Wettstreit um Vorarlbergs Kulturhauptstadt

Mittwoch, 3. Juni 2015 •wiRtSchAFtSBLAtt.At
orarlberg
Ö ST ER R E I CHS Z E I T U N G F Ü R WIRTSC H AF T UN D
FINANZ E N - REGIONALAUSGA BE
◆ Käsestraße Bregenzerwald Die neue Geschäftsführerin Caroline Merlin im Interview 6 ◆ Spitalswäsche
Wozabal investiert in Vorarlberger Standort 10 ◆ Bildung Neuer Lehrgang für Seilbahnwirtschaft 24
Bregenzer Festspiele/Anja Köhler
Wettstreit um Vorarlbergs
Kulturhauptstadt
Bewerbung 2024. noch ist der Zuschlag nicht einmal an Vorarlberg erteilt, doch schon gehen die wogen hoch:
Bregenz möchte sich als Europäische Kulturhauptstadt 2024 bewerben. Bürgermeister und Sponsoren erwarten sich
dadurch impulse für die Region. Das Bewerbungsvorhaben macht andere jedoch hellhörig: Auch Dornbirn und Feldkirch bringen sich ins Spiel. Aus Sicht von Experten braucht eine Kulturhauptstadt eine „bestehende Kulturszene“.
2-4
Der Stadt Graz brachte das Kulturhauptstadtjahr jedenfalls einen umsatzzuwachs von 26 Millionen €.
Kongresse.
Jetzt bestellen.
Die Vorarlberger Tagungswirtschaft investiert kräftig
18
in den Ausbau. Kunden suchen Abwechslung.
Jeden Monat Wirtschafts-News aus Ihrem Bundesland.
Name und Anschrift an: wirtschaftsblatt.at/regional
Retouren an PF 100, 1350 Wien - GZ 13Z039580W - P.b.b. Redaktion: 1030 Wien, Hainburger Straße 33, Tel: 01 60117-0
2|
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
Thema
TOURISMUS
Kulturhauptstadt Bregenz –
Im Jahr 2024 kann Öster­
reich nach Graz und Linz
wieder eine europäische
Kulturhauptstadt stellen.
Bregenz zeigt sich inter­
essiert und weckt den
Neid anderer Städte.
VON maRTIN RÜmmeLe
B
regenz hat es verdient, sich nach all
den gesellschaftlichen und baulichen
impulsen der vergangenen Jahre ernsthaft
mit der Frage einer möglichen Bewerbung für die Europäische Kulturhauptstadt 2024 professionell
zu beschäftigen“, sagte Bürgermeister Markus Linhart kürzlich
und trat damit eine Debatte los.
Klar ist, dass Österreich im Jahr
2024 nach Graz und Linz wieder
die Möglichkeit hat, eine Europäische Kulturhauptstadt zu stellen.
und viele Varianten bieten sich
da nach Ansicht des Geschäftsführers der Graz tourismus und
Stadtmarketing Gmbh, Dieter
hardt-Stremayr, nicht an. „Es
braucht eine kritische Größe.
Für Großstädte mit einem breiten
Angebot ist das thema uninteressant, für kleine Städte zu aufwendig. nach Graz und Linz
scheidet wien aus, und für Salzburg brächte es keinen nachhaltigen imagewandel. Damit bleiben
nicht mehr viele Möglichkeiten.“
Bregenz habe jedenfalls bereits
mit den Festspielen und dem
Kunsthaus durchaus einen internationalen namen, auf dem man
aufbauen könnte, meint der Grazer Experte. Das sieht auch hu-
bert Rhomberg, Geschäftsführer
der Rhomberg Gruppe, so, der
sich zuletzt immer wieder in Sachen Regionalentwicklung starkgemacht hat. „Bregenz als Europäische Kulturhauptstadt würde
die regionale Bedeutung der Stadt
am See sowie des unteren Rheintals in der ganzen Bodenseeregion
und darüber hinaus unterstreichen. ich unterstütze die initiative
zur Bewerbung.“
Ein Mehrwert
Ähnlich argumentiert auch Michael Grahammer, Vorstandsvorsitzender der hypo Vorarlberg:
„Die idee ist zu unterstützen. Die
hypo Vorarlberg ist ein wichtiger
Förderer von Kultur- und Kunsteinrichtungen in der Landeshauptstadt Bregenz. unsere Sponsoring-
leistungen würden durch die Ernennung zur Europäischen Kulturhauptstadt einen Mehrwert erfahren. Zudem ist dadurch ein impuls
für die Region zu erwarten.“
Bregenz sei eine attraktive Kleinstadt mit überproportional großem
Kulturangebot, meint der Bürgermeister. „Das belegen die Bregenzer Festspiele, die vielen Galerien,
das neu eröffnete Vorarlberg Museum sowie der für eine Kleinstadt
ungewöhnliche umstand, dass es
zwei theaterhäuser gibt.“ Bregenz
sei die Kultur- und Festspielstadt
im Bodenseeraum und messe sich
durch die Bregenzer Festspiele mit
Salzburg und wien, was nicht zuletzt durch die Auszeichnung als
bestes europäisches Festival bei
den opera Awards 2015 bewiesen
worden sei.
ZAHL
3,68 Mio.
Nächtigungen
n Nach einem Rekord im Sommer
2014 mit 1,1 Millionen Gästeankünften (+2,4 Prozent), 3,68 Millionen Nächtigungen (+0,5 Prozent)
und einer etwas durchwachsenen
Winterbilanz mit 1,05 Millionen
Ankünften (+1,8 Prozent) und 4,42
Millionen Nächtigungen (-0,3 Prozent) geben sich Tourismuslandesrat Karlheinz Rüdisser (ÖVP) und
Vorarlberg-Tourismus-Chef
Christian Schützinger für heuer
zuversichtlich: Man will mit neuen
Angeboten punkten. Die Hälfte der
Gäste kommt aus Deutschland.
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
Thema
|3
ein Impuls für die Region
Vorarlberg Tourismus, Bregenzer Festspiele/Atelier Pi
Bregenz überlegt, sich als
Kulturhauptstadt 2024 zu
bewerben. Experten
fordern, das Rheintal
einzubinden.
Bilanz.
Graz 2003
brachte
Zuwachs
Das Kulturhauptstadtjahr
2003 bescherte der Stadt Graz
laut einer Studie des instituts
für technologie und Regional­
politik des Joanneum Re­
search direkten umsatz­
zuwachs in der höhe von rund
26 Millionen €. So stiegen al­
lein die nächtigungen zwi­
schen Jänner und november
um 20 Prozent. Andererseits
kosteten organisation und
infrastrukturmaßnahmen die
öffentliche hand rund 113 Mil­
lionen €.
in den vier Jahren von der
Vorbereitung bis zum Kultur­
hauptstadtjahr 2003 wurden
in der Steiermark direkte und
indirekte wirtschaftsimpulse
in der höhe von 76 Millionen
€ an Bruttowertschöpfung
und 146 Millionen € an Pro­
duktionswert ausgelöst, heißt
es in der Studie.
Kurzfristige Vorteile
FESTSPIEL-MAGNET
n Die Bregenzer Festspiele sind
der Publikumsmagnet des Vorarl­
berger Kulturtourismus. Laut Vor­
jahresbilanz wurden 263.733 Be­
sucher beim Kulturfestival am Bo­
densee gezählt. Besonders erfolg­
reich war die Seebühnenproduk­
tion der „Zauberflöte“, die bei allen
29 Aufführungen ausverkauft war.
n In den zwei Jahren der „Zau­
berflöte“ sahen 406.000 Opern­
Interessierte das Mozart­Werk. Die
Abschiedsproduktion von Inten­
dant David Pountney rangiert da­
mit noch vor der West Side Story
auf Platz eins des ewigen Seebüh­
nen­Rankings. Die Auslastung lag
insgesamt bei 100 Prozent.
n Zwei Drittel der rund 176.000
Tickets für die heurige Oper
„Turandot“ auf der Seebühne
sind bereits gebucht, bei den
7700 Tickets im Festspielhaus für
„Hoffmanns Erzählungen“ sind es
deutlich über die Hälfte.
n Hoffnung auf eine Erhöhung
der Subventionen hat Festspiel­
präsident Hans­Peter Metzler, der
betont, dass diese seit 19 Jahren
nicht valorisiert worden seien.
Bei einem Gesamtbudget von
20 Millionen € stammen 5,7 Millio­
nen aus Subventionstöpfen. Metz­
ler hofft, dass die erhöhte Mehr­
wertsteuer auf Tickets vom Bund
wieder „zurückkommt“.
„insgesamt kann festgehalten
werden, dass Graz 2003 kurz­
fristig sehr positive Auswir­
kungen hatte“, so das Autoren­
team von Joanneum Research.
neben der internationalen
Aufmerksamkeit stieg auch
die nächtigungszahl deutlich.
„nicht zuletzt der durch die
Kulturhauptstadt­initiative in
Gang gesetzte Diskussions­
prozess kann die Basis für ein
verbessertes Verständnis der
Akteure über die notwendig­
keit der Beachtung von wech­
selwirkungen von Kultur und
wirtschaftsprozessen bilden“,
schreiben die Studienautoren
in ihrer abschließenden Ana­
lyse von 2004.
[rüm]
[email protected]
4|
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
Thema
Foltin π, Beigestellt
Bregenz als Kulturhauptstadt
würde die regionale Bedeutung
der Stadt sowie des Rheintals und
darüber hinaus unterstreichen.
Die Hypo ist ein wichtiger För­
derer von Kultureinrichtungen.
Unser Sponsoring würde einen
Mehrwert erfahren.
HUBERT RHOMBERG
MICHAEL GRAHAMMER
DIETER HARDT-STREMAYR
GESCHÄFTSFÜHRER RHOMBERG GRUPPE
VORSTANDSVORSITZENDER HYPO VORARLBERG
GESCHÄFTSFÜHRER GRAZ TOURISMUS
Die idee der Bregenzer hat
!
allerdings auch andere hellhörig
gemacht. Auch Dornbirn und Feldkirch bringen sich nun ins Spiel.
Feldkirch wolle sich nicht alleine
bewerben, sagt die zuständige Vizebürgermeisterin Barbara Schöbi-Fink, wie Linhart von der ÖVP.
Es sei vorstellbar, dass die Region
Rheintal als Partner gewonnen
werde oder überhaupt ganz Vorarlberg. Die Führung müsse aber
Feldkirch übernehmen.
Die idee, die ganze Region einzubinden, hält hardt-Stremayr,
der nach der umsetzung von Graz
2003 auch international immer
wieder als Berater beigezogen
ANZEIGE
Es braucht eine kritische Größe.
Für Großstädte mit breitem Ange­
bot ist das Thema uninteressant,
für kleine Städte zu aufwendig.
wird, für sinnvoll. Er warnt aber
vor einer Vermischung. „Graz und
Linz haben eine passende Größe.
Andere Städte wie weimar oder
auch Maribor haben sich übernommen. Auch Bregenz wäre zu
klein, das gesamte Rheintal hingegen wäre ideal, und die Kulturhauptstadt könnte so auch impulse bringen.“ Allerdings dürfe man
nicht den Fehler machen und sich
dann als „Rheintal“ bewerben –
quasi als Kompromiss, mit dem
alle Bürgermeister leben könnten:
„Das ist Käse.“ Bregenz sei die
einzige Stadt in Vorarlberg, die als
Kulturzentrum bereits international einen namen habe, und der
müsse auch vorne stehen. Alles
andere sei sinnlos.
Längerfristig denken
Der Experte schlägt vor, sich intensiv mit dem thema auseinanderzusetzen. Man dürfe nicht einfach
Projekte, die es schon gebe, mit
dem Sticker „Kulturhauptstadt“
versehen, sondern müsse sich fragen, ob man das Prädikat auch längerfristig führen und leben wolle.
„Es braucht eine Kulturszene, damit man nichts von außen holen
muss.“ Dessen scheint man sich in
Bregenz auch bewusst zu sein.
Bürgermeister Linhart will mit
einer Arbeitsgruppe bestehend
aus Stadtamtsdirektor Klaus Feurstein, Kulturamtsleiter wolfgang
Fetz, dem kaufmännischen Direktor der Bregenzer Festspiele, Michael Diem, und StadtmarketingGeschäftsführer christoph thoma
weitere Schritte definieren.
Klar ist, dass ein gut gemachtes
Projekt auch wirtschaftliche Erfolge haben kann. So betrug etwa
in Graz das Budget 59,3 Millionen
€. und das wiederum summierte
sich mit begleitenden infrastrukturinvestitionen und Ausgaben im
Bereich des tourismus über den
Projektumsetzungszeitraum von
fünf Jahren auf über 113 Millionen
€. Die nächtigungszahl lag im
Jahr 2003 bei knapp 840.000 – ein
Plus gegenüber 2002 von knapp
25 Prozent (siehe Artikel Seite 3).
Den autor des artikels erreichen Sie
unter [email protected]
Kunsthaus Bregenz/Matthias Weissengruber
Mit dem Kunsthaus und zahlreichen Galerien kann Bregenz im Bereich moderner Kunst schon viel auf internationalem Niveau bieten.
6|
IntervIew
C
aroline Merlin wurde
vor wenigen wochen
als hauptamtliche Geschäftsführerin der
„Käsestraße Bregenzerwald“ bestellt. Die Dornbirnerin mit familiären wurzeln im Bregenzerwald
löst den interims-Geschäftsführer Lothar Eiler ab, der die Geschicke der Käsestraße mehrere
Jahre ehrenamtlich geleitet hat.
Das netzwerk der Käsestraße ist
ein gemeinnütziger Verein mit
rund 150 Mitgliedern aus allen
Branchen mit dem Ziel, die regionale wertschöpfung und die
regionalen Kleinstrukturen zu erhalten und zu fördern. Vor beinahe 20 Jahren gegründet, setzte das
netz früh auf das aktuelle trendthema Regionalität. nicht zuletzt,
weil das thema aber längst von
vielen übernommen worden ist
und der Milchbereich durch den
wegfall der Eu-Quoten unter
Druck kommt, muss sich auch die
Käsestraße neu erfinden.
WirtschaftsBlatt: Sie wechseln
von einem internationalen Konzern zu einer regionalen Marketinggesellschaft. Was sind die
Aufgaben und Pläne?
Caroline Merlin: unsere Mitgliedsbetriebe haben ganz unterschiedliche Ansprüche, und es
geht nun vor allem einmal darum,
die auch zu hören und abzustimmen. Das hat sich seit der Gründung 1998 verändert. Es geht jetzt
auch einmal darum, die Positionierung nach innen zu schärfen
und auf eine gute Basis zu setzen
und dann auch wieder verstärkt
nach außen zu tragen. Die Käsestraße wurde die vergangenen
drei Jahre ehrenamtlich geführt,
und da wurde auch viel aufgebaut. Vieles ist aber auch im Lauf
der Zeit verlorengegangen, und
die Mitglieder wollen nun wissen, was die künftigen Ziele sind.
Was genau ist die Aufgabe und das
Ziel des Vereins Käsestraße?
