Wiener HaydnWege: „How to Become an Expert“

Wiener HaydnWege: „How to Become an Expert“
Ein Rundweg und drei kleinere Touren auf den Spuren Joseph Haydns
und seiner Zeit in Wien
Die vom Da Ponte Institut konzipierten HaydnWege machen den Stadtraum Wiens zur urbanen
Bühne. Sie führen zu den Gedenkstätten Haydns und ins Wien des 18. Jahrhunderts, unter den
Herrschafts-Baldachinen von Karl VI. bis Franz II./I.
Ein HaydnPfad verbindet im Rundgang vier bedeutsame Plätze dieser Zeit in der Wiener
Innenstadt, die mit dem Leben und Schaffen des Komponisten verbunden sind und die
Geschichte Wiens in besonderer Weise erfahren lassen: die vier HaydnStationen
Michaelerplatz, Stephansplatz, Josefsplatz und Neuer Markt.
Ergänzend dazu gibt es die HaydnTour „Esterhazy“ und die HaydnTour „Die Schöpfung“ im
ersten Bezirk, die HaydnTour „Haydnhaus“ im 6. Bezirk sowie Informationen zu weiteren
Wiener HaydnOrten.
Hinweis:
Diese Informationen entsprechen jenen in der Broschüre
„Haydn 2009“ des WienTourismus enthaltenen, jedoch um
Details und das gesamte Kapitel „Weitere Haydn-Orte“
ergänzt.
PDF-Download des Teils „HaydnWege“ der Broschüre des
WienTourismus mit Stadtplan und eingezeichneten
HaydnWegen auf www.wien.info/haydn-jahr-2009
Das Wiener Haydn-Jahr 2009
War Mozart das früh verstorbene „Menschheits-Genie“,
welches 2006 in einem Jubiläumsjahr weltweit gefeiert
wurde, so führt uns Joseph Haydn 2009 als Erneuerer
musikalischer Formen und planvoller Vermarkter seines
Schaffens auch durch das Wien des 18. Jahrhunderts.
Nachhaltiger als der faszinierende Virtuosen-Star Mozart hat
der Genius Haydn die Musikgeschichte beeinflusst: Seine
Streichquartette und Sinfonien sind als innovative Formate
unmittelbar in die Musikproduktion des 19. Jahrhunderts
eingegangen.
Mit Haydns Lebenslauf lässt sich ein großer Bogen spannen
– vom barocken Lebensgefühl Karls VI. zur Reform-Kaiserin
Maria Theresia, über ihre aufklärerischen Söhne Joseph II.
und Leopold II. bis hin zu Franz II./I., welcher der Aufklärung ein Ende setzte.
Der „Compositeur“ der „Schöpfung“ sowie unvergleichlicher Kammermusik, die die
bürgerlichen Salons prägte, war Avantgardist auf dem europäischen Musikmarkt. Allein durch
den Druck seiner Werke begeisterte er Paris, ohne je dort gewesen zu sein. Und er war
Schöpfer der „Kaiserhymne“, deren Melodie über das Ende der Habsburger Monarchie hinaus
noch heute als Nationalhymne Deutschlands staatstragende Bedeutung hat.
HaydnPfad
Stephansplatz (1)
Haydn-Entdeckung
Im Stephansdom begann Haydns langer Weg in Wien. Auf der Suche nach neuen
Sängerknaben für den Chor des Stephansdoms entdeckte 1739 der damalige Domkapellmeister
und spätere Hofkapellmeister, Georg Reutter d. J., den siebenjährigen Joseph in der Stadt
Hainburg in Niederösterreich, unweit zur heutigen Slowakei. Dort besuchte der in Rohrau
geborene Sohn eines Wagnermeisters seit einem Jahr die Schule. Haydns unvorhersehbare
„Entdeckung“ (man denke auch an die seit der Renaissance kursierenden „Künstlerlegenden“)
eröffnete Haydn eine in weiterer Folge auch durch Selbststudium erarbeitete Karriere, die
aufgrund seiner Herkunft keineswegs vorgezeichnet war – dies im Unterschied zu Mozart, Sohn
eines erzbischöflichen Vizekapellmeisters. Mozart erlernte seinen Beruf wie ein Handwerker in
der „Werkstatt“ seines Vaters, ein im 18. Jahrhundert gängiger Ausbildungsweg. Wer nicht einen
Musiker zum Vater oder in der näheren Verwandtschaft hatte, musste auf die Angebote
kirchlicher Institutionen zurückgreifen.
Sängerknabe im Stephansdom
Von 1740 bis ca.1749 sang Joseph Haydn im Domchor des Stephansdom und erfuhr dort seine
grundlegende musikalische Ausbildung – Haydns jüngerer Bruder Michael folgte ihm 1745 nach.
Das noch zu Lebzeiten Haydns (1803) abgerissene Kapellhaus, in welchem der
Domkapellmeister wie die Chorknaben untergebracht waren, befand sich in einer direkt vor dem
Haupteingang des Doms gelegenen Häuserzeile. 1749 wurde Joseph Haydn aus dem Chor
entlassen – der Anekdote zufolge war dafür auch ein Streich des jungen Musikers
ausschlaggebend.
Trauung mit der Perückenmacher-Tochter
Im Stephansdom wurde im Jahre 1760 die Trauung von Joseph Haydn mit Maria Anna Keller
vollzogen. Dies erfolgte zu einem Zeitpunkt, als Haydn nach langen Jahren als „freier“ Musiker
seine erste Anstellung in einer Hofkapelle gefunden hatte. Haydns Gattin wird von den
Musikhistorikern gerne als „Fehlbesetzung“ neben dem „Genie“ beschrieben – ein Urteil des 19.
Jahrhunderts, welches allerdings viele andere Komponistengattinnen betraf, sofern sie sich nicht
bedingungslos der Kunst ihres Mannes aufopferten.
Von Karl VI. zu Maria Theresia
Im Jahr 1740, als der achtjährige Haydn nach Wien kam, begann die Herrschaft Maria
Theresias, die vier Jahrzehnte lang das Habsburgerreich regierte. Sie reduzierte die aufwendige
repräsentative Hofhaltung, wie sie von ihrem Vater Karl VI. in hochbarocker Manier gepflegt
worden war – auch im musikalischen Bereich. Joseph Haydns Jahre als Sängerknabe im
Stephansdom fielen in die Zeit des „Österreichischen Erbfolgekrieges“ (1740-1748), in welchem
das Habsburgerreich seine Stellung als europäische Großmacht trotz einzelner Länderverluste
erfolgreich behaupten konnte. Maria Theresia konnte zwar in der Habsburgermonarchie das
Erbe ihres Vaters antreten, nicht aber im Heiligen Römischen Reich. Mit der Wahl ihres Gatten;
Franz Stephan von Lothringen, zum deutschen Kaiser kam die Kaiserkrone 1745 wieder „in die
Familie“. Gegen Ende der 1740er Jahre folgte ein „Modernisierungsschub“ – die systematische
Zentralisierung der staatlichen Behörden einhergehend mit einer Einschränkung des Einflusses
kirchlicher Institutionen im Sinne eines aufgeklärten Absolutismus.
