Unterlagen_Mehr von Weniger

 ASKESE – EKSTASE
oder MEHR VON WENIGER. Die Sehnsucht nach Einfachheit und die Lust am Überfluss
17.5. – 20.9.2015
Materialien zur Vorbereitung und
Vertiefung der Ausstellung im
Unterricht
Filmstill aus Into the Wild von Sean Penn, Quelle: http://intothewildttac12.weebly.com/map.html
Konzept: Kasper & Spillmann Kunstvermittlung GmbH; www.k-s-kunstvermittlung.ch
Texte: Kasper & Spillmann Kunstvermittlung GmbH, Vögele Kultur Zentrum, Nina Wiedemeyer und Felix Sattler
Inhaltsverzeichnis
Informationen zur Ausstellung
S. 2
Vorbereitung und Vertiefung der Ausstellung im Unterricht
S. 3
Einstiegsfragen zum Thema
S. 4
Ideen und Anregungen für den Unterricht
MS = ab Mittelstufe geeignet
OS = ab Oberstufe geeignet
S. 5
1) Askese – Ekstase: Der Aufsatz
2) Askese – Ekstase: Begriffe klären, Themen abstecken
3) Askese – Ekstase: Die Collage
4) Hermann Hesse, Siddhartha, 1922
5) Christian Morgenstern, Lass die Moleküle rasen..., 1905
6) Ekstase und Askese im Brauchtum: Fas(t)nacht und Fastenzeit
7) Kilian Ziegler: Vom Monster zum Mönch
8) Yvonne Scarabello, Hab und Gut, 2005
9) 100 Gegenstände
10) Uli Westphal, Lycopersicum III, 2013
11) Henry David Thoreau, Walden – oder Leben in den Wäldern, 1854
12) Sean Penn, Into the Wild, 2007
13) Heidemarie Schwermer, Living without Money, 2010
14) Leben im Kloster
15) Klosterleben auf Zeit
16) Ein Designer auf „Abwegen“: Interview Philippe Starck
17) Maximaler Aufwand, wenig Wirkung: Die Rube-Goldberg- Maschine
18) OK GO, Needing/Getting, 2012
Anhang
S. 5
S. 5
S. 6
S. 7
S. 7
S. 8
S. 8
S. 9
S. 10
S. 11
S. 12
S. 13
S. 14
S. 14
S. 15
S. 15
S. 16
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S. 18
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Informationen zur Ausstellung
ASKESE – EKSTASE oder MEHR VON WENIGER. Die Sehnsucht nach Einfachheit und
die Lust am Überfluss lautet der Titel der Ausstellung, die vom 17. Mai bis zum
20. September 2015 im Vögele Kultur Zentrum in Pfäffikon zu sehen ist.
Die Kuratorin Nina Wiedemeyer und der Kurator Felix Sattler, die seit 2011 als die
EXPONENTEN Ausstellungen konzipieren, haben zusammen mit dem Team des Vögele
Kultur Zentrum für die Ausstellung MEHR VON WENIGER Exponate zusammengestellt, die
alltägliche und besondere Praktiken oder kleine und weltbewegende Ideen illustrieren, um
herauszufinden, wie sie unsere Haltung zu Askese und Ekstase bzw. Verzicht und
Verschwendung mitbestimmen.
Das Kuratorenteam formulierte dabei die These, dass die augenscheinlich gegensätzlichen
Haltungen von Askese und Ekstase bzw. Verschwenden und Verzichten einen Zwiespalt
markieren, der vom Einzelnen aus bis zum gemeinschaftlichen Handeln ganzer
Gesellschaften reicht. Sie möchten mit ihrer Ausstellung dazu anregen, starre Zuweisungen
vom guten Verzicht und böser Verschwendung zu reflektieren. Nina Wiedemeyer und Felix
Sattler stellten sich die Frage, ob nicht sowohl das Weglassen (Verzichten) als auch das
Verausgaben (Verschwenden) produktiv sind und beide Strategien – das Sich-Beherrschen
wie das Sich-Gehenlassen – keine unvereinbaren Gegenpositionen sind, sondern vielmehr
zwei Seiten einer Medaille der „Praxis des guten Lebens“. Dieser und andere Gedanken
sollen die Besucherinnen und Besucher auf ihrem Ausstellungsrundgang durch MEHR VON
WENIGER begleiten.
Die Ausstellung ist grob in folgende, ineinander übergreifende Kapitel gegliedert: More of
Less. Die paradoxen Versprechen des Konsums / Natürlich Überfluss / Enthaltsamkeit
begehren und Verausgaben – Zurückhalten. Die Szenografie von MEHR VON WENIGER
hat Jean-Lucien Gay konzipiert, der das Zürcher Büro des multidisziplinären Designkollektivs
NAU leitet. Der fliessende Übergang zwischen Askese und Ekstase soll in der
Ausstellungsgestaltung ganz bewusst und insbesondere durch die Farbgebung thematisiert
werden. Prägend und leitend ist dabei der farbige Teppich, der sich aus wiederverwerteten
Messeteppichen zusammensetzt. Entsprechend der Ausstellungskapitel sind die Wände der
Räumlichkeiten rot oder blau gestrichen und erzeugen zusammen mit dem farbigen Boden
eine intensive Atmosphäre.
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Vorbereitung und Vertiefung der
Ausstellung im Unterricht
Die vorliegenden Unterlagen enthalten eine Sammlung von Ideen und Anregungen, wie ein
Besuch der Ausstellung MEHR VON WENIGER im Schulunterricht vorbereitet oder vertieft
werden kann. Die Aufgaben lassen sich während einer oder mehrerer Lektionen in
verschiedenen Fächern wie Deutsch, Englisch, Mensch und Umwelt, Bildnerisches
Gestalten, Physik, Chemie usw. durchführen.
Die Unterrichtsmaterialien beziehen sich sowohl auf die von den EXPONENTEN Nina
Wiedemeyer und Felix Sattler in der Ausstellung gezeigten Themen und Unterkapitel als
auch auf Fragen und Aufgaben, die spezifisch für Kinder und Jugendliche von Interesse sind.
Die Fragen, die den Ideen und Anregungen für den Unterricht vorangestellt sind, sollen zum
Gespräch in der Klasse anregen. Zum Einstieg stehen schliesslich einige Übungen und
Aufgaben, die sich insbesondere der Klärung der Begrifflichkeiten widmen und so eine
langsame Annäherung an das komplexe Thema ermöglichen. Die Subthemen der
Ausstellung wurden aus Gründen der Verständlichkeit und unter Berücksichtigung des
Erfahrungshorizontes von Kindern und Jugendlichen unterschiedlich gewichtet.
Die Unterlagen richten sich an Lehrpersonen ab der Mittelstufe. Die Aufgaben und Übungen
knüpfen an Themen, Objekte und künstlerische Arbeiten an, die in der Ausstellung
präsentiert werden oder rücken neue Aspekte ins Blickfeld. Bei den einzelnen Aufgaben
finden sich Angaben zu Schulstufe, Form und Material. Im Anhang sind Bild- und
Textmaterialien sowie Links zu Videos und Filmen aufgeführt.
Kontakt:
Vögele Kultur Zentrum
Gwattstrasse 14
8808 Pfäffikon SZ
www.voegelekultur.ch
[email protected]
Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Sonntag: 11.00-17.00 Uhr
Donnerstag: 11.00-20.00 Uhr
Konzept und Ausführung der Materialien:
Kasper & Spillmann Kunstvermittlung GmbH
Pflanzschulstrasse 93
8004 Zürich
www.k-s-kunstvermittlung.ch
[email protected]
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Einstiegsfragen zum Thema
Wann ist mehr weniger?
Ist der Begriff Verzichten eher positiv oder
negativ besetzt? Warum? Wie verhält es
sich mit dem Begriff Verschwenden?
Was heisst für dich „mehr von weniger“?
Weshalb kann es sich lohnen, auf etwas zu verzichten?
Kennst du die Begriffe Askese und
Ekstase? Was stellst du dir darunter
vor?
Hast du manchmal Lust, Dinge
oder Energien zu verschwenden?
Weshalb?
Was kann durch Verzicht oder Askese gewonnen werden?
Hast du auch schon weniger gewollt?
In welchen Lebensbereichen
empfindest du unsere Gesellschaft
als verschwenderisch?
Hast du auch schon eine Sehnsucht nach Einfachheit und Askese verspürt? Wann
und warum?
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Ideen und Anregungen für den
Unterricht
1) Askese – Ekstase: Der Aufsatz
Stufe: Ab Oberstufe.
Form: Schriftliche Arbeit, Deutschaufsatz.
Material: Papier, Schreibzeug, Internetzugang, Zitate (siehe Anhang, S. 18).
Zur Ausstellung ASKESE – EKSTASE oder MEHR VON WENIGER. Die Sehnsucht nach
Einfachheit und die Lust am Überfluss haben das Kuratorenteam Nina Wiedemeyer und
Felix Sattler und die Mitarbeiterinnen des Vögele Kultur Zentrum verschiedene Zitate
berühmter Persönlichkeiten gesammelt. Einige dieser Zitate finden sich im Vögele Kultur
Bulletin, 98/2015 abgedruckt. Anhand dieser Zitate sollen sich die Schülerinnen und Schüler
individuell sowohl mit dem Thema als auch mit den Autorinnen und Autoren der Zitate
auseinandersetzen und ihre Gedanken dazu vorbereitend zu einem Ausstellungsbesuch zu
Papier bringen. Je nach Vorgabe können die Kinder und Jugendlichen vor dem Verfassen
des Aufsatzes die Zitate miteinander diskutieren und Ideen dazu austauschen.
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Wählt aus den aufgeführten Zitaten eines aus, das euch besonders anspricht. Ihr
könnt der Aussage des Zitates zustimmen oder ganz anderer Meinung sein.