Die Käsestraße ist ein Zusammenschluss von Bregenzerwälder
Bauern, Sennern, wirten, handwerkern und handelsbetrieben
und somit keine Straße im herkömmlichen Sinn. Es ist also mehr
als eine Route, auf der man Käse
kaufen kann. Sie ist Marke für eine
ländliche Region und ein netzwerk von Erzeugern und Vermarktern. Die Mitglieder und
Partner der Käsestraße tragen dazu bei, die Bregenzerwälder Land-
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
Lisa Mathis
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
IntervIew
„Ein Netz
regionaler Partner
statt Globalisierung“
Caroline Merlin. Die ehemalige Managerin und Marketingspezialistin beim Global
Player Zumtobel Lighting ist die neue Geschäftsführerin des Regionalvermarktungsvereines „Käsestraße Bregenzerwald“ und soll das Netzwerk neu aufstellen.
vOn MArtIn rÜMMeLe
Wir können nur mit
hoher Qualität, Exklusivität und eben
Regionalität
punkten.
schaft, die kleinen Strukturen und
die heimischen Produkte zu bewahren und zu fördern. Mit über
150 Mitgliedern und zahlreichen
Partnern vereint die Käsestraße
lauter Experten unterschiedlicher
Disziplinen für Genussvolles,
Schönes und Kunstsinniges unter
ihrem Dach. Ganz wichtig ist aber
der Kern.
Das klingt wie Tourismuswerbung.
Was genau ist das Ziel einer
solchen Marke und eines solchen
Netzwerkes?
Der Bregenzerwald verfügt
über die am besten erhaltene
Alp- und talsennereistruktur in
Österreich. Zu den Besonderheiten im Bregenzerwald zählen die
Dreistufenwirtschaft, die 2011
von der unESco in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich erhoben
worden ist, und die Käseproduktion aus heumilch, das heißt die
ausschließliche Verwendung von
silofreiem Futter. Da das silofreie
Futter von den hofeigenen Flächen bei den meisten Betrieben
aber nicht ausreicht, um das Vieh
ganzjährig zu versorgen, bedienen sich die Bauern eben bis
heute einer altbewährten Bewirtschaftungsform, der Dreistufenlandwirtschaft. im jahreszeitlichen Kreislauf ziehen die Familien oder ein teil der Familie im
Spätfrühling mit dem Vieh vom
hof zuerst auf eine niedrig gelegene Alm – das Vorsäß – und
etwa Anfang Juli auf die Alpe.
Mitte September kehren alle mit
einem feierlichen Alpabtrieb
wieder zurück auf das Vorsäß
oder ins tal zu den heimbetrieben. Das alles gilt es, zu erhalten,
und weil davon auch viele in der
Region profitieren, gilt es, an
einem Strang zu ziehen.
Die Handelskette Sutterlüty
streicht gerade die Bregenzerwälder Heumilch aus ihrem Sortiment.
Der Grund: Die Sennerei Lingenau
will die Produktion der Milch
wegen rückläufiger Umsätze einstellen. Bedeutet das, dass das Ziel
verfehlt worden ist? Beginnen Sie
bei null?
Das Beispiel zeigt, dass den
Konsumenten auch erklärt wer-
den muss, dass heumilch als Basisprodukt mehr kostet, weil sie
aufwendiger herzustellen ist. Jürgen Sutterlüty war selbst in der
Käsestraße von Beginn an dabei
und kämpft ebenso um das Basisprodukt. Er will es auch erhalten.
natürlich gibt es ein Bewusstsein
bei den Konsumenten auch für
Regionalität. im Laden fällt dann
aber doch auch oft die Entscheidung über den Preis. hier geht es
einfach darum, ein Bewusstsein
zu schaffen und Basisarbeit zu
leisten. Dazu ist viel Kommunikation nötig.
Nach innen oder nach außen?
in beide Richtungen. Der Bregenzerwald hat eine Fläche von
550 Quadratkilometern und 33.000
Einwohnern. in den 22 Gemeinden gibt es 1066 bäuerliche Betriebe, und die wiederum erzeugen
mit gesamt 12.500 Milchkühen
Das ist erfolgreiche
Zusammenarbeit von
regionaler Landwirtschaft, Tourismus
und Gewerbe.
|7
jährlich über 45 Millionen Kilo
Milch. Anders gesagt: Der Bregenzerwälder Durchschnittsbauer hat
nur neun Stück Großvieh und
durchschnittlich acht hektar hofweiden. in den kleinen landwirtschaftlichen Strukturen werden
etwa 4500 tonnen Käse pro Jahr
produziert. Das alles wollen wir
erhalten. Genauso wie die 17 Dorfsennereien und 90 Milchalpen.
Auf den Alpen wird der Alpkäse
oft noch nach alter tradition von
hand hergestellt, und viel wird
direkt vermarktet.
Es geht also nicht um das Produkt
als solches, sondern darum, dass
das Produkt ein Symbol ist für
mehr?
Ja, wir müssen aber auch kommunizieren, dass das Produkt die
Struktur der gesamten Region
hier mit ausmacht. Es gibt etwa
in jeder Gemeinde noch kleine
Sennereiläden. wo gibt es das
sonst noch? wenn alle Betriebe
hier gut zusammenarbeiten, können wir auch gut nach außen auftreten. Die Mitglieder der Käsestraße bieten etwa Programme,
Besichtigungen und Produkte
oder servieren Spezialitäten mit
regionalen Zutaten und machen
so den Bregenzerwald zu einem
natur-, Kultur- und kulinarischen
Erlebnisraum. hunderte von Erlebnisprogrammen, im Sommer
wie im winter.
Was werden die Schwerpunkte
Ihrer Arbeit sein?
Es geht sicher auch darum, die
Marke Käsestraße einheitlich zu
stärken und dann auch deutlicher im handel aufzutauchen. Es
passiert aber eben auch viel in
den Sennereien und im Direktverkauf. Das wollen wir stärken.
Ebenso wie Partnerschaften, wie
es sie etwa mit der weinstraße
im weinviertel gibt oder auch
mit Feinkostläden außerhalb der
Landesgrenzen.
Mit April wurden die EU-Milchquoten abgeschafft und der Milchmarkt liberalisiert. Besonders die
industrielle Milcherzeugung
erhofft sich dadurch eine Ausweitung des Geschäfts. Was bedeutet
das für eine Region wie den
Bregenzerwald und kleine bäuerliche Betriebe?
Der Fall der Quote bringt natürlich Veränderung. wie sich
das genau entwickelt und was
8|
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
IntervIew
Lisa Mathis
Caroline Merlin wechselte vom Global Player Zumtobel zum regionalen Vermarktungsnetzwerk „Käsesstraße Bregenzerwald“.
kommt, weiß man noch nicht.
Da sind die Entscheidungen noch
nicht gefallen. Die Entwicklung
wird aber gerade auch Qualität
wichtiger machen. wir müssen
das Besondere erhalten und können uns auch so abheben. wir
sind in einer Region, und die lässt
sich nicht vergrößern. Also können wir nur mit hoher Qualität
und eben der Regionalität punkten. Damit werden der wegfall
der Milchquote und die Globalisierung insgesamt auch zu einer
chance für die Betriebe. wir produzieren hier rein silofreie Milch.
Dazu muss man wissen, dass der
Bregenzerwald als größtes zusammenhängendes silofreies Gebiet in der Eu gilt. in der gesamten Eu selbst werden hingegen
nur noch zwei bis drei Prozent
der Milch silofrei produziert.
Sie waren lange beim Global Player Zumtobel im Marketing. Nun
arbeiten Sie in einem ganz anderen
Bereich. Wo liegt der Unterschied
und warum dieser Wechsel, den
man ja auch als Karrierebruch
bezeichnen könnte? Oder gibt es
Gemeinsamkeiten?
Ja, die Qualität ist hier aber
sicherlich eine Parallele. ich war
Im Laden fällt
dann aber doch die
Entscheidung
wieder über den
Preis.
16 Jahre bei Zumtobel und habe
dort viel gelernt in einem internationalen Konzern. Privat hat
mich aber immer das thema
Regionalität sehr fasziniert. Das
lebe ich privat auch, kaufe regionale Produkte und möchte auch
so leben. Daraus ergab sich auch
das interesse, in der Region etwas zu bewegen. und das, was
ich hier mache, kann ich auch für
mich selbst vertreten.
Sie geben dem Regionalen gegenüber dem Internationalen den Vorzug?
Beides, internationalität und
Regionalität, hat eine Berechtigung. Mir ist es aber wichtig, hier
etwas zu bewegen. ich schätze
die Bregenzerwälder und -wälderinnen mit ihrem großen Regionalbewusstsein und der gelebten Authentizität sehr und habe
auch selbst hier wurzeln. Daher
ist es mir wichtig, eine nachhaltige und herausragende Position
der Marke zu schaffen, aber
gleichzeitig auch, unsere werte
und Kultur zu erhalten.
Kommen wir noch einmal zum
wirtschaftlichen Hintergrund.
Lässt sich die Käsestraße auch in
Zahlen fassen?
Genaue Zahlen gibt es nicht,
weil auch viel über Direktvermarktung läuft. und das ist auch
gewollt. Dazu kommt, dass die
Milch- und Käseproduktion viel
breiter wirkt. Die Erzeugung und
Vermarktung der ländlichen Produkte in der eigenen Region lassen die wertschöpfung im Bregenzerwald und sichern damit
nicht nur die Existenz der Landwirte. Sie sichern auch Arbeitsplätze in anderen Branchen, halten die Bevölkerung hier vor ort
und sind damit eine wichtige Voraussetzung zur Erhaltung der
faszinierenden Ferien- und Erholungslandschaft, von der wiederum der tourismus auch stark
profitiert. nicht zuletzt deshalb
ist die Käsestraße Bregenzerwald ja auch eines der erfolgreichsten Eu-Projekte zur
Förderung der Zusammenarbeit
regionaler Landwirtschaft, des
tourismus und Gewerbes.
Den Autor des Artikels erreichen Sie
unter [email protected]
ZUR PERSON
n Caroline Merlin (36) war lange
in unterschiedlichen Bereichen bei
der Zumtobel Lighting GmbH in
Dornbirn tätig. Nach ihrem Einstieg
im Einkauf wechselte sie 2004 in
den Bereich Produktmarketing. Zuletzt konzipierte und leitete sie als
Projektmanagerin im Bereich Marketing verschiedene Projekte wie
zum Beispiel eine globale Nutzerumfrage zum Thema Lichtqualität
am Arbeitsplatz sowie Sport-Sponsoring-Aktivitäten. Darüber hinaus
steuerte sie das Thema Nachhaltigkeitszertifizierungen von Gebäuden innerhalb des Lichtkonzerns.
In ihrer Freizeit zieht es die 36-Jährige regelmäßig in die Natur – zum
Wandern, Klettern, Mountainbiken
oder zu Skitouren.
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
Vorarlberg
in Zahlen
2,1 %
UMSATZPLUS
Die 3300 Unternehmen der
Sparte Information und Consulting der Wirtschaftskammer Vorarlberg erzielten im Vorjahr im
Vergleich zu 2013 ein reales Umsatzplus von 2,1 Prozent. Deutlich über dem Schnitt bilanzierte
die Werbebranche mit einem
Zuwachs von 7,6 Prozent. Die
Exportquote lag bei überdurchschnittlichen 19,1 Prozent.
42 Prozent der Vorarlberger Gewerbeund Handwerksbetriebe verzeichneten
2014 Exportumsätze. Der Anteil am Gesamtumsatz lag bei rund 25 Prozent. In
Kärnten exportierten zwar nur zehn Prozent der Unternehmen in dieser Sparte,
der Umsatzanteil lag aber bei 37 Prozent.
TRENDS
Einbürgerungen
im 1. Quartal 2015
BESUCHER
VERKAUFSFLÄCHE/EW.
Die Bregenzer Pfänderbahn und der Wildpark zählten im Vorjahr mit 612.508 Besuchern zu den Top-Sehenswürdigkeiten. Die
Inatura Erlebnis Naturschau in Dornbirn
hatte 101.143 Besucher. Das Jüdische Museum Hohenems legte um zwölf Prozent
auf 17.809 Eintritte zu.
In Vorarlberg lag die Verkaufsfläche pro
Einwohner im Jahr 2014 bei 1,2 Quadratmetern. An der Spitze im CIMA-Ranking
steht Kärnten mit zwei Quadratmetern.
Der Verkaufsflächenanteil in Innenstadtlagen beträgt im Ländle 30 Prozent, im
Burgenland sind es nur 19 Prozent.
Fachkräftemangel
Niederösterr.
Insgesamt
! 0 - 99 ! 100 - 249
! 250 - 499 ! > 500
Tirol
130
NACHHILFE
Rund 6,5 Millionen € geben Vorarlberger Eltern bis zum Ende
des laufenden Schuljahres für
Nachhilfe aus. Im Schnitt sind es
844 € pro betroffener Familie.
Das ergab eine Befragung im
Auftrag der Arbeiterkammer.
Nur in Wien lagen die Kosten mit
882 € noch höher. In Österreich
wurden insgesamt 119 Millionen €
für Nachhilfe ausgegeben.
1,2 m2
612.508
EXPORTANTEIL
+29,9%
844 €
Die Vorarlberger Gewerbe- und Handwerksbetriebe
zeigten sich im Vorjahr weiterhin exportorientiert.
Auch die Informatik- und Consulting-Branche profitierte von einer überdurchschnittlich hohen Exportquote.
25 %
Vlbg.
113
|9
Überblick
324
Oberösterr.
-2,1%
299
Steiermark
Salzburg
Quelle: Statistik Austria, *im 1. Quartal 2014 gab es nur...
160
114
+10,3%
-8,1%
Kärnten
631
+10,7%
+1,7%
+23,8%
Wien
95
+18,8%
Bgld.
48
+1500%*
Anteil der Gewerbe-/Handwerksbetriebe
mit Fachkräftebedarf (in %)
Oberösterr.
! 0 - 20 ! 21 - 25
26
! 26 - 29 ! > 30
Vlbg.
36
Tirol
Änderung
zu Q1/2014
... drei Einbürgerungen – daraus ergibt sich der große Zuwachs; Quelle: KMU Forschung
29
Niederösterr.
24
23
Steiermark
Salzburg
Wien
Bgld.
19
22
30
Kärnten
29
WirtschaftsBlatt
Grafik/Cmund
ANZEIGE
10 |
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
Unternehmen
INVESTITION
Hightech für Spitalswäsche
Beigestellt
Wozabal Textilservice gewinnt eine Ausschreibung
der Spitalsgesellschaft
KHBG und investiert sechs
Millionen € in einen neuen
Standort. Das Unternehmen
punktet mit Hightech und
Energieeffizienz.
VOn mArtIn rÜmmeLe
RAnKwEiL/LinZ. Die oberöster­
reichische unternehmensgruppe
wozabal sieht sich selbst nicht nur
als Marktführer, sondern auch als
technologieführer im Bereich
Mietwäsche in Österreich und
wächst vor allem im Gesundheits­
bereich. Das unternehmen be­
treibt bereits an sieben Standorten
moderne und nach eigenen Anga­
ben auch die leistungsfähigsten
wäschereien zur Reinigung und
Aufbereitung von Miettextilien
und Mietwäsche in Europa.
Gab es im Vorjahr ein umsatz­
plus von drei bis vier Prozent auf
64,2 Millionen €, so erwartet
christian wozabal, seit 2006 ge­
samtverantwortlicher Geschäfts­
führer des Familienunternehmens,
im kommenden Jahr wieder ein
zweistelliges Plus. helfen wird
ihm dabei ein Großauftrag aus
Vorarlberg. Der textile Vollversor­
ger hat kürzlich den gesamten Be­
reich wäsche, Berufsbekleidung
JUNGUNTERNEHMERPORTRÄT
Sparmeister
für die
Gastroszene
Wozabal soll heuer beim Umsatz zweistellig wachsen. 2014 lag er bei 64,2 Millionen €.
und oP­Versorgung für fünf Vor­
arlberger Krankenhäuser über­
nommen. im Zuge einer Eu­wei­
ten neu­Ausschreibung hat sich
die Vorarlberger Krankenhaus­Be­
triebsgesellschaft (KhBG) für den
Dienstleister entschieden. „Bei
der Abwicklung der Prozesse und
der Ausgabe der wäsche kommen
sowohl uhF­chips als auch mo­
dernste Bekleidungsautomaten
zum Einsatz“, erklärt wozabal.