Vom Barock zum galanten Stil
Es war eine Zeit der Umorientierung auch im musikalischen Bereich. Die tonangebenden Wiener
Komponisten des Hochbarock, Johann Joseph Fux und Antonio Caldara, waren mittlerweile
verstorben, ihr Stil wirkte jedoch im Bereich der Kirchenmusik noch weiter nach. Parallel
entwickelten sich jedoch neue musikalische Formversuche hin zum „galanten“ Stil. Die Oper –
wenn auch weiterhin eine Domäne der Aristokratie – begann ihren höfisch exklusiven Charakter
zu verlieren.
Domgasse
Haydn und Mozart
Im „Mozarthaus“ in der Domgasse befindet sich die einzige noch erhaltene Wohnung Mozarts,
welche dieser von 1784 bis 1787 bewohnte. In dieser kostspieligen Unterkunft war Mozart als
freischaffender Komponist und Virtuose auch ökonomisch höchst erfolgreich tätig. Im Jahre
1785, als Mozarts Vater Leopold in Wien weilte, besuchte Joseph Haydn Mozart in seiner
eleganten Stadtwohnung. Dort führte man im selben Jahr jene Streichquartette auf, die
Wolfgang Amadé Joseph Haydn gewidmet hatte und die als „Haydn-Quartette“ in die
Geschichte eingingen.
Mozart wurde bei der Komposition seiner „Haydn-Quartette“ in besonderem Maße von den
1781/1782 bei Artaria in Wien veröffentlichten Streichquartetten op. 33 inspiriert, welche Haydn
selbst wegen ihrer ganz neuen Art anpries. Wenn auch Haydn schon bei seiner ersten
Streichquartett-Serie seine grundlegend neue Art im Hinblick auf die Gattung des
Streichquartetts zu Papier brachte, so übten doch gerade jene Streichquartette op. 33 auf die
Zeitgenossen eine ungeheure Faszination aus.
Wie Leopold Mozart an seine Tochter schreibt, würdigte Haydn Mozart mit dem Kompliment,
neben Geschmack auch die „größte Compositionswissenschaft“ zu besitzen.
Das Streichquartett – Haydns Schöpfung
Zukunftsweisend war Joseph Haydn in seinem umfangreichen sinfonischen Werk und in seiner
Kammermusik. Dort konnte sich in besonderer Weise ein moderner Geist entwickeln, da dieses
Musikformat nicht an die adligen Repräsentationsstätten gebunden war und deshalb auch
Eingang in bürgerliche Häuser fand. Zu Haydns epochaler künstlerischer Schöpfung zählte das
Streichquartett. Diese Gattung faszinierte den experimentierfreudigen Kenner und bediente
zugleich einen „kulturindustriellen“ Markt für den bürgerlichen Hausgebrauch. Aufbauend auf
Haydns Standards haben Mozart, Beethoven und Schubert das Streichquartett zu einem
Höhepunkt kompositorischer Raffinesse gemacht.
Kohlmarkt (2)
Am Kohlmarkt befindet sich der Verlag Freytag-Berndt und Artaria (Kohlmarkt 11), dessen
Vorläufer im 18. Jahrhundert zahlreiche Werke Joseph Haydns in Druck legte. Auf dem Weg
zum Michaelerhaus passiert man weitere Geschäfte, deren Tradition ins 18. Jahrhundert
zurückreicht: die Zuckerbäckerei Demel (Kohlmarkt 4), die, 1786 am Michaelerplatz gegründet,
im 19. Jahrhundert auf den Kohlmarkt verlegt wurde, und das Juweliergeschäft RozetFischmeister (Kohlmarkt 9), das seit 1770 die Wiener Gesellschaft mit Preziosen beliefert und im
19. Jahrhundert wie die Bäckerei Demel den privilegierten Status eines kaiserlich-königlichen
Hoflieferanten gewann.
Verlagshaus Artaria – der neue Musikmarkt
Parallel zu seinen Aufgaben als Kapellmeister in Diensten der Fürsten Esterházy begann
Joseph Haydn gezielt, sich am europäischen Musikmarkt zu positionieren. So kooperierte er seit
Beginn der 1780er Jahre mit dem Wiener Verlag Artaria. Dieser seit 1770 in Wien ansässige
Verlag hatte 1789 auch eine Niederlassung am Kohlmarkt gegründet – im Vorgänger-Haus der
heutigen Buchhandlung Freytag-Berndt und Artaria (Kohlmarkt 9).
Das Verlagshaus Artaria stand somit exemplarisch für die grundlegenden Veränderungen im
Musikleben des 18. Jahrhunderts – für das Entstehen eines bürgerlichen Musikmarktes und
einer damit verbundenen kompositorischen Praxis, die sich an diesem Markt orientiert. Haydns
europäischer Ruf – noch vor seinen erfolgreichen London-Reisen in den 1790er Jahren –
verdankte sich eben dieser Präsenz am internationalen Verlagsmarkt – in Paris, Lyon, London,
Amsterdam, Berlin und Wien.
Michaelerplatz (3)
Der Michaelerplatz war in vielfältiger Weise eine Bühne für Joseph Haydn: Sowohl Ort seiner
frühen Wiener Jahre als Musikus ohne feste Anstellung als auch der Ort, wo er gegen Ende des
18. Jahrhunderts als mittlerweile europaweit gefeierter Komponist die Ovationen der Wiener
Gesellschaft entgegennehmen konnte.
Frühe Jahre im „Michaelerhaus“
Im 1720 erbauten „großen Michaelerhaus“ neben der Michaelerkirche wohnte der junge Haydn
in den 1750er Jahren in einer Dachkammer – zwischen seinem Rauswurf als Sängerknabe im
Wiener Stephansdom (um 1749) und seiner Anstellung als „Musikdirektor“ beim Grafen Morzin
(um 1757). Das war die Zeit seines „freien“ Musikertums, in der sich der junge Haydn mit
unterschiedlichen Tätigkeiten seinen Lebensunterhalt verdienen musste: Musikdienste bei
Messen und in Tanzkapellen, kleine Kompositionsaufträge von adligen Geldgebern,
Kompositionen theatralischer Musik für das Kärntnertortheater, Musikunterricht. In dieser Zeit
betrieb Haydn auch ein intensives Selbststudium der musikalischen Lehrbücher.
Michaelerkirche
Nach seiner Entlassung aus der Domkapelle spielte Haydn in der Michaelerkirche 1749
als 17-Jähriger die Orgel.
Stars der italienischen Musik- und Theaterkultur
Im „Michaelerhaus“ begegnete Haydn 1751 dem ebenfalls dort wohnenden Pietro Metastasio,
dem einflussreichsten Operntextdichter des 18. Jahrhunderts. Metastasio bekleidete seit Beginn
der 1730er Jahre die Stelle des Hofdichters am Habsburgischen Hof. Für Kaiser Karl VI. hatte
Metastasio zahlreiche Opernlibretti geschrieben. Später, als Hofkapellmeister der Fürsten
Esterházy, vertonte auch Joseph Haydn ein Libretto Metastasios: „L’isola disabitata“ (Die
unbewohnte Insel), uraufgeführt 1779 auf Schloss Esterháza. Im „Michaelerhaus“ lernte Haydn
weiters den berühmten neapolitanischen Komponisten und Gesangspädagogen Nicola Porpora
kennen, in dessen Dienste er sich zeitweilig begab. Ebenfalls auf Vermittlung von Metastasio
erhielt Haydn Gelegenheit, der späteren Komponistin und Pianistin Marianna Martinez
Klavierunterricht zu geben.
