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Lilalu Handlungskonzept (Stand: 23.03.2015)
Lilalu
Bildungs- und Ferienprogramme
Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.
[email protected]
Tel.: 0180 / 1 54 52 58
Inhaltsverzeichnis
0. Präambel…………………………………………………………………………………………..3
1. Geschichte…………………………………………………………………………………………3
2. Projektabriss………………………………………………………………….……………………3
3. Pädagogische Grundsätze und Ziele von Lilalu………………………………………………..4
3.1. Gender Mainstreaming
3.2. Integration von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund / Interkulturelle Orientierung
und Öffnung
3.3. Inklusive Arbeit mit Kindern mit und ohne Behinderung
3.4. Partizipation
3.5. Sexuelle Identität
3.6. Weitere wichtige Bereiche in der Arbeit von Lilalu
3.6.1. Erleben von Gruppenzugehörigkeit
3.6.2. Ökologisches Bewusstsein
3.6.3. Gewaltprävention
3.6.4. Gesundheitsprävention
4. Schwerpunkte der Arbeit von Lilalu………………………………………………………………9
4.1. pädagogisch, hochwertige ganztagsbetreute Ferienmaßnahmen
4.2. Familienorientiertes Lilalu Sommerprogramm
4.3. Ganztagesbetreuung an Schulen
4.4. Bildungsberatung - Seminare für Schulen zum Thema Ganztagsbetreuung
5. Dauer, Controlling und Fortschreibung…………………………………………………………12
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0.
Präambel
Lilalu ist ein Dienst und Angebot der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.
Hinweis:
Zugunsten der Lesbarkeit wurde auf eine männlich/weiblich Formulierung verzichtet. Sämtliche
Ausdrücke, die männlich formuliert sind, gelten sinngemäß auch für Frauen.
1. Geschichte
Das Bildungs- und Ferienprogramm Lilalu ist entstanden auf Anregung der 2. Bürgermeisterin der
Landeshauptstadt München, Frau Dr. Gertraud Burkert, die 1996 im Rahmen der AG Stad-Umland
eine Veranstaltung für Kinder und Familien im Kontext der Stadt und des Umlandes konzipieren und
realisieren lassen wollte.
Die Idee und das Konzept stammen von Frau Anna Seliger.
Erstmals fand dieses Projekt in München im Jahr 1997 als Sommerfestival und Zeltveranstaltung im
Olympiapark Süd statt und zog mit seinem Programm über 40.000 Besucher an. Mehr als 450
ganztagesbetreute Plätze in den Ferien konnten gleich im ersten Jahr an Kinder und Jugendliche
vergeben werden.
Bis zum 30.04.2012 war Lilalu ein gemeinnütziger und mildtätiger Verein und als freier Träger der
Jugendhilfe offiziell anerkannt.
Seit 01. Mai 2012 ist Lilalu ein eigenständiges Sachgebiet der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. (JUH) im
Dachverband der Diakonie im Regionalverband München.
Schirmherr des Projektes in München ist der Oberbürgermeister der LH München, Herr Dieter Reiter.
Die Schirmherrschaft für Bayern hat Herr Martin Neumeyer, Bayrischer Integrationsbeauftragter, inne.
2. Projektabriss
Lilalu ist insbesondere im Rahmen schulischer und außerschulischer Bildungsangebote für Kinder und
Jugendliche im Alter von drei bis 18 Jahren aktiv. Die Inhalte der pädagogischen Arbeit umfassen
entsprechend KJHG §11 den pädagogischen, kulturellen, sozialen, sportlichen, kommunikativen,
kreativen, gesundheitlichen und naturkundlichen Bereich.
Lilalu realisiert kulturpädagogisch und interkulturell hochwertige Projekte in München und ganz
Bayern, die zum Großteil in Form von Workshops, Kursen und Projektwochen aus den Bereichen
Theater, Tanz, Musik, Sport, Kunst, Artistik, Zirkus und Bewegung konzipiert sind.
Die Angebote richten sich an alle Kinder und Jugendlichen von drei bis 18 Jahren. Schwerpunkt der
Ausrichtung
ist
bei
allen
Projekten
die
Ermöglichung
der
Teilnahme
von
Kindern
aus
bildungsunerfahrenen Bereichen und sozialen Klassen und von Kindern und Jugendlichen mit
Migrationshintergrund. Modellhaft ist auch die Arbeit im Bereich von Kindern mit und ohne
Beeinträchtigungen zu nennen.
3
Allgemeine Zielstellungen der außerschulischen Jugendbildung als Ermöglichung von

