenetischen
und akuten Verbundenheit mit der Umwelt;
• damit fördert es primär Mitgefühl;
• Es lässt die unabdingbare Offenheit und folglich fundamentale
Nichtautarkie aller komplexen Systeme, die sich fern des
thermodynamischen Gleichgewichts stabilisieren, erkennen,
• und es lässt die daraus folgende grundsätzliche Irrealität des Egoismus,
der die fundamentale Nichtautarkie ignoriert oder sogar leugnet, erkennen.
• Es lässt erkennen, wie Leid in der Welt entsteht,
• und wie Leid in der Welt aufgelöst werden kann;
• Und es übt die Möglichkeit der Auflösung von Leiden in der Welt als
Vorbereitung für die nächste konkrete Situation im eigenen Leben, in der
Leid der Umwelt intrinsisch motiviert, handelnd beantwortet werden
muss, im Geist ein.
Unter vielen anderen arbeitet Christine Longaker mit der Praxis des Tonglen.
Vgl. auch das Märchen mit den langen Löffeln.
Vgl. Immanuel Kants intrinsische Pflicht zum Kategorischen Imperativ.
Tonglen für sich selbst sind enge Grenzen gesteckt:
• Es kann gut eingesetzt werden, um kognitive Toxine wie erkannte Double
binds, Verlogenheit, Lügen etc. zu neutralisieren.
• Es kann nur beschränkt gegen intersubjektive Toxine und als Ersatz
externer intersubjektiver Qualität angewendet werden:
• Ein noch nicht in das Ich eingedrungenes intersubjektives Toxin kann
mittels T. f. s. s. neutralisiert werden; die Quelle des Toxins darf aber
in Folge keinesfalls ignoriert werden.
• Ein bereits eingedrungenes intersubjektives Toxin kann hingegen
durch T. f. s. s. nur vorübergehend abgeschwächt werden; zur
Neutralisation ist ein externes adäquates intersubjektives
Gegenüber aber unabdingbar.
• Ebenso kann ein soziales Toxin, ein Nihil privativum durch Tonglen für
sich selbst nur vorübergehend und selbstverständlich nur virtuell
neutralisiert werden.
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