Die Zeit Joseph Haydns im „ großen Michaelerhaus“ fiel in eine Zeit grundlegender Neustrukturierung des Staates – mit Herausbildung einer neuen Verwaltung in den Habsburgischen
Erblanden, Zentralisierung wie Differenzierung der staatlichen Behörden, erste Ansätze einer
Zensurreform, welche den Einfluss der Jesuiten auf den Universitäten sukzessive einschränkte,
bis hin zur späteren Auflösung des Jesuitenordens. Die theoretischen wie praktischen Diskurse
der Aufklärung wurden instrumentalisiert für die Entwicklung effektiverer staatlicher
Administration. Auf kulturellem Gebiet verstärkte sich in den 1750er Jahren – auch Ausdruck
politischer Annäherung an Frankreich – die Orientierung an französischer Kultur. Diese
dominiert das höfische Theater, wenn auch die Pflege der italienischen Oper nicht aufgegeben
wurde. In den Opernreformen der 1760er Jahre, nicht nur derjenigen Glucks, war ein Versuch zu
sehen, italienische und französische musiktheatralische Traditionen zusammenzuführen.
Das alte Burgtheater: Vom Ballhaus zur Hofbühne
Gegenüber der dem Michaelerplatz zugewandten Seite des „Michaelerhauses“ befand sich zur
Zeit Joseph Haydns das „Theater nächst der Burg“: jenes „alte“ Burgtheater, in welchem für die
Operngeschichte so bedeutsame Werke wie „Orpheus und Eurydike“ von Christoph Willibald
Gluck oder „Die Hochzeit des Figaro“ von Wolfgang Amadeus Mozart uraufgeführt wurden.
Dieses Theater musste im Jahre 1888 dem Bau des Michaelertraktes der Hofburg weichen, der
nach alten Plänen Joseph Emanuel Fischer von Erlachs errichtet wurde.
Das Burgtheater entstand durch den Umbau des damaligen „Ballhauses“, in welchem der Hof
dem „Jeu de paume“, einem Vorläufer des Tennis, nachging. Es wurde im Jahre 1748 eröffnet.
Italienische und französische Bühne für alle
Wenn auch ein Großteil des Publikums der Aristokratie angehörte, war das Burgtheater keine
exklusiv höfische Einrichtung, sondern auch für die zahlende Öffentlichkeit zugänglich. Im 18.
Jahrhundert war das Burgtheater ein „Mehrspartentheater“ mit Oper, Schauspiel und Ballett.
Gelegentlich wurden auch Oratorien aufgeführt und Konzerte veranstaltet.
Zu Haydns Zeit im „Michaelerhaus“ wurde diese erste Bühne Wiens im Zuge der politischen
Annäherung an Frankreich zum „französischen Theater“, wo neben italienischen Opern
französische Schau- und Singspiele aufgeführt wurden. Der Frankophilie sollte in Wien ab den
1770er Jahren eine Anglomanie folgen.
Haydn und das Theater
Haydns erste musiktheatralische Komposition fiel in seine frühe Zeit am Michaelerplatz.
Allerdings schrieb er nicht für das Burgtheater und seine damalige französische respektive
italienische Bühne, sondern für das deutsche Kärntnertortheater. Mit Ausnahme seiner letzten
für London verfassten Oper (1792) komponierte Haydn alle Opern für den Hof der Fürsten
Esterházy, in deren Dienste er im Jahre 1761 trat.
Anlässlich des Aufenthalts von Maria Theresia im neu errichteten, prachtvollen Schloss von
Fürst Nikolaus II. in der Nähe von Sopron (1773) wurden auch zwei Bühnenwerke Haydns
gespielt: eine italienische Oper („L’ infedeltà delusa“) und ein Puppenspiel („Philemon und
Baucis“). Die Kaiserin war von der Opernbühne des Fürsten sehr angetan: „wenn ich eine gute
Oper hören will geh ich nach Esterház“.
Haydns späte Triumphe im Burgtheater
Die Kaiserin kam jedoch nicht wieder ins Schloss Esterháza und auch das Wiener Burgtheater
nahm Haydns Opern nicht in den Spielpan auf. Zu den „legendären“ Haydn-Aufführungen am
Wiener Burgtheater, das gelegentlich auch als Konzertsaal diente, kam es erst 1793, als Haydn
drei seiner Londoner Sinfonien dirigierte. 1797 erklang hier zum Geburtstag Franz II. erstmals
die „Kaiserhymne“ und 1799 erfolgte hier die erste öffentliche Aufführung des Oratoriums „Die
Schöpfung“.
Josefsplatz (4)
Gottfried van Swieten – Textdichter von Haydns „Schöpfung“
In der ehemaligen Hofbibliothek am Josefsplatz (heute Sitz der Österreichischen
Nationalbibliothek) wohnte und arbeitete Gottfried van Swieten, der Textautor von Haydns
Oratorien „Die Schöpfung“ und „Die Jahreszeiten“. Der langjährige Präfekt der Hofbibliothek war
der Sohn von Gerard van Swieten, dem Leibarzt Maria Theresias. Die Hofbibliothek wurde unter
Karl VI. als freistehender Bau errichtet – unter Maria Theresia fand der Josefsplatz seine heutige
hufeisenartige Form. Das Reiterstandbild Kaiser Joseph II. als römischer Imperator ließ sein
Neffe, Kaiser Franz II./I., 1806 errichten – zu diesem Zeitpunkt war die rasante Zeit der österreichischen Aufklärung, wie sie Joseph II. mit Nachdruck forciert hatte, allerdings längst vorüber.
„Tauwetter“ in Wien
Als Vorsitzender der Zensur- und Studienkommission hat sich Gottfried van Swieten erfolgreich
für eine Liberalisierung des Büchermarktes eingesetzt. Durch die von Joseph II. nach dem Tode
Maria Theresias (1780) betriebene Reformpolitik wurde in Wien geradezu ein „Tauwetter“
ausgelöst. In einer Flut von Broschüren wurden Fragen von der Kirchenpolitik bis hin zur
Sexualität diskutiert – selbst die offene Kritik am Kaiser war zulässig.
Josephs Reformen im Sinne eines aufgeklärten Absolutismus umspannten alle wesentlichen
Bereiche des gesellschaftlichen Lebens und wurden in einem rasanten Tempo durchgeführt:
Toleranz im Hinblick auf die Ausübung von Religionen, Einschränkung der kirchlichen Aufgaben
auf den seelsorgerischen Dienst, standesamtliche Eheschließung, Auflösung aller Klöster,
welche keine sozial nützlichen Aufgaben verfolgten, Aufhebung der Leibeigenschaft, weitere
Zentralisierung der Behörden, Aufhebung des Sonderstatus des Adels im Strafrecht – bis hin zu
Neuregelung der Bestattung.
Der „Musiksalon“ Gottfried van Swietens
Gottfried van Swieten war eine jener für das 18. Jahrhundert typischen universell gebildeten
Persönlichkeiten: Diplomat, Komponist, Textdichter, Kulturförderer, Präfekt der Hofbibliothek,
Leiter der Studien und Zensurkommission etc. Sein Name ist mit allen drei Komponisten der
„Wiener Klassik“ eng verbunden: Neben Haydn förderte er auch Mozart und Beethoven, der ihm
seine erste Sinfonie widmete.