Recherchiert die Autorin, den Autor des Zitats im Internet und listet die wichtigsten
Fakten zu der Person auf.
Diskutiert in Zweier- oder Dreiergruppen den Inhalt des von euch ausgewählten
Zitates miteinander! Was versteht ihr unter der jeweiligen Aussage? Berücksichtigt
dabei, von wem und aus welcher Zeit das Zitat stammt.
Versucht, eure Gedanken zu ordnen und erstellt eine grobe Gliederung mit Subthemen für einen Aufsatz.
Schreibt einen Aufsatz oder eine Erörterung zu einem der Zitate!
Wenn ihr wollt, könnt ihr euch die Aufsätze gegenseitig vorlesen und die
Diskussionen zu den verschiedenen Zitaten weiterführen.
2) Askese – Ekstase: Begriffe klären, Themen abstecken
Stufe: Ab Mittelstufe.
Form: Sprach- und Verständnisübung.
Material: Fremdwörterbücher, Internetzugang, Liste mit Begriffen (siehe Anhang, S. 19).
Vor dem Besuch der Ausstellung kann eine Klärung der Begriffe Askese und Ekstase für die
Schülerinnen und Schüler hilfreich sein. Was verstehen die Kinder und Jugendlichen unter
diesen Begriffen? Woher kommen die Begriffe Askese und Ekstase und welches sind
tatsächlich ihre ursprünglichen Bedeutungen?
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Nach einer etymologischen Recherche in (Fremd-)Wörterbüchern und im Internet können
weitere Begriffe eingeführt und deren Bedeutung diskutiert werden, um die Kinder und
Jugendlichen auf die Auslegung des Ausstellungsthemas vorzubereiten.
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Was versteht ihr unter Askese und Ekstase?
Unternehmt in Zweier- oder Dreiergruppen eine Begriffsrecherche zu Askese und
Ekstase. Verwendet als Hilfsmittel verschiedene (Fremd-)Wörterbücher oder
konsultiert das Internet. Wodurch unterscheiden sich die ursprünglichen
Bedeutungen der Begriffe von unserem heutigen Verständnis von Askese und
Ekstase?
Aufgabe im Anhang: Ordnet die aufgeführten Begriffe als Gegensatzpaare einander
zu, indem ihr sie mit Linien verbindet! Kommen euch weitere gegensätzliche
Wortpaare in den Sinn, die von ihrer Bedeutung her mit den Begriffen Askese und
Ekstase „verwandt“ sind? Schreibt sie auf!
3) Askese – Ekstase: Die Collage
Stufe: Ab Mittelstufe.
Form: Gestalterische Arbeit.
Material: Zeitschriften, Bildmaterial aus dem Internet, Scheren, Leim, Papier.
Diese gestalterische Arbeit soll die Schülerinnen und Schüler vorbereitend zu einem
Ausstellungsbesuch von MEHR VON WENIGER dazu anregen, darüber nachzudenken, bei
welchen Handlungen und in welchen Lebensbereichen Momente der Askese und Ekstase in
unserer Gesellschaft vorkommen.
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Überlegt euch: Bei welchen Gelegenheiten und Anlässen werden in unserer
Gesellschaft Momente der Ekstase öffentlich sichtbar? An der Streetparade? Beim
Konzert eines grossen Popstars? Auf den Rängen der Fussballstadien? Weitere
Ideen?
Überlegt euch: Wo zeigen sich in unserer Gesellschaft Momente der Askese? Im
Fitnessstudio? Bei Pilgerwanderungen? Beim freiwilligen Verzicht auf Besitz? Bei
Ernährungsweisen wie Vegetarismus oder Veganismus? Weitere Ideen?
Besorgt euch verschiedene Zeitschriften und Zeitungen und sucht darin Bilder, die
eurer Meinung nach Momente der Askese oder Ekstase in unserer Gesellschaft
zeigen oder sucht entsprechende Abbildungen im Internet.
Teilt die Klasse in zwei Gruppen. Die eine Gruppe widmet sich der Gestaltung einer
Collage zum Thema Askese, die andere Gruppe arbeitet an einer Collage zum
Thema Ekstase. Überlegt euch, welche Hintergrundfarben ihr für die jeweilige
Collage passend findet und versucht, eine Arbeit zu kreieren, die als Gesamtbild das
jeweilige Thema aussagekräftig illustriert. Ihr könnt eure Collagen auch zeichnerisch
ergänzen.
Hängt die Collagen an gegenüberliegenden Wänden im Schulzimmer auf!
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4) Hermann Hesse, Siddhartha, 1922
Stufe: Ab Oberstufe.
Form: Textlektüre.
Material: Buch Hermann Hesse, Siddhartha. Eine indische Dichtung, 1922.
Die Lektüre von Hermann Hesses Erzählung Siddhartha eignet sich sehr gut zur
Vorbereitung oder Vertiefung der Ausstellung MEHR VON WENIGER, da sich die
Geschichte der Selbstfindung der Hauptfigur gewissermassen zwischen den Polen von
Askese und Ekstase bewegt. In der Legende über Siddhartha stellt Hermann Hesse einen
Menschen dar, der sich von familiären und gesellschaftlichen Konventionen befreit, um
seinen eigenen Weg zu finden. Dieser führt vom gelehrten Vater weg und am Ende in die
Natur – zum Fluss als dem Sinnbild für Dauer und Wandel.
Im August 1920 druckte die Neue Zürcher Zeitung den Anfang der Erzählung unter dem Titel
„Bei den Asketen“ ab. Die vollendete Erzählung schliesslich erschien 1922 im S. Fischer
Verlag.
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Lest das Buch Siddhartha von Hermann Hesse als Klassenlektüre.
Teilt eure Klasse in Gruppen auf und teilt jeder Gruppe eines der Kapitel des Buches
zu. Fasst pro Gruppe den Inhalt eines Kapitels zusammen und stellt eure
Zusammenfassung den anderen vor.
Welche Rolle spielen die Gegensätze zwischen Askese und Ekstase im biografischen
Werdegang der Hauptfigur Siddhartha? Sucht pro Kapitel ein bis zwei Textstellen
dazu!
5) Christian Morgenstern, Lass die Moleküle rasen..., 1905
Stufe: Ab Mittelstufe.
Form: Gedichtinterpretation.
Material: Gedicht Lass die Moleküle rasen... von Ch. Morgenstern (siehe Anhang, S. 19).
Seinem berühmten Gedichtband Die Galgenlieder stellte der deutsche Schriftsteller Christian
Morgenstern (1871–1914) den Vierzeiler Lass die Moleküle rasen... voran. Das kurze
Gedicht kann als poetologischer Leitspruch für die absurd-komischen Galgenlieder
verstanden werden. Unkontrollierbar, willkürlich, ungezwungen soll der Prozess des Dichtens
demnach sein. Wie sähe wohl ein Motto aus, das anstatt der Ekstase der Askese huldigt?
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Lest das Gedicht Lasst die Moleküle rasen... von Christian Morgenstern. Wie versteht
ihr den Vierzeiler? Worauf könnte sich der Autor mit seinem „Ratschlag in
Gedichtform“ wohl beziehen?
Wenn in diesem Gedicht dazu aufgefordert wird, die Ekstasen heilig zu halten, wie
würde wohl ein Gedicht lauten, das der Askese huldigt? Versucht, ein eigenes
Gedicht in Anlehnung an Morgensterns Vierzeiler zu schreiben, das jedoch mit der
Zeile schliesst „heilig halte die Askese!“.
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6) Ekstase und Askese im Brauchtum: Fas(t)nacht und
Fastenzeit
Stufe: Ab Mittelstufe.
Form: Bedeutung von Fastnacht und Fastenzeit kennenlernen, Vorträge erarbeiten.
Material: Bibliotheks- und Internetzugang.
Das Aufeinanderfolgen bzw. Zusammenspiel von Ekstase und Askese ist tief in unserem
Brauchtum verwurzelt, am augenfälligsten bei Fas(t)nacht und Fastenzeit. Als Fas(t)nacht,
Fasching oder auch Karneval bezeichnet man verschiedene Bräuche, mit denen die Zeit vor
dem Aschermittwoch, dem Beginn der Fastenzeit, in Ausgelassenheit, Fröhlichkeit und
überschäumender Lebensfreude oder gar ekstatischen Regelbrüchen gefeiert wird. Danach
folgt im Kirchenjahr das 40 Tage dauernde Fasten und Verzichtüben zur Vorbereitung auf
das Hochfest Ostern.
Fasnacht wird bei uns heute insbesondere als Gelegenheit wahrgenommen, sich zu
verkleiden, Fasnachtschüechli, Berliner und andere Leckereien zu geniessen und bunten
Umzügen beizuwohnen. Um den Kindern und Jugendlichen die Bedeutung dieser Bräuche
zu vermitteln, sollen sie selbständig Vorträge zum Thema erarbeiten.
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Wie feiert ihr Fasnacht? Was ist an der Fasnacht besonders? Welche
Fasnachtsbräuche kennt ihr?
Weshalb wird überhaupt Fasnacht gefeiert? Kennt ihr die Gründe dafür?
Erarbeitet in Zweier- und Dreiergruppen Vorträge, um den alten Brauch der Fasnacht
und der darauf folgenden Fastenzeit besser zu verstehen. Wählt pro Gruppe ein
Themen oder eine Fragestellungen aus: Was ist Fasnacht?, Fasnacht früher –
Fasnacht heute, Die wichtigsten Fastnachtsbräuche Europas, Die Luzerner
Fastnacht, Die Basler Fastnacht, Die Bedeutung der Fastnacht, Auf das Feier folgt
das Fasten, Die Bedeutung der Fastenzeit
Kennt ihr den Brauch des Fastens auch aus anderen Kulturen und Religionen? Was
ist dort der Sinn des Fastens?
7) Kilian Ziegler: Vom Monster zum Mönch
Stufe: Ab Oberstufe.