Das unternehmen sei dabei mit
dem Einsatz der neuesten Gene­
ration von RFiD­chips – ultra
high Frequency (uhF) – der ab­
solute Vorreiter in der Branche.
„wir können Kunden eine lücken­
lose Dokumentation des wäsche­
managements ebenso zur Verfü­
gung stellen wie genaue Statisti­
ken etwa über die Anzahl an
waschzyklen oder die exakten
Verbrauchsmengen, wodurch
automatisch eine bedarfsorien­
tierte wäschebestellung ausgelöst
wird“, erklärt wozabal. Das wie­
derum helfe, auch den Energiever­
brauch deutlich zu senken. Zuletzt
hat das unternehmen damit auch
bei der Allgemeinen unfallversi­
cherungsanstalt gepunktet und
liefert österreichweit das oP­Ab­
decksystem für die elf unfallspi­
täler und Rehazentren der AuVA.
Für den Auftrag in Vorarlberg
hat das unternehmen in den ver­
gangenen wochen einen neuen
Standort in Rankweil errichtet.
wozabal hat dort knapp sechs
Millionen Euro investiert und
beschäftigt 40 Mitarbeiter.
ALtAch. Vor 14 Monaten haben Markus Schnirzer und
Markus Schwarzenbacher die Einkaufsberater F&B Gmbh
gegründet und damit zu einem höhenflug angesetzt. Das
unternehmen betreut bereits rund 30 Kunden in Vorarl­
berg, tirol, wien und niederösterreich. im
August wird Salzburg dazukommen, sagt
Markus Schwarzenbacher sieht in
Schnirzer. Die idee: Man übernimmt und
der Einkaufsoptimiert für Gastronomen und hote­
beratung eine
liers den Einkauf, führt Preisverhandlun­
Marktlücke.
gen und hilft, Kosten zu senken. Die Einspa­
rungen teilt man sich. „wir machen nun zu­
sätzlich Energie und Versicherungen“, sagt Schwarzen­
bacher. Das Einkaufsvolumen, das die Einkaufsberater ab­
wickeln, liegt bereits bei rund 30 Millionen €.
[rüm]
Beigestellt
Den Autor des Artikels erreichen Sie
unter [email protected]
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
Unternehmen
LEBENSMITTEL
| 11
NACHHALTIGKEIT
Vetterhof entwickelte Illwerke/Vkw setzen
neue Kunden-Software auf Energieautonomie
Mathis
LuStEnAu. Als einer der ersten
Betriebe in Vorarlberg stellte der
Vetterhof schon vor über dreißig
Jahren auf biologische Landwirtschaft um. Jede woche werden
rund 950 haushalte mit selbst angebautem Gemüse und Fleisch
der hofeigenen Rinder, Schweine
und hühner versorgt. Die Produkte sind im hofladen in Lustenau
SCHWERPUNKT
LANDWIRTSCHAFT
erhältlich oder werden am eigenen Stand auf dem wochenmarkt
in Dornbirn verkauft. Der größte
teil wird jedoch über die sogenannte Gemüsekiste vertrieben.
Damit werden circa 65 Prozent
des Gesamtumsatzes erzielt. „wir
haben uns schon vor einigen Jahren entschieden, unsere Produkte
ausschließlich direkt zu vertreiben“, erklärt Simon Vetter, Geschäftsführer des Familienbetriebs in zweiter Generation. „Auf
diesem Vertriebsweg lässt sich die
wertschöpfung steigern, außerdem kommen wir regelmäßig mit
unseren Kunden ins Gespräch.“
Die Menschen würden sich zunehmend für die herkunft ihrer
Lebensmittel interessieren, so der
unternehmer. Kunden erhalten
daher per Mail informationen
über neuheiten auf dem hof oder
Rezepte zugeschickt. „Durch die
kontinuierlich steigende Zahl der
Adressen in den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu orga-
nisatorischen Schwierigkeiten“,
sagt Vetter, der am hof sieben Mitarbeiter beschäftigt. um künftig
zu vermeiden, dass auch die veganen oder vegetarischen Kunden
Rezepte für Fleischgerichte erhalten, nimmt der Vetterhof im Juni
eine selbst entwickelte Software
für Direktvermarktung in Betrieb.
Eigenanbau forcieren
Eine geeignete Software für einen
mittelgroßen Landwirtschaftsbetrieb konnte nicht gefunden werden. Daher entwickelte der Vetterhof gemeinsam mit dem jungen
it-unternehmen Bitbull aus nenzing ein eigenes tool zur Vereinfachung der Direktvermarktung.
Die neue Software verfüge über
wichtige Funktionen zur Verrechnung, Abrechnung und Lieferroutenoptimierung sowie informationen zum Kunden, erklärt Vetter.
Auch die Anbindung an soziale
netzwerke soll vereinfacht und
dadurch der Dialog mit dem Kunden gefördert werden. Die höhe
der investition liegt im unteren
fünfstelligen Bereich.
Der Bio-Landwirt ist überzeugt,
dass die eigene neue Software
eine „große Vereinfachung“ im
Vertrieb mit sich bringen wird.
„wir gewinnen dadurch mehr
Zeit für unsere eigentliche tätigkeit. Bislang werden erst sechs
Prozent des im Ländle verzehrten
Gemüses auch hier angebaut“,
sagt der unternehmer.
[velu]
[email protected]
Zauner
Simon Vetter beliefert 950 Haushalte mit Fleisch und Gemüse.
Illwerke/Vkw-Vorstand Christof Germann berät Unternehmen.
BREGEnZ. Gegründet wurde es
zu Jahresbeginn von zehn Vorarlberger industrieriesen wie Julius
Blum, Rhomberg Bau oder Alpla
zusammen mit dem Stromversorger und -produzenten illwerke/
Vkw: das Klimaneutralitätsbündnis 2025. nun hat es bereits 21 Mitglieder. Sie alle wollen den unternehmensfußabdruck bis 2025 klimaneutral stellen und so einen
Beitrag zur Lösung der weltweiten
Klimaprobleme leisten, teilten die
unternehmen mit.
Das Land Vorarlberg wiederum
hat eine breit angelegte Energiesparoffensive gestartet. Bis 2020
sollen insgesamt 150 Gigawattstunden Energie eingespart werden. Das entspricht etwa 15 Millionen Litern heizöl oder dem
Stromverbrauch von 6.500 haushalten pro Jahr. Die schwarz-grüne Regierung hat sich zudem der
Energieautonomie verschrieben.
„Das ist ein großes thema und
eine chance für uns als Energieversorger und Stromproduzent,
um uns im Markt zu positionieren“, sagt nun illwerke/Vkw-Vorstand christof Germann. Die bis
2018 laufende investition von 600
Millionen € in neue Produktionskapazitäten und den netzausbau
ziele genau in diese Richtung. Germann räumt Missverständnisse
aus: „Autonomie bedeutet nicht
Autarkie. unser Ziel ist, über das
Jahr so viel Strom erneuerbar zu
produzieren, wie man verbraucht.
wir bewegen uns dazu auf dem
Energiebinnenmarkt und leisten
Autonomie bedeutet nicht Autarkie.
CHRISTOF GERMANN
VORSTAND
ILLWERKE/VKW
mit den Spitzenstromkraftwerken
auch einen Beitrag zur Energiewende, denn Sonnen- und windkraftwerke benötigen Regelstrom,
wie wir ihn produzieren können.“
Beim Klimaneutralitätsbündnis
habe man das Projektmanagement
für die unternehmen übernommen und begleite sie, indem man
zuerst einmal den co2-Fußabdruck messe und dann Einsparpotenziale erhebe und aufzeige.
Danach helfe man den unternehmen bei der umsetzung, Zertifizierung und nicht zuletzt Kommunikation, sagt Germann.
Die Bemühungen und nicht zuletzt die Marktentwicklungen wirken sich auch auf das Ergebnis aus:
umsatz und Ergebnis gingen zurück. „Mit umsätzen von 599,95
Millionen € und einem EGt von
83,6 Millionen € hat sich der Konzern in einem für die Energiewirtschaft sehr herausfordernden umfeld 2014 gut geschlagen.“ [rüm]
[email protected]
12 |
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
Unternehmen
BIER
BROT
Die kleinste Brauerei Die älteste Bäckerei
sprudelt in der Nische expandiert weiter
Beigestellt
EGG. Vor hundert Jahren gab es
in Vorarlberg noch rund hundert
Brauereien, 33 davon im Bregenzerwald. heute ist die Brauerei
Egg mit 22 Mitarbeitern die einzige Brauerei im Bregenzerwald
und die kleinste im Ländle. Rund
16.000 hektoliter Bier werden
jedes Jahr hergestellt. „wir bedienen mit unseren Produkten einen
nischenmarkt“, erklärt Luis weidinger, der sich mit hubert Berkmann die Geschäftsführung teilt.
Die Biere sind im Vergleich zu
vielen Konkurrenzprodukten
nicht pasteurisiert. Dadurch erhalten sie einen unverfälschten,
natürlichen Geschmack. Die haltbarkeit ist mit sechs Monaten
jedoch etwas geringer.
Geringere Haltbarkeit
Das Familienunternehmen beliefert fast ausschließlich Lebensmittel- und Gastronomiebetriebe
in der Region. Die geringere haltbarkeit der Getränke ist nur einer
der Gründe. „Als traditionsbrauerei aus dem Jahr 1894 haben wir in
Die Regionalität ist
ein entscheidender
Wettbewerbsvorteil.
LUIS WEIDINGER
GESCHÄFTSFÜHRER
BRAUEREI EGG
der Region einen großen Bekanntheitsgrad“, sagt weidinger.
„Dies ist vor allem im Bregenzerwald, wo wir den größten teil
unseres umsatzes machen, ein
entscheidender wettbewerbsvorteil.“ Der Gesamtumsatz pro Jahr
liegt bei rund drei Millionen €.
während die Brauerei Egg in den
vergangenen Jahren leicht zulegte,
stagnierte der umsatz in der Bierbranche in Österreich. Mit 194
Brauereien landesweit ist der
wettbewerb sehr groß. „um trotz
der Marktdichte den umsatz steigern zu können, setzen wir auf
mehrere Standbeine“, so Berkmann. So werden jedes Jahr drei
hektoliter der inzwischen legendären „wäldar-Limonade“ gebraut. Zusätzlich bietet man einen
Festservice an, der neben Getränken auch Bänke und Zelte zur
Verfügung stellt.
Trend: Neuer Geschmack
„wir brauen nach einem Rezept
aus dem vergangenen Jahrhundert
und folgen trotzdem dem Zeitgeist“, erklärt Berkmann. Spezielle
Bierkreationen mit ungewöhnlichen Geschmacksrichtungen sind
für ihn einer der wichtigsten
trends. „Auch wir kreieren zusätzlich zum bestehenden Sortiment jedes Jahr ein neues Bier“,
sagt weidinger. So brachte man
2014 das „wälder Dunkls“ auf den
Markt, ein dunkles Bier mit karamelligem Geschmack.
[velu]
[email protected]
Beigestellt
Hubert Berkmann (l.) und Luis Weidinger leiten die Brauerei Egg.
Kloser-Geschäftsführer Roland Röck mit Ehefrau Esther.
BREGEnZ. Bäcker zu sein ist
heutzutage nicht mehr einfach.
wie viele kleine handwerker in
den Gemeinden verschwinden
zunehmend auch die Bäcker.
Kunden kaufen in Supermärkten.
Die Bäckerei Kloser zeigt allerdings, dass es auch anders gehen
kann und dass man statt über den
Druck der handelsriesen zu jammern durchaus selbst wachsen
und sogar expandieren kann.
im März hat das unternehmen
selbst zugekauft und die Filiale
des Plazi Bäck in hohenems
übernommen. im Mai folgte die
nächste neueröffnung der traditionsbäckerei: Beim Bahnhof
Lauterach ist eine neue niederlassung mit café entstanden. Es
ist bereits die 18. Filiale von Kloser in Vorarlberg.
Qualität im Fokus
„in Deutschland sagt man, dass jeden tag eine Bäckerei zumacht.
und auch in Österreich wird es
für viele Betriebe eng. Manche
Bäcker arbeiten einfach noch bis
zur Pensionierung oder bis der
ofen kaputtgeht“, sagt Bäckermeister und Geschäftsführer Roland Röck. Er setzt hingegen auf
hohe Qualität mit hoch qualifiziertem Personal. Man müsse den
Markt beobachten und schnell reagieren, davon ist Röck überzeugt.
„nicht die Großen fressen die
Kleinen, sondern die Schnellen
die Langsamen“, ist sein credo. So
könne man als handwerksbetrieb
etwa bei Sonderwünschen von
Kunden punkten, oder mit Zusatzangeboten. „unsere Kunden
schätzen, dass wir nach alter
handwerklicher tradition backen,
auf Regionalität achten und keine
teiglinge oder Fertigmischungen
zukaufen“, sagt Röck. „heute hat
sich auch das handwerk verändert. wir sind Gastrobäcker und
produzieren auch Mittagsmenüs,
Snacks und Salate.“ Mit Brot allein
sei nicht mehr das Auslangen zu
finden.
Kooperation mit ÖBB
Das unternehmen geht deshalb in
der neuen Filiale in Lauterach
neue wege: in unmittelbarer
Bahnhofsnähe gibt es neben café
und Sonnenterrasse auch eine
Kinderecke. und man kann auch
Bahntickets kaufen. „wir bieten
unseren Kunden damit einen weiteren Service und sind die persönliche Alternative zum ticketautomaten“, sagt der Bäckermeister.
Mit dem Gründungsjahr 1836
ist Kloser die älteste Bäckerei
Vorarlbergs und beschäftigt heute 118 Mitarbeiter. Über umsätze
will Röck nicht reden – die Konkurrenz schlafe nicht. nur so viel
gibt er preis: „wenn man heute
fünf Prozent Plus macht, gehört
man insgesamt schon zu den Guten.“ Allerdings sei zu beobachten, dass die Kunden immer
preisaffiner würden und dass damit auch die Margen unter Druck
geraten.
[rüm]
[email protected]
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
Unternehmen
| 13
PORTRÄT
Textiler Profi für Huber-Gruppe
Beigestellt (2)
Am 1. Mai hat der Textilund Bekleidungsmanager
Martin Zieger (50) die
Führung der Huber Holding übernommen. Er gilt
als Profi in der Branche
und Vertrauter von Palmers-Chef Fritz Humer.
VOn mArtIn rÜmmeLe
AM RADAR
GÖtZiS. Zuletzt hat Martin Zieger in einem für ihn eher branchenfremden Bereich versucht, zu
punkten: als Miteigentümer beziehungsweise Sanierer der insolventen Drogeriemarktkette Dayli.