Gottfried van Swieten führte in den 1780er Jahren auch einen „Musiksalon“ – regelmäßig am
Sonntag verkehrten in seiner Wohnung Komponisten und Musiker wie Mozart, Salieri und Weigl,
um Werke von Bach und Händel zu spielen und zu studieren. Die Salons in Wien wie auch in
anderen europäischen Zentren waren wesentliche Orte des aufgeklärten Denkens. Auch Haydn
verkehrte in diesen und hatte dadurch Anteil an der intellektuellen Entwicklung seiner Zeit.
Palais Fries
Das gegenüber der ehemaligen Hofbibliothek gelegene Palais Fries (heute Palais Pallavicini)
wurde im josephinischen Jahrzehnt (1783) im Auftrag des Bankiers Johann von Fries gebaut.
Das von Johann Ferdinand Hetzendorf errichtete Stadtpalais erregte durch den „Reduktionismus“ der Fassade wie später das Loos-Haus am Michaelerplatz großes Aufsehen, aber auch
Kritik. Um die Fassade „repräsentativer“ zu gestalten, wurde schließlich das Eingangsportal neu
gestaltet. Die Söhne des Bankiers Moritz und Josef Fries waren große Kunstförderer und Kunstsammler. Für ersteren schrieb Joseph Haydn sein letztes, unvollendetes Streichquartett (1803).
Redoutensäle
Die Redoutensäle – situiert im rechten Seitentrakt am Josefsplatz - waren mehrfach
Aufführungsort von Haydns Musik in unterschiedlichen Kontexten: So wurden 1792 Menuette
und deutsche Tänze Haydns aufgeführt, die der Komponist für die Pensionsgesellschaft
bildender Künstler komponiert hat. 1795 – nach der Rückkehr von seiner zweiten Londoner
Reise – wUrden im kleinen Redoutensaal drei seiner Londoner Sinfonien aufgeführt . Die
Redoutensäle gehören auch zu den zahlreichen Wiener Aufführungsorten von Haydns
Oratorium „Die Schöpfung“ – der Reinerlös einer Aufführung im Jahre 1801 wurde verwundeten
Soldaten gespendet. Im selben Jahr erfolgte dort auch die erste öffentliche Aufführung von
Haydns Oratorium „Die vier Jahreszeiten“ (1801).
Neuer Markt (5)
Am „Neuen Markt“ (ursprünglich „Mehlmarkt“) standen das Haus, in welchem Haydn die Kaiserhymne komponierte, und das (Stadt-)Palais Schwarzenberg, wo Haydns „Schöpfung“ uraufgeführt wurde. Diese Gebäude sind mittlerweile durch neue ersetzt – als beeindruckendes Zeugnis
des frühen 18. Jahrhunderts ist der barocke Brunnen von Raphael Donner (1737) erhalten.
„Mehlgrube“ – Wiener Unterhaltungsetablissement
An der Stelle des jetzigen Hotel Ambassador (Neuer Markt 5) befand sich im 18. Jahrhundert
das Unterhaltungsetablissement „Mehlgrube“ in einem fünfstöckigen Haus, welches die Stadt
1698 anstelle des ehemaligen Mehldepots errichtet hatte. Hier bot sich dem jungen Haydn in
den 1750er Jahren Gelegenheit, im Karneval in diversen Tanzorchestern auf Festen des Adels
aufzuspielen. 30 Jahre später gab Mozart hier Konzerte.
„Hoföbstlerisches Haus“ – Kaiserhymne
Im ehemaligen „Hoföbstlerischen Haus“ (Neuer Mark 2) wohnte Haydn von 1792 bis 1797. Als
Haydn in diese Wohnung einzog, lag die erste erfolgreiche Englandreise (1791/92) bereits hinter
ihm. Hier komponierte er Ende 1796 die wirkungsmächtige wie unterschiedliche „Patriotismen“
ansprechende Musik der Kaiserhymne als politische Auftragskomposition für Franz II.,
beauftragt vom niederösterreichischen Regierungspräsidenten Franz Josef Graf von Saurau.
Der Text „Gott erhalte Franz den Kaiser, Unsern guten Kaiser Franz“ stammt von Haschka,
geschrieben im Kontext der Koalitionskriege gegen das revolutionäre Frankreich – inspiriert von
„God save the Queen“, gewissermaßen als eine Anti-Marseillaise.
Der habsburgische Vielvölkerstaat brauchte eben keine „Nationalhymne“ – eine Hymne konnte
nur an den Kaiser als Funktionsträger der Macht gebunden sein. Zu seinem Geburtstag, den 12.
Februar 1797, wurde die Hymne allerorts gesungen – der sichtlich zufriedene Franz II. bedankte
sich beim Komponisten mit einer Dose als Geschenk, welches sinnigerweise sein Abbild zeigte.
Immer wieder mit abgeändertem Text wurde die „Kaiserhymne“ zur offiziellen Hymne erklärt –
mit vielen Varianten, die allerdings nie realisiert wurden.
Erwähnt sei die Fassung Grillparzers sowie die unter Franz Joseph I. approbierte Fassung „Gott
erhalte, Gott beschütze / Unsern Kaiser unser Land“ – übersetzt in die Sprachen des
„Vielvölkerstaates“. Die kleine Adaptierung für Karl I. im Jahre 1918 hielt den Untergang der
Monarchie auch nicht auf und kam dementsprechend nie in Umlauf. Haydns Musik wurde auch
in der 1. Republik wieder aufgegriffen – und als Reminiszenz wurde sie in Wien „öffentlich“ nur
noch 1989 aufgeführt, anlässlich der viel beachteten Begräbniszeremonien zu Ehren der
„Kaiserin“ Zita.
Eine beängstigende Karriere nahm die Hymne Haydns, als sie von deutschtümelnden Patrioten
„auf die Fahnen geschrieben“ wurde. Zunächst noch parodierend schrieb 1841 Heinrich
Hoffmanns von Fallersleben sein „Gott erhalte den Tyrannen, den Tyrann Dionysos“, um noch
im selben Jahr sein wirkungsgeschichtlich so folgenreiches „Deutschland, Deutschland über
alles“ zu schreiben. Dieser Text mutierte 1922 zur „Deutschen Nationalhymne“, an die das
Regime der Nazis angeknüpfte und den Popularitätswert der Melodie für ihre Zwecke
missbraucht hat. Nach dem 2. Weltkrieg zeitweise verpönt, wurde die unverwüstliche Melodie,
diesmal ohne formale Beschlüsse, als BRD-Hymne weiter strapaziert. Erst 1990 wurde im
wiedervereinigten Deutschland die dritte Strophe des früheren Deutschlandliedes offiziell zur
Nationalhymne erklärt.
Haydns Oratorium „Die Schöpfung“
Im ehemaligen Palais Schwarzenberg (Neuer Markt 8) wurden Haydns deutsche Oratorien „Die
Schöpfung“ (1798) und „Die Jahreszeiten“(1801) uraufgeführt. Der Auftrag zur Komposition
dieser Werke ging auf adlige Musikkenner aus dem Kreis um Gottfried van Swieten (die
sogenannten „Assoziierten Cavaliere“) zurück.