Bildungsaneignung in kulturpädagogischen Feldern der Jugendhilfe

Erlebnisreichtum und Erlebnisdichte,

Phantasieren und Experimentieren,

Ausprobieren und Einstudieren,

Spiel und Spaß,

Konzentration und Ablenkung,

Anstrengung und Entspannung,

geistige sowie körperliche Anspannung

Erfahrungen sammeln in Freizeit und Berufsalltag am Beispiel der Biografien von Artisten und
Künstler sowie Sportlehrer
sind elementare Bausteine des Projektes.
Bzgl. der praktischen Umsetzung werden je nach Bedarf und Finanzsituation Honorarkräfte,
Ferienbetreuer, ehrenamtliche Helfer/innen etc. eingesetzt. Die finanzielle Ausstattung/Kostendeckung
beruht auf Einnahmen aus Sponsoring, Zuwendungen, Zuschüssen und Eigenmittelverwendung der
JUH.
Lilalu ist aufgrund seiner pädagogischen und interkulturellen Wirkungen und nicht zuletzt aufgrund der
Form der Finanzierung im Drittmittelbereich in der Bundesrepublik als modellhaft zu betrachten.
3. Pädagogische Grundsätze und Ziele von Lilalu
Kulturelle Bildung (vgl. §11 Abs. 3 SGB VIII) stellt im Entwicklungs- und Lernprozess von Kindern ein
wichtiges Aneignungs- und Erziehungsfeld dar. Die kulturpädagogische Arbeit mit Kindern will a priori
eine Fülle von Möglichkeiten schaffen, Kindern „kulturelle Bildung“ anzubieten und nahe zu bringen,
die unter dem Aspekt des Spielens, der Freude am Kennenlernen, der Neugierde des Anfassens und
des Ausprobierens und Gestaltens in spielerischen und zwanglosen Freiräumen passieren und
ablaufen kann.
Neben einer niederschwelligen kulturellen Teilhabe findet in den Workshops auch die Förderung von
sozialen Kompetenzen („Soft Skills“) und von Sprachkompetenz statt. Der Aufbau und Ablauf der
Workshops ist so angelegt, dass die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen parallel zu dem von
ihnen selbst gewählten Workshop-Inhalt eine ganzheitliche Förderung erhalten. So wechseln sich
beispielsweise geistige und körperliche Aktivität, sprachliche und nicht-sprachliche Interaktion und
analytische Durchdringung (körperlicher sowie geistiger Art) sowie Sinneseindrücke ab.
Ausgangspunkt des Konzeptes ist ein pädagogisches, kreatives sowie bewegungsorientiertes
Bildungsprogramm. Methoden der Kunst-, Theater-, Tanz-, Sport-, Zirkus-, Erlebnis- und
Kulturpädagogik werden angewandt, um Stärken und Selbstbewusstsein bei den Kindern und
Jugendlichen herauszubilden. Die Entwicklung und Förderung von Kreativität und kulturellen
Interessen wird als essentiell für einen weiteren erfolgreichen Lebensweg erachtet. Die Vermittlung
von Spaß und Freude am spielerischen Lernen nimmt eine ebenso wichtige Stellung ein. Die Kinder
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sollen einen Prozess der Persönlichkeitsentwicklung durchlaufen, der begleitet und angeleitet wird, bei
dem jedoch auch stets Freiräume für individuelle Entwicklungen besteht. Die Persönlichkeit und
Ausdrucksfähigkeit werden so durch unterschiedliche Weise gestärkt.
Grundsätzlich orientieren sich die Workshops an den schon vorhandenen Stärken der Kinder und
Jugendlichen und fördern diese. Es gibt somit kein Scheitern an Aufgaben, sondern nur einen
Zugewinn an Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten. Die Teilnehmer werden in den kreativen Prozess
‒ die Ausarbeitung der Shownummer ‒ stets mit einbezogen und haben damit die Möglichkeit, die
künstlerische Arbeit im Projekt mitzugestalten. Dabei fungieren die Verschiedenheit (kulturell, sozial
und auch in Hinblick auf die kognitive und motorische Entwicklungsstufe) und Individualität der
Teilnehmer als Grundlage des kreativen Prozesses und werden in den Kursen wertgeschätzt und
gefördert.
Die sehr hohe Qualität der Arbeit von Lilalu ist ein Kennzeichen des Angebots und unterliegt einer
ständigen Sicherung und Weiterentwicklung. Im Konzept sind fünf Querschnittsaufgaben (GIIPS)
festgehalten, die das Handeln aller Mitarbeiter durchdringen und dadurch zur Sicherung der
pädagogischen Qualitätsstandards beitragen. Neue Mitarbeiter lernen die Bedeutung dieser
Querschnittsaufgaben und die daraus folgenden Handlungsableitungen in dem für sie verpflichtenden
Grundlagenseminar kennen.
3.1. Gender Mainstreaming:
Bei Lilalu nahmen bisher stets insgesamt mehr weibliche als männliche Teilnehmer an