Am 1. Mai ist Zieger in sein Stammsegment zurückgekehrt. Der neue
Vorstandsvorsitzende der Vorarlberger huber holding AG ist ein
textiler Profi. Der 50-Jährige ist bekannt als ehemaliger Vorstand der
Palmers AG, als Österreich-chef
des textilhandelskonzerns charles
Vögele AG sowie als Geschäftsführer des niederländischen Dessoushändlers hunkemöller.
nach dem Betriebswirtschaftsstudium machte Zieger rasch Karriere: Mit 29 Jahren war er
Geschäftsführer von Palmers
Deutschland, dann Einkaufs-Vorstand von Palmers. 2000 wurde er
Bekleidungsprofi Martin Zieger kehrt nach dem Ausflug ins
Drogeriegeschäft zu Huber in die Textilbranche zurück.
Benger Brands Hongkong
Huber hat unglaublich viel Potenzial im
In- und Ausland.
MARTIN ZIEGER
VORSTANDSVORSITZENDER
HUBER HOLDING
Geschäftsführer der Österreichtochter des Schweizer textilhandelskonzerns charles Vögele AG
und kümmerte sich um deren
Restrukturierung. Zu Palmers hat
er nach wie vor gute Kontakte: Als
Vertrauter des Ex-Palmers-chefs
Fritz humer sitzt er seit 1996 in
der humer-Privatstiftung. Die
huber-Gruppe bezeichnet Zieger
als „hidden champion“ und bescheinigt ihr „unglaublich viel
Potenzial im in-und Ausland“. Er
freue sich sehr, die Gruppe und
ihr Markenportfolio „in Österreich voranzutreiben und inter-
LG FELDKIRCH
APrevent Biotech GmbH, Im Letten 1, 6800 Feldkirch, FN 432512y.
GF+GS: Dr. Guan-Min Ho.
AB Family Isolate GmbH, Die
Spinnerei 17-19, 6845 Hohenems,
FN 433356p. GF+GS: Slavko Belcic. GS: Adam Belcic.
Brunner Metallbau OG, Egatha
4a, 6842 Koblach, FN 433530w.
GS: Rudolf Brunner, Helmut Brunner.
Traube Braz Lorünser GmbH,
Klostertaler Straße 12, 6751 Braz,
FN 433504g. GF+GS: Christoph
Lorünser. Prok.: Marianne Tauber.
N9 Immo KG, Gallusweg 5, 6845
Hohenems, FN 433454h. GS: Günter Resch. KOMM: Birgit Resch.
Alcatraz Ges.m.b.H., Schindlersiedlung 21, 6921 Kennelbach, FN
433452f. GF+GS: Markus Schwärzler. GS: Stefan Dür.
Heuberger GmbH, Gasura 157,
6752 Dalaas, FN 430316v GF+GS:
Josef Heuberger.
Die jüngste Akquisition hoM ist
eine französische Premiumbrand
für den Mann, die neben dem
Kernmarkt Frankreich auch in
Asien stark vertreten ist. neben
diesem Markenportfolio gehören
die eigene Stoffproduktion Arula,
der Servicepartner huber tricot
und das eigene Retail, die huberShops, mit rund 75 Geschäften, zur
Firmengruppe.
huber ist im Besitz der Benger
Brands Ltd. mit Sitz in hongkong.
im Vorjahr konnte nach eigenen
Angaben der umsatz um 2,8 Prozent auf 109 Millionen € gesteigert
werden.
Den Autor des Artikels erreichen Sie
unter [email protected]
ERÖFF. INSOLVENZEN
NEU IM GESCHÄFT
Hundesalon für alle Felle-Jennifer Vogt Einzelunternehmen, Katils-Werkstrasse 5, 6714 Nüziders,
FN 433478v. Inh.: Jennifer Vogt.
national weiter zu expandieren“.
Details will er vorerst nicht nennen. Das sei noch zu früh, und es
seien intern noch Gespräche zu
führen.
Die huber holding AG machte
sich in der 100-jährigen
Geschichte mit der herstellung,
der Vermarktung und dem Vertrieb von wäsche und wäschenahen Produkten einen namen.
unter dem Dach der Konzernmutter huber holding firmieren die
Marke huber sowie das junge
wäschelabel Skiny und die klassische Exklusivmarke hanro mit
weltweiten Shops von Peking bis
new York.
ETHUS GmbH, Ketschelenstraße
5b, 6800 Feldkirch, FN 433219m.
GF+GS: Pascal Alexander Grosskopff, MSc. GS: Lukas Meusburger,
Marcel Alexander Grosskopff.
Georg Wenzel Frick.
LG FELDKIRCH
pro stein MARTINELLI Steinmetz
betriebsges.m.b.H., Montafonerstraße 18, 6780 Schruns, FN
60260v. MV: Dr. Stefan Müller,
6700 Bludenz.
(SVE)
CITYCOMP Service Ges.m.b.H.,
Steinebach 3, 6850 Dornbirn, FN
433085s. GF: Frank Hartig, Werner Nickel. GS: CITYCOMP Service
GmbH.
insolutiontec - Gesellschaft mbh,
Broxweg 10, 6780 Schruns, FN
414117x. MV: Mag. Bernd Widerin,
6700 Bludenz.
(K)
Checkatron GmbH, Marienstraße
5, 6800 Feldkirch, FN 433146f.
GF+GS: DI (FH) Gerold Böhler. GS:
Tobias Klien, Daniel Ender, Alexander Bitsche.
Mr Daggl Gastro Gesellschaft
m.b.H., Reichshofstraße 9, 6890
Lustenau, FN408962s. MV: Dr.
Gerhard Müller, 6890 Lustenau.
(K)
Ciola Bootsservice KG, Seestraße
54, 6973 Höchst, FN 320791b. MV:
Mag. Sascha Lumper, 6900 Bregenz.
(K)
(K) = Konkurs, (SV) = Sanierungsverfahren, (SVE) = Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung. Forderungen können u.a. beim Kreditschutzverband,
1120 Wien, Wagenseilgasse 7,
angemeldet werden. Tel: 050
1870-1000, Fax: 050 1870-99
1000; www.ksv.at
14 |
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
Familienunternehmen
EXPERTENTIPP
IT-SICHERHEIT
Hackerangriffe
erfolgreich
abwehren
Die Anzahl an spektakulären
Datendiebstählen hat sich laut
aktueller KPMG-Studie in den
vergangenen zwei Jahren nahezu
verdoppelt. Dabei reichen die
Ziele der hacker von Betriebsspionage über Diebstahl von personenbezogenen Daten bis hin
zu Erpressung.
unternehmen werden aus
verschiedenen Gründen zum
opfer. oft ist die Konkurrenz an
Forschungsergebnissen, Qualitätsdaten der Produktion oder
Ausschreibungsinformationen
interessiert. Beauftragte hacker
platzieren zielgerichtet ein
Schadprogramm, das sich im
unternehmenssystem verteilt
und dieses nach Datenbanken,
Projektverzeichnissen und EMail-Daten durchsucht, die anschließend oft unbemerkt ins
internet kopiert werden.
Geringe Sicherheitsniveaus. in
anderen Fällen werden unternehmen ausgewählt, bei denen
der cyberangriff aufgrund eines
geringen Sicherheitsniveaus
erfolgversprechend ist. Die
unternehmen werden über voll
automatisierte Scans, die permanent über das internet ausgeführt werden, identifiziert. wenn
zum Beispiel ein Serversystem
nicht regelmäßig upgedatet
wird, ist es den Angreifern möglich, die Gewalt darüber zu erlangen. unternehmen können
hier bereits mit einfachen Mitteln cyberangriffen vorbeugen.
wenn technische Absicherungsmaßnahmen bereits implementiert worden sind, überschätzen viele unternehmen deren Schutz. cyberkriminelle verbessern ihre techniken zunehmend, und erfolgreiche Einbrüche werden oft nicht bemerkt,
sondern als normaler it-Ausfall
behandelt. Da die hacker lediglich einen Angriffspunkt im System finden, die unternehmen
hingegen alle Schwachstellen
vermeiden müssen, ist der Aufwand für einen erfolgreichen
Angriff viel geringer als jener,
sein unternehmen zu schützen.
Erschwerend kommt hinzu,
dass die it-Abteilungen bemüht
sind, nach Systemunregelmäßigkeiten oder -ausfällen möglichst
rasch den Geschäftsbetrieb wiederherzustellen. Doch zur Erkennung eines cyberangriffs
sind oft umfassende Analyseschritte notwendig. Die Experten – sogenannte cyberforensiker – suchen in den verfügbaren Systemdaten nach der nadel
im heuhaufen, um die Existenz
eines Angreifers aufzudecken.
Erst durch die genaue Aufarbeitung kann festgestellt werden, wo der wahre Schaden liegt
und ob rechtliche Verpflichtungen zu erfüllen sind. Denn sobald während eines cyberangriffs personenbezogene Daten
wie etwa Kreditkarteninformationen betroffen sind, muss eine
Meldung nach dem Datenschutzgesetz erstattet werden.
Familienunternehmen sollten
sich darüber im Klaren sein, wo
sich ihre wichtigsten informationen befinden. Zudem ist es
notwendig, Verantwortliche für
informationssicherheit sowie
adäquate Schutzmaßnahmen zu
definieren. Die widerstandsfähigkeit gegen cyberangriffe zu
erhöhen gelingt nur dann, wenn
die it-Sicherheit im unternehmen den entsprechenden Stellenwert bekommt und die unternehmensleitung einen regelmäßigen Lagebericht erhält. Externe Audits bringen innovative
ideen zur Abwehr mit ein.
uLF
ZEhEtnER
Partner KPmG
Mit der Firewall
Die Spedition G. Engl­
mayer hat sich auf die
wachsende Bedrohung im
Internet vorbereitet: Nach­
dem das Unternehmen in
ausfallsichere Systeme
investiert hat, wurde nun
die Firewall ausgetauscht.
VOn WOlFGanG DruCKer
W
ir hatten
noch keinen Angriff auf
unser System“, sagt
Robert hacker, it-Abteilungsleiter beim Familienunternehmen
G. Englmayer. Damit dies auch so
bleibt, hat sich das oberösterreichische Logistikunternehmen
nun besser auf mögliche Bedrohungen vorbereitet. nach einer
genauen Auswahl der Produkte
am Markt – Bedienfreundlichkeit
und flexible Anpassung waren
wichtige Kriterien – hat sich das
unternehmen vor Kurzem für
eine neue Firewall-Lösung entschieden (unter dieser Art Schutzmauer versteht man eine Software,
die einzelne Computer oder das
System vor unerwünschten Zugriffen aus dem Internet schützt,
Anm.)
„in der Vergangenheit hat man
oft zugewartet“, sagt hacker. Viele unternehmen hätten erst
reagiert, wenn der Ernstfall eingetreten ist. Diese Zeiten seien
nun aber vorbei. hacker: „Eine Sicherheitsvorsorge ist längst State
of the Art.“ Das wird auch in der
Als Spedition ist das Unternehmen
Geschäftsleitung bewusst wahrgenommen.
Familienunternehmen haben
längst allen Grund, sich auf die
neue Bedrohungslage einzustellen. wie sich im vergangenen Jahr
zeigte, haben internetkriminalität
und die Zahl der Angriffe auf
computersysteme stark zugenommen. Das belegt eine Statistik
des österreichischen computer
Emergency Response team
(cERt): 2014 verzeichnete das
cERt bereits knapp 16.000 Fälle,
die tatsächlich ein Sicherheitsrisiko darstellten; über 72.000 Mal
hat die Stelle betroffene unternehmen, organisationen und Privatanwender informiert und bei
der Behebung von Problemen
unterstützt.
Stärker vernetzt
noch dramatischer sind Studien
von Beratungsunternehmen. Laut
diesen wurde in den vergangenen
zwei Jahren bereits jedes vierte
unternehmen opfer eines cyberangriffs, so die Einschätzung von
Experten. Die durchschnittliche
Schadenshöhe betrug dabei rund
400.000 €. Bei G.Englmayer muss
man gerade punkto it- und Daten-
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
Familienunternehmen
| 15
gegen neue Gefahren gerüstet
Englmayer (3)
G. Englmayer mit Kunden und Partnern gut vernetzt. Eine moderne und sichere IT-Infrastruktur ist hier besonders wichtig.
sicherheit vorne dabei sein, sagt
hacker. Denn als Spedition ist
man mit Kunden und Partnern
stärker vernetzt und it-lastiger als
in anderen Branchen.
Die neue Firewall – sie wurde an
allen 17 niederlassungen eingeführt, ist dabei aber trotzdem zentral verwaltbar – ist dabei aber nur
ein Bestandteil einer umfassenden
Sicherheitsstrategie. nachdem vor
Jahren einmal das hauptsystem
ausgefallen sei, habe man längst
auf hoch verfügbare Lösungen
umgestellt, berichtet hacker. Das
sei auch deshalb notwendig, weil
man sich heute einen it-Ausfall
kaum mehr leisten könne.
Umfassende Strategie
Bei Englmayer habe man erkannt,
dass in die it investiert werden
muss, erzählt hacker. wie viel ein
unternehmen für die Sicherung
der it-Landschaft budgetieren
muss, lasse sich aber kaum sagen,
denn zu einer umfassenden Strategie gehören viele Aspekte. Das
reicht bis hin zur Schulung von
Mitarbeitern. Eines lässt sich aber
sagen: Mit dem richtigen Konzept
kann man sich auch mit überschaubaren Budgets gut absi-
Eine Sicherheitsvorsorge ist längst
State of the Art.
ROBERT HACKER
ABTEILUNGSLEITER IT
G. ENGLMAYER
Die Spedition hat im oberösterreichischen Wels ihren Hauptsitz und
Niederlassungen in Wundschuh, Leopoldsdorf und Salzburg.
chern. Das unternehmen ist nach
dem Einbruch in der Krise wieder
auf wachstumskurs: Der umsatz
hat sich in den vergangenen fünf
Jahren fast verdoppelt – aktuell beschäftigt Englmayer rund 450 Mitarbeiter.
Den autor des artikels erreichen Sie
unter [email protected]
Die Serie „Familienbetriebe“
wird von der WirtschaftsBlatt-Redaktion in völliger Unabhängigkeit
inhaltlich gestaltet und erscheint in
Kooperation mit KPMG.
n
FAKTEN
n Das Unternehmen wurde 1858
von Martin Dollhäubl gegründet
und später nach dem Stiefsohn
und Nachfolger Georg Englmayer
benannt. 1882 wurde das Unter­
nehmen zum k. k. amtlich bevoll­
mächtigten Zollagenten, was die
Unternehmensentwicklung nach­
haltig beeinflusste.
n 1994 wurde in Ungarn die erste
Auslandsniederlassung gegründet.
Heute ist das Unternehmen mit
eigenen Töchtern auch in Tsche­
chien, der Slowakei, Rumänien,
Kroatien und Slowenien vertreten.
n Pro Jahr fertigt das Unter­
nehmen etwa 1,5 Millionen
Sendungen ab. Am Firmensitz
verfügt Englmayer über 45.000
Quadratmeter Lagerhallen und
5000 Quadratmeter Büroflächen.
Laut Firmencompass betrug der
Umsatz in Österreich rund 13 Mil­
lionen €.
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
16 |
FORUM
ONLINE-UMFRAGE
Planen Sie heuer
eine Aus- und
Weiterbildung?
25
45
%
20
10
n = 230 Stimmen; WirtschaftsBlatt
Grafik/Cmund
Nein
Ja, Hochschule
Ja, bei Wifi, bfi etc.