Form: Textlektüre, Poetry-Slam-Experiment.
Material: Kilian Ziegler, Vom Monster zum Mönch, in: Vögele Kultur Bulletin 98/2015, S. 23.
Videos einer Performance von Kilian Ziegler, Tipps für Slammer (siehe Anhang, S. 19).
Im aktuellen Vögele Kultur Bulletin ist ein Text von Kilian Ziegler abgedruckt, in dem der
Schweizer Slam-Poet das Ausstellungsthema humorvoll und sprachlich virtuos behandelt.
Der Text kann als Einstimmung auf den Ausstellungsbesuch dienen. Und er kann die
Schülerinnen und Schüler und zu eigenen Slam-Versuchen anregen (ganz gemäss
Morgensterns Gedicht Lass die Moleküle rasen...).
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Lest den Text von Kilian Ziegler aus dem Vögele Kultur Bulletin durch. Wie geht der
Autor mit dem Thema Askese – Ekstase um? Was ist seine Schlussfolgerung zum
Thema seine eigene Person betreffend?
Unterstreicht im Text die Wortspielereien, lustigen Metaphern und anderen
Stilfiguren, mit denen Kilian Ziegler arbeitet!
Schaut euch verschiedene Videos von Slam-Performances von Kilian Ziegler an. Wie
trägt er seine Texte dem Publikum vor? Wie spielt er mit Betonungen, Körpersprache,
Mimik?
Versucht euch selbst als Slam-Poetinnen und Slam-Poeten! Um Ideen zu erhalten,
wie ihr dabei am besten vorgeht, könnt ihr euch die „Tipps für Poetry-Slam Anfänger“
von Slambar anschauen. Am besten, ihr nehmt zur Übung den Text von Kilian Ziegler
und versucht ihn zu performen – aber bitte in bester Slammer-Manier!
Erfindet nun euren eigenen Text zum Thema MEHR VON WENIGER. Ihr könnt dazu
in Zweiter- oder Dreiergruppen arbeiten.
Veranstaltet in der Klasse einen kleinen Slam-Anlass mit euren Texten!
8) Yvonne Scarabello, Hab und Gut, 2005
Stufe: Ab Mittelstufe.
Form: Werkanalyse, Diskussion, gestalterische Arbeit.
Material: Internetzugang, Abbildungen Hab und Gut, Text Susan Petrin, Nachlassverwalterin
ihrer selbst, in: Thurgauer Zeitung, 18. August 2005, Abbildung Giuseppe Arcimboldo (siehe
Anhang, S. 19f.), eigenes „Hab und Gut“, grosse weisse Fläche (Papier, Leintuch...) als
Hintergrund, Fotokameras oder Mal- und Zeichenmaterial.
Die Thurgauer Künstlerin Yvonne Scarabello (*1969) ist mit ihrem Projekt Hab und Gut in der
Ausstellung MEHR VON WENIGER vertreten. Nachdem sie ihre Versuche, zeichnerisch
oder filmisch ein Selbstportrait von sich zu schaffen, als unbefriedigend empfand, kam sie
auf die Idee, dass ihr Besitztum ein geeignetes Abbild ihrer selbst darstellen könnte. So
begann sie, alle Dinge, die ihr gehörten – vom Aschenbecher bis zur Zahnbürste – zu
ordnen, zu katalogisieren, in einer Datenbank zu erfassen und fotografisch festzuhalten.
Entstanden ist eine umfangreiche Dokumentation ihres Besitztums mit einem Inventar von
mehr als 2000 Gegenständen. Aus diesem Hab und Gut kristallisiert sich, so findet die
Künstlerin, das angestrebte Selbstbildnis heraus.
Gezeigt wird Hab und Gut als Fotoinstallation, wobei sich zwischen den einzelnen
Gegenständen immer wieder neue gedankliche Verbindungen und Bezüge herstellen lassen.
Die fotografischen Inszenierungen der einzelnen Dinge vor neutral weissem Hintergrund
egalisieren dabei die ursprünglichen Dimensionen, den finanziellen und ideellen Wert oder
den Nützlichkeitsaspekt der Gegenstände.
Die Idee hinter der künstlerischen Arbeit von Yvonne Scarabello soll im Klassenverband
diskutiert werden, um anschliessend eigene Selbstportraits mit persönlichen Gegenständen
zu verwirklichen.
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Schaut die Abbildungen zu der künstlerischen Arbeit Hab und Gut von Yvonne
Scarabello an und lest zur Erklärung den Zeitungsartikel Nachlassverwalterin ihrer
selbst von Susan Petrin. Beantwortet anschliessend folgende Fragen:
Wie ist Yvonne Scarabello auf die Idee gekommen, die Arbeit Hab und Gut in Angriff
zu nehmen? Wie ist die Künstlerin bei der Verwirklichung ihrer Arbeit vorgegangen?
Woraus setzt sich Hab und Gut zusammen?
Diskutiert miteinander: Wie findet ihr die Idee von Yvonne Scarabello? Denkt ihr,
dass persönliches Besitztum ein Selbstportrait darstellen kann?
Fertigt euer eigenes Selbstportrait aus Dingen und Gegenständen, die euch gehören!
Orientiert euch dabei an den Portraits des italienischen Renaissancemalers Giuseppe
Arcimboldo (siehe Abbildungen). Arrangiert zwischen 10-50 kleinere und grössere
Dinge wie Kleidungsstücke, Bücher, Elektrogeräte, Sportsachen usw., die euch
gehören auf einem neutralen weissen Hintergrund zu einem Selbstportrait.
Fotografiert euer Gegenstände-Portrait mit einer Digitalkamera oder zeichnet es ab.
Verfasst einen kurzen Kommentar, weshalb ihr welche Gegenstände für euer
Selbstportrait gewählt habt und stellt diesen zusammen mit euren Fotos oder
Zeichnungen im Schulzimmer aus.
9) 100 Gegenstände
Stufe: Ab Mittelstufe.
Form: Selbstversuch.
Material: Schreibzeug oder Kopien der Seiten 36f. vom Vögele Kultur Bulletin, 98/2015.
Sesshaftigkeit bedeutet, viele Dinge anhäufen zu können – meist mehr als ein Mensch
braucht. So umfasst ein durchschnittlicher Haushalt in der Schweiz rund 10’000 Dinge. Kein
Wunder, dass man da manchmal den Überblick verliert und kaum noch weiss, was man
überhaupt besitzt. Den Besitzanhäufungen der westlichen Zivilisationskultur und damit
verbunden dem ausufernden Konsumverhalten haftet durchaus etwas Verschwenderisches,
ja Ekstatisches an. Ein kleiner Selbstversuch soll Bewusstsein dafür schaffen.
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Was denkt ihr: Wieviele Dinge und Gegenstände umfasst ein durchschnittlicher
Haushalt in der Schweiz? Gebt eure Schätzungen ab!
Diskutiert miteinander: Weshalb besitzen wir so viele Dinge? Was sind die
Vorteile/Nachteile von viel Besitz? Macht möglichst viel Besitz eurer Meinung nach
glücklich?
Macht einen Selbstversuch und listet 100 Dinge auf, die ihr eurer Meinung nach
unbedingt zum Leben braucht! Vergleicht eure Listen untereinander: Welche Dinge
kommen häufig vor? Auf welche Dinge könntet ihr verzichten?
Was denkt ihr: Was für ein Zusammenhang besteht zwischen diesem kleinen
Selbstversuch und dem Thema der Ausstellung MEHR VON WENIGER?
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10) Uli Westphal, Lycopersicum III, 2013
Stufe: Ab Mittelstufe.
Form: Werkanalyse, Diskussion und gestalterische Arbeit, Langzeitprojekt „Mensch und
Umwelt“ / Biologie (Schulgarten).
Material: Abbildung Uli Westphal, Lycopersicum III, 2013 (siehe Anhang S. 21),
Modelliermasse, Farbe zum Bemalen, Saatgut von Pro Specie Rara für den Schulgarten (zu
beziehen über https://www.prospecierara.ch).
Der Berliner Künstler Uli Westphal (*1980) beschäftigt sich in seinen durch naturwissenschaftliche Methoden geprägten künstlerischen Arbeiten unter anderem mit der Artenvielfalt
von Früchten und Gemüsen im Zeitalter der industriellen Landwirtschaft. Durch maschinelle
Vorgänge beim Ernten, aber auch neu definierte Normierungen und Normen, wie
handelsübliches Obst und Gemüse gewachsen sein muss und auszusehen hat,
verschwinden immer mehr alte und robuste Sorten oder ungewöhnlich geformte Gemüse
und Früchte aus den Regalen der Supermärkte. Was nicht der Norm entspricht, wird
aussortiert. Diesem Trend wirkt Uli Westphal entgegen, indem er selbst ausgefallene
Früchte, Knollen, Pilze und Gemüse kultiviert. Daraus ist ein Archiv mit einer fotografischen
Sammlung von nicht-standardisierter Pflanzennahrung entstanden, die dokumentiert, was
die Natur uns an Fülle zu bieten hätte. So illustriert die Fotocollage Lycopersicum III das
riesige Spektrum an Formen und Farben am Beispiel der Tomate.
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Wie sieht eine Tomate aus? Macht eine kleine Skizze!
Schaut euch danach die künstlerische Arbeit Lycopersicum III des Berliner Künstlers
Uli Westphal an. Vergleicht die Tomaten seiner Fotocollage mit euren Zeichnungen.
Worin bestehen die Unterschiede? Habt ihr schon einmal solche Tomaten gesehen?
Findet man solche Tomaten im Supermarkt? Würdet ihr gerne die Tomaten essen,
die auf Westphals Fotocollage abgebildet sind? Warum ja, warum nein?