Ferienprogrammen von Lilalu teil. Das Interesse, an einem Workshop mitzuwirken, ist demnach
offensichtlich bei Mädchen und jungen Frauen höher als bei Jungen und jungen Männern. Dies lässt
vermuten, dass es bei Mädchen sozial höher angesehen wird, wenn sie sich als Artistin oder
Künstlerin versuchen. Um diese Rollenvorstellungen aufzubrechen, hat sich Lilalu zum Ziel gesetzt,
alternative Rollenentwürfe der Geschlechter zu ermöglichen und Wahlmöglichkeiten für die
Persönlichkeitsentwicklung offen zu legen. Kinder und Jugendliche sollen zu Workshops eingeladen
werden, welche typischerweise für ihr Geschlecht sozial gesehen untypisch sind. Dementsprechend
zielt Lilalu darauf ab, Mädchen und Jungen darin zu bestärken, sich in vielfältigen Tätigkeiten
auszuprobieren und herausfinden, was zu ihren individuellen Interessen und den eigenen Stärken
passt. Beispielsweise werden Luftartistik-Workshops, an welchen häufiger Mädchen und junge Frauen
teilnehmen, speziell für Jungen und junge Männer angeboten.
Als Qualitätsmerkmal findet Gender Mainstreaming in der Organisation und in der Durchführung der
Ferienangebote besondere Beachtung. Als Teil des verpflichtenden Grundlagenseminars werden alle
Mitarbeiter in Bezug auf dieses Thema sensibilisiert und aufgeklärt. Ihnen wird die Bedeutung der
Vorbildfunktion aufgezeigt, um gegen Vorurteile und Benachteiligung gegenüber Geschlechtern aktiv
mitzuwirken.
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3.2. Integration
von
Menschen
mit
und
ohne
Migrationshintergrund
/
Interkulturelle
Orientierung und Öffnung:
Lilalu ist es
ein besonderes
Anliegen, sozial
benachteiligten Gruppen den Zugang
zu
außerschulischen Bildungsangeboten der Kinder- und Jugendhilfe zu ermöglichen. Im Zentrum der
Bemühungen steht der Anspruch Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund
gleichberechtigt an den jeweiligen Projekten teilhaben zu lassen. Analog zu den allgemeinen
pädagogischen Zielsetzungen der außerschulischen Jugendarbeit ist in den aufgeführten Angeboten
das voranginge Ziel, Kindern und Jugendlichen Begegnungen auf allen Ebenen zu ermöglichen, die
den Zielen der außerschulischen Bildung im Kontext mit interkultureller Begegnung förderlich sind. Die
aktive Integration von Menschen mit Migrationshintergrund hat in der gesamten Arbeit von Lilalu und
speziell während der Ferienangebote eine bedeutende Aufgabe und zu ihrem Erreichen werden
unterschiedliche Maßnahmen eingesetzt. Dazu zählen unter anderen die Vergabe von ermäßigten
Tickets an Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Verhältnissen mit und ohne
Migrationshintergrund, die Beratung von Eltern bezüglich Teilnahmemöglichkeiten bei Lilalu und die
Beschäftigung und spezielle Schulung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund als ehrenamtliche
Ferienbetreuer während den Workshop-Programmen von Lilalu.
Des Weiteren sind die Workshops derart angelegt, dass aufgrund der Fokussierung auf die sportliche
und kreative Aktivität eine non-verbale Kommunikation zwischen Teilnehmern und Betreuern
ausreicht, um eine erfolgreiche Teilnahme zu gewährleisten, und es kann durch die niedrigen
Sprachbarrieren innerhalb des Workshops die Sprachkompetenz besonders gefördert werden.
Multilinguales Personal unterstützt bei dem Erwerb der deutschen Sprache und setzt damit ein
Zeichen, dass bei Lilalu die Herkunftssprache der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
als gleichwertig mit der deutschen Sprache gilt und ihr Erlernen speziell unterstützt werden muss.
Besonders wird dies durch das Projekt „Wir engagieren Dich – Engagier Dich!“ gefördert, welches
vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge finanziert wird. Im Rahmen des Projekts sollen gezielt
Ferienbetreuer mit Migrationshintergrund im Rahmen der Lilalu Ferienprogramme gewonnen und
eingesetzt werden.
Zusammenfassend werden alle Teilnehmer gleich welcher Herkunft, Ethnie, kultureller Abstammung,
Religion oder Aussehen gleichberechtigt behandelt und anerkannt. Eine konkrete Maßnahme zur
Gleichberechtigung aller kulturellen und ethnischen Gruppen ist beispielsweise die generelle
Auswahlmöglichkeit von unterschiedlichen Speisen für alle Teilnehmer. Grundsätzlich wird beim
Mittagessen auf Schweinfleisch verzichtet. Daneben werden Feiertage aller Religionen beachtet und