Mit dem deutschen Oratorium „Die Schöpfung“ schuf Joseph Haydn – unter Eindruck seiner
Händel-Erfahrungen in London – einen neuen Typ des Oratoriums. Von der Ursprungsform
einer Andacht, im Kirchenraum des „Oratoriums“ gesungen, wurde das Oratorium bis zu Haydn
hin in eine zunehmend verweltlichende Form überführt. Die „Schöpfung“ wurde im
Spannungsfeld der noch nachwirkenden josephinischen Aufklärung und konsequenten
Restauration unter Kaiser Franz II./I. geschrieben.
Gezielt und mit eigenen Mitteln betrieb Haydn den Druck der Partitur, die sich rasch über Europa
verbreitete. Die „Schöpfung“ zählte zu den meist beachteten Werken Haydns im 19.
Jahrhundert.
Wiener Moderne um 1800
Unter geänderten politischen Bedingungen fand der auf Reduktion bedachte Stil des
Josephinismus Fortsetzung in der Zeit Kaiser Franz II./I. Dazu zählte der eigentümliche Wiener
Klassizismus eines Joseph Kornhäusl genauso wie die unvergleichliche Schlichtheit des „Wiener
Silbers“ dieser Zeit oder jene äußerst modern anmutenden Möbel eines Joseph Danhauser.
Vor der weltweit beachteten Wiener Moderne des „Fin de Siècle“ um 1900 gilt es eine
verblüffende Wiener Moderne um 1800 zu entdecken, an welche auch Otto Wagner, Adolf Loos
oder die Secessionisten anschließen konnten.
HaydnTour „Esterházy“
Wallnerstraße (6)
Experimente im „Kaiserhaus“
Im „Kaiserhaus“ (Wallnerstraße 3) befand sich eine Residenz von Franz Stephan von
Lothringen, Gatte Maria Theresias und deutscher Kaiser seit 1745. Damit schuf sich Franz II./I.
bewusst eine Sphäre außerhalb der Hofburg, die er auch für praktische Experimente nutzte.
Seine natur-wissenschaftlichen Sammlungen legten den Grundstein für das Naturhistorische
Museum.
Die Wiener Residenz der Fürsten Esterházy: Palais Esterházy
(Wallnerstraße 4)
1761 trat Joseph Haydn in die Dienste des Fürsten Paul Anton Esterházy – für ihn der entscheidende Schritt für seine weitere Musikerkarriere. Fast drei Jahrzehnte verbanden Haydn mit
dem Bruder und Nachfolger Paul Antons, Nikolaus I., genannt „der Prachtliebende“, der bei
Fertöd ein Schloss erbauen ließ, das von den Zeitgenossen als „ungarisches Versailles“
bezeichnet wurde.
Mit dem Eintritt in die Dienste der Fürsten Esterházy verließ Joseph Haydn Wien als zentralen
Wirkungsort – er ist aber immer wieder zurück gekommen. Wie jede bedeutende hocharistokratische Familie besaßen die Esterházys ein repräsentatives Palais in der Residenzstadt.
Parallel zu seinen Aufgaben als Kapellmeister in fürstlichen Diensten entwickelte Joseph Haydn
gezielte Aktivitäten, um sich am europäischen Musikmarkt zu positionieren. Auch dies führte ihn
wieder nach Wien, wo er mit dem Wiener Verlag Artaria, der auch eine Niederlassung am
Kohlmarkt besaß, kooperierte.
Mit der Auflösung der Musikkapelle durch den Nachfolger Nikolaus I. 1790 war Haydn frei,
wiederum nach Wien zu gehen, unter Beibehaltung seiner Position im fürstlichen Dienst. Haydn
war – ohne mit dem Fürsten brechen zu müssen – frei für seine erfolgreichen Reisen nach
London. Von der Hauptstadt Großbritanniens zurückgekehrt, war er bereits zu Lebzeiten ein
Denkmal seiner selbst. Wenn auch nach wie vor in Diensten der Esterházys, lebte Haydn nach
seiner Rückkehr aus London 1795 überwiegend in Wien, wo er in seinem 1793 erworbenen
Haus in Gumpendorf im Jahre 1809 starb. Für den Namenstag der Gattin Nikolaus II. schrieb
Joseph Haydn seine letzten Messen, im Wiener Auftrag schrieb er seine deutschen Oratorien
„Die Schöpfung“ und „Die Jahreszeiten“, welche in Wien ihre gefeierte Uraufführung erlebten.
Herrengasse (7)
Palais Mollard
In unmittelbarer Nähe des Palais Esterházy befindet sich das Palais Mollard (Herrengasse 9),
ein barockes Stadtpalais, das im 18. Jahrhundert aus dem Besitz des Adelsgeschlechts der
Mollards an den Grafen Franz Wenzel Clary überging. In diesem Palais traf sich in den 1780er
Jahren Kaiser Joseph II. regelmäßig zum politischen und kulturellen Austausch mit Vertretern
des Hochadels („Josephsrunde“).
„Musikdirektor“ beim Grafen Morzin
In der Herrengasse19/Ecke Bankgasse befindet sich das Palais Batthyányi, in welchem der
erste adlige Dienstgeber Haydns, Graf Morzin, eine Wohnung bezogen hatte. Im Jahre 1757
stellte er Haydn als „Musikdirektor“ an. In Böhmen besaß Graf Morzin das Schloss Lukavec (bei
Pilsen), wo sich Haydn vor allem im Sommer aufhielt. Für den Grafen Morzin schrieb Haydn u.
a. seine erste Sinfonie. Im 18. Jahrhundert differenzierte sich die noch im 17. Jahrhundert stark
an den Hof, an die „Kammer“ gebundene Musikpflege. In zunehmendem Maße installierte die
Aristokratie in ihren Schlössern Musikkapellen, womit neue musikalische Räume und neue
musikalische Ausdrucksformen entstanden.
Freyung
Schottenhof
Im Schottenhof bei der Freyung befand sich die Wohnung von Peter Leopold Genzinger, des
Wiener Leibarztes von Fürsten Nikolaus I., und seiner Gattin Marianne, in deren Salon Joseph
Haydn des öfteren verkehrte. Mit der Pianistin Marianne von Genzinger unterhielt Haydn seit
den späten 1790er Jahren eine sehr enge Beziehung. Dies ist durch einen ausführlichen Briefverkehr dokumentiert – Marianne von Genzinger vertraute Haydn auch an, dass er sich auf
Schloss Esterháza in zunehmenden Ausmaß isoliert fühlte: „Nun – da sitz ich in meiner Einöde –
verlassen – wie ein armer waiß – fast ohne menschliche Gesellschaft – traurig – ich fande zu
Haus alles verwürt – 3 Tage wußt ich nicht, ob ich CapellMeister oder CapellDiener war – ich
konnte wenig schlafen, sogar die Träume verfolgten mich, dan, da ich am besten die opera le
Nozze di Figaro zu hören träumte, wegte mit der Fatale Nordwind auf, und blies mir fast die
schlafhauben vom Kopf.“ (Brief an Marianne von Genzinger aus Esterháza, 9. Februar 1790)
Mit Marianne von Genzinger verband Joseph Haydn auch ein intensiver Austausch über Fragen
der Musik und Komposition – für sie schrieb er auch Klaviermusik.