Uli Westphal will mit seinen Arbeiten zum Nachdenken anregen, warum bei uns
praktisch nur noch normierte, in industrieller Landwirtschaft produzierte pflanzliche
Lebensmittel auf den Tisch kommen, wenn doch auch anders aussehende Früchte
und Gemüse genauso gut schmecken und verzehrt werden könnten. Mit seinen
eigenen Züchtungen will er uns die verschwenderische Vielgestaltigkeit des natürlich
Gewachsenen vor Augen halten und uns daran erinnern, was für eine wunderbare
Vielfalt immer mehr der Normierung zum Opfer fällt.
Kreiert eurer eigenes Wunschgemüse! Was für Züchtungen und aussergewöhnliche
Früchte- oder Gemüseformen würdet ihr gerne im Supermarkt antreffen? Vielleicht
eine rosarote Kartoffel? Oder herzförmige Auberginen? Blaue Riesenerdbeeren?
Bestimmt habt ihr noch bessere Ideen... Formt eure Phantasiezüchtung aus
Modelliermasse und bemalt danach eure Obst- oder Gemüsekreationen! Gebt eurer
Gemüse- oder Früchtesorte einen Namen und stellt sie im Schulzimmer aus.
Wenn zu eurem Schulhaus ein Schulgarten gehört, könnt ihr selbst versuchen, (fast)
ausgestorbene Sorten zu züchten. Bei der Vereinigung Pro Specie Rara kann gratis
Saatgut bezogen werden.
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11) Henry David Thoreau, Walden – oder Leben in den
Wäldern, 1854
Stufe: Ab Oberstufe.
Form: Recherche, Textlektüre (Deutsch oder Englisch), Diskussion.
Material: Internetzugang, deutsche oder englische Version des Buches Walden, Zitate aus
Walden (siehe Anhang, S. 22).
Henry David Thoreau (1817–1862) war ein nordamerikanischer Schriftsteller und Naturphilosoph. Von 1845 bis 1847 lebte er in einer kleinen, selbstgezimmerten Hütte am Walden
See in der Nähe von Concord (Massachusetts). Dort entstandenen Notizen für sein
wichtigstes Werk, Walden – oder Leben in den Wäldern (1854). Darin spricht sich Thoreau
sowohl für ein genügsames Leben aus, zugleich befürwortet er darin eine Extravaganz, eine
Verausgabung in Stimmungen und Lebensintensität.
Die achtzehn Kapitel des Buches sind unterschiedlichen Aspekten und Themen gewidmet,
so zum Beispiel der Ökonomie, der Einsamkeit, Tieren des Waldes oder der Lektüre
klassischer literarischer Werke. Walden zählt zu den einflussreichsten Büchern der
amerikanischen Literaturgeschichte und inspirierte im sowohl die Naturschutzbewegung als
auch die 68er-Generation. Auch Mahatma Gandhi berief sich mit seinem Ideal des
gewaltfreien Widerstandes und seiner asketischen Lebensführung ausdrücklich auf Walden.
Henry David Thoreaus Experiment, zwei Jahre in der Wildnis zu verbringen, könnten wir uns
heute kaum noch leisten. Aber der Outdoor-Boom zeigt das ungebrochen starke Bedürfnis,
wenigstens zeitweilig auf die Annehmlichkeiten der Zivilisation zu verzichten, um die Natur
umso intensiver erfahren zu können.
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Kennt ihr den amerikanischen Schriftsteller Henry David Thoreau und sein
berühmtestes Werk mit dem Titel Walden? Macht eine Recherche zum Thema und
informiert euch über den Autor und das Buch. Weshalb gilt Walden als eines der
einflussreichsten Bücher der amerikanischen Literaturgeschichte?
Walden ist in 18 Kapitel geschrieben. Teilt die Kapitel in der Klasse untereinander
auf, lest sie jeweils auszugsweise (die deutsche Version) und schreibt kurze
Zusammenfassungen, um eine Übersicht über das Buch zu erhalten. Sucht pro
Kapitel eine Textstelle, ein Zitat, das ihr besonders wichtig findet.
Diskutiert die verschiedene Zitate aus Walden in kleinen Gruppen (Es kann auch mit
den Zitaten gearbeitet werden, die im Anhang abgedruckt sind.). Was war für
Thoreau das „mehr“, das er aus dem Leben mit „weniger“ Besitz und Zivilisation zog?
Könntet ihr euch vorstellen, zwei Jahre (oder auch eine kürzere Zeit) in völliger
Abgeschiedenheit von der Zivilisation alleine in der Wildnis zu leben? Weshalb ja,
weshalb nein?
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12) Sean Penn, Into the Wild, 2007
Stufe: Ab Oberstufe.
Form: Filmanalyse, Diskussion.
Material: Film Sean Penn, Into the Wild, 2007.
Into the Wild ist ein US-amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 2007 von Sean Penn. Der
Film basiert auf der gleichnamigen Reportage von Jon Krakauer und zeigt die Lebensreise
des jungen Christopher McCandless.
Christopher McCandless, ein 22-jähriger Student aus wohlhabender Familie, bricht im
Sommer 1990 nach dem Abschluss seines Geschichts- und Anthropologiestudiums zu einer
zweijährige Reise durch die USA auf, die ihn schliesslich in die Wildnis Alaskas führt.
Nachdem er sich von materiellem Besitz losgesagt und seine gesamten Ersparnisse einer
Hilfsorganisation gespendet hat, macht er sich anfangs in seinem Datsun Sunny und später
zu Fuss mit einem Rucksack unter dem Pseudonym „Alexander Supertramp“ auf die Reise
nach Fairbanks nahe dem nördlichen Polarkreis, um sich den Herausforderungen eines
einfachen Lebens fernab der Zivilisation zu stellen. Im April 1992 erreicht Chris letztendlich
sein Ziel und bricht, ausgestattet mit einem Kleinkalibergewehr, von Fairbanks in die Wildnis
nördlich des vergletscherten Mount McKinley in den Denali-Nationalpark auf, wo er die
Wintermonate in einem verlassenen alten Linienbus 142 der „Fairbanks City Transit System“
verbringt. Die einsetzende Schneeschmelze schneidet seinen Rückweg über den nahegelegenen Teklanika River ab, da dessen Wasserspiegel und Strömungsgeschwindigkeit
stark angestiegen ist, so dass er ohne Kenntnis alternativer Routen zum Ausharren in
seinem „Magic Bus“ gezwungen ist. Durch Nahrungsmittelknappheit und geschwächt vom
Verzehr giftiger Schoten, die er mit der essbaren Wilden Kartoffel verwechselte, verliert er
rapide an Körpergewicht und stirbt in dem Bus. Durch Texthinweise erfährt der Zuschauer,
dass der Leichnam Christophers Ende August 1992 von Elchjägern auf ihrem Weg entlang
des ehemaligen Stampede Trails gefunden wurde. Dabei wird ein Foto von ihm
eingeblendet, wahrscheinlich eine Selbstaufnahme, welche man in seiner Kamera
unentwickelt vorfand.
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Schaut euch den Film Into the Wild von Sean Penn an!
Was sind eurer Meinung nach die Gründe, weshalb sich Christopher McCandless auf
seine Reise begibt? Was hofft er auf seiner Reise zu finden? Wieso ist es für ihn
wichtig, dass er seinen Besitz los wird und manche Entbehrung auf sich nimmt?
Könnt ihr die Sehnsucht nach der Wildnis nachvollziehen, die Christopher
McCandless empfindet?
Was denkt ihr: Hätte das tragische Ende von McCandless vermieden werden
können?
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13) Heidemarie Schwermer: Living without Money, 2010
Stufe: Ab Mittelstufe.
Form: Filmanalyse, Diskussion.
Material: Film Living without Money unter https://vimeo.com/channels/528106.
Heidemarie Schwermer ist ausgebildete Lehrerin und Psychotherapeutin und setzte sich in
ihrer beruflichen Tätigkeit stets intensiv mit den Themen des Teilens und Tauschens sowie
dem Verzicht auf Geld als Tauschmittel auseinander. 1994 gründete sie einen Tauschring.
Zwei Jahre später fällte sie die Entscheidung, ihren gesamten Besitz zu verschenken und
ihren festen Wohnsitz aufzugeben. Seitdem lebt sie von Tauschgeschäften und hütet
Wohnungen, deren Besitzer z.B. in Urlaub sind. Von ihrer Pension, die sie monatlich
spendet, nimmt sie nur ihre Krankenkasse in Anspruch. Sie versteht ihr Projekt als Gabe an
die Gesellschaft, in dem sie eine Alternative vorlebt, die zumindest hierzulande als wenig
realistisch gilt. Geldlosigkeit hat sie als grossen Gewinn an Freiheit erfahren, gerade weil
kein anonymes Zahlungsmittel im Spiel ist, schafft das Beziehungen zu anderen.
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Schaut euch den Film Living without Money über die Psychotherapeutin und
Lebenskünstlerin Heidemarie Schwermer an.
Wie schafft es Heidemarie Schwermer, ohne Geld zu leben?
Was ist für Heidemarie Schwermer der Mehrwert, so zu leben, wie sie lebt?
Gibt es auch Nachteile, wenn man so wie Frau Schwermer lebt?
Was denkt ihr: Wäre es möglich, dass eine ganze Gesellschaft nur über
Tauschgeschäfte lebt und Geld überflüssig wird? Was spricht dafür, was dagegen?
14) Leben im Kloster
Stufe: Ab Mittelstufe.
Form: Exkursion in ein Kloster, Klosterleben und –kultur kennenlernen.
Material: Papier und Schreibzeug, Links Klosterführungen (siehe Anhang, S. 23).
In der Schweiz gibt es zahlreiche Klöster verschiedener Orden, die ihre Pforten immer mehr
für Interessierte öffnen und oft auch für Schulklassen Führungen anbieten, um das
historische oder gegenwärtige Klosterleben zu vermitteln.
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In der Schweiz gibt es zahlreiche Klöster, die Führungen anbieten. Recherchiert
entsprechende Angebote im Internet.