Ja, innerbetrieblich
45 %
25 %
20 %
10 %
Von 230 Lesern wollen sich
2015 mehr als die Hälfte
weiterbilden – ein Viertel
davon an einer Hochschule.
iMPRESSuM
Medieneigentümer, Herausgeber und
Verleger: WirtschaftsBlatt Medien GmbH,
Anschrift: Hainburger Straße 33,
1030 Wien, Telefon: 01/60 117-0
Redaktion: DW 164, Fax 259
Vorsitzender der Geschäftsführung:
Dr. Rudolf Schwarz
Geschäftsführung: Mag. Herwig Langanger
Chefredakteure: Eva Komarek,
Gerhard Hofer
Redaktionsleitung Regionalausgaben:
Markus Stingl, DW 164,
[email protected]
[email protected]
Geschäftsleitung Werbemarkt:
Romana Stelzl, DW 281,
[email protected]
Produktionsleitung: Ing. Matthias Netopilek
Marketingleitung: Brigitte Galley
Vertriebsleitung: Regina Giller
Abonnements:
[email protected]
Regionale Ansprechpartner in Vorarlberg:
Redaktion: [email protected]
Verkauf: Claudia Montoya,
0676/871970525, [email protected]
Offenlegung gem. § 25 MedienG. http://
www.wirtschaftsblatt.at/impressum
Hersteller: Druck Carinthia GmbH & Co KG
Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 Urheberrechtsgesetz,
sind vorbehalten. Gerichtsstand ist Wien.
Diskutieren Sie mit:
[email protected]
Hilfe für die Motoren
des Wachstums
G
laubt man den Statistikern, zieht die Konjunktur in Vorarlberg wieder an. während Österreichs wirtschaft im Vorjahr mit einem Plus von 0,3 Prozent real geschrumpft ist,
wuchs die wirtschaft in Vorarlberg um fast 2,5 Prozent und damit
deutlich stärker als in jedem anderen Bundesland.
Auch eine neue umfrage der wirtschaftskammer zeigt, dass die
Vorarlberger industrie die derzeitige Geschäftslage überwiegend
positiv sieht. Für 57 Prozent von 37 befragten unternehmen mit
insgesamt über 18.000 Beschäftigten war die momentane Geschäftslage gut, nur ein Prozent bewertete diese als schlecht. was
der wirtschaft hilft, sind niedrige Zinsen, ein konkurrenzfähiger
Euro und der niedrige Ölpreis.
E
s gibt aber auch dunkle wolken am horizont. So erwartet
keines der unternehmen steigende Verkaufspreise, 33 Prozent rechnen gar mit einem Preisrückgang. Dennoch wollen
37 Prozent in den kommenden drei Monaten Mitarbeiter einstellen. und noch etwas zeigt sich in einer aktuellen untersuchung:
Zwar führt Vorarlberg im Bundesländervergleich auch, was die
Exportorientierung anbelangt: 42 Prozent aller Betriebe machen
umsätze mit ausländischen Kunden. Zum Vergleich: in der Steiermark sind laut KMu-Forschung nur sieben Prozent der Betriebe
exportorientiert. Der Anteil exportierender unternehmen und die
Exportquote differieren aber stark nach unternehmensgröße. in
vielen Kleinst- und Kleinbetrieben mangelt es laut Experten weniger an exportfähigen Produkten, sondern eher an den notwendigen
Ressourcen.
All das zeigt eigentlich auch die Stoßrichtung an, die Politik,
aber auch wirtschaftsverbände in der Zukunft verfolgen müssen:
Es gilt, neben den Rahmenbedingungen für große industrielle Leitbetriebe vor allem auch die Situation für junge und kleine unternehmen zu verbessern. hier braucht es Kraftanstrengungen, Bürokratieabbau, coaching, Förderungen und vor allem mehr weitblick. Die meisten der großen Vorarlberger industriebetriebe wurden in den vergangenen 70 Jahren gegründet.
was wir also jetzt fördern, sichert unternehmen und
Jobs in den kommenden Jahren.
MARtin RÜMMELE
[email protected]
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
Forum
| 17
ZITAT
Trotz des Milchquoten-Endes werden sich die
Anforderungen an die Vorarlberg Milch nicht ändern.
Marcel Hagen
RAiMunD wAchtER
Geschäftsführer Vorarlberg Milch
ANGESPITZT
Illustration: Michael Riedler
WIRTSCHAFTSBLATT REGIONAL IHR TEAM
Martin Rümmele [rüm]
Der gebürtige Vorarlberger
schreibt über wirtschaftliche
Ereignisse in der Region.
Martina Madner [mad]
Die Arbeitsmarktexpertin
schreibt über Bildung, Karriere
und Unternehmen.
Alexander Pfeffer [pepe]
Der Redakteur leitet das Ressort
Business­Talk in allen Wirt­
schaftsBlatt­Publikationen.
[email protected]
[email protected]
[email protected]
Markus Stingl [mast]
Leitet das Regionalressort im
WirtschaftsBlatt. Berichtet über
relevante Themen für Betriebe.
Melanie Manner [man]
Die Journalistin berichtet
über Immobilienprojekte
in den Bundesländern.
Christoph Pridun [chp]
Berichtet über wirtschaftliche
Events und Unternehmensveran­
staltungen in Ihrem Bundesland.
[email protected]
[email protected]
[email protected]
Claudia Peintner [clp]
Die Journalistin schreibt über
Neuigkeiten aus den Unter­
nehmen und Branchenthemen.
Michael Vorauer [vorm]
Beobachtet die Unternehmens­
landschaft und schreibt über
Wirtschaftsthemen.
ANZEIGENKONTAKT Claudia
Montoya ist Ihre Ansprechpartnerin in Vorarlberg.
[email protected]
[email protected]
[email protected], Telefon: 0676/871 970 525
REDAKTION [email protected] Telefon: 01/60 117-0 DW 164, Fax 259
18 |
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
Branchenreport
TAGUNGEN
Kongressanbieter dürfen sich
Nach dem Motto „Wer
stehen bleibt, verliert“
investiert die heimische
Tagungsbranche in Seminarräume, Gemüsegärten
oder Autohäuser. Die Bedeutung von Technik und
Green Meetings nimmt zu.
Von caUDIa peIntner
D
ie Lage im herzen
Europas macht Österreich offenbar
zu einer beliebten
Destination für
tagungen. Die Anzahl der Kongresse, Firmentagungen und Seminare stieg 2014 im
Vergleich zum Vorjahr um 9,7 Prozent auf 17.028 Veranstaltungen
österreichweit. Von den 1.460.750
teilnehmern kam rund ein Drittel
aus dem Ausland.
So weit die offiziellen Zahlen.
Ein wirtschaftsBlatt-Rundruf
quer durch Österreichs Bundesländer zeigt: Die herausforderungen in der Branche sind groß –
mitunter wird aus diesem Grund
in die infrastrukur investiert – in
wien laut Kritikern allerdings zu
wenig.
tatsache ist: Die wirtschaftskrise wirkt sich seit einigen Jahren
bei der Kooperationsfreudigkeit
von Ausstellern und Sponsoren
negativ aus. Darauf zurückzuführen ist auch, dass im Vorjahr auf
nationaler Ebene etwa die teilnehmeranzahl pro Event um 9,3
Prozent zurückging, die durchschnittliche Dauer einer tagung
um 4,1 Prozent. „Das Geschäft im
Seminarbereich stagniert“, sagt
Gerald Stoiser, Direktor des steirischen thermenhotels Stoiser.
Denn Seminare und weiterbildung werden als Erstes gestrichen, wenn es ums Kosteneinsparen gehe. Als hotel müsse man
sich für diese Kundengruppe
„stark positionieren“ und „Bereichen, die in die Jahre gekommen
sind, ein neues outfit geben“.
Flipchart auf der Wiese
Das thermenhotel investiert
heuer 3,3 Millionen €: Seminarräume mit direktem Zugang in
den Gartenbereich werden erneuert und mit einer Klimaanlage
ausgestattet, Pausenräume werden umgebaut, und es entsteht ein
Ruheraum speziell für Gesundheitsseminare.
in der Steiermark hat auch das
Grazer Palais-hotel Erzherzog Johann seine Seminar- und Bespre-
chungsräume modernisiert.
neben dem thermenhotel Rogner Bad Blumau entsteht derzeit
ein Bio-Acker. Es wird Gemüse
angebaut, das später von Seminargästen geerntet und mit dem Küchenchef des hotels gemeinsam
zubereitet werden soll.
Laut einer umfrage des Austria
convention Bureau (AcB) beträgt
das investitionsvolumen im tagungssegment von 2012 bis 2017
rund 138 Millionen €. Dabei wird
vor allem in technik, Ausstattung
und Modernisierung investiert.
Bis zum Jahr 2017 sind es noch 33
Millionen €, die Kongresszentren,
hotels und co. ausgeben wollen.
Schaut man sich aktuelle Baustellen an, werden es wohl deutlich
mehr sein: Das congresszentrum
Alpach wird unter anderem um
DEFINITIONEN
n Kongresse sind ein- bis mehrtägige Zusammenkünfte von Personen zum beruflichen Austausch.
Ziel: die Vermittlung von aktuellen
Fachkenntnissen und Networking.
n Firmentagungen sind geschäftlich orientierte Meetings mit mindestens zehn Teilnehmern, die dasselbe Unternehmen, dieselbe
Unternehmensgruppe, Joint Ventures oder Kunden-Lieferantenbeziehungen repräsentieren.
n Seminare haben einen intensiven Schulungscharakter für ein
Fachpublikum. Generell weisen
Seminare weniger Teilnehmer und
eine kürzere Dauer auf.
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
Branchenreport
| 19
nicht auf Lorbeeren ausruhen
Beigestellt
Die Trends.
Interaktiv,
variabel
und grün
„Eine gute Location reicht
nicht aus“, weiß thomas Ziegler, Direktor des Design center Linz. Es brauche ein Rundum-wohlfühl-Paket, das Kunden von einem einzigen Ansprechpartner geschnürt bekommen. wer sein Meeting
abwechslungsreich gestalten
will, könne mit zusätzlichen,
auf das tagungsthema abgestimmten Locations zum Perspektivenwechsel anregen. Es
gebe auch viele Sitzvarianten,
die dazu beitragen, dass die
inhalte einer Veranstaltung im
Gedächtnis bleiben.
Teilnehmer reden mit
Die heimische Tagungswirtschaft ist 2014 weiter
gewachsen – Veranstalter
wie das Congresszentrum
Alpach investieren in die
Infrastruktur.
einen zweiten, 426 Quadratmeter
großen Plenarsaal sowie drei weitere Seminarräume erweitert. Die
Gesamtkosten, die sich das Land
tirol, die Europaregion tirolSüdtirol–trentino sowie Gemeinde und tourismusverband teilen,
belaufen sich auf 9,7 Millionen €.
Neue Tagungshochburgen
in Feldkirch eröffnete zu Jahresbeginn das Monforthaus nach
zweijähriger umbauphase. in das
Kongress- und Veranstaltungszentrum flossen 44,1 Millionen €.
Für 28 Millionen € sollen bei der
Messe Dornbirn heuer statt vier
kleinerer Standorte zwei große
hallen errichtet werden. Dadurch
sei man für neue Veranstaltungstypen verwendbar, heißt es von
den Betreibern.
Auch Mattersburg im Burgenland soll ein neues Kulturzentrum
bekommen. Das herzstück werde
ein Saal mit einem Fassungsvermögen von 600 Personen sein.
Die multimediale technische Ausstattung aller Veranstaltungsräumlichkeiten sei auf den aktuellen Stand der technik zu bringen, sagt wolfgang Kuzmits, Geschäftsführer der Kultur-Service
Burgenland Gmbh, die die fünf
burgenländischen Kulturzentren
betreibt.
intensiv in die Erneuerung investiert wird auch in Salzburg: Für
13 Millionen € wurde das hotel
crowne Plaza um das Pitter Event
center sowie um den Restaurantund Barbereich erweitert. in der
Pipeline befindet sich in Salzburg
ein neues Messehotel in der Josef-
Brandstätter-Straße, Betreiber ist
die Rhedey & haslacher hotelinvest Gmbh. Das tagungshotel
Gut Brandlhof in Saalfelden investiert 2,2 Millionen € in die Modernisierung der Zimmer sowie in
ein neus Autohaus, das für Automobilveranstaltungen genutzt
werden soll. „Die nachfrage nach
außergewöhnlichen Locations
steigt“, erklärt Gernot Marx, Geschäftsführer des Salzburg convention Bureau. Anbieter seien
gefordert, in die technische infrastruktur zu investieren: „wer stehen bleibt, der verliert.“
„Die herausforderung liegt in
der Realisierung interaktiver
Veranstaltungsformate, im Besetzen von Green-MeetingKonzepten und dem Einsatz
innovativer technik“, heißt es
wichtig ist, trends zu erkennen – und die kommen zumeist aus den uSA. Deswegen
ist Ziegler Mitglied bei MPi,
dem weltweit größten Verband der Meeting- und Eventindustrie, der 18.000 Mitglieder vereint. Paul Van Deventer, Präsident und cEo von
MPi, fasst trends zusammen:
tagungsteilnehmer wollen
mitbestimmen, worüber gesprochen wird, kommentieren, bewerten und themen
weiterentwickeln – globale
Vernetzung inklusive. Kongresse werden zu netzwerkPlattformen und dienen zur
Karriereplanung. Auch internationale Forschungsgruppen
finden zueinander. nachhaltigkeit wird wichtiger. Das
Durchführen von Veranstaltungen nach Richtlinien des
umweltzeichens für „Green
Meetings und Green Events“
ist bereits oft Bestandteil von
Ausschreibungen.
[sail]
[email protected]
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
Branchenreport
20 |
ÖSTERREICHS TAGUNGSINDUSTRIE 2014
Veranstaltungen Zahlen, absolut
Kongresse
Firmentagungen
Burgenland
Kärnten
54
76
557
191
Oberösterreich
306
Steiermark
Tirol
Vorarlberg
Wien
18
178
Niederösterreich
Salzburg
Nächtigungen
Seminare
630
681
331
1697
418
548
411
203
579
218
167
386
1458
232
2124
629.171
264
440
396
2.131.565
182
4283
Zahlen, absolut
Burgenland
Niederösterreich
54.142
Salzburg
Firmentagungen in Österreich seit 2010
3705
5532
6611
6964
7088
+91%
12.178
40.577
Oberösterreich
Steiermark
Tirol
Vorarlberg
145.130
2011
2012
2013
153.188
208.339
Kritik an Wien
wien ist mit knapp der hälfte
aller Veranstaltungen das Flaggschiff der heimischen tagungsbranche. Dies liege „an der guten
infrastruktur und dem hohen
niveau der wiener hotellerie“,
sagt Peter Baierl, organisator des
europäischen Radiologenkongresses. Allerdings kritisiert er,
dass Einnahmen aus den Kongressen nicht ausreichend wieder
in den Ausbau der Kongress- und
tagungsindustrie investiert
werden (siehe Interview rechts).
„wir können historische häuser wie die hofburg oder das
Austria center nicht einfach
abreißen, sondern nur ein Finetuning vornehmen“, kontert
christian Mutschlechner, Präsident des AcB. Die hotellerie
investiere laufend in tagungsräumlichkeiten. Auch Kongressteilnehmer würden zudem von
investitionen in die öffentliche
infrastruktur profitieren.
Die autorin des artikels erreichen Sie
unter [email protected]
701
17.211
4.683
32.853
6.147
29.125
8.246
1.198.720
18.636
41.165
8.979
60.410
5.089
25.303
85.156
291.975
4.900
k.A.
2014
Quelle: Meeting Industry Report Austria 2014
vom convention Bureau oberösterreich. Vor allem für die großen Kongresszentren sei es eine
herausforderung, im internationalen wettbewerb zu bleiben,
betont Edith Mader vom convention Bureau niederösterreich.