Bekleidungsbesonderheiten (z.B. Kopftuch, Vermeidung eng anliegender Kleidung) bei der
Kostümierung der Kinder und Jugendlichen besondere Berücksichtigung geschenkt bzw. diese als
Besonderheit in die Gesamterscheinung integriert.
3.3. Inklusive Arbeit mit Kindern mit und ohne Behinderung:
Dem Prinzip der Inklusion liegt ein Verständnis von Behinderung zugrunde, das jede Form
körperlicher, seelischer, geistiger oder Sinnesbeeinträchtigung als normalen Bestandteil menschlichen
Lebens und menschlicher Gesellschaft ausdrücklich bejaht und darüber hinaus im Sinne der Diversität
als Quelle möglicher kultureller Bereicherung wertschätzt. Menschen mit Behinderung sollen
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selbstverständlich mit allen anderen Menschen zusammen leben und sich zugehörig fühlen. Demnach
wird die Beeinträchtigung des Kindes/des Jugendlichen nicht als Problem in den Mittelpunkt gestellt,
sondern als ein Teilaspekt der Persönlichkeit gesehen. Lilalu unterstützt diese Einstellung mit der
Querschnittsaufgabe der Inklusion und bietet sein Programm allen Kindern und Jugendlichen gleich
ob mit oder ohne Beeinträchtigung gleichberechtigt an.
Gemäß den Leitlinien von Lilalu erfahren Kinder mit Beeinträchtigung eine bevorzugte Einbuchung in
die Workshops der Ferienprogramme. Die Eltern der Kinder haben die Möglichkeit, schon vor dem
offiziellen Vorverkaufsstart einen Workshop zu buchen. Diese Regelung stellt sicher, dass Kinder mit
Beeinträchtigung an genau dem Workshop teilnehmen können, der für sie im Rahmen ihrer
individuellen Möglichkeiten interessant ist. Lilalu bemüht sich, gemäß dem Grundsatz der Inklusion
den Kindern mit und ohne Beeinträchtigung gleichberechtigt die Chance zu geben an den Workshops
teilzunehmen.
3.4. Partizipation:
Im Sinn der Teilhabe an der kreativen und organisatorischen Gestaltung der Workshops, des
Tagesablaufs und allgemeiner (Verhaltens-) Regeln innerhalb der Gruppen, durchzieht der Grundsatz
der Partizipation alle Bereiche der Arbeit von Lilalu. Anlehnend an die Querschnittsaufgaben der
Integration und der Inklusion soll ebenso Partizipation als ein Recht aller konzipiert werden und somit
als Modus sozialer Integration wirken. Dabei machen Mitsprache, Mitwirkung, Mitbestimmung und
letztendlich mitverantwortliche Selbstbestimmung den Anspruch des Begriffs der Partizipation bei
Lilalu aus.
Vor diesem Hintergrund benötigt Partizipation einen geeigneten Rahmen, den Lilalu in der Praxis
umsetzt. Alle teilnehmenden Kinder und Jugendlichen sind dazu aufgefordert, sich aktiv an der
Programmplanung vor Ort zu beteiligen und ihre Meinung über das Training und den Showinhalten zu
äußern. Unter Beachtung des Alters und der für die Zielgruppe interessanten Themen, können sich
die Kinder und Jugendlichen, Workshopleiter und Ferienbetreuer einer Gruppe in den drei Mal täglich
stattfindenden Gesprächskreisen austauschen. Verbesserungsvorschläge und Anregungen werden in
der Gruppe diskutiert und in den Tagesablauf integriert. Grundsätzlich erfahren Kinder und
Jugendliche durch die Umsetzung des partizipativen Gedanken ihre Einflussmöglichkeiten und
nehmen sich als ein gleichberechtigtes Mitglied der Gruppe wahr.
Alle Mitarbeiter (Hauptberufliches und Ehrenamtliches Personal sowie Honorarkräfte) von Lilalu sind
ebenfalls dazu aufgefordert sich an der Organisation und der Durchführung des Angebots zu
beteiligen. Kritik und Anregungen werden wertschätzend aufgenommen und nach Möglichkeit
eingebracht.
Dabei
nehmen
sie
die
Rolle
des
Bildungsassistenten
ein,
welche
die
Selbstverwirklichung der Kinder und Jugendlichen unterstützen anstatt sie nach ihren eigenen
Kriterien zu formen.
3.5. Sexuelle Identität:
Als fünfte und gleichzeitig letzte Querschnittsaufgabe hat Lilalu die Akzeptanz und Toleranz
unterschiedlichster Lebens- und Familienmodelle aufgenommen. Die sexuelle Identität eines jeden
Teilnehmers, Betreuers und Elternteils wird als gegeben angenommen.
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Kinder und Jugendliche erfahren in ihren Lebensräumen vornehmlich tradierte und traditionelle
Rollenbilder und Familienentwürfe, sodass Homo- oder Bisexualität häufig eher nur als Abweichung