Organisiert im Klassenverband eine Exkursion in ein Kloster! Bucht auch eine
Führung und bereitet für diese Führung gezielt einige Fragen vor.
Nachbereitung: Was hat euch am Klosterbesuch und an der Führung besonders
beeindruckt? Wurden eure Erwartungen erfüllt? Wieso ja? Wieso nein?
Ist das Leben im Kloster besonders asketisch? Inwiefern haben die Nonnen oder
Mönche in ihrem Leben „mehr von weniger“?
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15) Klosterleben auf Zeit
Stufe: Ab Mittelstufe.
Form: Text- und Filmlektüre, Diskussion.
Material: Artikel Daniela Schwegler: „Meine Freunde dachten, ich gehe ins Gefängnis“, in:
Beobachter 14/2010, 8. Juli 2010, und Filmbeitrag (siehe Anhang, S. 23f.).
Die Deutschschweizer Kapuzinerklöster, darunter auch das Kloster Rapperswil, haben eine
neue Form der Teilnahme am Ordensleben geschaffen. Jungen Männern wird die
Möglichkeit geboten, als „Bruder auf Zeit“ für drei oder sechs Jahre ins Kloster einzutreten,
mit den Kapuzinermönchen zu leben, zu arbeiten und zu beten, ohne auf eigenen Besitz
zurückzugreifen. Wichtig ist uns dabei die Lebensinspiration des Franz von Assisi.
2009 nahm Fridolin Schwitter, einst Wirtschaftsförderer der Stadt Luzern, dieses Angebot
wahr und wurde der erste „Bruder auf Zeit“ in der Schweiz.
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Lest den Text Meine Freunde dachten, ich gehe ins Gefängnis und schaut euch den
kurzen Filmbeitrag über Fridolin Schwitter an. Beantwortet danach folgende Fragen:
Was für ein besonderes Angebot des Kapuzinerklosters Rapperswil hat Fridolin
Schwitter wahrgenommen? Wie sieht sein Alltag im Kloster aus? Welche Regeln
muss Fridolin Schwitter beachten, um in der Klostergemeinschaft leben zu dürfen?
Wodurch unterscheidet sich das Klosterleben von seinem früheren Alltag als
Wirtschaftsförderer? Weshalb ist Fridolin Schwitter ins Kloster gegangen? Was hat
das Leben im Kloster für ihn für Vorteile?
Diskutiert: Im Artikel äussert sich Fridolin Schwitter, dass es immer weniger
Kapuzinermönche gibt und der Orden mit einer Überalterung zu kämpfen hat. Was
denkt ihr, weshalb ist es heute scheinbar weniger attraktiv ins Kloster zu gehen als
früher? Was denkt ihr: Ist das Modell des „Bruders auf Zeit“ eine Möglichkeit, die
Klostergemeinschaften und die Klosterkultur am Leben zu halten?
16) Ein Designer auf „Abwegen“: Interview Philippe Starck
Stufe: Ab Oberstufe.
Form: Textlektüre, Recherche und Diskussion.
Material: Internetzugang, Interview Tillmann Prüfer, „Ich schäme mich dafür“, in:
ZEITMagazin, 28. März 2008 (siehe Anhang S. 25f.).
Die Ausstellung MEHR VON WENIGER widmet sich auch dem Bereich Design, indem die
These aufgestellt wird, dass reduziertes, einfach oder fast asketisch wirkendes Design oft
nur durch einen Mehraufwand im Entwurfs- und Herstellungsprozess erreicht werden kann.
Als Beispiele dafür dienen der Stuhl klio von Studio Hannes Wettstein sowie der ElektronStuhl von Max Ernst Haefeli.
Eine interessante Haltung, was die Notwendigkeit von Design überhaupt betrifft, vertritt der
französische Produktedesigner Philippe Starck (*1949). Starcks vielseitige Entwürfe sind von
Architektur bis Produktdesign in fast jedem Bereich zu finden. Neben spektakulären
Inneneinrichtungen entwirft er auch einfache Gebrauchsgegenstände.
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In einem Interview macht Starck nun die Aussage, dass alles, was er jemals gestaltet habe,
absolut unnötig gewesen sei. Dies ausgerechnet von Philippe Starck zu hören, überrascht,
ist er schliesslich dafür berühmt, Haushalte bis ins letzte Detail zu designen, von der
Badezimmerarmatur bis hin zur Zitronenpresse. Viele dieser Dinge sind Luxusgegenstände,
die vielleicht überflüssig sind, aber vom exklusiven Geschmack ihrer Besitzer zeugen –
vornehme Hotels und hochpreisiges Wohneigentum werden mit dem Starck-Design-Faktor
beworben. Der Designer selbst ist dadurch ebenfalls reich geworden. Darf man ihm also
Glauben schenken, wenn er nun dem Materialismus abschwört? Und ist Verzicht aufs
Materielle wirklich schon ein Ausweg aus dem Überfluss?
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Kennt ihr den Designer Philippe Starck? Besorgt in einer Bibliothek Bücher über den
Designer und macht eine Recherche im Internet! Worfür ist er berühmt geworden?
Lest nun das Interview, das Starck vor einigen Jahren dem ZEITMagazin gegeben
hat. Welches sind für euch die Hauptaussagen des Interviews? Wie beurteilt ihr die
Statements von Philppe Starck? Darf man ihm Glauben schenken, wenn er dem
Materialismus abschwört?
Was denkt ihr: Ist Verzicht aufs Materielle und das Weglassen von Design wirklich
schon ein Ausweg aus dem Überfluss?
17) Maximaler Aufwand,
Goldberg- Maschine
wenig
Wirkung:
Die
Rube-
Stufe: Ab Mittelstufe.
Form: Gestaltungs- und naturwissenschaftliches Projekt; Werkanalyse Fischli / Weiss, Der
Lauf der Dinge, 1987.
Material: Film Fischli / Weiss, Der Lauf der Dinge, 1987 (siehe Anhang, S. 27).
Als besonderes Projekt der Kunstvermittlung sind in der Ausstellung MEHR VON WENIGER
verschiedene Rube-Goldberg-Maschinen ausgestellt, die von einer Klasse des Berufs- und
Weiterbildungszentrums Rapperswil-Jona entwickelt und ausgeführt wurden. Eine RubeGoldberg-Maschine ist eine Nonsens-Maschine, die eine bestimmte Aufgabe absichtlich in
zahlreichen unnötigen und komplizierten Einzelschritten ausführt. Die Maschine erledigt zwar
eine bestimmte Aufgabe, dies aber auf absurd umständliche Art und Weise. Eine RubeGoldberg-Maschine hat also keinerlei praktischen Nutzen, sondern soll bei der Betrachtung
lediglich Spass und Vergnügen bereiten. Der Name Rube-Goldberg-Maschine geht übrigens
auf den amerikanischen Cartoonisten Reuben „Rube“ L. Goldberg zurück, der in der ersten
Hälfte des 20. Jahrhunderts wirkte und Comics über einen Professor Lucifer Gorgonzola
Butts zeichnete, der unnötig komplizierte Maschinen konstruierte.
Bekannt geworden ist das Prinzip der Rube-Goldberg-Maschine auch durch das Schweizer
Künsterduo Fischli / Weiss, deren Film Der Lauf der Dinge von 1987 die den Ablauf
hochkomplexer, explosiver Mechanismen einer solchen Nonsensmaschine zeigt.
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Schaut euch den Film Der Lauf der Dinge des Schweizer Künstlerduos Fischli /
Weiss an. Was erreichen die Künstler mit ihrer Maschinerie?
Fischli / Weiss zeigen in Der Lauf der Dinge eigentlich die Funktion einer
soegenannten Rube-Goldberg- oder Nonsens-Maschine. Baut selbst eine solche
Maschine!
Überlegt euch, welchen minimalen Zweck eure Maschine erfüllen soll.
Sammelt Material und Ideen für Reaktionen und Funktionsweisen, die ihr in eure
Maschine einbauen wollt. Ihr könnt dafür auch im Internet recherchieren...
Nun braucht ihr einen geeigneten Ort, der viel Platz bietet, um eure Maschine
ausfzubauen.
Analysiert im Physik- oder Chemieunterricht, welche Kräfte und Reaktionen bei eurer
Rube-Goldberg-Maschine wirksam geworden sind. Die Fachlehrperson hilft euch
bestimmt gerne mit Erklärungen, wenn ihr einmal nicht mehr weiter wisst...
18) OK GO, Needing/Getting, 2012
Stufe: Ab Mittelstufe.
Form: Übersetzung eines Songtexts, Analyse Musikvideo.
Material: Musikvideo OK GO Needing/Getting, 2012 und Songtext (siehe Anhang S. 27f.).
An die Funktionsweise einer Rube-Goldberg-Maschine angelehnt ist auch das Musikvideo
zum Song Needing/Getting der Band OK GO. In langwieriger Tüftel- und
Klangforschungsarbeit hat die 1998 in Chicago gegründete Band ein Auto-Instrument
entwickelt, das beim Abfahren einer mit Instrumenten und Klangkörpern präparierten Strecke
den Song Needing/Getting spielt. Ein Klavier pro Note, eine Gitarre pro Chord - die Klänge
aus dem Stück werden im Video extrem aufwändig reproduziert. Verschiedene Instrumente
sind in einer langen Reihe am Strassenrand aufgebaut. Im Vorbeifahren wird bei jedem
Instrument ein Ton oder Akkord angeschlagen und so eine Melodie zusammengesetzt.
Die Musik ist einfach, der Aufwand ist gross. Die Band hat sichtlich grossen Spass an der
Materialschlacht und gibt damit ein Statement ab, auch in Zeiten des Digitalen nicht auf
analoge Verausgabungen zu verzichten.
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Schaut euch das Musikvideo zum Song Needing/Getting der amerikanischen Band
OK Go an. Was passiert hier?
Inwiefern passt dieses Musikvideo in die Ausstellung MEHR VON WENIGER?