„Am Hof“ (8)
Wunderkind und Papstsegen
Auf diesem Platz finden sich weitere Zeugnisse der Wiener Musik und Kulturgeschichte des 18.
Jahrhunderts. Im barocken Palais Collalto (Am Hof 13) traten im Jahre 1762 der sechsjährige
Mozart mit seiner Schwester Nannerl auf. Vor der alten Jesuitenkirche hielt 1782 Papst Pius VI.
– Gegner der josephinischen Reformpolitik – seine Osteransprache und hier befand sich seit
dem 16. Jahrhundert das „Bürgerliche Zeughaus“ (heute Feuerwehrzentrale), dessen Fassade
1732 neu gestaltet wurde.
Judenplatz (9)
Auf dem Weg zum Judenplatz, wo sich im Mittelalter das jüdische Ghetto befand, passieren wir
das „Neuwall’sche Haus“ (Schulhof 4, erbaut um 1728), bemerkenswert durch seine barocke
Fassade.
Mit Haydn bei der Probe zu „Così fan tutte“
Am Judenplatz hatte Mozart zweimal Quartier bezogen, 1783 (Judenplatz 3) und 1789 bis
Herbst 1790. Im nicht mehr existierenden Haus am Judenplatz 4 komponierte Mozart seine
Opera buffa „Così fan tutte“.
Ende des Jahres 1789 besuchte Haydn Mozart in seiner damaligen Wohnung am Judenplatz,
wo er zu einer Probe von „Così fan tutte“ eingeladen wurde – diese Opera buffa, die
ursprünglich Antonio Salieri komponieren sollte, wurde am 26. Jänner 1790 am Wiener
Burgtheater uraufgeführt – knapp vier Wochen vor dem Tod Kaiser Joseph II./I.
Mit „Così fan tutte“ haben Mozart und sein Textdichter einen der subtilsten Höhepunkte der
opera buffa kreiert, deren Wert erst im 20. Jahrhundert wieder entdeckt wurde. „Così fan tutte“
ist nicht nur eine Aufklärungsoper, sie ist auch eine Oper über die Aufklärung der Aufklärung.
Zum Zeitpunkt der Entstehungsgeschichte der „Così fan tutte“ hatte Haydn fast sechs Jahre lang
keine Oper mehr komponiert, obwohl er alltäglich in den Repertoirebetrieb des fürstlichen
Opernhauses von Esterháza eingebunden war. Seine letzte Oper steht zu diesem Zeitpunkt
noch bevor: das für London geschriebene Dramma per musica „L’ anima del filosofo ossia Orfeo
ed Euridice“. Auch diese Oper ist ein Werk der Aufklärung.
Böhmische Hofkanzlei
Im heutigen Gebäude des Verwaltungs- und des Verfassungsgerichtshofs befand sich in der
ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts die „Böhmische Hofkanzlei“ (Judenplatz 11), errichtet nach
den Plänen Johann Bernhard Fischer von Erlachs (1709 – 1714). Um die Mitte des Jahrhunderts
wurde der Bau wesentlich erweitert und mit der Österreichischen Hofkanzlei vereint. Weitere
Umbauten erfolgten im 19. und 20. Jahrhundert. Hier befand sich auch die „Haugwitz’sche
Kapelle“, in welcher Haydn 1755 bis 1757 zum sonntäglichen Gottesdienst die Orgel spielte.
Auf dem Audienzweg – das „Paller-Tor“
Durch die architektonisch reizvolle Kurrentgasse gelangen wir zum „Graben“. An der Ecke von
Kohlmarkt und Graben befand sich noch im 18. Jahrhundert das „Paller-Tor“ – ein turmartiges
Gebilde, einst an der Stadtmauer des mittelalterlichen Wien gelegen. Durch dieses Tor schritt
man, wenn man sich auf dem „Audienzwege“ befand – es eröffnete Richtung Kohlmarkt eine
unmittelbare Perspektive auf den Michaelerplatz und die daran anschließende Hofburg.
HaydnTour „Die Schöpfung“
Hoher Markt (10)
Ankeruhr – täglicher Auftritt Haydns
Diese Route führt uns zunächst zur Ankeruhr am Hohen Markt, errichtet nach den Plänen des
Jugenstilmalers Franz Matsch in den Jahren 1911 bis 1917 vor dem Ende der HabsburgerMonarchie. Die Ankeruhr befindet sich auf einer zehn Meter langen Brücke, welche die beiden
Teile des „Ankerhofs“ verbindet. Um 12 Uhr mittags bei der Parade aller zwölf historischen
Figuren von der Antike bis zum 18. Jahrhundert erscheint Haydn als letzte. Bei Haydns Auftritt
erklang ursprünglich die 1796 komponierte Kaiserhymne, nach dem Untergang der Monarchie
wurde sie durch eine Melodie aus der „Schöpfung“ ersetzt.
Haydn voran gehen als letzte historische Herrschergestalten Maria Theresia und ihr Gatte Franz
Stephan von Lothringen. So hatte die Figur Haydns mit ihrer Musik auch die nicht mehr
gezeigten folgenden Herrscher der Habsburgerdynastie von Kaiser Joseph II. bis zu Kaiser
Franz Joseph mitzurepräsentieren. In zwölf Stunden durchlaufen alle Figuren einmal die Uhr –
von 12 bis 1 Uhr ist Haydn unterwegs.
Der Josephsbrunnen am Hohen Markt
Nur wenig ist am Hohen Markt, einem der ältesten Plätze Wiens, von den Zerstörungen des 2.
Weltkrieges verschont geblieben. Neben der Ankeruhr zählen dazu der „Josephsbrunnen“ (auch
„Vermählungsbrunnen“) in der Mitte des Platzes, der die Vermählung von Maria mit Joseph zum
Thema hat. Ursprünglich wurde dieses Monument vom Hofarchitekten Johann Bernhard Fischer
von Erlach im Auftrag Kaiser Joseph I. als hölzerne „Säule“ errichtet (1706). Dessen Nachfolger,
Kaiser Karl VI., ließ das mittlerweile schon angegriffene hölzerne Modell in Marmor neu
erbauen. Der nunmehrige Brunnen wurde 1732, im Geburtsjahr Joseph Haydns, eingeweiht.
Dr.-Ignaz-Seipel-Platz (11)
Wiens altes Universitätsviertel
Auf dem Weg zum alten Universitätsviertel passieren wir den „Heiligenkreuzerhof“, eine auf das
Mittelalter zurückgehende Anlage, welche ihre jetzige Gestalt im 18. Jahrhundert annahm.
Über die Schönlaterngasse und die Jesuitengasse erreichen wir den ehemaligen
Universitätsplatz (heute Dr. Ignaz Seipel-Platz). Hier befindet sich das 1623 bis 1627 von den
Jesuiten errichtete Universitätsgebäude mit der damaligen „Universitätskirche“, welche zu
Beginn des 18. Jahrhunderts ihre hochbarocke Form gewann. Bis in die Mitte des 18.
Jahrhunderts stand die Wiener Universität unter der Kontrolle der Jesuiten, die auch die
Bücherzensur ausübten. Unter Maria Theresia wurde der Einfluss der Jesuiten im Sinne eines
aufgeklärten Absolutismus zurückgedrängt.