der Norm wahrgenommen wird. Die inner- sowie außerschulischen Bildungsprogramme von Lilalu
bieten einen Rahmen, um dieser Einseitigkeit entgegenzutreten. Zum einen wird das Vorleben
unterschiedlicher sexueller Einstellungen nicht als a-normal, sondern als Bereicherung der Lebenswelt
wahrgenommen und zum anderen ist es wichtig über diese Unterschiede mit den Kindern und
Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Dabei sollen zunächst die Vorstellungen sexueller Identitäten
in der Gruppe aufgezeigt werden, da sie den gesellschaftlichen Umgang mit Homosexuellen
beeinflussen. Dieses Wissen öffnet Kindern und Jugendlichen Türen und wird somit zum
entscheidenden Schlüssel, der zum Können und Verstehen im Alltag, im Aufeinandertreffen mit
anderen Menschen, im Aufeinanderprallen von Kulturen und im Umgang mit sich selbst als Individuum
führt.
3.6. Weitere wichtige Bereiche in der Arbeit von Lilalu:
Die unterschiedlichen Bereiche werden vernetzt behandelt. Je nach Projekt sind die Schwerpunkte
anders gesetzt. Dies wird im Folgenden (3.6.1 bis 3.6.4) detailliert beschrieben.
3.6.1.
Erlebnis von Gruppenzugehörigkeit
Die Vermittlung von Sozialkompetenzen ergibt sich bereits daraus, dass Kinder und Jugendliche eine
bestimmte Zeit bei Lilalu gemeinsam gestalten. Die Förderung besteht darin, dass die Teilnehmer
lernen, sich und ihre Interessen zu vertreten, Konflikte in der Gruppe zu lösen und Kompromisse zu
finden, eigene Grenzen zu erfahren und die Grenzen anderer zu respektieren. In allen Lilalu
Programmen befinden sich die Teilnehmer in Gruppen von Gleichaltrigen, sogenannten Peer-Groups.
Dies wird als besonders wichtig erachtet, da die Peer-Group im Jugendalter eine wichtige Funktion
einzunehmen vermag. Im Gegensatz zu der Herkunftsfamilie verfügt in der Peer-Group jedes
Individuum über eigene Entscheidungsmöglichkeiten. In ‚Peers‘ können die Kinder und Jugendlichen
ihre eigenen Beziehungen und Vorstellungen aktiv neu gestalten und Alternativen kennen lernen. Die
Teilnehmer lernen einen respektvollen Umgang miteinander, welcher durch gemeinsame Ziele
innerhalb der Programme verstärkt wird und einen oft ungewohnten Teamgeist bei allen Beteiligten
weckt. Die Bedeutung von sozialen und kulturellen Unterschieden soll so in den Hintergrund geraten
und vermeintlichen Grenzen eingeebnet werden.
3.6.2.
Ökologisches Bewusstsein
Auch das ökologische Bewusstsein soll während der unterschiedlichen Angebote von Lilalu angeregt
werden. Kinder und Jugendliche sollen für einen respektvollen Umgang mit allem, was die Natur dem
Menschen bietet, sensibilisiert werden.
3.6.3.
Gewaltprävention
Die Workshops haben das Ziel, Präventionsarbeit - gezielt auch im Bereich der Gewaltprävention und
sexuellen Prävention - zu gewährleisten. Speziell für den „Stunt-Workshop“ gilt: Als gewaltpräventive
Maßnahme werden hier Kinder von Pädagogen, Künstlern und Artisten unterrichtet, um vielfältigste
Kompetenzen, die sie stark machen sollen und ihre Persönlichkeit bilden, zu erlernen.
8
3.6.4.
Gesundheitsprävention
Die körperliche Beweglichkeit und das Gefühl zum eigenen Körper sollen am Ende der Workshops
erheblich gestiegen und erlebbar sein. Im Weiteren wird interessierten Kindern und Jugendlichen in
speziellen Koch-Workshops (‚Cook-Mal‘) in den Sommerferien die Bedeutung und Wichtigkeit von
gesunder Ernährung nahe gebracht.
4. Schwerpunkte der Arbeit von Lilalu
Der Schwerpunkt der Arbeit von Lilalu besteht im Wesentlichen aus vier Bausteinen. Diese sollen im
Folgenden (4.1 bis 4.4) genau dargestellt werden.
4.1. pädagogisch, hochwertige ganztagsbetreute Ferienmaßnahmen:
Im Jahr 2015 realisiert Lilalu allein in München 14 Wochen ganztagesbetreute Ferienmaßnahmen mit
geplant insgesamt 4.000 Teilnehmer. In den Faschings-, Oster-, Pfingst- und Herbstferien werden
dabei insgesamt 20 verschiedene Stadtteile zum Teil parallel mit den Lilalu Programmen versorgt.
Daneben findet das Lilalu Bildungsprogramm in den Schulferien jeweils einwöchig in den
Sommerferien auch in Ingolstadt, Heidelberg, Dortmund, Oldenburg und Schwetzingen statt.
Die pädagogisch und künstlerisch ausgerichteten Workshops werden in den Genres Theater, Tanz,
Musik, Sport, Kunst, Artistik, Zirkus und Bewegung angeboten.
Exemplarisch für diese Bereiche stehen unter vielen anderen:

Workshops aus dem Bereich Luftakrobatik: Vertikaltuch, Vertikalseil, Trapez, Luftringe;

Theaterpädagogisch
ausgerichtete
Workshops:
Musical,
Theater
&
Schauspielerei,
Moderation etc.;

Akrobatikworkshops für alle Altersklassen;

Clownerie, Jonglage, Stelzen und Laufkugeln, Einradfahren;

‚COOK MAL‘-Küche
Als Ergebnis der Workshops findet am Ende jeder Lilalu Ferienwoche eine für die Zielgruppen
hochwertige Vorstellung/Show statt.
Zielgruppen von Lilalu:

Kinder und Jugendliche von drei bis 18 Jahren

Schüler/innen von Grund-, Mittel- und Realschulen sowie Gymnasien

Kinder mit und ohne Migrationshintergrund ab drei Jahren im Rahmen der außerschulischen
und vorschulischen Bildung

Drittstaatsangehörige mit und ohne Bleiberecht

Familien, berufstätige Eltern und Alleinerziehende

Multiplikatoren im Rahmen der Seminar-Arbeit und Ausbildung von Betreuern und Mitarbeitern
( mehr als 600 TN im Jahr)
9
Anmeldung für die ganztagsbetreuten Workshops in München:

Ein Workshopplatz kostet Lilalu Brutto 250€. Diese Gebühr wird von den Eltern nur zu ca.
70% bezahlt. Die anderen 30% werden durch Lilalu-Sponsorengelder und städtische
Zuschüsse sowie durch Eigenmittel des Trägers, Johanniter Unfall-Hilfe e.V. finanziert.

Mehr
als
25%
aller
Workshop-Plätze
werden
für
Kinder
und
Jugendliche
aus
einkommensschwachen Familien mit und ohne Migrationshintergrund reserviert. Finanziert
werden diese Plätze (ca. 800 – 1000 Workshop-Plätze im Jahr) durch städtische Zuschüsse,
und Stiftungsmittel  Ein geringer Eigenanteil muss je nach Einkommen von den Familien
selber gezahlt werden (Ermäßigungsticket / Familienticket).