Was denkt ihr: Weshalb haben die Band und alle Beteiligten den unglaublichen
Aufwand auf sich genommen, ein solches Musikvideo zu produzieren? Schaut euch
zusätzlich die englischsprachigen Making-Of-Videos an und versucht, dort die
Antworten zu finden.
Lest nun den Songtext zu Needing/Getting und übersetzt ihn. Inwiefern besteht ein
Zusammenhang zwischen Musikvideo und Songtext?
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Anhang
1) Die Sehnsucht nach Einfachheit und die Lust am
Überfluss – Der Aufsatz.
„Nichts verhindert den rechten Genuss so wie der Überfluss.“
Michel de Montaigne (1533-1592): Jurist, Politiker und Moralphilosoph; Denker und Dichter der französischen
Renaissance, der den Essay als literarische Form entwickelte.
„Es gibt die Frage, macht man aus seinem Leben etwas Asketisches oder etwas
Leidenschaftliches? In letzter Instanz bringt Askese weniger Erlebnisse.“
Kurt Imhof (1956-2015): Soziologe und Publizistikwissenschaftler; Letzter des Forschungsinstitutes Öffentlichkeit
und Gesellschaft / Universität Zürich.
„Wir leben schliesslich in einer hochkapitalistischen Gesellschaft. Verschwendung gilt hier
als höchste Tugend.“
Haruki Murakami (1949): Autor und einer der bekanntesten Vertreter der japanischen Gegenwartsliteratur.
„Es ist wichtig, Einfachheit nicht mit Uninteressantem zu verwechseln.“
Calvin Klein (1942): US-amerikanischer Modeschöpfer, der mit Designer-Jeans und Designer-Unterwäsche
berühmt wurde.
„Auch die Verzweiflung hat ihre Ekstase.“
Victor Hugo (1802-1885): Er begründete als Schriftsteller die französische Romantik. Sein Buch „Notre-Dame de
Paris“ gilt als bedeutendster Historienroman. Das Zitat stammt aus „Les Misérables“.
„Affektierte Einfachheit ist raffinierter Betrug.“
François de la Rochefoucauld (1613-1680): Französischer Adeliger und Offizier, Aufständischer gegen das
abolutistische Regime. Er schrieb gesellschaftskritische Bücher in denen er über die Natur des Menschen
reflektiert.
„Das Ideal der Einfachheit macht das Leben in der modernen Gesellschaft noch schwieriger.“
Vincent van Gogh (1853-1890): Niederländischer Künstler, Wegbereiter des Expressionismus, der in seinen
letzten 10 Lebensjahren über 750 Gemälde und 1600 Zeichnungen schuf.
„Einfachheit ist die üppige Schönheit des Ausdrucks.“
Walt Whitman (1819-1892): Begründer der modernen amerikanischen Dichtung gilt in den USA als einer der
einflussreichsten Lyriker des 19. Jahrhunderts.
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2) Askese – Ekstase: Begriffe klären, Themen abstecken
Ordnet die folgenden Begriffe zu Gegensatzpaaren, indem ihr sie durch Linien miteinander
verbindet!
Verschwenden
Komplexität
Askese
Bescheidenheit
Einfachheit
Zurückhaltung
Luxus
Verzichten
Verausgabung
Ekstase
5) Christian Morgenstern, Lass die Moleküle rasen..., 1905
Lass die Moleküle rasen,
was sie auch zusammenknobeln!
Lass das Tüfteln, lass das Hobeln,
heilig halte die Ekstasen!
Quelle: Christian Morgenstern, Galgenlieder, Diogenes Verlag AG, Zürich 1983, S. 13.
7) Kilian Ziegler: Vom Monster zum Mönch
Videos von Performances von Kilian Ziegler
http://www.lavachekili.ch/v1/muhtube/
Tipps für Slammer
https://www.youtube.com/watch?v=AptpLnNKQys
8) Yvonne Scarabello, Hab und Gut, 2005
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Yvonne Scarabello, HAB+GUT, Installation (Detailansicht), 2005, Courtesy the Artist.
Von oben links nach unten rechts: Ablagen – Inventar Nr. 000.000.968, Die Schnellste – Inventar Nr. 000.002.193,
Fahrzeugausweis – Inventar Nr. 000.000.731, Gläser Inventar – Nr. 000.000.831, Kürschnermesser – Inventar Nr.
000.000.405, Le Fast Foonk – Inventar Nr. 000.001.498, Messband – Inventar Nr. 000.001.023, Pastamaschine –
Inventar Nr. 000.000.846, Salbei – Inventar Nr. 000.001.599, Velo – Inventar Nr. 000.001.570. Portraitbeispiele von
Giuseppe Arcimboldo
(von links nach rechts):
Der Bibliothekar, Der
Gemüsegärtner, Das
Wasser. Diese und
weitere Beispiele finden
sich unter:
http://de.wikipedia.org/wi
ki/Giuseppe_Arcimboldo
Susan Petrin, Nachlassverwalterin ihrer selbst, in: Thurgauer Zeitung, 18. August 2005.
Nachlassverwalterin ihrer selbst
Über das Malen und sich Filmen ist Yvonne Scarabello auf eine neue Form des
Selbstporträts gekommen: die Künstlerin fotografiert und katalogisiert jede einzelne ihrer
Habseligkeiten - und hofft, die Gegenstände mögen auch zu anderen sprechen.
Das Tellerchen, auf dem Yvonne Scarabello dem Gast Olivenbrot anbietet, ist weiss und
rund. Ein stinknormaler Porzellanteller eben. Erst wenn das letzte Stückchen Brot weg ist,
sieht mans: auf dem Boden klebt klein gedruckt die Nummer 000.000.009. Der Kochtopf im
Küchenschrank trägt die Nummer 000.000.035, das Kochbuch im Regal 000.000.989. Seit
einem Jahr ist Yvonne Scarabello dran, jedes einzelne Ding, das ihr gehört, zu fotografieren,
zu katalogisieren, zu archivieren. Von der Zahnbürste über jede CD bis zur
Tamponschachtel. Einfach alles, ihr ganzes „Hab und Gut“. So heisst denn auch ihr
Kunstprojekt, das sie in Frauenfeld vorstellen wird.
Besitz: „Abdruck meiner Person“
Wozu? Was soll das alles? Yvonne Scarabello stützt ihr Kinn in die Hand mit den schwarz
lackierten Fingernägeln. Solche Fragen musste sie schon oft beantworten. Sie wollte ein
Projekt, das nah am Leben ist, am Alltag. „Es soll mich weiterbringen. Ordnung schaffen,
zeigen, was mir wichtig ist, wohin ich will.“ Allem zu Grunde liegt das Selbstporträt. Während
ihrer Ausbildung an der „F+F Schule für Kunst und Mediendesign“ in Zürich malte sich
Scarabello selbst - und war unzufrieden, als sie sich tags darauf im Spiegel bereits etwas
anders sah. Später filmte sie sich, rundherum, blieb unbefriedigt. Bis sie vor zwei Jahren auf
die Idee kam, ihre Habseligkeiten könnten selbstredend sein. „Es ist ein Versuch, mich
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anders zu zeigen. Weil ich keine Tagebuchschreiberin bin, habe ich mich schon immer an
Gegenstände gehalten.“ In ihrem Projektbeschrieb formuliert sie das so: „Rund um mich sind
diese Dinge, ähnlich dem Wasser, wenn ich bade - nur gröber. Ich suche in meinem Hab und
Gut einen Hohlraum, einen Abdruck meiner Person. Was kristallisiert sich heraus, wenn ich
mich dem Abbild entziehe und allein mein Hab und Gut ins Blickfeld rückt?“
Weitere kritische Fragen drängen sich auf. Können Gegenstände etwas über das Innere, die
Gefühle eines Menschen aussagen? Oder bleibt alles an der Oberfläche? Und vor allem:
Was bringt diese Kunstform allen anderen? Yvonne Scarabello sieht ihr Leben als „kleine
Form der grossen Welt“, stellvertretend für viele andere. „Ich hoffe, dass die Besucher
heimgehen und das eigene Leben anschauen anstatt das meine.“ Ihr selbst habe das Projekt
bereits viel gebracht. „Das Leben ist reicher, intensiver geworden für mich.“ Sie habe auch
ihre Grenzen entdeckt, Fehler, Menschliches. Und dadurch etwa gelernt, weniger von
anderen zu erwarten. Nicht zuletzt soll „Hab und Gut“ anregen, über den Tod nachzudenken.
„Wer hätte Freude an was?“ „Welche Gegenstände verlieren ihren Sinn, wenn ich nicht mehr
bin?“ Tabuthemen, wie sie gemerkt habe. Ihr schönster Gedanke dazu: „Meine Gegenstände
werden zu Gegenständen eines Fremden und ich zur Nachlassverwalterin meiner eigenen
Person.“
Zehn Jahre katalogisieren
Die Thurgauer Kulturstiftung hat sich offenbar von Yvonne Scarabellos Antworten
überzeugen lassen: Die in Zürich wohnhafte Frauenfelderin hat eine finanzielle
Unterstützung für das Projekt erhalten. So kann sie sich nun zumindest einige Monate vor
allem dem Archivieren widmen. 1500 Gegenstände sind bereits im elektronischen Katalog
abrufbar. Sie rechnet mit weiteren neun Jahren Arbeit. Bis dahin soll sich alles verdichten,
sollen neue Projekte daraus entstehen, sollen viele Dinge an Geschichten, Erinnerungen
gekoppelt werden. „Kann sein, dass ein Besucher hinter meiner alten Bratpfanne eine
Liebesgeschichte entdeckt.“ In einem Zimmer ihrer Altbau-Wohnung ist eine Leinwand
aufgespannt, ein weisser Schirm, davor Stativ und Kamera. Hier arbeitet Yvonne Scarabello,
lichtet Ding um Ding ab. An der Wand hängen Fotos der im Photoshop freigestellten
Gegenstände. Spängeli, zwei Lebkuchenfigürchen, eine Chiquita-Banana-Schachtel. Es ist
eine putzige Dingwelt, erinnert an den Setzkasten aus der Kindheit. Die Künstlerin stellt sich
fürs Foto davor. „Das Schöne ist: so kommen auch kleine Gegenstände gross raus,
gewinnen an Bedeutung.“ Sie lacht und lächelt, beides wirkt ansteckend. Fotogen zeigt sie
ihre kleinen Zähne, verschmälern sich ihre Augen. Man könnte die 35-Jährige problemlos
zehn Jahre jünger schätzen. Später, zurück in der Küche bei feinem Espresso - man
schmeckt die italienischen Wurzeln -, bleibt die Frage nach dem „Warum?“, die spannendste.