7.557
123.572
234.135
Wien
2010
Firmentagungen Seminare
Kongresse
Kärnten
57.381
WirtschaftsBlatt
Grafik/mp
Nachgefragt. „einnahmen reinvestieren“
WirtschaftsBlatt: Herr Baierl, Sie
organisieren den europäischen
Radiologenkongress, den mit
20.000 Teilnehmern größten Kon­
gress in Österreich. Worauf legen
Veranstalter am meisten Wert?
Peter Baierl: wirtschaftliche und
zeitliche Ressourcen werden
knapper und somit kann man als
Veranstalter nur mit einem Angebot punkten, das Jahr für Jahr
auf dem neuesten Stand ist und
einen deutlichen Mehrwert bietet. Entscheidend für die Zufriedenheit der Kunden sind auch
das professionelle Management
der Ausstellung sowie eine Location mit entsprechender optik
und technik, die keinen internationalen Vergleich scheuen muss.
Wo gibt es in Österreich Ver­
besserungspotenzial?
was klar gesagt werden muss,
ist, dass wien bei investitionen
in die Kongress- und tagungsindustrie ganz klar hinter anderen Metropolen wie Paris oder
Barcelona liegt. Das beginnt bei
den nicht vorhandenen investitionen in ein modernes Kongresszentrum auf internationalem niveau und endet dabei, dass
es nicht möglich ist, dass Kon-
gressteilnehmer mit ihren Eintrittskarten die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen können.
Die Zahlen der Tagungsindustrie
entwickeln sich dennoch seit
Jahren sehr positiv.
wien erzielt jedes Jahr großartige Ergebnisse, und wir Veranstalter bringen Millionen an
Steuergeldern und hunderte gesicherte Arbeitsplätze. Von einer
sinnvollen Verwendung dieser
Gelder, um den Kongressstandort
noch stärker zu machen, sehe ich
Foto Wilke
Peter Baierl ist CEO der
European Society of Radiology.
allerdings nichts. Die Steuereinnahmen aus dem wiener tagungssektor ergaben 2014 insgesamt 253,5 Millionen €, davon gingen 166,9 Millionen an den Bund
und 30,4 Millionen an wien.
Gibt es in Österreich zu viele Kon­
gresszentren, die sich gegenseitig
Konkurrenz machen?
nein, aber es sollte ein Kongresszentrum geben, welches
einem internationalen Vergleich
standhält und auch einen Kongress mit 20.000 teilnehmern
aufwärts optimal bedienen kann.
Wo liegen künftig die Herausfor­
derungen für Veranstalter?
Die Kongressteilnehmer sind
heute nicht nur mehr jene vor
ort, sondern auch all jene, die
per Pc oder Smartphone von
überall auf der welt daran teilnehmen wollen. Für beide Zielgruppen gilt es, optimal zugeschnittene Angebote zu liefern.
wir streamen zum Beispiel unseren gesamten Kongress in Echtzeit über das internet, und auch
nach dem Kongress sind alle
inhalte online verfügbar. [clp]
[email protected]
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
KonjunKtur
| 21
UMFRAGE
Vorausgedacht ...
Jeden Monat bitten wir Unternehmer und Manager aus führenden Betrieben um ihre Meinung zu
dringlichen Fragen in den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Politik oder Forschung. Darüber hinaus geben
diese regionalen Entscheider eine Schnelleinschätzung zur aktuellen Konjunkturlage.
„Österreich hinkt beim Thema Innovation laut aktuellem
EU-Bericht hinterher. Welche Maßnahmen müssen gesetzt
werden, um gegenzusteuern?“
GESchÄFtSFÜhRER LÄnGLE
& hAGSPiEL
JuttA
FRicK
GESchÄFtSFÜhRERin
GESunDhotEL
BAD REuthE
chRiStiAn
wEnZLiK
GESchÄFtSFÜhRER i+R BAu
GMBh
GESchÄFtSFÜhRERin
KuGELFinK GMBh
GÜntER
GRABhER
GESchÄFtSFÜhRER GRABhER
GRouP
inhABER
AutohAuS
MAnFRED
ELLEnSohn
werden von der Bürokratie gebremst.
Dadurch verliert das Unternehmertum
die Lust am Unternehmersein. Was gesagt werden muss: Wir leben von der
Wirtschaft und nicht von der Politik.
■ Ein wichtiger Punkt ist die Entbürokratisierung. Die Unternehmen sollten
sich auf ihre Arbeit konzentrieren können und nicht ständig mit Dokumentationspflichten und bürokratischen Hür-
den beschäftigt sein. Diese Pflichten
bremsen die Kreativität aus, da wichtige Energien und Motivation gestoppt
werden, die ansonsten im kreativen
Potenzial landen würden.
!
■ Es braucht zusätzliche Finanzmittel
für unsere Hochschulen; einen erleichterten Zugang zu Risikokapital in den
Gründungsphasen neuer Unternehmen. Zusätzlich wäre es notwendig,
das Gewerberecht aufzufrischen und
für heutige und zukünftige Anforderungen zu erneuern.
!
■ Ein innovationsfreundliches Wirtschaftsumfeld benötigt einen deutlichen Abbau der Bürokratie und der
Überregulierung. Innovative Maßnahmen – auch von KMU – sollten stärker
gefördert werden. Um wettbewerbsfähig und innovativ am Markt agieren zu
können, brauchen wir Unternehmer
auch finanzielle Entlastungen, z.B. bei
den Lohnnebenkosten.
■ Reine innerbetriebliche Innovationen
sind nicht mehr ausreichend. Schlagworte wie Industrie 4.0 oder das Internet der Dinge erfordern industrieübergreifende Innovationen und kooperati-
ve F&E. Vorarlberg bietet hier hervorragende Möglichkeiten und Unterstützung (WISTO), die als Maßnahmen nur
noch von den Unternehmen selbst umgesetzt werden müssen.
■ Mehr öffentliche Unterstützung für
Forschungskosten, internationale Wissenschaftler und Spezialisten forcieren
und unterstützen, die Ausbildung technischer Berufe und Hochschulen von
öffentlicher Hand mehr unterstützen
und lukrativer machen.
!
MAnFRED
ELLEnSohn
Es mangelt nicht an der Innovationskraft der Unternehmer, sondern an der
Zeit, sich wieder mehr dem Unternehmertum zu widmen. Stattdessen müssen unnütze Dinge erledigt werden, wir
! !
KARin
FinK-LooS
■
!
GÜntER
SchoBEL
Wie entwickelt
sich die
Konjunktur?
Beigestellt (4), Hotel Bad Reuthe, Walser
22 |
Recht & SteueRn
FINANZIERUNG
Hürden bei
Gründung im
Bereich Biotech
wiEn. Die Produktentwicklung dauert bei Biotech-Firmen
lange – vier bis fünf Jahre sind
keine Seltenheit. Große Venture-capital-investoren (Vc)
steigen nicht am Anfang ein,
sondern erst, wenn positive
Entwicklungen da sind.
Die erste Zeit überbrücken
die meisten unternehmen daher mit Privatinvestoren (Business Angels). Rechtlich ist dabei auf Folgendes zu achten:
„Die Gründungsgesellschaft
sollte so ausgestaltet sein, dass
auf weitere Finanzierungsrunden, den Beitritt von Vc-investoren sowie Exit-Szenarien
bei Erfolg oder Scheitern Bezug genommen wird“, sagt
hannes havranek, Partner der
Phh Prochaska havranek
Rechtsanwälte Gmbh in wien.
Unternehmenswert
wer umgründungen im nachhinein vermeiden möchte, sollte bereits beim Start eine Kapitalgesellschaft gründen. „Vcinvestoren stecken ihr Geld
fast nur in Kapitalgesellschaften. Die von Business Angels
präferierte Gmbh & co KG
wird eher abgelehnt“, so havranek. Für die Gründer wichtig
sei zudem ein Verwässerungsschutz, damit es nicht zu starken Anteilsverschiebungen zugunsten der Vc-investoren
kommt. Für zukünftige Finanzierungsrunden sollte ein angemessener unternehmenswert herangezogen werden,
auch wenn dieser laut havranek schwierig zu ermitteln ist.
Liquidationspräferenzen der
investoren oder Rückkaufspflichten, wenn einzelne investoren aussteigen, können Projekte früh kippen lassen. Stattdessen sollten die Gründer ein
Mitverkaufsrecht aushandeln.
„im optimalfall sind investoren vertraglich verpflichtet, ab
einer Mindestverkaufssumme
zu verkaufen“, konstatiert havranek.
[clp]
[email protected]
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
GASTKOMMENTAR
Nicht alle
Entnahmen
sind erlaubt
Während es für einen Einzelunternehmer
oder Gesellschafter einer Personengesellschaft selbstverständlich ist, Geldmittel aus
dem Betrieb zu entnehmen, gelten bei einer
GmbH strenge Kriterien – Vorsicht vor Fallen!
D
ie Gmbh ist die beliebteste Gesellschaftsform zur Entfaltung unternehmerischer tätigkeit in Österreich. Das zeigt schon ein Blick auf
die Statistik: Es gibt weit über 100.000 im Firmenbuch registrierte Gmbhs. Seit 2014 ist die
Gründung einer Gmbh bereits mit einem
Startkapital von 5000 € möglich.
wenn die Gmbh Gewinn erwirtschaftet,
stellt sich die Frage: wie bekommt ein Gesellschafter das Geld aus einer Gmbh wieder heraus? Das Gmbh-Gesetz ist streng und lässt
grundsätzlich nur Entnahmen in Form von Gewinnausschüttungen zu. Auf Basis eines Jahresabschlusses kann eine Gewinnausschüttung beschlossen und an den Gesellschafter
ausgeschüttet werden. Dafür fallen – bis Ende
2015 – 25 Prozent Kapitalertragsteuer an. Ab
2016 werden 27,5 Prozent an das Finanzamt
abzuführen sein.
Geschäftsführervertrag. Eine andere Möglichkeit besteht darin, als Geschäftsführer der
Gmbh ein honorar zu beziehen. Dafür empfiehlt sich der Abschluss eines Geschäftsführervertrages. Der Gesellschafter-Geschäftsführer muss diese Einkünfte der Einkommensteuer unterwerfen und Sozialversicherungs-
Bei Annahme einer verdeckten
Gewinnausschüttung fallen
25 Prozent KESt an.
beiträge entrichten. weiters fallen Lohnnebenkosten in höhe von ca. acht Prozent an. Sollte
eine Auszahlung des Geschäftsführerhonorars
an den Gesellschafter unterbleiben, kann eine
Versteuerung durch den Gesellschafter nur
dann vermieden werden, wenn die Gesellschaft
zahlungsunfähig ist. Es ist in der Praxis üblich,
dass ein Gesellschafter Geld aus der Gesellschaft entnimmt und diese Entnahmen auf
einem Verrechnungskonto gebucht werden.
im Rahmen von Betriebsprüfungen bei der
Gesellschaft stellt sich die Frage, ob die Überlassung von Geld an den Gesellschafter – vergleichbar mit einem Darlehen – eine Forderung am Verrechnungskonto darstellt oder als
verdeckte Gewinnausschüttung anzusehen ist.
Bei Annahme einer verdeckten Gewinnausschüttung wird nämlich – so wie bei einer
offenen Gewinnausschüttung – die Kapitalertragsteuer (KESt) von 25 Prozent vorgeschrieben.
Sowohl das Bundesfinanzgericht (BFG) als
auch der Verwaltungsgerichtshof (VwGh) haben sich mit dieser thematik oftmals beschäftigt. in mehreren in den letzten Monaten ergangenen Entscheidungen des VwGh wurde
die Annahme einer verdeckten Gewinnausschüttung abgelehnt. Der Verwaltungsgerichtshof hat dabei betont, dass keineswegs
grundsätzlich davon ausgegangen werden
kann, dass eine „Entnahme“ von Geldmitteln
durch den Gesellschafter aus der Kapitalgesellschaft eine verdeckte Gewinnausschüttung
darstellt. Daraus kann abgeleitet werden, dass
nicht von einer verdeckten Ausschüttung auszugehen ist, wenn von der Gesellschaft dem
Gesellschafter ein Vorteil (zum Beispiel Geld)
zugewendet wird und zeitnah durch eine Forderung gegenüber dem Gesellschafter ausgeglichen wird.
Ebenso wenig liegt eine verdeckte Gewinnausschüttung vor, wenn ein Gegenstand von
der Gmbh zu einem fremdüblichen Preis an
den Gesellschafter verkauft wird und im
Gegenzug keine Barzahlung erfolgt, sondern
von der Gmbh eine Forderung eingebucht
wird. Eine verdeckte Ausschüttung kann dann
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
Recht & SteueRn
| 23
iStock, Pöschl & Partner
Wenn die Kapitalertragsteuer
im Jahr 2016 von 25 auf 27,5
Prozent angehoben wird, sollte
überlegt werden, Gewinnausschüttungen noch vor Jahresende vorzunehmen.
angenommen werden, wenn keine durchsetzbare Forderung bei der Gesellschaft vorliegt,
was anzunehmen wäre, wenn der Gesellschafter im Zeitpunkt des Geldflusses über keine
ausreichende Bonität verfügt und auch keine
entsprechenden Sicherheiten beigebracht
worden sind.
Bonität. Das BFG hat allerdings 2015 in einem
anderen Fall entschieden, dass eine Forderung
der Gesellschaft gegenüber dem Gesellschafter nur dann anerkannt werden kann, wenn
ein entsprechender Kreditvertrag und Gesellschafterbeschluss vorliegen, eine Bonitätsprüfung unter Berücksichtigung des Einkommens
des Gesellschafters und seiner sonstigen Belastungen stattgefunden hat und Zinsen vorgeschrieben werden. ungeachtet der für Gesellschafter durchaus positiven Entscheidungen des VwGh ist bei Führung eines Verrechnungskontos daher mit großer Sorgfalt vorzugehen und zu beachten, dass eine Verzinsung
und Rückzahlung schriftlich vereinbart und
die Fälligkeiten auch eingehalten werden. weiters sollte die Bonität des Gesellschafters geprüft und die Prüfergebnisse dokumentiert
werden. Bei Verschlechterung der Bonität
muss die Gesellschaft Einbringungsmaßnahmen setzen, damit es nicht zu einer verdeckten Gewinnausschüttung kommt.
GÜnthER wiLLER
ist Steuerberater und Partner bei Pöschl
& Partner in Kärnten. Spezialgebiete:
Kapitalgesellschaften, Umgründungen,
Privatstiftungen und Immobilien.