Für Kinder mit Behinderungen ist eine bevorzugte Einbuchung im Lilalu-Büro möglich.
Mindestens 10% der Plätze werden hierfür vorgehalten.

Für das warme Mittagessen nach Wahl (wie bei der Kindertagesbetreuung möglich) wird ein
Essensgeld von 4,00€ pro Tag erhoben, welches vor Ort entgegengenommen wird. Das
Essen ist eine freiwillige Leistung der Eltern/Kinder. Es kann auch Brotzeit mitgegeben
werden.

Die Tickets für das ganze Jahr sind ab 31. Januar 2015 kundenorientiert telefonisch, am MT
Schalter und via Internet bei München Ticket Tel. 089 / 54 81 81 81) oder persönlich über das
Lilalu Büro (Leonrodstraße 10, 80634 München) zu buchen.

2015 werden mehrere reguläre Ticketversionen der ganztagsbetreuten Workshops für Kinder
und Jugendliche von drei bis 18 Jahren angeboten:
 Teilnahmegebühren für die Winterprogramme 2015:
I. WS-Ganztagesbetreuung von 7-16 Uhr (4 Tage)
EUR 124
II. WS-Ganztagesbetreuung inkl. Plus von 7-18 Uhr (4 Tage)
EUR 148
 Teilnehmergebühren für das Faschings, Oster-, Pfingst- und Herbstprogramm 2015:
I. WS-Ganztagesbetreuung von 7-16 Uhr (5 Tage)
EUR 155
II. WS-Ganztagesbetreuung inkl. Plus von 7-18 Uhr (5 Tage)
EUR 185
 Teilnehmergebühren für das Sommerferienprogramm 2015:
I. WS- Ganztagesbetreuung von 7.00 – 16.00 Uhr (7 Tage)
EUR 195
II. WS- Ganztagesbetreuung inkl. Plus von 7.00 – 18.00 Uhr (7 Tage)
EUR 225
Die angegebenen Preise entsprechen den Preisen für Eltern und Erziehungsberechtigte.
Neu im Angebot ist neben dem vergünstigten Familien- und Ermäßigungsticket (s.o.) der
Frühbucherrabatt bis einschließlich 14.02.2015. Mehrfachbucher-Rabatt und Geschwisterermäßigung
möglich!
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4.2. Familienorientiertes Lilalu Sommerprogramm:
Seit 1997 findet im Münchner Olympiapark Süd jährlich im Rahmen eines Sommerfestivals während
der Sommerferien das Programm Lilalu ‚Umsonst und Draußen‘ statt.
Dieses Programm erfreut sich großer Beliebtheit und hatte in Hochzeiten bis zu 150.000 Besucher. Es
setzt sich aus einem Spielprogramm für Kinder und Jugendliche am Nachmittag und einem
Abendprogramm für Jugendliche und Erwachsene auf der Open Air Bühne zusammen. Zumeist waren
diese Angebote kostenfrei. In 17 Jahren hat sich dieses Sommerfestival zu einem der beliebtesten
Familienfestivals in Bayern entwickelt.
4.3. Ganztagsbetreuung an Schulen:
Kinder verbringen in der heutigen Gesellschaft in der Regel mehr Zeit in der Schule als zu Hause,
sodass formelles, informelles und non-formelles Lernen zumeist auf den Bereich Schule fällt. In dieser
Hinsicht gilt es als unerlässlich, dass das außerschulische Leben und der Lernort Schule stärker
miteinander verbunden werden, und dass das schulische Lernen an Lebens- und Praxisbeug gewinnt.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach der Bedeutsamkeit von Kooperationspartnern, um
eine kindgerechte und altersadäquate Ganztagesbetreuung an Schulen angemessen zu realisieren.
Insofern sollte einerseits in Erfahrung gebracht werden welche Potenziale, Ressourcen und
Kompetenzen bereits in der Schule vorhanden sind und andererseits von welchen Fähigkeiten und
Ressourcen die Schule von außerschulischen Partnern profitieren und wie somit das pädagogische
Repertoire der Schule erweitert werden kann. In diesem Zusammenhang startete ab dem Schuljahr
2014/2015 die Lilalu-Ganztagsbetreuung an zwei städtischen Realschulen in München, welches als
Pilotprojekt gemeinsam mit dem Referat für Bildung und Sport der Landeshauptstadt München
angeboten wird.
Im Zuge der dort angebotenen Workshops, die in Form von Wahlfächern im Mittagsband und des
differenzierten Sports in gebundenen Ganztagesschulen angeboten werden, stehen neben dem
ganzheitlichen Lernen durch Aktivierung mehrerer Sinne im Lernprozess auch der Erwerb von Soft