Yvonne Scarabello gibt die wohl ehrlichste Antwort: „Das frage ich mich wirklich jeden Tag.
Es gibt tausend Gründe. Am Ende muss ich einfach das machen, was ich machen muss.“
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10) Uli Westphal, Lycopersicum III, 2013
Uli Westphal, Lycopersicum III, 2013, aus Cultivar Series, 2010 bis heute, Lambda Print, Courtesy the Artist.
11) Henry David Thoreau, Walden – oder Leben in den
Wäldern, 1854
„Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen,
wirklichen Leben näher zu treten, zu sehen, ob ich nicht lernen konnte, was es zu lehren
hätte, damit ich nicht, wenn es zum Sterben ginge, einsehen müsste, dass ich nicht gelebt
hatte. Ich wollte nicht das leben, was nicht Leben war; das Leben ist so kostbar. Auch wollte
ich keine Entsagung üben, ausser es wurde unumgänglich notwendig. Ich wollte tief leben,
alles Mark des Lebens aussaugen, so hart und spartanisch leben, dass alles, was nicht
Leben war, in die Flucht geschlagen wurde.“
„Wozu diese verzweifelte Jagd nach Erfolg, noch dazu in so waghalsigen Unternehmungen?
Wenn ein Mann nicht (Gleich)-Schritt mit seinen Kameraden hält, dann vielleicht deshalb,
weil er einen anderen Trommler hört. Lasst ihn zu der Musik marschieren, die er hört, in
welchem Takt und wie fern sie auch sei. Es ist nicht wichtig, dass ein Mensch so schnell reift
wie ein Apfelbaum oder eine Eiche. Soll er denn seinen Frühling zum Sommer machen?“
„Das eine wenigstens lernte ich bei meinem Experimente: Wenn jemand vertrauensvoll in der
Richtung seiner Träume vorwärts schreitet und danach strebt, das Leben, das er sich
einbildete, zu leben, so wird er Erfolge haben, von denen er sich in gewöhnlichen Stunden
nichts träumen liess. Er wird mancherlei hinter sich lassen, wird eine unsichtbare Grenze
überschreiten. Neue, allgemeine und freiere Gesetze werden sich um ihn und in ihm bilden
oder die alten werden ausgedehnt und zu seinen Gunsten in freierem Sinne ausgelegt
werden.“
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Walden
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14) Leben im Kloster
Kartause Ittingen, Warth
http://www.kunstmuseum.ch/documents/Handbuch_IM.pdf
http://www.ittingermuseum.tg.ch/xml_98/internet/de/application/d7392/f13588.cfm
Kloster Einsiedeln
http://www.wallfahrt-einsiedeln.ch/?id=30
Kloster Muri
http://www.muri.ch/xml_1/internet/de/application/d4/d88/d287/f400.cfm
Kloster Disentis
http://www.disentis-sedrun.ch/kultur-natur/kloster-disentis.html
15) Klosterleben auf Zeit
Daniela Schwegler: „Meine Freunde dachten, ich gehe ins Gefängnis“, in: Beobachter
14/2010, 8. Juli 2010.
„Meine Freunde dachten, ich gehe ins Gefängnis“
Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit: Fridolin Schwitter erhofft sich vom Kloster „eine
Vertiefung meines Lebens“.
Fridolin Schwitter, 50, hat den Armani-Anzug gegen eine Kapuzinerkutte eingetauscht. Der
einstige Wirtschaftsförderer der Stadt Luzern lebt jetzt als Mönch.
Nach 30 Jahren im Wirtschafts- und Finanzbereich wollte ich mich verändern und mir eine
Auszeit gönnen. Als „Bruder auf Zeit“ bei den Kapuzinern widme ich mich seit ein paar
Monaten nicht mehr der Gewinnmaximierung, sondern der Optimierung meines
Lebensinhalts. Als Erster in der Schweiz profitiere ich vom Angebot, auf begrenzte Zeit ins
Kloster einzutreten. Drei Jahre lang. Was nach 2012 kommt, ist noch offen.
Als ich meinen Freunden von meinem Entschluss erzählte, dachten sie, ich gehe ins
Gefängnis. Alle luden mich noch einmal ein. Aus Angst, sie würden mich nie mehr sehen,
sobald ich einen Fuss über die Schwelle des Klosters gesetzt hätte. Aber so ist das nicht. Ich
will mich ja nicht völlig abmelden von der Welt, sondern sie nur aus einem anderen
Blickwinkel betrachten. Zudem: Auch wir Brüder haben unsere freien Tage. Zwar nicht die
Samstage und Sonntage, die gelten bei uns als Werktage. Doch am Mittwoch habe ich frei.
Dann besuche ich meine Freunde in Luzern oder erkunde mit dem Velo die Ostschweiz.
Die Freiheit, kein Geld verdienen zu müssen
Als Ordensbrüder legen wir drei Gelübde ab: das Leben in Armut, Gehorsam und
Ehelosigkeit. Als arm empfinde ich mich allerdings gar nicht. Wir sind sogar privilegiert.
Unser Kloster liegt im Städtchen Rapperswil direkt am Zürichsee. Das ist wunderschön! Ich
habe ein Dach über dem Kopf, jeden Tag zu essen, meine Arztrechnungen werden bezahlt.
Was will ich mehr? Sicher, mein Erspartes darf ich während der Klosterjahre nicht anrühren.
Aber nichts zu verdienen, erlebe ich als sehr befreiend. Und mein kleines Taschengeld reicht
für einen gelegentlichen Kaffee auswärts, mal ein Buch oder ein Bahnbillett. Auch mit
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Gehorsam habe ich keine Mühe. Früher sagte einfach der Chef, wo es langgeht. Heute sind
es die Ordensregeln des heiligen Franziskus, die mir den Weg weisen. Am schwierigsten ist
für mich das Leben in Keuschheit. Daran muss ich mich erst gewöhnen. Liebe und
Zuneigung sind doch auch christliche Werte. Ich bin zwar Single, aber ganz ohne körperliche
Nähe auszukommen ist trotzdem neu für mich. Wobei: Drei Jahre geht das bestimmt.
Im Kloster bin ich zuständig für die Pforte. Deshalb trage ich das Ordensgewand. Bei uns
entscheidet jeder selber, ob und wann er eine Kutte trägt. Ich trage sie, damit Leute, die bei
uns an der Pforte klopfen, wissen, dass ich ein Bruder bin.
Wir sind ein Gästekloster und leben Tür an Tür mit unseren Gästen, die einige Tage bei uns
verbringen. An der Pforte melden sich aber auch spontan Menschen. Sie kommen mit ihren
Sorgen und Nöten und schütten mir ihr Herz aus. Ich habe gemerkt, dass es oft wichtiger ist,
ihnen einfach nur zuzuhören, statt sie mit Ratschlägen einzudecken.
Unser Klosteralltag ist klar strukturiert. Zwei Stunden sind wir im Gebet und in der Meditation.
Das ist neu für mich. Religion bedeutete mir früher nicht viel. Mit der Institution Kirche und
ihren Dogmen kann ich mich noch immer nur schwer identifizieren. Wie der Vatikan mit
Missbrauchsfällen umgeht, ist doch unsäglich: An der Ostermesse tut der Oberkardinal die
Pädophilie innerhalb der Kirche als Geschwätz ab! Was soll man da noch sagen? Eine
Aufarbeitung wäre dringend nötig. Und eine offene Diskussion über den Zölibat und den
Umgang mit den Frauen ebenso. Wir Kapuziner waren übrigens schon immer ein
reformfreudiger Orden. Wenn sich die Kirche je verändern soll, dann von unten. Denn die
Basis leistet engagierte und gute Arbeit. Das ist für mich massgebend.
An Gott habe ich trotzdem immer geglaubt. Und mein Tun stets kritisch hinterfragt. Meine
Veloreisen durch 70 Länder öffneten mir die Augen. Bei der Stadt Luzern war ich als
Wirtschaftsförderer in Teilzeit angestellt, arbeitete aber ein volles Pensum. So blieben
mehrere Wochen pro Jahr für meine Reisen durch die ganze Welt. Ich radelte durch die
Slums von Südafrika, durchs kriegsversehrte Bosnien, durch den Kosovo und sah die bittere
Armut in Rumänien und Albanien. Das hinterliess tiefe Spuren. In der Schweiz leben wir im
Schlaraffenland. Aber schauen Sie sich die Gesichter an einem Montagmorgen in einer Stadt
an: Glücklich macht uns der Reichtum nicht. Ich hoffe, dass ich im Kloster zu neuen
Erkenntnissen und Einsichten komme, zu einer Vertiefung meines Lebens.
Neues Marketing wegen Nachwuchssorgen
Im Moment macht mir allerdings der Mitgliederschwund beim Kapuzinerorden Sorgen. Vor
40 Jahren noch gab es in der Schweiz 900 Kapuziner. Heute sind es gerade mal noch 130.
Und die Brüder sind im Durchschnitt über 70 Jahre alt. Ich will mich doch nicht in eine
Institution einfügen, wo es in einigen Jahren nur noch darum geht, in den Klöstern die letzten
Lichter zu löschen. Darum überlege ich mir oft, wie wir unseren Orden in eine gute Zukunft
führen können.