Haydns letzter Auftritt
1753 ließ Maria Theresia am Universitätsplatz ein neues Universitätsgebäude errichten – heute
Sitz der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Dr. Ignaz Seipel-Platz 3). In der
prachtvollen Aula der Universität wurde 1808 – ein Jahr vor Haydns Tod – das Oratorium „Die
Schöpfung“ (uraufgeführt 1798) als glänzendes gesellschaftliches Ereignis zur Aufführung
gebracht. Unter den Besuchern befand sich auch Ludwig van Beethoven, dessen
Schlachtensinfonie „Wellingtons Sieg“ fünf Jahre später am selben Orte uraufgeführt wurde.
Die von Antonio Salieri dirigierte Aufführung war der letzte öffentliche Auftritt von Joseph Haydn,
der das Konzert krankheitsbedingt bereits nach dem ersten Teil des Oratoriums verlassen
musste. Im selben Jahr begann der elfjährige Franz Schubert seine Ausbildung als
Hofsängerknabe im „Kaiserlichen und königlichen Stadtkonvikt“, das sich im gegenüber
liegenden alten Universitätsgebäude befand.
HaydnTour „Haydnhaus“
Mariahilf (12)
Spendenaktion von Haydn-Verehrern
Das von Josef Natter geschaffene Denkmal vor der Kirche Mariahilf (Mariahilfer Straße 55)
wurde am 31. Mai 1887 – am Todestag des Komponisten – enthüllt. Der Auftrag zu dieser
Skulptur, deren Sockel vom Architekten Otto Hiesel gestaltet wurde, war durch eine
Spendenaktion von Haydn-Verehrern ermöglicht worden. Dieses Denkmal verdankte sich der
gründerzeitlichen Kulturbeflissenheit, Genies zur Stärkung kollektiver Identitätsbildung zu
stilisieren.
Wenn auch seine musikgeschichtliche Pionierleistung allseits unbestritten blieb, konnte sich das
19. Jahrhundert an Haydns Musik nicht mehr so richtig erwärmen. So war etwa für den
Romantiker Schumann Haydn von keinem aktuellen Interesse mehr. Haydns Musik, seine stets
überraschende und komplexe motivische Arbeit, sein intellektuelles Spiel und sein Witz mussten
erst wieder entdeckt werden und bleiben weiterhin neu zu entdecken. Haydns Musik ist „Denken
in Tönen“ und eine besondere Herausforderung für den „intelligenten Geschmack“, für das
„scientific ear“, wie es Haydns Zeitgenossen im ausgehenden 18. Jahrhundert nannten.
(Ehemaliges) Palais Kaunitz/Esterházy
(Esterhazypark/Amerling-Gymnasium in der Amerlingstraße)
Das ehemalige Palais Kaunitz im 6. Bezirk, an der Stelle des heutigen Esterházyparks,
respektive des heutigen Amerling-Gymnasiums, weist zwar keinen unmittelbaren biographischen Bezug zu Haydn auf, da dieses ehemalige „Kaunitzsche Palais“ erst nach dem Tode
Haydns vom Fürsten Nikolaus II. Esterházy, in dessen Diensten Haydn von 1794 bis zu seinem
Tode 1809 stand, erworben wurde. Es ist jedoch von großem Interesse, da Nikolaus II. in
diesem Palais seine Gemäldegalerie, eine der bedeutendsten der damaligen Zeit, präsentierte.
Haydnhaus
Weiter führt der Weg zu jenem Haus, das Haydn 1793 erworben und in dem er seine letzten
Lebensjahre verbracht hat (Haydngasse 19). Hier starb Joseph Haydn am 31. Mai 1809 zur Zeit
der Belagerung Wiens durch die Franzosen – in Wertschätzung des Komponisten soll Napoleon
vor Haydns Haus eine Ehrenwache aufgestellt haben. Im Haydnhaus befindet sich ein anlässlich
des Haydn-Jahres 2009 neu gestaltetes Haydn-Museum. Hier entstanden u. a. seine Oratorien
„Die Schöpfung“ und „Die Jahreszeiten“.
Kirche Sankt Aegyd
In dieser Kirche (Gumpendorfer Straße / Ecke Brückengasse) wurde 1809 Haydns Leichnam
eingesegnet.
Weitere Haydn-Orte in Wien
1. Bezirk – Innenstadt
(Ehemaliges) Kärntnertor-Theater
Hotel Sacher / Cafe Mozart, Philharmonikerstraße
Das Kärntnertor-Theater, an dessen Stelle heute das Hotel Sacher steht und dessen Eingang
sich dort befunden hat, wo heute das Cafe Mozart situiert ist, ist mit Joseph Haydn in
mehrfacher Weise verbunden. Hier wurde 1753 das Singspiel „Der krumme Teufel“ mit dem
Text von Kurtz-Bernardon und der bislang verschollenen Musik von Joseph Haydn aufgeführt.
Hier erfolgte später (1775) die Uraufführung von Haydns Oratorium „Il ritorno di Tobia“. 1784, im
josephinischen Jahrzehnt, wurde dort durch die Theatertruppe Emanuel Schikaneders Haydns
1781 in Esterháza uraufgeführte Oper „La fedeltà premiata“ in deutscher Übersetzung zur
Aufführung gebracht. Auch Kaiser Joseph II. – nach den autobiographischen Schilderungen des
Wiener Erfolgskomponisten Carl Ditters von Dittersdorf kein Verehrer von Haydns musiktheatralischem Werk – war bei dieser Aufführung anwesend.
Das Kärntnertor-Theater gilt als die älteste stehende deutsche Bühne – zuvor wurden
deutschsprachige Theaterstücke, im Unterschied etwa zur höfischen Oper, nur von
Wandergruppen aufgeführt. Dementsprechend wurde das Kärntnertor-Theater bis zu den
1760er Jahren auch das „deutsche Theater“ genannt. In den zum Großteil als Stegreiftheater
inszenierten Stücken wurden auch Musiknummern vorgesehen, sodass diese Form des Wiener
Theaters eine bisher viel zu wenig beachtete Frühform eines deutschen „Singspiels“ hervorbrachte.
Die deutsche Sprache musste im Laufe des 18. Jahrhunderts erst ihren Stellenwert als eine dem
Italienischen oder Französischen ebenbürtige Kultursprache durchsetzen. Zum Zeitpunkt der
Uraufführung von Haydns „Krummem Teufel“ war die höfische Bühne des Burgtheaters von der
französischen Kultur bestimmt. Zwischen französischen und deutschen Schauspielern
bestanden große soziale Unterschiede – so waren die Mitglieder des Burgtheaters „salonfähig“,
die Schauspieler des Kärntnertortheaters jedoch nicht. Dies entzog ihnen auch wesentliche
Erfahrungen für ihre Schauspielkunst. Reformer der Aufklärung wie Joseph von Sonnenfels
waren – letztlich erfolgreich – bestrebt, den Status der deutschen Schauspieler zu heben wie
auch das Stegreiftheater zugunsten des „regelmäßigen“ Schauspiels (nach dem Vorbild
französischer theatralischer Kunst) zu „verstoßen“.
(Ehemalige) Freimaurerloge „Zur wahren Eintracht“
Palais Gatterburg, Dorotheergasse 12
Im Jahre 1785 wurde Joseph Haydn in die Loge zur „Zur wahren Eintracht“ aufgenommen –
weitere Teilnahme an Logensitzungen sind nicht überliefert. Dies wurde oft als mangelndes
Interesse Haydns am Freimaurertum angesehen.