Skills zentral. Denn mittels des Einsatzes der Methodik der Theater-, Erlebnis-, Sport-, Zirkus- und
Kulturpädagogik sollen insbesondere soziale, interkulturelle, künstlerische und kommunikative
Kompetenzen, wie z.B. Selbstvertrauen, Teamfähigkeit, Fairness, Entwicklung von tänzerischer
Beweglichkeit und Dialogfähigkeit, gestärkt werden.
Besonders hervorzuheben ist die Schaffung von Partizipationsmöglichkeiten und die Herausbildung
eines Demokratieverständnisses durch Mitbeteiligung. In dieser Weise sollen die eigenen Interessen
und Bedürfnisse der Schüler und der Schule gleichermaßen berücksichtigt und an der Erstellung des
Angebots beteiligt werden. Grundsätzlich erhält die Einhaltung des partizipativen Gedankens
insbesondere vor dem Hintergrund einen relevanten Bezugspunkt, dass sich das Maß der
Zufriedenheit und der Identifikation mit dem Angebot besonders durch die Einschätzung der Schüler
definiert, in welcher Weise ihre Interessen und Ideen bei der Ausgestaltung des Programms
Berücksichtigung finden.
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4.4. Bildungsberatung - Seminare für Schulen zum Thema Ganztagsbetreuung:
Wie die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt an den zwei städtischen Realschulen in München gezeigt
haben, gibt es einen hohen Beratungsbedarf von Schulen hinsichtlich der Ausgestaltung des
Ganztages. Dies deckt sich auch mit dem hohen Handlungsanspruch, welcher an Schulen gestellt
wird. Aufgrund der starken Nachfrage nach Umsetzungsmöglichkeiten von Ganztagesbetreuung bietet
der pädagogische Fachbereich von Lilalu gezielt Seminare für Lehrer/innen sowie das gesamte
Schulkollegium an. Innerhalb dieser Seminare soll im Rahmen partizipativer Aushandlungsprozesse
gemeinsam mit der Schule erfasst werden, welche Ressourcen bereits vorhanden sind, um
ganztagesbetreute Angebote anzubieten, und an welcher Stelle noch Unterstützungsbedarf
vorhanden ist.
Grundsätzlich wird diese Aufgabenstellung interdisziplinär gestaltet, sodass neben der inhaltlichen
Auseinandersetzung ebenso Räume in der Schule als Handlungsräume und Bildungsräume in den
Mittelpunkt der Analyse gestellt werden, gemäß dem Zitat von Walter Gropius:
"Ein Ding ist bestimmt durch sein Wesen. Um es so zu gestalten, daß es richtig funktioniert – ein
Gefäß, ein Stuhl, ein Haus –, muß sein Wesen zuerst erforscht werden; denn es soll seinem Zweck
vollendet dienen, d.h. seine Funktion praktisch erfüllen, haltbar, billig und ‚schön‘ sein."
Am Ende des Prozesses soll ein Konzept stehen, welches für die Ausgestaltung der
Ganztagsbetreuung an der entsprechenden Schule anleitend ist. Ebenso für Kommunen sollen
Seminare für den Bereich ganztagesbetreuter Angebote in den Ferien angeboten werden, welche den
gleichen strukturellen Aufbau wie jene für die Schulen aufweisen.
5. Dauer, Controlling und Fortschreibung
Das pädagogische Konzept von Lilalu wird von der Projektleitung und ihren pädagogischen
Mitarbeitern regelmäßig überprüft, evaluiert und fortgeschrieben.
Das Projekt wird im Rahmen von Zielvereinbarungen jährlich evaluiert und wissenschaftlich begleitet.
Hierzu dienen die Berichte der Workshopleiter und Produktionsleiter in Form von Fragebögen,
jährliche quantitative Elternbefragungen, sowie die Auswertung des Lilalu-Festivals in dem jährlichen
Sachbericht.
Die pädagogische Fortschreibung von Lilalu ist zwingend notwendig und erforderlich um die
Programme den ständigen gesellschaftlichen Änderungen anzupassen und bei der Bewältigung der
Veränderungen sozialer Bedingungen in Deutschland mit den Lilalu Programmen eine stetige und
passende Stütze für die soziale Welt sein zu können.
Anna Seliger
Pädagogische Leitung LILALU
Sachgebietsleitung
Email: [email protected]
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