ANZEIGE
24 |
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
Bildung
0 KURSE
DORNBIRN
Abenteuer Change Management, Mi,
10.06.2015, 09:00-17:00 Uhr, Kosten:
828 €, Martinspark Hotel, Mozartstraße
2, 6850 Dornbirn, Tel.: 0316/71 89 4025, [email protected], www.integratedconsulting.at
Die Macht der Stimme, 15. + 16.06.2015
Mo 09:30-17:30 Uhr, Di 08:30-16:30
Uhr, Kosten: 410 €, Wifi, Bahnhofstraße
24, 6850 Dornbirn, Tel.: 05572/38 94459, [email protected],
www.vlbg.wifi.at
Zeitmanagement und Arbeitstechnik,
07. + 08.07.2015, Di + Mi 08:30-17:00
Uhr, Kosten: 345 €, Wifi, Bahnhofstraße
24, 6850 Dornbirn, Tel.: 05572/38 94473, [email protected], www.
vlbg.wifi.at
FELDKIRCH
Resilienz – die innere Widerstandsfä­
higkeit, Mo 22.06.2015, 09:00-18:00 Uhr,
Kosten: 225 €, BFI der AK Vorarlberg,
Widnau 2-4, 6800 Feldkirch, Tel.:
05522/70200-4105, angelika.madlener@
bfi-vorarlberg.at, www.bfi-vorarlberg.at
Mein souveräner Auftritt, 06. +
07.07.2015, Mo + Di 09:00-18:00 Uhr,
Kosten: 365 €, BFI der AK Vorarlberg,
Widnau 2-4, 6800 Feldkirch, Tel.: 05522/
70 200-4103, [email protected], www.bfi-vorarlberg.at
HOHENEMS
Lehrlingsausbildertraining mit Fach­
gespräch, 15.06.-15.07.2015, Mo + Mi
18:00-22:00 Uhr, Kosten: 480 €, Lernlabor, Graf-Maximilian-Straße 18, 6845 Hohenems, Tel.: 0676/846 568 220, office@
lernlabor.at, www.lernlabor.at
NENZING
Grundlagen der Kommunikation, 23. +
25.06.2015, Di + Do 13:00-17:00 Uhr,
Kosten: 190 €, Lernlabor, Wirtschaftspark Walgau, 6710 Nenzing, Tel.:
0676/846 568 220, [email protected],
www.lernlabor.at
Sie haben auch einen Kurs anzukündigen? Senden Sie die Infos bitte
an [email protected]
AUSZEICHNUNG
X Nachhaltig Böden
bewirtschaften
BREGENZ. Der heurige land- und
forstwirtschaftliche Zukunftspreis „I luag druf“ ist dem Thema
Boden gewidmet. Neben einer
Trophäe winkt einem Schulprojekt sowie je einem aus der
Landwirtschaft und der Gastronomie ein Preisgeld von 800 €
für nachhaltige Bodenbewirtschaftung. Projekte können bis
18. September eingereicht werden. Die Preisverleihung findet
im Rahmen der Ländle Gala am
20. November 2015 statt. [mad]
www.laendle.at/zukunftspreis
KARRIERE
Neue Studien
punkten mit
Praxisnähe
Im Herbst beginnt auf
Schloss Hofen nicht nur
ein neuer Seilbahn-Lehrgang: Drei HochschulLehrgänge werden neu
konzipiert. An der FH Vorarlberg startet ein berufsbegleitender Bachelor.
Doppelmayr ist sowohl finanziell als auch mit Referenten aus
dem unternehmen am Lehrgang
beteiligt. Auch andere unternehmen aus der Branche stellen
Dozenten und waren an der Entwicklung des Studiengangs beteiligt. „Er wurde mit dem who is
who der Seilbahnwirtschaft entwickelt“, sagt Längle.
VOn MATTHiAS nAgl
Runderneuerung
D
as weiterbildungsinstitut der Fachhochschule
Vorarlberg, Schloss hofen in Lochau, bietet ab
herbst ein runderneuertes Studienprogramm. Ganz neu ist der
akademische Lehrgang für Seilbahntechniker, der im September
startet und in Kooperation mit
Doppelmayr angeboten wird.
Der Lehrgang richte sich sowohl an Seilbahnhersteller als
auch -betreiber, erklärt Rainer
Längle, Sprecher von Schloss hofen: „Einerseits geht es in Richtung Management, andererseits in
Richtung Engineering. Das erste
Semester bildet die gemeinsame
Basis, dann teilt es sich in diese
beiden Spezialisierungsrichtungen“. international sei die Ausbildung ein novum. Vergleichbar sei
lediglich ein Lehrgang in der
Schweiz. Dieser schließt mit dem
titel eidgenössisch diplomierter
Seilbahnfachmann ab.
Der neue berufsbegleitende
Lehrgang dauert vier oder fünf Semester, je nachdem, ob mit dem
akademischen Fachexperten oder
mit dem Master abgeschlossen
wird. Somit ist er auch ausdrücklich als Fortbildung für Beschäftigte, die bereits bei Seilbahnbetrieben – in Österreich sind das
hauptsächlich Skiliftgesellschaften – arbeiten, gedacht.
Doch auch bei anderen Lehrgängen hat sich Schloss hofen neu
aufgestellt. Die drei hochschullehrgänge für Marketing, controlling sowie Personal- und organisationsentwicklung wurden neu
konzipiert. „wir haben die neuesten tendenzen, was die Managementforschung betrifft, einfließen lassen, beim controlling
beispielsweise die neuen Anfor-
Das ist eine sehr
praxisorientierte
Veranstaltung.
MARTIN PIBER
PROFESSOR
UNIVERSITÄT
INNSBRUCK
Studierende profitieren vom Praxisderungen von Basel ii und iii“, erklärt Martin Piber, Professor an
der universität innsbruck, der die
neukonzeption auf Schloss hofen
durchgeführt hat.
Alle drei Lehrgänge sind nun
dreistufig aufgebaut. Vor den
eigentlichen Lehrgängen gibt es
einen zweimonatigen Kurzkurs in
den Grundlagen des Managements. Danach folgen die drei
Spezialisierungsstufen für Marketing, controlling sowie Personalund organisationsentwicklung,
die über drei Semester laufen und
mit dem akademischen Fachexperten abschließen. Daran anschließend kann ab Sommer 2016
noch ein Executive Master absolviert werden.
Praxisnähe für Berufstätige
Die Lehrgänge auf Schloss hofen
besuchen überwiegend berufstätige Studierende. So fließen bewusst inhalte aus den Firmen, die
für Praxisnähe sorgen, mit ein. im
controlling-Lehrgang gibt es etwa
wahlmodule, die sich speziell an
Konzernstrukturen oder Familienbetrieben orientieren, aber
auch bei den Kamingesprächen
mit Dozenten sei aufgrund des
Praxisbezugs der Studierenden
ein ganz anderes Diskussionslevel
möglich. „Das ist eine sehr praxis-
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
Bildung
| 25
colourbox.de, Beigestellt
orientierte Veranstaltung“, stellt
Piber fest.
Auch an der Fh Vorarlberg wird
ab herbst mit dem Bachelorstu­
diengang zur Sozialarbeit eine
neue Ausbildung angeboten. „Es
gab sowohl vonseiten der interes­
senten als auch vonseiten der
Arbeitgeber die nachfrage da­
nach“, sagt Studiengangsleiter
Michael himmer. Erstmals in Ös­
terreich geht dabei der Bachelor
für 15 Studienplätze regulär über
sieben Semester, „um der Arbeits­
belastung Rechnung zu tragen“,
sagt himmer. Auch dieser Lehr­
gang kooperiert bei Forschungs­
projekten mit Betrieben: „Bei uns
sind es klassische non­Profit­or­
ganisationen wie die caritas oder
SoS Kinderdörfer.“
den Autor des Artikels erreichen Sie
unter [email protected]
NEUE RANKINGS
n Fachhochschulen: 38 Studien-
bezug, den die Unternehmen in die neuen Lehrgänge einbringen.
gänge in den Fachbereichen Informatik und Pflegewissenschaften
aus sieben österreichischen Fachhochschulen nahmen heuer am
Ranking des deutschen Centrums
für Hochschulentwicklung teil. Besonders gut abgeschnitten hat mit
17 Spitzenplatzierungen die FH
Oberösterreich in Hagenberg mit
16 Informatik-, Kommunikationsund Medienstudiengängen.
Ebenfalls weit vorn: die FH Vor-
arlberg mit Informatik und die
FH St. Pölten mit IT-Security.
n MBA: „Welches postgraduale
Studienprogramm würden Sie
empfehlen?“, fragt das Meinungsforschungsinstitut IMAD jährlich
182 Arbeitgeber in Österreich.
Platz eins belegte heuer die
Donau-Uni Krems (Empfehlungsquote: 42 Prozent, Bekanntheitsgrad: 95,4 Prozent) vor der WU
Executive Academy und dem MCI.
ANZEIGE
0 PROJEKTE
VORARLBERG
Stadt Bludenz, Baumeisterarbeiten Altstadt Bludenz, Abgabe: 16.06.2015,
11:00 Uhr
Stadt Bludenz, Baumeisterarbeiten für
den Austausch von Trinkwasserleitungen - Ferdinand Gaßner Straße, Abgabe: 10.06.2015, 11:00 Uhr
Gemeinde Höchst, Neubau Volksschule
Unterdorf - Elektroinstallationen, Abgabe: 09.06.2015, 11:00 Uhr
Gemeinde Höchst, Neubau Volksschule
Unterdorf - Lüftungsanlage, Abgabe:
09.06.2015, 10:00 Uhr
Stadt Hohenems Immobilienverwaltungs- GmbH & Co KG, Betonsanierungen und Malerarbeiten - 6845 Hohenems, Schubertstraße 10, Abgabe:
14.07.2015, 10:00 Uhr
Bundesbeschaffung GmbH, Lieferung
von Auftausalz - Losvergabe, Abgabe:
30.06.2015, 10:00 Uhr
ASFINAG Autobahnen- und Schnellstraßen- Finanzierungs-AG, S6 Semmering Schnellstraße, Sanierung Regenwasserkanalisation, ABM Warth, Abgabe: 18.06.2015, 10:00 Uhr
Autobahnen- und Schnellstraßen- Finanzierungsaktiengesellschaft, Rahmenvereinbarung - Labordienstleistungen 2016 - 2018 für Gewässerschutzanlagen, Wasserversorgungen und Tunnelwaschwasser - Losvergabe, Abgabe:
09.06.2015, 11:00 Uhr
TIROL
TIGEWOSI, Baumeisterarbeiten, HSL-Installationen, Elektroinstallationen Bauvorhaben Völs, Albertistraße 4, Abgabe: 09.06.2015, 10:30 Uhr
Einfach zu öffentlichen Aufträgen
w w w.ve r g a b e p o r t a l . a t
IMMO-TRENDS
GEWERBEIMMOBILIEN
VORARLBERG
Miete, Mai 2015
AngebotsTendenz gg. April '15 Nettopreis
Lokal
Geschäfts-
Büro
(in €/m²)
Alle Bezirke
7,7
Bludenz
7,6
Bregenz
7,4
Dornbirn
7,0
Alle Bezirke
9,2
Bregenz
7,2
WirtschaftsBlatt
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
ImmobIlIen
26 |
Grafik/mp
Quelle: www.immobilien.net
SICHERHEIT
Gebäudeschutz
muss laufend
Neues bieten
Unternehmen, die Sicherheitslösungen für gewerbliche Immobilien anbieten, können sich über
hohe Wachstumsraten
freuen. Dafür müssen sie
permanent Innovationen
entwickeln.
Von melAnIe mAnneR
D
er Bedarf an Sicherheitslösungen steigt wahnsinnig. Global beträgt
das wachstum in diesem Bereich 20 Prozent pro Jahr“,
sagt thomas Streimelweger, cEo
von KiwiSecurity. Die automatische Videoanalyse von Besucherbewegungen ist sein Spezialgebiet
– wie viele Besucher eines Einkaufszentrums sich etwa in welche Richtungen bewegen, wo sich
Schlangen bilden. heuer soll sich
der siebenstellige umsatz von
KiwiSecurity mehr als verdoppeln. Gerade in den uSA würde
auf stärkere Überwachung gedrängt. „Für uns bedeutet das, in
den uS-Markt zu gehen.“
Aber auch in Österreich mehren sich Anfragen von unternehmen. 13 Produkte vertreibt KiwiSecurity, jährlich kommen ein
oder zwei hinzu. Als nächstes
etwa eine Softwarelösung, die
erkennt, wenn eine Sicherheitskamera vandalisiert wird.
Zutritt via Handy
Der wiener Anbieter von Zutrittslösungen EVVA setzt seit
einem Jahr auf die Zutrittsberechtigung via handy-App. Das „AirKey“-System nutzt Smartphones
mit nFc-Übertragungsstandard
als Schlüssel. Der neue Standard
ermöglicht den Datenaustausch
via Funktechnik über Strecken
von wenigen Zentimetern. Ein
Schließzylinder kostet 389 €. Zu
den Kunden, die AirKey nutzen,
gehören eine Supermarktkette
und ein Bankenkonzern.
„Üblich sind elektronische Zutrittssysteme dort, wo es mehr als
800 Mitarbeiter gibt und viele
Leute zu unterschiedlichen Zeiten
raus- und reingehen“, sagt EVVABusiness Solution Manager
herbert Maté. Allerdings wird der
Zutritt oft über Karte oder Schlüsselanhänger geregelt. „Es gibt
mehr als 50 Anbieter mit proprietären Systemen. in Zukunft
werden sich aber gemeinsame
Standards herauskristallisieren.“
ob sich der Zutritt via handy
durchsetzt, wird sich erst weisen.
Das wiener neustädter unternehmen Sorex wireless Solutions
In Zukunft werden
sich gemeinsame
Standards herauskristallisieren.
HERBERT MATÉ
EVVA
Das Bedürfnis nach Hightech-Sicherheitslösungen
wächst.
bietet seit elf Jahren handy-Zutrittslösungen via Bluetooth und
steigert seinen umsatz laut Eigenangaben seit 2013 jährlich um 40
Prozent. Genaue umsätze werden
nicht bekanntgegeben. Aktiv vermarktet werden die Produkte erst
seit Ende 2014. Der Zulauf war unerwartet. „Die Firmenlösungen
gingen uns bereits im März aus“,
sagt Key Account Manager Xenia
Berger. „Das interesse an Gebäudesicherheit ist eindeutig gestiegen.“ Sorex entwickelt die Software nun weiter. „Zum Beispiel,
dass man einem Mitarbeiter die
Berechtigung sperrt und trotzdem
sehen kann, ob er versucht, einzudringen.“
Für thomas haiden, Vertriebsleiter von Bosch Sicherheitstechnik Österreich, ist der Zutritt via
handy ein Sicherheitsrisiko.
Bosch setzt auf Kartenlesesysteme.
haiden sieht einen trend zu
Multichannel-Lösungen: Die Zutrittskontrolle wird mit Videoanalysesystemen und Alarmanlagen
unter einem Schirm verbunden.
„wir rechnen mit wachstumsraten von drei bis vier Prozent im
Sicherheitsbereich, da dieser stark
an das wachstum der Bauwirtschaft gekoppelt ist.“
Die Autorin des Artikels erreichen Sie
unter [email protected]
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
ImmobIlIen
| 27
Foltin π, iStock
ANZEIGE
Verband. neue Richtlinie für
Zutrittskontrollanlagen
Die Sicherheitsbranche ist
diskret – auch, was die eigenen
umsätze angeht. „Es gibt nur
uralte Branchenzahlen“, sagt
thomas Forstner, Generalsekretär des Verbands der Sicherheitsunternehmen Österreichs
VSÖ. Der VSÖ sammelt unter
seinen 66 Mitgliedern Daten, die
Ende des Jahres in einer Statistik
präsentiert werden sollen.
Erkennbar sei bereits jetzt ein
deutliches wachstum. „Polizeiwachen werden gestrichen. Dafür wächst das Bedürfnis der
Menschen nach eigenen Maßnahmen.“ Die Sensibilisierung
sei gestiegen. Für unternehmen
gehe es aber weniger um Dämmerungseinbrüche, sondern um
themen wie Sabotage oder
Spionage, sagt Forstner. Daher
gehe die Sicherheit weit über die
reine Zutrittssicherung hinaus.