Denn das Ordensleben hat auch heute viel zu bieten. Das zeigte sich mir schon nach
wenigen Wochen als „Bruder auf Zeit“. Ich schätze das Leben in der Gemeinschaft, das
Einüben des Zusammenseins, auch die handwerklichen Tätigkeiten hier. Klöster bergen
einen reichen Schatz. Nur wissen das viele nicht. Das Klosterleben wird als hart und
entbehrungsreich gesehen. Die Klöster kommunizieren halt auch nicht gerade vorteilhaft.
Aber wenn wir Kapuziner das Marketing überdenken und die positiven Seiten des
Ordenslebens in den Vordergrund stellen, dann hat das Bruder-auf-Zeit-Sein für mich auch
eine langfristige Perspektive.
Quelle: http://www.beobachter.ch/familie/sozialfragen/artikel/klosterleben_meine-freundedachten-ich-gehe-ins-gefaengnis/
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Link zu einem Filmbeitrag über Fridolin Schwitter:
https://www.youtube.com/watch?v=ELnZePKJkVg
16) Ein Designer auf „Abwegen“: Interview Philippe Starck
Tillmann Prüfer, „Ich schäme mich dafür“, in: ZEITMagazin, 28. März 2008.
"Ich schäme mich dafür"
Philippe Starck ist der Stardesigner der vergangenen zwei Jahrzehnte. Dennoch sagt er
heute: "Alles, was ich gestaltet habe, ist absolut unnötig."
ZEITmagazin: Herr Starck, Sie haben alles entworfen – von der Zahnbürste bis zum
Raumschiff. Was braucht der Mensch wirklich?
Philippe Starck: Die Fähigkeit zu lieben. Liebe ist die wunderbarste Erfindung der
Menschheit. Und dann braucht man Intelligenz. Die Menschheit hat den Tieren voraus, dass
sie, basierend auf Intelligenz, eine Zivilisation geschaffen hat. Deswegen darf sich kein
Mensch leisten, nicht an seiner Intelligenz zu arbeiten. Und Humor ist wichtig.
ZEITmagazin: Etwas Materielles fällt Ihnen nicht ein?
Starck: Wir brauchen nichts Materielles. Viel wichtiger ist, dass man eine eigene Ethik
entwickelt. Und dass man sich an diese Regeln auch hält. Ansonsten muss man sich um
nichts sorgen.
ZEITmagazin: Das ist nicht Ihr Ernst. Es gibt doch wohl allerlei, was man zum Überleben
braucht.
Starck: Wenn Sie über Objekte sprechen möchten: Man braucht sicherlich etwas, um Feuer
zu machen.
ZEITmagazin: Fällt Ihnen noch etwas ein?
Starck: Ein Kopfkissen vielleicht und eine gute Matratze.
ZEITmagazin: Warum sind Sie dann Industriedesigner geworden?
Starck: Das ist eine interessante Frage. Und ich habe sie für mich noch nicht wirklich
beantwortet. Sehen Sie, ich habe so viele Dinge gestaltet, ohne wirklich an ihnen interessiert
zu sein. Vielleicht waren all die Jahre nötig, damit ich letztlich erkennen konnte, dass wir im
Grunde nichts brauchen. Wir haben immer zu viel.
ZEITmagazin: Was Sie geschaffen haben – alles überflüssig?
Starck: Alles, was ich gestaltet habe, ist absolut unnötig. Strukturell gesehen, ist Design
absolut nutzlos. Ein Beruf, der Sinn hat, ist Astronom, Biologe oder etwas Ähnliches. Design
ist nichts. Ich habe versucht, meinen Produkten etwas Sinn und Energie zu geben. Auch
wenn ich mein Bestes gegeben habe, es war sinnlos.
ZEITmagazin: Das ist die Bilanz Ihres Schaffens?
Starck: Menschen, die schlauer sind als ich, hätten das vielleicht schneller verstanden.
Vielleicht war ich nicht klug genug und musste den schwierigen Weg gehen. Ich hatte von
Anfang an den Verdacht, dass Produktdesign letztlich nutzlos ist. Deswegen habe ich
versucht, den Job in etwas anderes zu verwandeln. In etwas, das politischer, rebellischer,
subversiver ist. Vielleicht ist das Wichtigste, das ich geschaffen habe, nicht ein neues Objekt,
sondern eine neue Definition für das Wort Designer.
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ZEITmagazin: Sie sagen, dass wir in das Zeitalter des Postmaterialismus überwechseln.
Was heisst das?
Starck: Die Gesellschaft verfolgt eine Strategie der Dematerialisierung. Es geht immer um
mehr Intelligenz und weniger Material. Nehmen Sie den Computer. Zuerst war ein Computer
so gross wie ein Haus. Jetzt gibt es welche in Kreditkartengrösse. In zehn Jahren werden sie
in unseren Körpern sein, bionisch. In 50 Jahren wird sich das Konzept "Computer" aufgelöst
haben.
ZEITmagazin: Was sollen Designer dann noch gestalten?
Starck: Es wird keine Designer mehr geben. Der Designer der Zukunft ist der persönliche
Coach, der Trainer im Gym, der Diätberater. Das ist alles.
ZEITmagazin: Sie haben öfter betont, Ihr Ziel sei es, das Design zu zerstören. Wie weit sind
Sie gekommen?
Starck: Es ist vollbracht! Als ich anfing, waren Designgegenstände nur schöne Dinge. Keiner
konnte sie sich leisten. Design bedeutete Elitismus. Doch Elitismus ist vulgär. Die einzige
Eleganz liegt in der Vervielfältigung.
ZEITmagazin: Das müssen Sie erklären.
Starck: Wenn man das Glück hat, eine gute Idee zu haben, hat man die Pflicht, sie mit
anderen zu teilen. So funktioniert Demokratie. Als ich angefangen habe, hat ein guter Stuhl
etwa 1000 Dollar gekostet. Soll eine Familie, die sechs Stühle und einen Tisch braucht,
10’000 Dollar bezahlen, nur um zu Abend essen zu können? Das fand ich obszön. Vor vier
Jahren entwarf ich einen Stuhl, der weniger als zehn Dollar kostete. Wenn man drei Nullen
vom Preis wegnimmt, verändert man das gesamte Konzept des Produkts.
ZEITmagazin: Warum haben Sie dann neulich für einen russischen Millionär eine Motorjacht
kreiert?
Starck: Ebendas gehört zu meinem Robin-Hood-Konzept. Ich benutze ein solches Projekt
wie ein Labor. Ich kann neue Technologien ausprobieren und sie für den Massenmarkt
nutzbar machen. Für die Jacht habe ich einen Rumpf entwickelt, der bei 20 Knoten keine
Bugwellen macht. Das Konzept nutze ich für ein Solarboot: vielleicht der Prototyp für ein
Wassertaxi in Venedig.
ZEITmagazin: Aber wollen Sie nicht aufhören zu designen?
Starck: Auf jeden Fall. In zwei Jahren werde ich definitiv aufhören. Ich werde irgendetwas
anderes machen. Ich weiss es noch nicht. Es wird eine neue Art des Ausdrucks sein. Eine
neue Waffe, die schneller und gewaltiger und leichter sein wird als Design. Design ist eine
schreckliche Art, sich selbst auszudrücken.
ZEITmagazin: Also werden Sie nur den Job wechseln.
Starck: Genau. Ich war ein Produzent von Materialität. Ich schäme mich dafür. Ich will
künftig ein Produzent von Konzepten sein. Das wird nützlicher sein.
ZEITmagazin: Gibt es denn irgendein Objekt, das sie mögen?
Starck: Nein.
Quelle: http://www.zeit.de/2008/14/Designer-Starck-14
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17) Mehr Aufwand für wenig Wirkung: Die Rube-GoldbergMaschine
Fischli / Weiss, Der Lauf der Dinge, 1987
https://vimeo.com/41630032
18) OK Go, Needing/Getting, 2012
Songtext zu Needing/Getting von OK Go
I've been waiting for months
Waiting for years
Waiting for you to change
Aw, but there ain't much that's dumber
There ain't much that's dumber
Than pinning your hopes on a change in another
And I, yeah, I still need you, but what good's that gonna do?
Needing is one thing and getting, getting is another
So I been sitting around
Wasting my time
Wondering what you been doing
Aw, and it ain't real forgiving
It ain't real forgiving
Sitting here picturing someone else living
And I, yeah, I still need you, but what good's that gonna do?
Needing is one thing and getting, getting is another
I've been hoping for months
Hoping for years
Hoping I might forget
Aw, but it don't get much dumber
It don't get much dumber
Than trying to forget a girl when you love her
And I, yeah, I still need you, but what good's that gonna do?
Oh, needing is one thing and getting, getting is another
When?
When?
Why not now?
Why not me?
Why not me?
When?
When?
Why not now?
Why not me?
Why not me?
Quelle: http://www.lyricsmania.com/needing_getting_lyrics_ok_go.html
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OK Go, Needing/Getting, Video
https://www.youtube.com/watch?v=75aqU54CaYE&list=PL07D399D8CE9C0B48&feature=iv
&src_vid=MejbOFk7H6c&annotation_id=annotation_26801
OK Go, Needing/Getting - Behind The Scenes: Tuning a Track
https://www.youtube.com/watch?v=75aqU54CaYE&list=PL07D399D8CE9C0B48&index=2
OK Go, Needing/Getting - Behind The Scenes: Process of Play
https://www.youtube.com/watch?v=tsK8TSx1Sbk&index=3&list=PL07D399D8CE9C0B48
OK Go, Needing/Getting - Behind The Scenes: Overview
https://www.youtube.com/watch?v=qae4gAbXOZ8&list=PL07D399D8CE9C0B48&index=4
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