Jenseits des Teilens gemeinsamer Ideale bot das Logenleben gerade auch für Musiker die
Möglichkeit vielfältiger, für die eigene Berufslaufbahn förderlicher Beziehungen. Gemäß seinem
nicht aufgenommenen Logenleben gibt es von Haydn keine Freimaurer-Kompositionen im
eigentlichen Sinne – wie etwa im Falle Mozarts. Im Hinblick auf den Kompositionsauftrag für die
„Pariser Sinfonien“ (geschrieben 1785/86) durch das Direktorium der „Concerts de la Loge
Olympique“ hatte Haydn freimaurerische Auftraggeber, in Freimaurer-Kontexten bewegt er sich
auch in London.
Wenn auch nicht als Logenleben realisiert, so bezeugt Haydns Aufnahmegesuch in die Loge
„Zur wahren Eintracht“ sein reges Interesse an der sich neu entfaltenden intellektuellen Kultur
Wiens, deren wichtigste Vertreter in Freimaurer-Logen engagiert waren, und die auch zu
Haydns Wiener Bekanntenkreis zählten.
Ehemalige Haydnwohnung in der Wasserkunstbastei
Seilerstätte 19 / Fichtegasse 2
Hier wohnte Haydn kurz nach der Auflassung der Hofkapelle durch den Nachfolger des 1790
verstorbenen Nikolaus I. – in der Zeit vor der ersten Englandreise. Gegen Ende des Jahres 1790
brach Joseph Haydn zu seiner ersten Englandreise auf, von der er äußerst erfolgreich, als
„Shakespeare der Musik“ gepriesen, nach Wien zurückkehrte, wo er nunmehr zu einem
„Standard“ geworden war.
London begann sich schon im 18. Jahrhundert zu einer Großstadt modernen Zuschnitts zu
entwickeln, in welcher sich abseits der Sphäre des Hofes, der seine Kultur bestimmende
Funktion im 17. Jahrhundert verloren hatte, vielseitige kulturelle Sphären auftaten, sich ein Markt
herausbildete, der einen „refined taste“ bediente. Lange vor Wien gab es dort eine öffentliche
Konzertkultur.
Minoritenkirche – Denkmal Pietro Metastasios
Minoritenplatz
In der Minoritenkirche befindet sich das 1855 von Lucardi errichtete Denkmal für den Wiener
Hofdichter Pietro Metastasio. Man glaubt bis heute, in einem Relief an der Vorderseite Joseph
Haydn dargestellt sehen zu können. Er soll die dritte abgebildete Figur neben Wolfgang
Amadeus Mozart und Antonio Salieri sein, hinter dem im Krankenbett liegenden Hofdichter, der
den in Wien weilenden Papst Pius VI. empfängt. Dass die als Haydn angesehene, knieende
Figur tatsächlich den Komponisten darstellt, ist allerdings sehr unwahrscheinlich.
Denkmal Maria Theresia von Kaspar von Zumbusch
Maria-Theresien-Platz
Am theatralisch inszenierten Denkmal der Kaiserin Maria Theresia von Kaspar von Zumbusch
(1888) befindet sich auch eine „Komponistengruppe“, bestehend aus Gluck, Haydn und Mozart
(letzterer als Kind dargestellt; Haydn legt ihm die Hand auf die Schulter), positioniert hinter
Gerard van Swieten, dem Leibarzt der Kaiserin und Vater des Textdichters von Haydns
Oratorien „Die Schöpfung“ und „Die Jahreszeiten“.
2. Bezirk
Kirche der Barmherzigen Brüder in der Leopoldstadt
Taborstraße 16
Hier wirkte Haydn in den Jahren 1755 bis 1758 bei den Sonntagsmessen als Geiger. Oft trat er
noch am selben Tag als Organist in der Gräflich Haugwitz’schen Kapelle (in der Böhmischen
Hofkanzlei – heute Österreichischer Verwaltungsgerichtshof) auf.
3. Bezirk
(Ehemaliges) Gluck-Wohnhaus
Rennweg 93
1772 wurde in der Wohnung Glucks anlässlich des Besuchs des Musikers und Musikhistorikers
Charles Burney ein Streichquartett Haydns aufgeführt. Charles Burney befand sich neuerlich auf
einer Reise auf dem Kontinent, um die Musik in den deutschen Ländern und in den Niederlanden zu studieren. Ein Jahr zuvor hatte er die Erfahrungen seiner vorangehenden Reise durch
Frankreich und Italien publiziert: „The Present State of Music in France and Italy“. Im Zuge
seiner ersten London-Reise 1791/92 lernte Joseph Haydn Charles Burney persönlich kennen,
der zur Ankunft des Komponisten ein Huldigungsgedicht verfasst hatte.
8. Bezirk
Piaristenkirche Maria Treu in der Josefstadt
Jodok-Fink-Platz
1771 wurde Haydns „Stabat Mater“ – eine äußerst komplexe Kirchenkomposition – in der
Piaristenkirche Maria Treu aufgeführt. 25 Jahre später – am 26. Dezember 1796 – gelangte hier
Haydns „Missa in tempore belli“ zur Uraufführung. Aufgrund des bedrohlichen Einsatzes der
Pauken wurde diese Messe – geschrieben in der Zeit des Ersten Koalitionskrieges –
„Paukenmesse“ genannt.
12. Bezirk
(Ehemaliger) Hundsturmer Friedhof
Haydnpark, Gaudenzdorfer Gürtel
Am Hundsturmer Friedhof, heute Haydnpark, wurde Haydn am 1. Juni 1809 bestattet – sein
Leichnam wurde 1820 exhumiert und in das Mausoleum der Bergkirche in Eisenstadt überführt.
Haydns Schädel, der noch im Juni 1809 von einem Freund Haydns und Anhänger der
Gall’schen Schädellehre vom Leichnam des Komponisten entfernt worden war, wurde erst im
Jahre 1954 in der Bergkirche in Eisenstadt beigesetzt.
13. Bezirk
Schloss Schönbrunn
Im Zuge seiner Tätigkeit als Chorknabe im Stephansdom trat Joseph Haydn auch bei
musikalischen Darbietungen in Schönbrunn auf. Die Anekdote erzählt, dass er 1745 wegen
ungehörlichen Betragens abgestraft wurde. Haydn sollte später – in Diensten der Fürsten
Esterházy – nach Schönbrunn zurückkehren: So trat er 1777 anlässlich des Besuchs des
Kurfürsten von Trier mit der Kapelle des Fürsten Esterházy bei der kaiserlichen Tafel in
Schönbrunn auf.
Welche Erfahrungsmöglichkeiten, auch im Hinblick auf die Einschätzung der eigenen Kräfte und
Möglichkeiten, boten jungen, angehenden Musikern solche Auftritte bei Hof? Auch diesbezüglich
machte der junge Haydn andere Erfahrungen als der junge Mozart, für den die
Statusunterschiede im Narkotikum des „Wunderkind-Daseins“ förmlich verschwammen – nicht
zufälligerweise ließ sich Mozart in den ihm von Maria Theresia geschenkten Kleidern eines
Erzherzogs abbilden.
Da Ponte Institut Wien, im Dezember 2008
www.daponte.at