Erkennbar sei auch, dass die
unterscheidung zwischen den
drei Fachgruppen elektronische
Sicherheitstechnik – sie beinhaltet zwei Drittel der Mitglieder,
mechanische Sicherheitstechnik
und Sicherheitsdienstleistungen
zunehmend verschwimme. „Es
zeichnet sich ab, dass mittelfristig die Fachgruppen zusammenwachsen werden.“
Gegen den „Wildwuchs“
Eckdaten über die eigene Branche zu sammeln, reicht Forstner
noch nicht. Er will auch Klarheit
über qualitative Standards. Bis
herbst soll die neue Richtlinie
oVE R10 herauskommen, die
sich mit „Alarmanlagen – Planung, Einbau und instandhaltung von Zutrittskontrollanlagen“ befasst. „Bisher war hier
ein kompletter wildwuchs vorhanden.“
wichtig sei das auch deswegen, weil ständig neue Anbieter
in die Branche drängen. „wir bekommen Anfragen von kleineren unternehmen, vom Klempner bis zum it-unternehmen,
die sagen ‚das baue ich jetzt
auch‘. Die Konzession als Elektriker reicht aber nicht.“ [man]
[email protected]
28 |
FOKUS
Ko M M E R Z i E L L E R t h E M E n S c h w E R P u n K t
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
FOKUS WEIHNACHTSFEIER
Colourbox.de
Nur Frühbucher finden auch
den idealen Veranstaltungsort
Die heiße Planungsphase ist im Juni bereits vielerorts erreicht. Große Unternehmen sollten bis
zu 1,5 Jahre im Voraus die Firmenweihnachtsfeier buchen.
VON CHRISTIAN SCHERL
D
ie Firmenweihnachtsfeier dient als optimale Gelegenheit für den
Arbeitgeber, sich bei
seinen Mitarbeitern zu bedanken.
Mit dem jeweiligen Rahmen
unterstreicht der Veranstalter die
Ernsthaftigkeit seiner Botschaft:
ist das „Danke“ ein echtes Anliegen oder bloß Pflichterfüllung?
Location, Essen, Rahmenprogramm sind die wichtigsten Eck-
pfeiler bei der organisation der
Firmenweihnachtsfeier. oft scheitert es nicht am Budget. „Lieblosigkeit in der Planung ist eine der
größten Sünden bei der organisation der Feier“, sagt Regina Kropff,
Geschäftsführerin der steirischen
werbeagentur keingrammfett. Sie
hat mit www.weihnachtsfeiern.at
ein internetportal ins Leben gerufen, auf dem Restaurants und
hotels die Möglichkeit haben,
sich Firmen und Privatpersonen
als top-Location für die weihnachtsfeier zu präsentieren. „wir
suchen schöne Locations, Geheimtipps, gute caterer, aber auch
Feuerkünstler, Dekorateure, DJ‘s
für ein umfangreiches Rahmenprogramm“, sagt Kropff. Derzeit
stehen 18 Betriebe auf dem Portal.
weitere acht Betriebe kommen
demnächst hinzu. Am stärksten
vertreten sind die Bundesländer
Salzburg und oberösterreich.
„Die Erfahrung hat gezeigt, dass
immer mehr Großfamilien vor
weihnachten ein paar gemeinsame, schöne tage verbringen wollen. Die sollen auf der Plattform
ebenso fündig werden wie unternehmen, die für ihre Mitarbeiter
ein schönes, gemeinsames Erlebnis schaffen wollen“, so Kropff.
neben der kontinuierlichen Erweiterung samt laufender Such-
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
Ko M M E R Z i E L L E R t h E M E n S c h w E R P u n K t
FOKUS
| 29
Odörfer
maschinenoptimierung, wird das
Portal in Zukunft auch den weg
in die sozialen netzwerke antreten um persönliche Geschichten,
Erlebnisse und Empfehlungen
einzufangen.
Buchen im ersten Quartal
Auch für das Grazer haustechnikunternehmen odörfer ist die
weihnachtsfeier ein bewährter
weg, um sich beim Personal am
Ende des Jahres für den geleisteten Einsatz zu bedanken. Deshalb
werden die Veranstaltungsorte
schon frühzeitig ausgewählt, immerhin gilt es jährlich vier weihnachtsfeiern abzuhalten – für jede
Region, in der die Firma vertreten
ist, eine eigene. nur im vergangenen Jahr kamen anässlich eines
Firmenjubliäums alle Mitarbeiter
in Graz zusammen. „Je früher man
seine wunschlocation aussucht,
desto eher bekommt man sie“, berichtet Susanne Schneider, geschäftsführende Gesellschafterin
von odörfer. „Seitdem wir einmal
mit der Planung zu spät dran waren, fixieren wir unsere termine
bereits im ersten Quartal.“ Meist
kommen dabei die Freitage im Advent in Frage. Dann haben nämlich zahlreiche Mitarbeiter am
wochenende frei, mit Ausnahme
derer, die in der Ausstellung tätig
sind.
Je größer, desto früher
Begehrte objekte sollten also
rechtzeitig reserviert werden. Ab
einer Größe von über 100 Gästen
sind mindestens sechs bis sogar
18 Monate Vorlaufzeit einzuplanen. Kleinere Betriebe können
sich mehr Zeit lassen und finden
auch kurzfristig noch attraktive
Veranstaltungsorte. „weihnachtsfeiern liegen generell im Abnehmen“, beobachtet christian herzig, Event- und Sales Manager von
Starcatering (www.starcatering.
at). „Aus diesem Grund ist es für
Klein- und Mittelunternehmen
leichter geworden, auch nach den
Sommerferien noch eine geeignete Location für die weihnachtsfeier zu bekommen.“ neben den
exponierten Feiertagen, bei denen
eine rechtzeitige Buchung notwendig ist, gäbe es bis zu zwei
wochen vor der Feier realistische
chancen auf attraktive Räumlichkeiten. Allerdings zahlt sich eine
rechtzeitige Buchung auch finanziell aus. Viele Anbieter locken
mit einem Frühbucherbonus. So
auch Starcatering. Buchungen,
die bis Ende Juni getätigt werden,
Susanne Schneider (GF Odörfer
Haustechnik)
erhalten acht Prozent auf alle
Speisen und Getränke. Das Partyservice- und cartering-unterANZEIGE
30 |
FOKUS
nehmen bietet im wiener
Raum eine Vielzahl an Locations.
Darunter etwa die Kunstfabrik,
das Palais Lichtenstein, wolke 19
im Ares tower und wolke 21 im
Saturn tower oder das Stift Klosterneuburg. Den c3 convention
center in wien-Landstraße betreibt Starcatering sogar selbst.
Bei der Auswahl der weihnachtsfeier-Location zeichnen
sich bei Österreichs unternehmen zwei Extreme ab. „Entweder
sehr günstig, oder sehr hochpreisig“, sagt herzig. „Zur günstigeren
Variante zählen zum Beispiel
Lofts und Fabrikhallen. Dem
gegenüber stehen hochpreisige
innenstadtlokalitäten, wie Museen, Palais, usw.“
Einzigartigkeit und positive
nachhaltende wirkung lassen sich
mit der Firmenweihnachtsfeier
nicht nur durch Räumlichkeit und
Ko M M E R Z i E L L E R t h E M E n S c h w E R P u n K t
Mit unserer Eventagentur vermitteln
wir zahlreiche
Künstler.
BARBARA NOWECKI
PRONTOPRONTO
ProntoPronto
Kulinarik, sondern vor allem mit
dem Rahmenprogramm erzielen.
unterhaltungsprogramme liegen
im trend.
Entertainment ist gefragt
Seit Jahren plant und organisiert
die Eventmanagerin Barbara nowecki sowohl für Privatpersonen
als auch für unternehmen unvergessliche Events. Mit ihrer Eventagentur ProntoPronto, deren Sitz
im oberösterreichischen Marchtrenk (www.prontopronto.at) leiget, bietet sie unterschiedliche
Event-Module an. Bei „Dinner Varieté“, kümmert sich der Kunde
selbst um Kulinarik und Räumlichkeit und die Eventagentur organisiert die unterhaltung bei
tisch, Bühnenprogramm, Bühne
und technik. in der Modul-Variante „Event extern“ übernimmt
ProntoPronto die organisation
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
von Location, Kulinarik und Show.
unter dem Modul „Event intern“
lässt sich die weihnachtsfeier
samt Show in der eigenen Firma
umsetzen. „Die Firmen suchen für
ihre Mitarbeiter ein weihnachtliches Programm, bei dem trotzdem gelacht werden darf“, sagt
nowecki. „Am besten gebucht ist
die übliche Kellnershow, die musikalischen Beiträge sind weihnachtlich.“
Mit der Mitarbeitergröße
wächst auch die Zahl der gebuchten Künstler. Bis zu zwölf Künstler stehen bei ProntoPront unter
Vertrag. Am häufigsten werden drei bis fünf Künstler als Rahmenprogramm für die Feier exklusiv gebucht. Begehrte termine
sind für 2015 schon lange vergeben. noweckis Kunden kommen
vor allem aus der Auto-, Pharma-,
Banken-, Versicherungsbranche.
Ausbruch aus der jährlichen Routine
I
mmer derselbe Ablauf – hat
sich eine Firmenfeier bewährt,
ist klar, dass man am Erfolgskonzept festhält. häufig hadern
die Firmenchefs aber mit dem
Problem, dass der Schwung alter
weihnachtsfeiern verflogen ist.
Dann heißt es raus aus dem Einheitsbrei und mutige Schritte setzen, die dem teamgeist gut tun.
Kleine Firmen tun sich leichter. Je
größer die Belegschaft, desto
mehr Vorlieben müssen berücksichtigt werden. Das beginnt bei
der Speisenauswahl: wurde an
Vegetarier, Veganer und Allergiker gedacht?
Besonderes Ambiente
Statt Firmenansprachen wünschen sich viele Mitarbeiter lieber
eine Annäherung mit der Führungsetage auf menschlicher Ebene. Das gelingt in exotischen Lo-
Colourbox.de
Kommen: weihnachtsfeiern in
Almhüttenathmosphäre. in
Schladming bietet die Familie
höflehner eine Almhütte für bis
zu 100 Gäste. Das Rahmenprogramm beinhaltet viele outdoorAktivitäten, wie Pferdekutschenfahrt und Fackelwanderungen.
wer völlig in eine andere Zeit eintauchen möchte findet im Salzburger Freilichtmuseum in Großgmain verschiedene historische
Gebäude, die sich hervorragend
für festliche Anlässe eignen und
von 20 bis 160 Personen Platz bieten.
Gefragt sind zum Beispiel Almhütten; das Rahmenprogramm kann
dabei Pferdekutschenfahrten und Fackelwanderungen beinhalten.
cations meist besser als in klassischen. thermen haben zum Beispiel den trend erkannt und
schnüren gezielt Firmen-well-
ness-weihnachtsfeierpakete. Zum
Beispiel die therme Geinberg in
oÖ oder die St. Martins therme
& Lodge im Burgenland. Auch im
Slalom um die Adventzeit
Gerade vor weihnachten herrscht
in vielen unternehmen großer
Stress. Der Dezember ist aufgrund
der weihnachtsfeiertage ohnehin
beschnitten. Jahresabschlüsse,
letzte Deals gilt es unter Dach und
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
Fach zu bringen. Eine Firmenweihnachtsfeier passt da häufig
gar nicht ins Programm. warum
also nicht die Feier auf stressfreiere Monate verlegen. Viele Firmen verzichten daher auf die klassische weihnachtsfeier und visieren Ende oktober und november
oder Jänner als Miterbeiterfest an.
Vor allem große Konzerne, die
ihre mehrere weihnachtsfeiern
organsieren müssen, weichen gerne auf die Adventfreie Zeit aus.
Der Vorteil: Begehrte Locations
sind leichter zu buchen und in der
Regel kostengünstiger. Starcartering bietet zum Beispiel zehn Prozent wochenstarter-Bonus an. Alle weihnachtsfeiern, die vor dem
ersten Dezember stattfinden, werden mit einem Rabatt von zehn
Prozent auf Speisen und Getränke
belohnt.
Ko M M E R Z i E L L E R t h E M E n S c h w E R P u n K t
FOKUS
| 31
Colourbox.de
Damit nicht jede Firmenweihnachtsfeier gleich abläuft, eignet
sich die Einführung eines Mottos.
Viele gute ideen dazu liefert etwa
die Eventagentur Phoenix club
Events. Einerseits gibt es mit dem
Phoenix Superclub Vienna eine
buchbare Eventlocation mit topRestaurant. Andererseits bietet
die Eventagentur Phoenix club
Events auch Eventorganisation an
unterschiedlichsten wiener
Standorten, wie etwa der hofburg.
Mörderjagd & Kochlektion
Die Agentur unterstützt auch bei
der umsetzung origineller Eventideen. Etwa das „mörderische
weihnachtsdinner“, bei der im
Zuge der Feier die Mitarbeiter in
teams, den mysteriösen Mord
unterm christbaum zu lösen ver-
Bei Kochworkshops werken die Mitarbeiter ganz ohne der im Betrieb üblichen Hierarchie zusammen.
suchen. Für kleinere Firmen bieten sich auch workshops statt
klassischer weihnachtsfeiern an.
Etwa Kochworkshops, bei denen
chefs und Mitarbeiter ihr Gericht
für die weihnachtsfeier selbst
herstellen. Der Eventfantasie sind
dabei fasz keine Grenzen gesetzt.
ANZEIGE
32 |
Businesstalk
Redaktion Alexander Pfeffer
[email protected]
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 3. Juni 2015
GALA
$
Peroutka (3)
Fest der
Familienerfolge
wiEn. Eine Gala für Österreichs beste Familienunternehmen:
Das wirtschaftsBlatt hatte gemeinsam mit seinen Partnern, dem
Bankhaus Spängler, BDo Austria und der Österreichischen notariatskammer, in die Aula der wissenschaften geladen. Zum Vorarlberg-Sieger wurde dabei der Papier- und wellpappe-Erzeuger
Ganahl AG aus Frastanz gekürt. Der Österreich-Sieg ging an
die Fussl Modestraße Mayr Gmbh. Finanzminister hans Jörg
Schelling hielt die Festansprache, in der er sich für den
Einsatz und das Engagement der Familienunternehmen
bedankte, und Karl-heinz Strauss, Vorstandsvorsitzender der Porr AG, war der Keynote-Speaker
des Abends. Rund 300 Gäste konnten bei der
anschließenden Feier auf die
Gewinner anstoßen.
"
&
#Rondo Ganahl ist Vorarlbergs bestes Familienunternehmen 2015: Notariatskammer-Präsident Ludwig Bittner gratuliert Aufsichtsrat Michael Steurer, dem stv. Aufsichtsratsvorsitzenden Carl Markus Ganahl sowie Vorstandsvorsitzendem Dieter Gruber (v. l.). !Christoph Neumayer (l.), Generalsekretär der Industriellenvereinigung, mit Karl-Heinz Strauss, Vorstandsvorsitzender der Porr AG und Keynote-Speaker
der Veranstaltung, beim festlichen Empfang mit rund 300 Gästen. % „In einer wirtschaftlich anspruchsvollen Zeit sind solche Veranstaltungen von besonderem Wert“: Finanzminister Schelling im Einsatz als Festredner bei der Gala in der Aula der Wissenschaften. Gästen.
Ihr Event ist unser Business
Ein rundes Jubiläum, das Ihr Unternehmen feiert, eine festliche
Präsentation, zu der Sie Business-Partner laden, oder ein Galaabend, der mit hochkarätigen Gästen über
die Bühne geht: Halten Sie uns auf dem Laufenden, schicken Sie uns Informationen und mailen Sie uns!
[email protected]